Zur deutschen „Wired“.

Natürlich hätte ich es besser wissen können. Die deutsche Ausgabe von „Wired“ kann nicht eine grundlegend andere „Wired“ sein, wie das amerikanische Original. Ein Magazin, das von vielen so genannten Geeks geschrieben wird und sich an Wannabe-Geeks richten soll. An die Kategorie von Möchte-gern-Geeks, die vom neuesten Nippes und Gadget in den üblichen Kanälen noch nichts mitbekommen haben und im Gegensatz zu den echten Geeks den Krempel, der da angeboten wird, potentiell auch viel eher kaufen geht. Demzufolge überrascht es überhaupt nicht, dass die Erstausgabe der deutschen „Wired“ nicht im Einzelverkauf erhältlich ist, sondern als Beilage zur Zeitschrift „GQ“ erscheint, einem der bunten und glücklicherweise völlig belanglosen Magazine für so genannte Männer.

So überraschen die Artikel, die nichts mit Netzkultur zu tun haben, auch überhaupt nicht. Von einem „Wissenschaftler, der in einem 140 Jahre alten Labor versucht, den besten Gin der Welt zu brennen“. Oder einem Artikel, der in gefühlten fünf Sätzen erklären möchte, wie „nasse Hunde, Ratten und Bären helfen, die perfekte Waschmaschine zu konstruieren“. Das ist DMAX-Niveau, wobei glücklicherweise (noch) die American Chopper und die ganz furchtbaren Ludolfs fehlen.

Die wirklich interessanten Geschichten erkennt man sehr einfach: Es sind allsamt bereits in der Blogosphäre bekannte Gesichter, die auch in der „Wired“ keine grundsätzlich andere Haltung darlegen und deren „Wired“-Artikel vermutlich zu den kürzesten Artikeln gehören, die sie je geschrieben haben. Die einzig wirklich interessante Rubrik, die „Fünf Stimmen“, in denen fünf Kolumnisten über „eine neue Zeit und ihre Menschen“ philosophieren, hat einen guten Ansatz, der allerdings nicht über die reicht berichterstattende Erklärweise hinausreicht. Doch halt: An einer Stelle wird es dann doch fast philosophisch: Bei einer Vorstellung von Menschen, die mutmaßlich die Welt verändern wollen und offenkundig daher als Geeks tituliert werden und denen das Magazin in bester Schlagzeilenmanier die Welt geben möchte.

Der Rest der elektronischen Ausgabe auf dem iPad, die ich gekauft habe, ist hochgradig nerviges Geklickere, Gezapple und akustisch nervtötendes Generve, das das Ding auf schlappe 660 Megabyte aufbläht. Und penetrante BMW-Werbung mit Autos, die es nicht zu kaufen gibt. Aber das ist dann schon wieder für viele Menschen geekig genug.

Die deutsche „Wired“ braucht, so wie das amerikanische Original, schlicht kein Mensch, weil sie trotz vieler Seiten, bunten Bildern und einem hier und da recht kreativen Layout eigentlich nichts sagt, was man als die vermeintliche Zielgruppe nicht schon mal im Web irgendwo gelesen hätte. Und daher ist die „Wired“ eher ein Magazin für Menschen, die sich dazugehörig fühlen, aber möglichst keinen Aufwand betreiben wollen oder von alldem keine Ahnung haben, aber etwas hippes Papier auf dem Interlübke-Regal ausgelegt sehen wollen.

Wer nicht pariert, wird gefloppt.

Die Fernsehzeitschrift „Auf einen Blick“ aus dem Heinrich Bauer Verlag gehört zu den eher kleingeistigeren Fernsehzeitschriften im Land, die sich mit ihrem „Empört-euch!“-Stil im Magazinteil vornehmlich an die Rentnerfraktion wendet, was auch ganz anschaulich durch den Tenor der Annoncen flankiert wird. Jedenfalls findet sich in jeder Ausgabe dort auf der Doppelseite „Promis der Woche“ eine wöchentlich wechselnde Rubrik, in der der „Top“- und „Flop“-Promi der Woche gekürt wird. Der „Flop“-Promi dieser Woche hat es sich dabei wohl gehörig mit der Redaktion verscherzt:

„Kim Weisswange
Anrüchig

Das ist gar nicht dufte! Letzte Woche gab die Hamburger Parfümeurin Kim Weisswange (47) bekannt, dass sie einen Hochzeitsduft für Prinz William und seine Kate kreiert habe – im Auftrag des Königshauses. Auch auf einen Blick berichtete. Jetzt stellte sich heraus, dass sie gar keine Bestellung erhalten hat, sondern nur ein Standardschreiben, in dem man das „Werbegeschenk“ dankend ablehnte. Peinlich!“

Tja, das kommt davon, wenn man als Redaktion das mit der Recherche nicht ganz so genau nimmt und abtippselt, was da einem auf den Tisch flattert. Da gaben sich andere Medien in der Thematik dann schon mehr Mühe, beispielsweise das Hamburger Abendblatt. Allerdings befindet sich „Auf einen Blick“ dennoch in ganz brauchbarer Gesellschaft, denn offensichtlich ebenfalls auf den Leim getreten sind unter anderem Welt Online, selbstverständlich auch Bild Hamburg und zur besonderen Krönung auch der Norddeutsche Rundfunk.

Die unsinnige Abgrenzung zwischen Print- und E-Abos.

Seit dem Jahr 2001 bin ich Abonnent des SPIEGEL. Und zwar noch in der ursprünglichen Fassung, nämlich auf Papier, herkömmlich geliefert per Postboten, montagmorgens in den analogen Briefkasten. Das kostet mich derzeit schlappe 189,80 Euro pro Jahr, einmal pro Jahr im Voraus per Kreditkarte bezahlt. Sparen tut der SPIEGEL Verlag durch dieses Abonnement mindestens 3,94 %, denn dies ist die Ersparnis, die der Abonnent durch den Kauf des Heftes im Abo (3,65 Euro pro Heft) gegenüber dem Kauf im Kiosk (3,80 Euro pro Heft) macht. Ersparnis des Abonnenten pro Jahr: 7,80 Euro.

Als Onliner, der seine tägliche Portion Nachrichten ausschließlich online konsumiert, ist das SPIEGEL-Abonnement an sich reiner Fetisch, den ich aber durchaus zelebriere. Der SPIEGEL ist gern mal Lektüre am Mittagstisch oder beim Dösen auf der Couch. Das Heft wird von mir und meinen Eltern gelesen und jedes Heft hat nach Ende seiner Gültigkeitswoche meist noch eine hoffnungsfrohe Rentenzeit bei meiner Schwester oder Cousins vor sich. Es ist also nicht so, dass die Mission des Papieres nicht von mir weitergetragen würde.

Das Online-Abonnement des SPIEGEL kostet pro Jahr ebenfalls 189,80 Euro und das ist, wenn man es genau nimmt, dreist. Dieser Preis ist nämlich reine Abgrenzung, denn im Gegensatz zum Papier-SPIEGEL entfällt der Kostenpunkt Druck gänzlich und der Kostenpunkt Distribution kommt durch die Online-Distribution deutlich kleiner daher. Man verdient an dem Stück Elektroerzeugnis also durchaus eine ganze Menge und an sich lohnt sich das Online-Abonnement eigentlich deshalb nur für diejenigen, die den SPIEGEL entweder im Ausland lesen oder schon Samstags ab 22 Uhr das Magazin brauchen, denn in beiden Fällen ist die Print-Variante teurer. Letztendlich alles im Rahmen des Nachvollziehbaren.

Nicht nachvollziehbar ist die Abonnementform des Online-Abonnement für Print-Abonnenten. Denn wer den Papier-SPIEGEL abonniert hat, muss für ein Online-Abonnement noch etwas dazulegen, nämlich 13 Euro pro Halbjahr, damit also 50 Cent pro Ausgabe, was das Abo dann eigentlich sogar deutlich teurer machen würde, als wenn man sich das Heft wieder im Kiosk kauft und ein paar Wochen wartet, bis jede Ausgabe des SPIEGEL komplett online verfügbar ist.

Sprich: Die Print-Abonnenten, die ja nach wie vor die Zugpferde der Auflagezahlen sind und die engste Bindung zum Blatt darstellen, sind diejenigen, die dafür bestraft werden, wenn sie sich zusätzlich für das Online-Abonnement interessieren. Sind wir Print-Abonnenten so gefährlich, dass man sie von den Online-Abonnements fernhalten muss? Oder müsste man ihnen eigentlich nicht eher dankbar dafür sein, dass sie mit ihrem Fetisch, Papier in der Hand haben zu wollen, immerhin noch den Leuten an der Druckmaschine die Brötchen sichert?

Das geht nicht in meinen Kopf. Bei Provinzblättchen, deren Kundschaft tatsächlich irgendwann einmal weitgehend wegstirbt und die nachfolgende Generation schon jetzt mit Bratwurstjournalismus eher wenig anfangen kann, verstehe ich das ja noch und schüttle schon gar nicht mehr meinen Kopf, aber beim SPIEGEL wundert mich das bis heute.

Das einfache Rätsel.

Die Zeitschrift Tina meint es ja gut, wenn sie Rätsel stellt. Und nichts passt besser zwischen Kaffee und Kuchen, als ein Rätsel, bei dem man als Leser nicht allzuviel dabei denken muss. Also hat man sich wohl gedacht, machen wir doch mal ein kleines Rätsel und bringen in jeder Ausgabe zum Jubiläum des Führerscheines eine Abbildung des Führerscheins eines Prominenten und lassen die Leser raten, wer das auf dem Foto ist:

Führerscheinrätsel in der Zeitschrift Tina

Wer die Lösung ganz unten nicht lesen kann – die Dame auf dem Führerschein ist Anja Schüte. Kann man kennen, muss man aber nicht.

Die Dame im nächsten Rätsel müsste man eigentlich auch nicht kennen, wenn das Rätsel nicht einen kleinen, architektonischen Fehler hätte:

Kaputtes Führerscheinrätsel in der Zeitschrift Tina

„Tomorrow“ war gestern.

Als ich heute gelesen habe, dass das so genannte „Digital-Lifestyle-Magazin“ Tomorrow vom Burda-Verlag eingestampft wird, empfand ich nur wenig Mitleid. Ich ertappte mich gar mit dem verstörenden Gedanken, dass es den Verantwortlichen Recht geschieht. Und das es eigentlich viel zu lange gedauert hat. Niemand braucht die „Tomorrow“. Niemand hat sie je gebraucht.

Mein erster Kontakt mit der Tomorrow entstand durch das, wegen was ich die Tomorrow von Anfang hasste: Sie setzte von Anfang an vor allem auf den „Titten-Faktor“ und montierte weitgehend hübsche Frauen auf den Titel, um damit die vornehmlich männliche Leserschaft auf sich aufmerksam zu machen. Schon damals schrieb ich einen Satz im Usenet, der immerhin näherer Anwärter auf ein offizielles Law war: Traue nie einer Computerzeitschrift mit schönen Frauen auf dem Cover.

Ich bin wirklich weit davon entfernt, prüde zu sein. Mir missfiel allerdings eine Aktion gewaltig: Die Redaktion der Tomorrow schickte mir 1998 oder 1999 unaufgefordert ein Belegexemplar, weil sie in dieser Ausgabe über netplanet geschrieben haben. Und natürlich haben sie diese Ausgabe nicht einfach in einen Umschlag verpackt, sondern in einer Klarsichthülle als Einzelsendung, so dass ein klassisches Tittenheftchen auf der Treppe lag, dick mit meiner Adresse drauf. Jedes billige Pornoheftchen kommt diskreter daher, aber Diskretion und leise Töne waren schon immer Dinge, die Tomorrow ausdrücklich nicht lebte.

Überraschenderweise war die Tomorrow eine Zeitschrift, die gut zu lesen war, ob ihrer völligen Belanglosigkeit. Die Mischung auf Gadget-Huldigung, Promi-News, technischen Anleitungen der SuperDAU-Klasse, Berichte aus Modesportarten, Linktipps,gekauften Produktvorstellungen und einer Prise schlechter Erotik war so gehaltvoll wie ein Dünnschiss und ordnete die Zeitschrift in die Preisklasse von BILD und Super-Illu. Wo Tomorrow auf dem Tisch lag, da war der Intellekt weit weg oder das Denken eher zweitrangig. Nicht ohne Grund war die Tomorrow auch ein Heft, das in besten Dot-Com-Zeiten einfach zu einem gutsortierten Zeitschriftenregal in einem Startup gehörte und sei es nur, um zu zeigen, wie geekig man doch war.

Danke, Burda. Es wurde Zeit.