Dimensionen in Sachen #CometLanding

Stelle dir einen Ball mit dem Durchmesser von 1,5 Meter vor. Das ist dein Modell des Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko, der im Original 2 Kilometer groß ist.

Den bringst du nun 384.400 Kilometer weit auf den Mond und kommst dann wieder zurück auf die Erde. Das Modell der Sonne begegnet dir auf rund einem Viertel dieser Strecke und ist maßstabgetreu etwa 1.000 Kilometer groß.

Zurück auf der Erde, die übrigens in unserem Modellbaukasten etwa 1 Kilometer groß ist, suchst du dir eine Stecknadel. Eine aus Metall mit einem kleinen Stecknadelkopf. Den sägst du ab. Das ist dein Modell von Rosetta, darauf die Landeeinheit Philae.

Diesen Stecknadelkopf schießt du kontrolliert mit einer winzigkleinen Ariane-Rakete kontrolliert etwa 10 Zentimeter in die Luft. Die Höhe deines Erdorbits.

Von dort musst du nun deinem Stecknadelkopf genau den Drive geben, damit er so viel Schwung bekommt, um zum 1,5 Meter großen Ball auf den Mond zu fliegen und dort auf einen Orbit einschwenken kann. Der Schwung muss so sitzen, dass der Flug 10 Jahre dauert, komme aber mit deinem Stecknadelkopf bitte genau auf den Tag an deinem Ball auf dem Mond an.

Kleines Hindernis ganz am Ende deiner Reise, direkt an deinem Ball: Du kannst deinen Stecknadelkopf nicht mehr per Echtzeit steuern, noch nicht mal ansatzweise. Jedes Signal ist 28 Minuten unterwegs. Und zwar von einer bis zur anderen Seite. Der Rückweg für die Antwort dauert noch mal 28 Minuten. Und du hast keine Ahnung, wie dein Landeplatz aussehen könnte, wie überhaupt der Ball aussieht und weißt eigentlich nur, dass du genau eine einzige Chance hast, das Ding auf diesen fast schwerelosen Ball zu kleben und dass selbst nach einer perfekten Landung das Ding nur ein paar Wochen Forschungszeit hat, bevor es kaputt gehen wird.

Willkommen in der modernen Raumfahrt. Und glaube jetzt nicht mehr, dass die Leute bei der ESA, der DLR, aber auch der NASA, Roscosmos und allen anderen Raumfahrtagenturen dieser Welt Verrückte sind. Du weißt es nun, dass sie es eindeutig sind.

Die ISS.

Nun schwirrt die ISS, die International Space Station, schon seit einigen Jahre auf dem Firnament herum und ist bisher immer noch nicht heruntergefallen – nur gesehen habe ich sie nie. In klaren Nächten und zu bestimmten Zeiten (nämlich vor Sonnenaufgang oder kurz nach Sonnenuntergang) und natürlich dann, wenn die Route auch stimmt und sich das Ding im richtigen Winkel zum Beteachtungsort im Hinblick auf die Sonneneinsrrahlung befindet.

Kurzum: Nicht so oft. Und weil gestern Abend gegen 19:30 Uhr in SWR3 ein Kurzinterview mit einem Wissenschaftler lief, der für ca. 19:45 Uhr für den süddeutschen Raum einen gut sichtbaren Vorbeiflug der ISS ankündigte, stellte ich mich für ca. 10 Minuten mit Mantel auf den Balkon und machte den Hans-guck-in-die-Luft.

Und tatsächlich, das Ding kam vorbei. Sah aus wie ein viel zu schnelles Flugzeug, blinkte nicht und war vor allem deshalb gut zu erkennen, weil es erheblich heller war, als jeder Stern und jeder der größeren und näheren Planeten, die wir so am Himmel sehen können.

Nein, es hat niemand heruntergewunken und ich auch nicht nach oben. Und wenn ihr euch nicht wenigstens ein kleinesbisschen für Raumfahrt und die Fliegerei begeistern könnt, wird euch diese kleine Freude, die man bei der Beobachtung solcher spektakulären und kostenlosen Dingen empfinden kann, ewig verschlossen bleiben.

Gedächtnis-Assoziationen.

Dass der menschliche Verstand ständig mit Assoziationen und Eselsbrücken arbeitet, sollte ja inzwischen auch schon bei den Menschen angekommen sein, von denen man so eine Arbeitsweise des menschlichen Verstands augenscheinlich am allerwenigsten erwartet. Aber nein, ist so.

Ich bekenne mich mal themeneinleitend als einen digitalen Wanderer durch die Geschichte, der sein Mobiltelefon mit aufs Klo nimmt. Weniger deshalb, um von dort Aktien telefonisch zu handeln, sondern um als Junkie, als Abhängiger der Informationswelt, dort kurz meine Mails, News, Tweets, Stupsereien, Gruscheleien und all diese höchst konspirativen Dinge zu verrichten, die sich hervorragend in den engen Zeitrahmen des – sagen wir es, wie es ist – Kackens hineindisponieren lässt.

Wir haben seit einigen Wochen neue Duftsteine in der Kloschüssel hängen. Ganz neuartige Teile mit einem wiederverwendbaren Korb, den man nicht umständlicher- und ekligerweise beim Befüllen vom Schüsselrand wieder abknubbeln muss, sondern in den man einfach einen der neuen Duftsteine hineinsteckt. Diese Duftsteine sehen aus wie ein Kalkrädchen, wie man sie aus dem Stall von Meerschweinchen kennt, mit dem Unterschied, dass die Duftsteine in der Nabe einen sternförmig eingegossenen, gel-artigen Kern haben und wirklich in einer unerhört penetranten Weise fröhlich anmutenden Gestank verbreiten.

Tja, was passiert nun, wenn ich in die so munitionierte Toilette komme? Ich greife zum iPhone bzw. erinnere mich spontan bei diesem Odeur, noch schnell das iPhone zu holen. Das funktioniert aber eben derzeit nur mit diesem Duftstein. Manchmal nervt diese Menschlichkeit einfach nur.

Zehn Hoch.

Dieser dokumentarische Kurzfilm von Charles und Ray Eames stammt aus dem Jahr 1977, ist also mal eben schlappe 32 Jahre alt und ein wissenschaftlich-dokumentarisches Highlight. In knapp 9 Minuten wird der Zuschauer in die unglaublichen Dimensionen des Universum im Großen und im Kleinen geführt, markiert durch die entsprechenden Zehnerpotenzen:

Ich habe den Film irgendwann in meiner Kindheit das erste Mal gesehen und jetzt, nach eben fast schon wieder 30 Jahren, zum zweiten Mal. Und ich muss zugeben, er fasziniert mich so, wie beim ersten Mal.

Migranten kranker als Einheimische?

Der Pharmahersteller Ratiopharm schreibt auf seiner Homepage von einer eigentlich tollen Entwicklung, nämlich der Vorgehensweise, Beipackzettel für alle nicht-verschreibungspflichtigen Medikamente aus dem eigenen Hause nun auch in türkischer Sprache auf der Homepage bereitzustellen. Da man als gute Presseabteilung in der Kunst der hübsch Verpackens bewandert sein sollte, fehlt auch der übliche PR-Sermon nicht, der allerdings ein paar merkwürdige Thesen hat:

„Etwa 2,7 Millionen türkische Mitbürger leben in Deutschland und bilden damit den mit Abstand größten Anteil an Einwanderern. Migranten haben ein deutlich höheres Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko als Einheimische. [..] Höhere Erkrankungszahlen bei Immigranten und eine geringere Compliance [im Sinne von „Mitwirkung des Patienten im Heilungsprozess“, Anmerk. d. Autors] sind auch Kostentreiber. ratiopharm wird durch die Einführung türkischer Beipackzettel seinem erklärten Ziel, zur Kostensenkung im Gesundheitswesen beizutragen, gerecht.“

Ich finde die Feststellung, dass Migranten ein höheres Risiko als Einheimische haben, krank zu werden oder zu sterben, äußerst interessant und werde mal die Firma Ratiopharm befragen, auf welche Zahlen diese Argumentation fundiert.

Wie viel wiegt das Internet?

0,7 mal 10-8 Kilogramm, also ein 14-milliardstel Kilogramm – wenn man dem P.M.-Magazin in einem Gedankenexperiment glauben mag. Wie mag man so eine Rechnung ansetzen? Man könnte Soft- und Hardware „wiegen“.

Bei Hardware wäre es, zumindest in der Theorie, verhältnismäßig nachvollziehbar: Man müsste alle am Internet angeschlossenen Kabel, Router, Switche, Rechner auf eine gedanklich extrem gute Waage legen und das Ergebnis ablesen. Dann käme man vermutlich auf ein gigantisch hohes Gewicht. Software zu „wiegen“, ist dann schon eher mit Theorie behaftet, beispielsweise auf magnetischen Datenträgern (das hat ironischerweise auch das P.M.-Magazin einmal beschrieben, nämlich im Novemberheft 1995).

An sich ändert das Schreiben von Daten auf Disketten nur den Zustand von Magnetpartikeln, viele Daten würden die Diskette also zumindest nicht „schwerer machen“. Allerdings macht das Schreiben von Daten die Diskette leichter, weil hier die einsteinsche Formel E = mc² zuschlagen würde. Eine „leere“ Diskette besitzt unsortierte Magnetpartikel, die ein bestimmtes Maß an Energie besitzen. Das Beschreiben der Diskette sortiert Magnetpartikel in bestimmte Anordnungen an und da geordnete Strukturen physikalisch kühler sind, würde die beschriebene Diskette folglich weniger wiegen. Allerdings alles weitgehend in unmerklichen Kategorien.

Für die Berechnung des Gewichtes des Internet setzt das P.M.-Magazin auf atomarer Ebene an. Jegliche elektronischen Daten basieren auf 0 und 1 – also „Strom an“ bzw. „Strom aus“. Das Beispiel geht von einer 50 Kilobyte großen E-Mail aus: Die besteht aus 4.096.000 Bit und folglich aus etwa 2.048.000 Einsen, für die Strom gebraucht würde. Für deren Verarbeitung werden 8.000.000.000 (8 Milliarden) Elektronen benötigt. Ein Elektron wiegt 0,000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.9 Kilogramm, folglich würde die Nachricht dann ein 18-Quadrillionstel Kilogramm wiegen. So viel wie doch schon immerhin 21.000 Blei-Atome.

Um nun das Internet zu gewichten, bedienen sich die Autoren einer Aussage von Clifford Holliday, dem Autor des Buches „Internet Growth 2006“, der schätzt, dass der tägliche Datenverkehr im Internet 40 Petabyte beträgt. Und daraus ergibt sich dann das 14-milliardstel Kilogramm.

Das aktuelle Märzheft von P.M. ist übrigens nach langer Zeit wieder ein von vorn bis hinten interessantes Heft. Witzig ist der zitierte P.M.-Ameisen-Blog.

Schwarze Löcher am CERN und so.

Golem.de hat ein schönes Interview mit dem Wissenschaftler Otto E. Rössler, der über die Gefahren des im Bau befindlichen Large Hadron Collider (LHC), dem neuen Teilchenbeschleuniger, referiert. Oder mutmaßt. So recht weiß keiner, was das CERN in seinem zukünftigen Teilchenbeschleuniger am Ende erzeugt, am allerwenigsten die CERN-Wissenschaftler selbst. Eines wissen sie aber: Es ist absolut ungefährlich. Richtig niedlich ist das ebenfalls im Artikel angehängte Interview mit Michelangelo Luigi Mangano, einem leitenden Wissenschaftler am LHC-Projekt.

Einem Zitat von Mangano kann ich nicht widerstehen, dass es mir als eingefleischten Science-Fiction-Liebhaber sehr angetan hat:

„Wir sind uns der Sorgen bewusst, die in der Öffentlichkeit kursieren. Das CERN wird in ungefähr einem Monat eine Broschüre zum Thema veröffentlichen. Wir haben hier alle Familie, Freunde, Kinder und Verwandte und wir würden sie nie Gefahr aussetzen. Wir haben uns hier sehr intensiv mit diesen Fragen beschäftigt. 99,99 Prozent meiner Kollegen glauben, dass die schwarzen Löcher zerstrahlen werden. Nichtsdestotrotz nehmen wir in der genannten Publikation an, dass sie stabil bleiben könnten. Doch selbst dann sollten sie ungefährlich sein: Schwarze Löcher bewegen sich sehr schnell. Somit würden sie theoretisch direkt durch die Erde hindurchfliegen. Jene, die etwas langsamer wären und von der Erdanziehung eingefangen würden, blieben zwar im Erdkern bestehen und könnten tatsächlich Materie aufnehmen. Doch würden sie selbst nach 5 Billionen Jahren – die Zeit, bis die Sonne erlischt – nur ein paar Kilogramm wiegen. Schwarze Löcher verhalten sich ein wenig wie das elektrisch neutrale Neutrino. Sie reagieren nur sehr langsam und können durch mehrere tausend Kilometer Eisen fliegen, bevor sie überhaupt mit etwas zusammenstoßen.“

Das kann ja heiter werden. Dem mündigen, deutschen Bürger will man gewalttätige Computerspiele verbieten und ein paar Physiker, die viel glauben, wenig wissen, aber immerhin sicher sind, dass alles ungefährlich ist, dürfen am Schalter der Apokalypse herumspielen und ein kleinwenig Gott spielen. Haben die vorher gefragt? Wissen eigentlich die Politiker, die solche Förderanträge unterschreiben, was sie da eigentlich genehmigen? 😕

Jupiter verliert seine Farbe.

Zugegeben, als ich das in unserem Lokalblatt gelesen hatte, dachte ich eigentlich zuerst daran, dass es doch tatsächlich einen Redakteur hier gibt, der das Kultbuch 2010 von Arthur C. Clarke kennt, in dem unter anderem genau das passiert. Dabei haben wir doch erst 2007. Tatsächlich passieren auf dem Jupiter derart seltsame Dinge, so dass in den letzten Wochen einige verschiedenfarbige Wolkenbänder miteinander zusammengelaufen sind.

Im Buch gibt es dafür eine einfache Erklärung: Durch eine Mutation der Monolithen (kann man hier nicht erklären, bitte die Bücher 2001, 2010, 2061 und 3001 lesen, lohnt sich auf jeden Fall) wird der Jupiter quasi verschluckt und endet nach einer urknallähnlichen Implosion als zweite Sonne, die fortan der Erdbevölkerung zeigen soll, dass sie eine zweite Chance bekommen hat, aus welchem Grund auch immer.

Die Monolithen hat anscheinend noch niemand gefunden, deshalb wird die Implosion und die Geburt der zweiten Sonne wohl vorerst nicht stattfinden. Eigentlich auch irgendwie schade, im Film sah das eigentlich recht nett aus.