Warum es egal ist, ob Android oder iOS mainstream oder premium sind.

Da sind wir wieder, bei der immer gleichen Sau, die regelmäßig durchs Dorf getrieben wird und sich um das Thema dreht, ob nun Android oder iOS das bessere Betriebssystem ist. Aktuell sind wir bei der unglaublichen Feststellung von „Digital-Pionier“ Christoph Kappes im D&W-Magazin, der sinniert, dass Android „mainstream“ sei und iOS „premium“. Wollte ich mir eine Antwort sehr einfach machen, würde ich einfach mit einem Link auf einen x-beliebigen Handyshop antworten, denn diese Feststellung lässt sich dort schon allein mit den Preisen für iOS- bzw. Android-Gerätschaften darlegen. Mal so am Rande: Die Säue, die man durchs Dorf treibt und Aufregung verursachen, waren auch mal besser.

Anyway: Die Frage, ob ein Premiumprodukt, das das bessere ist, auch tatsächlich funktioniert, ist eine, die nichts, aber auch wirklich nichts mit Qualität zu tun hat. Gerade in der Unterhaltungselektronik überlebt selten das beste System, sondern allenfalls das, was die meiste Marktdurchdringung gewinnt. Solche Marktdurchdringungen werden dabei auf verschiedenste Weisen erkauft, in der Regel durch knallharte Subventionierungen. Entweder ist das Produkt gänzlich kostenlos oder es wird ordentlich günstig verscherbelt. Es wird aber gepusht und das ist das zentrale Kennzeichen.

iOS kann man allein schon dadurch zu einem Premium-Produkt zählen, dass es nur ein Hersteller für seine Geräte verbaut und der diese Monokultur auch kräftig ausnutzt. So kräftig, dass iOS bzw. iPhone und iPad letztendlich nur für einen verhältnismäßig kleinen Kreis von weltweiten Nutzern erschwinglich ist. In den meisten Staaten dieser Erde wird der Otto Normalverbraucher sich ein iOS-Gerät schlicht nicht leisten können, weil es zum einen keine „Billigversionen“ von iPhone und iPad gibt und Apple auch überhaupt kein Interesse daran hat, zumindest so lange die Märkte in der „Ersten Welt“ nicht gesättigt sind. Android geht den Weg über die Breite, baut also, schematisch gesehen, ein Framework, das dann Hersteller für ihre eigene Hardware adaptieren können, mit all den damit verbundenen Vor- und Nachteilen.

Ironischerweise erheblich unwichtig ist die Frage, ob nun Android oder iOS das bessere Betriebssystem ist. Grundsätzlich haben beide Betriebssysteme einen relativ hohen Grad an Benutzerfreundlichkeit erreicht und es geht in der Entwicklung von zukünftigen Versionen weitgehend nur noch um Detailfragen und um Kompatibilität zur Hardware, was Android naturgemäß vor deutlich höhere Hürden stellt, als iOS. Was Android mit diversen Bedienelementen wettmacht, die iOS (noch) nicht hat, macht iOS wiederum mit weitgehender Idiotensicherheit wieder wett und umgekehrt. Das wichtigste Ziel der Attraktivität ihrer Betriebssysteme haben beide erreicht: Eine verhältnismäßig große Softwarevielfalt in Sachen Apps.

Das wird erheblich deutlicher, wenn man sich mal die Mühen macht, die echten Kriegsschauplätze in Sachen Mobilbetriebssysteme anzuschauen, nämlich jenseits des angeblichen Kampfes zwischen Android und iOS. WebOS/Palm hat sich durch die (in meinen Augen krasse) Abkehr Hewlett-Packards von der Consumerelektronik erledigt, RIM kämpft mit seinem extrem abgeschirmten und in Consumerbereich quasi kaum sinnvoll nutzbaren Blackberry um jeden Kunden. Microsoft versucht mit Windows Mobile mit extremem Aufwand, an alte Zeiten anzuknüpfen und kann relativ bequem Blackberry-Anwender abschöpfen, die mit Windows Mobile zur „Mutterplattform“ in Sachen Exchange- bzw. Active-Sync-Synchronisierung kommen. Was dann noch hinter Blackberry und Windows Mobile kommt, hat ganz schlechte Karten und kaum über homöopathisch wirkende Reichweiten kommen.

Den vielbesungenen Krieg der Mobilbetriebssysteme Android und iOS – ich bin mal so frei und behaupte, dass das vor allem ein Krieg ist, der bei den Kleingeistern dieser Welt, die schon damit überfordert sind, zwischen App, Webapp und Widget zu unterscheiden, am stärksten gekämpft wird. Und diesen Krieg, den interessiert, mit Verlaub, kein Schwein.

Die Zune-fizierung von Windows Mobile.

Ich muss zugeben, dass ich schon eine gewisse Sorge habe, dass Microsoft den Relaunch von Windows Mobile als "Windows Phone 7" gehörig vereiert. Denn nach all den Gerüchten und den wenigen wirklich bestätigten Tatsachen nimmt man das Anpassen des nach wie vor ältesten Mobilbetriebssystems an die Konkurrenten wie iPhoneOS und Android so furchtbar genau, dass einige bisherige Meilensteine möglicherweise auf der Strecke bleiben.

Das, was ich bisher an(teilweise unbestätigten) Informationen zusammenhabe:

  • Neue Benutzeroberfläche, angelehnt an den Zune-Player (das ist bekannt)
  • Keine Abwärtskompatibilität für Windows-Mobile-Programme (schlecht, damit schneidet man sich einen jahrelang gewachsenen Markt an Software ab)
  • Programme … nennen wir es lieber so, wie es wird … Apps müssen im hauseigenen Silverlight-Framework entwickelt sein und werden auf dem Gerät interpretiert (vermutlich garantenmäßige Performance-Einbußen werden das Ergebnis sein)
  • Kein Multitasking (das wäre brutal schlecht und ein herber Rückschritt)
  • Keine direkte Installationsmöglichkeit von Apps, sondern nur über den Windows Market Place (das wäre ebenfalls brutal schlecht und auch ein Rückschritt)
  • Keinen Slot mehr für Speicherkarten, die vom Benutzer auszutauschen sind (damit wäre dann wohl auch der Zugriff auf das Filesystem, wie es unter Windows Mobile möglich ist, gestorben)

Hallo, Erde an Redmond! Schaut ihr euch eigentlich die Märkte an, die ihr bedienen wollt? Wollt ihr als Nachzügler nicht wenigstens das in die neue Welt retten, was Windows Mobile bisher ausgezeichnet hat? Es sieht gerade so aus, als ob Microsoft auf dem besten Wege ist, die grandiose Nullnummer des Zune-Players, der ja mal tatsächlich als Konkurrent zur iPod-Welt gedacht war, mit einem neuen Mobilbetriebssytem zu wiederholen.

Es wird mit ziemlicher Sicherheit schlimm, aber wenn es sich Microsoft mit Business-Kunden verscherzt, die derzeit immer noch stark auf Windows Mobile setzen, dann ist das Ding tot, ob es nun Windows Mobile heißt, Windows Phone oder sonstwie.

Ich ahne dunkles.

Windows Mobile 6.5.

Just heute ist der Tag, an dem Windows Mobile 6.5 “ready to manufacture” ist, also ausgeliefert wird. Wie üblich nicht direkt an Endkunden, sondern an Hersteller von Gerätschaften, die Windows Mobile enthalten sollen und die dann das Betriebssystem für ihre Zwecke anpassen und erweitern. (Erfahrungsgemäß arbeiten zwar die meisten Hersteller schon mit Beta-Versionen recht früh an ihren Adaptionen, allerdings wird es vermutlich wieder drei bis sechs Monate dauern, bis erste neue Smartphones mit Windows Mobile 6.5 herauskommen.)

Das ist einerseits eine gute Sache, weil Windows Mobile ja nicht einfach nur ein Betriebssystem für Smartphones ist, sondern als Betriebssystem für ganze Gattungen von mobilen Geräten: Tragbare Media-Center-Geräte, Navi-Systeme, Autoinformationssysteme, Spezialgeräte etc. Hersteller können mit eigenen Anpassungen sehr genau auf die Einzelheiten ihrer Geräte eingehen.

Andererseits ist der OEM-Weg auch eine schlechte Sache, weil es abhängig vom Hersteller macht, ob man mit seinem Smartphone die nächste Windows-Mobile-Version bekommt oder nicht. Zumindest in der Vergangenheit waren Hersteller und Anbieter von Smartphones mit Windows Mobile in dieser Richtung äußerst konservativ und boten nur in seltensten Fällen ein Update oder kostenpflichtiges Upgrade an.

Das ist gerade beim Weg von Windows Mobile 6.1 auf 6.5 essentiell schade, denn die größte Neuerung ist der Weg von einer stiftbasierten zu einer touch-fähigen Benutzeroberfläche. Das wurde bisher fast ausschließlich mit zusätzlichen Applikationen bewerkstelligt, da Windows Mobile 6.1 nur auf die Bedienung per Stift vorbereitet ist. HTC hat als größter Hersteller von Windows-Mobile-Smartphones hier sicherlich große Reputation, allerdings bekommt der geneigte Leser ja regelmäßig hier mit, dass ich nicht unbedingt die beste Meinung über HTC habe.

Über ein Forum, das ich jetzt hier mal nicht nennen möchte, das aber jeder findet und, wenn er sich näher mit Windows Mobile beschäftigt und über das ich auch schon mal geschrieben habe, habe ich eine der letzten Arbeitsversionen von Windows Mobile 6.5 geladen und auf meinen HTC Touch Pro installiert. Da das keine wirklich so richtig autorisierten Pakete sind, muss man die Software des Telefones mit anderen Tools etwas dahingehend „aufknacken“, das auch inoffizielle Upgrade-Pakete aufgespielt werden können, das ist jedoch kein allzugroßes Hexenwerk.

Ein schon größeres Hexenwerk ist eher das Suchen eines richtigen Paketes, da es nämlich mehrere Freaks gibt, die unabhängig voneinander an Windows-Mobile-6.5-Paketen arbeiten und das auch noch für verschiedene Geräte. Da muss man sich letztendlich massiv einlesen und vor allem die Erfahrungsberichte anschauen. Funktioniert zwar weitgehend viel, aber nicht alles, der Stromverbrauch ist teilweise gar nicht optimiert und so manch Projekt ähnelt von der Softwarezusammenstellung eher einem wilden Basar, als einem Betriebssystem mit vernünftiger Zusammenstellung. Selbstverständlich – und das muss man sehr deutlich sagen – ist das alles Experimentalsoftware und auch nicht wirklich sehr legal. Und man muss sich im klaren darüber sein, dass die Haussprache englisch ist.

Dennoch: Es gefällt, was da kommt. Man sollte durchaus eine Windows-Mobile-6.5-Zusammenstellung ohne HTC-Aufsätze (also ohne Touch3D etc.) ausprobieren, um so zu sehen, wie Microsoft die eigene Oberfläche und Bedienung so sieht. Die frühen Bilder, die man sich beispielsweise bei Golem anschauen kann, bestätigen sich weitgehend, so sieht das Ding tatsächlich aus, auch wenn beispielsweise die Informationsleiste oben inzwischen deutlich hübscher daherkommt.

Und sie wollen tatsächlich weg vom Stift. Die erste Seite, in der sich Windows Mobile traditionell mit einer “Heute”-Seite breitmachte, ist einer ähnlichen Seite gewichen, die gleichzeitig als Application Launcher dient, also von der aus direkt Programme gestartet werden können. Die Bedienung geschieht mit einem transparenten Slider. Nicht ganz so eingängig, allerdings überaus übersichtlich. Den obligatorischen Start-Button gibt es immer noch, dahinter verbirgt sich aber nicht mehr eine eher schwer bedienbare Programmleiste, sondern tatsächlich Programmbuttons. Und die nun auch nicht mehr streng nebeneinander, sondern versetzt, so dass das Anvisieren mit dem Finger kein Problem mehr darstellt (die ursprünglich geplanten wabenförmigen Rahmen gibt es allerdings nicht mehr). Nicht wirklich so recht gelungen ist das grafische Feedback auf das Tippen, das hat Apple auf dem iPhone mit dem Nachbilden eines Button-Drückens besser gelöst. Dafür gibt es die Möglichkeit für taktiles Feedback in Form des Vibrationsmotors, der dann kurz in Aktion tritt, wenn irgendetwas auf dem Bildschirm erfolgreich gedrückt wurde.

In Sachen Connectivity und deren Steuerung gibt es nur wenig Änderungen, das funktioniert aber bereits auf einem hohen Niveau. Neu ist, dass explizit UMTS ausgeschaltet werden kann und die Netzsymbole auf der Informationsleiste oben nun vereinheitlicht sind. Auf meinem Touch Pro sind die zwar fitzelig klein, aber gerade noch erkennbar. Bluetooth funktioniert mit meiner Freisprecheinrichtung im Auto übrigens sauber, was es mit der originalen Windows-Mobile-6.1-Installation nicht wirklich zuverlässig tat.
Funktioniert leider nach wie vor nicht sauber.

Windows Mobile 6.5 ist, wie auch Microsoft selbst sagt, nur ein Zwischenschritt zu Windows Mobile 7. Der Weg scheint aber zu stimmen, so kann man wenigstens mal vernünftig ein Smartphone bedienen und Softwareentwicklern ein einheitliches Bedienkonzept in die Tüte packen. Raum für Verbesserungen gibt es sicherlich noch genügend, aber ich glaube, dass wir in Sachen Mobile Computing noch lange nicht den Idealzustand gefunden haben.

Bildschirmtastatur unter Windows Mobile 6.1.

Die mehr als bescheidene Bildschirmtastatur von Windows Mobile 6.1, die eigentlich auf die Bedienung mit einem Stift ausgerichtet ist, ist für eine Bedienung mit einem menschlichen Finger unbenutzbar. Das weiß zum Beispiel auch HTC und andere Hersteller von Mobiltelefonen, die deshalb mit zusätzlicher Software eine entsprechend mit dem Finger bedienbare Bildschirmtastatur nachrüsten. SonyEricsson hat das bei seinem XPERIA X1 offenbar nicht für wichtig gehalten, so dass es ohne ausgeschobene Tastatur keine Möglichkeit gibt, einen Text einzugeben.

Gut, wird der Praktiker sagen, was soll der Quatsch? Wenn du einen Text schreiben willst, schiebe gefälligst die richtige Tastatur heraus, dazu ist sie ja immerhin da. Nein, wende ich ein, manchmal will man eben über eine Bildschirmtastatur einen kurzen Text einklopfen. Nun gibt es viele Add-Ons zum Installieren, aber einen wirklichen Geheimtipp: FingerKeyboard 2.

Lassen wir bewegte Bilder sprechen:

Ein paar sehr hübsche Features:

  • erstaunlich exakte Tastatur
  • eine Reihe von verschiedenen Tastaturlayouts, unter anderem auch für Deutsch
  • verschiedene Themes
  • „forced Feedback“ von Tastatureingaben durch Töne oder durch den Vibrationsmotor des Mobiltelefones (macht richtig Fun, mal so angemerkt)
  • einstellbare Dauer zum Umstellen der zweiten Tastaturebene
  • konfigurierbare Smileys und Funktionstasten
  • und der absolute Hit: Freeware

Alles in allem ein Must-Have für alle touch-fähigen Windows-Mobile- Smartphones, selbst für die Gerätschaften, die eine eigene touch-fähige Bildschirmtastatur mitbringen. Denn FingerKeyboard 2 übertrifft selbst die an sich ganz gute Bildschirmtastatur von HTC.

Leider gibt es noch keine funktionsfähige Homepage, die angegebene Adresse unter fingerkeyboard.com ist mehr oder weniger unfertig. Deshalb sei auf das Forum der XDA-Developers hingewiesen, auf der sich ein Projekt-Thread zu FingerKeyboard 2 befindet.

SMS-Versandbestätigung beim XPERIA X1 ausschalten.

Die Möglichkeit für Hersteller von Mobiltelefonen, eine Windows-Mobile-Installation bis zum Erbrechen vorzukonfigurieren, ist zwar sehr hübsch, kann andererseits auch sehr ärgerlich sein, wenn da ein Entwickler ans Werk geht, der wirklich an allen Dingen herumspielt und dabei die Praktikabilität vergisst. Leider krankt da auch die Windows-Mobile-Installation des SonyEricsson XPERIA X1 etwas daran.

Ein Ärgernis: Wenn der geneigte Benutzer des Gerätes eine SMS versendet, bestätigt das XPERIA X1 dies brav. Jedes Mal. Mit einem hupenden Warnsignal. Und zwar selbst dann, wenn man in den Optionen einstellt, dass man eigentlich keine Versandbestätigungen möchte. Und das ist dann auch tatsächlich richtig, denn die Versandbestätigung wird nicht vom Mobilfunknetz zurückgesendet, sondern vom Mobiltelefon selbst gemeldet. Und das kann nicht in den Optionen ausgeschaltet werden.

Windows Mobile wäre aber kein Windows, wenn es keine Registry gäbe, in der man als Benutzer die gröbsten Schnitzer der Entwickler wieder eingrenzen kann. Und so eben auch die Einstellung für die SMS-Versandbestätigung, die sich in der Registry von Windows Mobile des XPERIA X1 an folgender Stelle findet:

  • HKEY_LOCAL_MACHINE
    • Software
      • Microsoft
        • Inbox
          • Settings
            SMSNoSentMSG

“SMSNoSentMSG” ist ein DWORD-Eintrag und hat standardmäßig den Wert 0, was offensichtlich bedeutet, dass die Funktion zum Ausschalten der Benachrichtigung ausgeschaltet ist. Hier den Wert auf die dezimale Ziffer 1 abändern, mit “Done” bestätigen und fertig. Beim nächsten Start der SMS-Anwendung und beim nächsten Versenden einer SMS gibt es dann keine Versandbestätigung mehr.

Ein funktionaler und kostenloser Registry Editor zum Installieren unter Windows Mobile findet sich übrigens auf der Website TouchXperience.

„Der Spaß ist vorbei.“

Auf dem heutigen Treffen der baden-württembergischen SPD-Wahlkampfleiter hatte ich mit einem Auge Gelegenheit, meinem Sitznachbarn in die FAZ hineinzuschauen, die in der Wissensrubrik einen sehr interessanten Artikel über die Agonie in der Welt der Mobiltelefonhersteller berichtet und bemerkenswert gut konstatiert. Ich will mal aus dem Kopf zusammenfassen.

  • Der Trend im Mobilgerätemarkt geht immer stärker weg von einfachen Mobiltelefonen und hin zu komplexeren Smartphones. Das ist ein Tribut der Entwicklung, dass Mobiltelefone immer stärker auch als Terminals für die Internet-Kommunikation eingesetzt werden.
  • Das größte Problem sind die prellenden Systemplattformen, die schlicht derzeit nicht zeitgemäß sind und zu einem großen Teil den Erfolg des iPhone begründen. Nokia krankt mit S60 herum, HTC baut sich Windows Mobile mit einer Reihe von Krücken zu einer halbwegs nutzbaren Plattform zusammen und Google sucht seinen Heil mit einer eigenen Plattform, die auch heute noch weitgehend im Beta-Stadium wankt. Andere Projekte sind wackelig (das WebOS-System von Palm) oder bereits gestorben (Openmoko auf Basis von Linux).
  • Es gibt gar nicht so viele Hersteller im Smartphone-Bereich mehr. Bei Windows-Mobile-Geräten gibt es eine Übermacht von HTC, die Taiwanesen produzieren für eine Reihe von Hersteller im Auftrag oder in Joint-Ventures deren Windows-Mobile-Smartphones. Auch die derzeitigen Google-Android-Gerätschaften stammen von HTC. Von anderen Platzhirschen hört man in Sachen Smartphones praktisch gar nichts, beispielsweise von Motorola, was sich schon in wenigen Jahren sehr böse rächen könnte.
  • Bei Mobiltelefonen entwickelt sich immer stärker das Problem, dass sie, wenn sie akzeptiert werden wollen, inzwischen eine Vielzahl von Standards und Technologien unterstützen müssen und schon das Fehlen einer Technologie über die Marktfähigkeit entscheiden kann. Beispiel: Bluetooth. Ein Smartphone ohne oder mit nur schlechter Bluetooth-Fähigkeit ist heute praktisch unverkäuflich, wenn es nicht für das Billigsegment gedacht ist. Ebenso verhält es sich mit so relativ neuen Funktionen wie GPS, die teilweise innerhalb kürzester Zeit zu einem Branchenstandard werden – ohne GPS ist heutzutage kein Smartphone, das eine deutliche Internet-Ausrichtung hat, im hohen Preissegment verkäuflich.

Bei Lösungsansätzen war der FAZ-Artikel erstaunlich wenigsilbig – weil es auch wenig darüber zu sagen gibt. Zu allererst sind die Systemplattformhersteller in der Bringschuld für vernünftige, moderne und schnelle Betriebssysteme, die nativ mit dem Finger bedient werden können und die immer komplexere Technik auch vernünftig ansteuern können. Erst danach kommen die Gerätehersteller, die mit dieser Softwarebasis entsprechende Hardware bestücken können.

Ich denke, es wird sehr deutlich, dass die Mobilfunkwelt inmitten des größten Umbruches ihrer recht kurzen Geschichte steckt und nur atemberaubend wenig Protagonisten darauf vorbereitet sind. Da wird es mit Sicherheit noch die ein oder andere Überraschung geben.

pocketwit für Windows Mobile.

Die Suche nach einem guten Twitter-Client für Windows Mobile 6 und höher scheint beendet zu sein, ich bin fündig geworden. Bisher hatte ich TinyTwitter im Einsatz, das seine Aufgabe mehr schlecht als recht machte. Es kann nur mit Twitter arbeiten, funktioniert nur mit einem Account und hat fatalerweise Schwächen mit Umlaute, die zwar direkt unter Twitter nach einem Update korrekt angezeigt werden, in Facebook aggregiert dann aber schlicht und einfach fehlen.

Es war dann schon eine Portion Verzweiflung, die mich über die Programmsammlung des Twitter Fan Wiki dazu brachte, wieder einmal zu schauen, was die Twitter-Client-Front für Windows Mobile so anbietet. Und dabei bin ich auf ein Programm namens pocketwit gestossen. Kurzum: That’s it.

pocketwit unterstützt mehrere Accounts, und neben Twitter auch gleich noch identi.ca, einige weitere Dienste, die auf laconi.ca basieren und ping.fm. Verpackt ist das alles in einer hübschen Benutzeroberfläche, die für Touch-Bedienung vorbereitet ist und auch sehr nett funktioniert. Die Timeline ist in der Mitte, grundlegende Einstellungen gibt es, wenn man mit dem Finger die Timeline nach rechts schwenkt, ein Schwenk nach links offenbart Einstellungen zum aktuellen Benutzer, dessen Tweet man gerade markiert hat. Sehr nett ist bei der Timeline ein kleiner Pfeil am rechten Bildschirmrand, der markiert, wo man sich in der Timeline befindet. Zu bemängeln ist lediglich die etwas behäbige Geschwindigkeit der Oberfläche, das ist jedoch immer noch akzeptabel.

pocketwit kommt als obligatorische CAB-Datei daher, ist also problemlos auch auf einem Windows-Mobile-Client zu installieren. Überraschend ist dabei die Größe der Setup-Datei: In der aktuellen Version ist die CAB-Datei nur 144 Kilobyte groß und ein wirkliches Leichtgewicht. Voraussetzung zur Installation ist ein installiertes .NET-Framework 2.0.

Neues zur Zukunft von Windows Mobile.

Steve Ballmer, Chairman von Windows Mobile, hatte wohl seinen gesprächigen Tag, als er während einer Entwicklerkonferenz in Australien einige Dinge zu Windows Mobile ausplapperte, die durchaus interessant sind:

  • Windows Mobile 7, bisher vermuteter Nachfolge der aktuellen Version 6.1, kommt nun nicht im Jahre 2009, sondern wird vermutlich erst im Laufe des Jahres 2010 an Hardwarehersteller ausgeliefert.
  • Noch nicht ausdrücklich bestätigt, allerdings sprechen viele Hinweise dafür, dass Windows Mobile 7 nun endlich auch von Hause aus Gestensteuerung haben wird und die Benutzeroberfläche grundlegend aufgeräumt wird. Jede Menge (unbestätigte) Screenshots kursieren schon seit Monaten im Web.
  • Als Zwischenschritt ist für das zweite Halbjahr in 2009 ein Windows Mobile 6.5 geplant.
  • Ebenfalls nun bestätigt ist, dass man an ebenfalls an einem zentralen App Store für Windows-Mobile-Anwendungen arbeitet, über den Softwareentwickler ihre Ware schnell und einfach feilbieten können. Hoffentlich machen sie dabei nicht den Fehler, Softwareinstallationen nur über den App Store zu ermöglichen, aber ich glaube kaum, dass sie es sich mit Millionen professioneller Nutzer verscherzen wollen. 😉