Der Bundestag kennt das Grundgesetz nicht.

Könnte man zumindest meinen, wenn man in Google den Suchbegriff “Grundgesetz” eingibt und auf den Button “Auf gut Glück” klickt. Denn dann passiert aktuell folgendes im Webbrowser (click it to see it):

HTTP-404-Fehlermeldung auf dem Webserver des Deutschen Bundestages

Des Rätsels Lösung ist vermutlich der Relaunch der Bundestags-Website in dieser Woche, in dessen Rahmen sich wohl auch die Standort-URL der Inhalte geändert haben. Das kann passieren und ist auch nicht wirklich schlimm, weil der gute CMS-Entwickler – wovon es offenbar nicht allzu viele gibt – gerade während einer Relaunch-Phase diesen Umstand mit dauerhaften HTTP-Umleitungen abfangen kann. Dieses Zuvorkommen mögen Benutzer und mögen auch Suchmaschinenroboter und ist im Zweifelsfalle nur halb so peinlich.

Aber da ich heute Vormittag ein klein-wenig sarkastisch unterwegs bin, könnte ich ja auch meine Dankbarkeit darüber ausdrücken, dass die neue Website des Deutschen Bundestages nicht einfach nur aus eingescannten und zuvor ausgedruckten Seiten besteht…

Neues zur Online-Kompetenz der CDU Pforzheim.

Nichts geht über gute Wettbewerbsanalyse und eine aktive Gegnerbeobachtung im Wahlkampf. Und wenn man das schon während dem Wahlkampf als Steigbügelhalter im Oberbürgermeisterwahlkampf für die FDP-Kandidatin versemmelt, macht man das wenigstens nach dem Wahlkampf. Dachte man sich wohl heute mittag bei der CDU Pforzheim, wenn ich mir das so anschaue:

Archiv von www.gert-hager.de auf dem Webserver der CDU Pforzheim

Mal sehen, ob sie auch mein Blog hier lesen:

Hallo, liebe Freunde von der CDU Pforzheim,

ich bin derjenige, der die Kampagnenseite von Gert Hager im Internet betreut. Grundsätzlich finde ich es gut, dass ihr euch anderer Leute Dinge zumindest einmal näher anschaut, um vielleicht irgendwann selbst davon zu profitieren. Grundsätzlich finde ich es aber schlecht, wenn ihr das so stümperhaft macht, dass ich davon Sodbrennen bekomme. Und grundsätzlich finde ich es gar nicht gut, dass ihr euer mühsam erzeugtes Archiv unserer Website auf einem offenen Webserver bei euch spazierentragt und ihr damit unter anderem gegen meine Urheberrechte bei vielen Texten und Fotos verstößt. Bei sowas kann ich durchaus komisch werden.

Ich gebe euch daher Zeit bis Montag, euren seltsamen Webserver zumindest mal für die Außenwelt unzugänglich zu machen. Ansonsten schicke ich eurem Landesverband mal bei Gelegenheit einen herzlichen Brief.

Es geht aber auch einfacher: Für den Stundensatz von 210 Euro (Stundensatz für Beratung auf Kreisverbandsebene, zuzüglich der Mehrwertsteuer) bietet ich euch gern einen Workshop in Sachen Online-Campaigning an. Da machen wir euch dann fit für den nächsten Wahlkampf. Beziehungsweise: Dann liegt es, wenn ihr euren nächsten Wahlkampf versemmelt, nicht daran, dass ihr nicht wusstet, wie man es hätte gut machen können. 😉

Viele Grüße,
euer rote Besim von der SPD

Dumdidum.

Update am 20. Juli 2009: In der Zwischenzeit haben sie begriffen und den Webserver für anonyme Zugriffe gesperrt. Immerhin, hat nur drei Tage gedauert.

Wahlkampfprojekt Nummer 2.

Man kann sagen, was man will: Wer den Wahlkampf zu einer Kommunalwahl unterschätzt, hat schon verloren. Eigentlich dachte ich, dass die Website für den Kommunalwahlkampf eher mittlere Arbeitskategorie ist, dieses Denken habe ich jedoch sehr schnell verloren. Ist auch ziemlich logisch, denn während in den meisten Wahlkämpfen ein einzelner Kandidat zur Wahl steht, sind es bei Kommunalwahlen eine ganze Reihe von Kandidaten.

Bei uns in Pforzheim sind es vierzig Kandidaten. Und damit vierzig Fotos, vierzig Steckbriefe, vierzig Menschen. Und all das muss auf eine Website. Ein Wunder, wenn das alles dann fertig ist.

Von Obama lernen heißt nicht, ihn zu kopieren.

Ich glaube, da mißverstehen einige Wahlkampfstrategen eine Sache ganz gewaltig: Einen erfolgreichen Online-Wahlkampf macht man nicht dadurch, in dem man einen anderen, erfolgreichen Wahlkampf optisch kopiert. Das sollte mal jemand dem Team von Dieter Althaus sagen, dessen Website dem großen Original von Barack Obama wie aus der Photoshop-Vorlage geschnitten ist. Allein das ist schon albern genug, denn wenn ein Ministerpräsident freiwillig auf den Werbepfaden eines US-Präsidenten wandelt, dann ist der Begriff „Größenwahn“ noch einer der freundlicheren Anmerkungen hierzu. Der fast schon liebevoll-spielerische Einsatz der deutschen Rechtschreibung (stellvertretend das „Triff Dieter Althaus“ anstatt korrekterweise ein „Treffe Dieter Althaus“) setzt immerhin noch eigene Akzente, wenn auch kleine.

Das alles ist es aber nicht. Barack Obama hat online nicht mit seinem schicken Website-Design gewonnen und in erster Linie auch nicht mit seinen Web-2.0-Aktivitäten, sondern mit dem geschlossenen Bereich namens „MyBO“, in das man erst nach einer Registrierung hineinkommt und das mit einer Software namens Partybuilder eine Vernetzung der registrierten Benutzer auf internationaler bis regionaler Ebene ermöglicht, quer nach politischen Interessen, Geschlechtern, Herkunft. Diese Vernetzungen waren dann auch die Basis für politische Treffen von teilweise wildfremden Menschen, die auf diese Weise aber genau das machen konnten, was eine Partei ausmacht, nämlich die politische Diskussion fördern und kanalisieren. Der Name „Partybuilder“ ist also nicht einfach der Name des Programms, sondern es ist das Programm. Von Ansätzen dieser Idee ist im deutschsprachigen Raum – mit Ausnahme von meineSPD.net, das allerdings auch noch stark ausbaufähig ist – nicht wirklich viel zu sehen.

Einschlägige Begrifflichkeiten.

Man kann schon etwas den befußten Bodenkontakt verlieren, wenn man die letzten vier Tage aus einem bestimmten Blickwinkel resümieren wollte. Den Gipfel der derzeitig ziemlich unreinen Diskussion rund um Kinderpornografie, angeblichen Skandalen, schwebenden Verfahren, Denunziationen, Verschwörungstheorien hat gestern ein Kommentator im Blog hier liefern wollen und der irgendetwas sagen wollte. Neue Kommentatoren schaue ich mir immer etwas näher an und so stieß ich auf seine (?) Homepage, die ich mir nicht näher anschaute, außer dass mir in deren Navigation die Rubrik „Girl des Monats“ ins Auge stach und dort unter anderem ein 14jähriges Mädchen in immerhin nicht einschlägigen Posen und angekleidet posierte. Entschuldigung, man soll ja nicht hinter allem und jedem Böses sehen, aber ich glaube, ich würde in keiner solchen Rubrik – egal ob online oder nicht oder ob eine unterschriebene Einverständniserklärung der Eltern vorliegt – überhaupt jemals eine nicht erwachsene Frau in so einem Kontext ausstellen.

Das Leben draußen ist hart und es wäre zu wünschen, dass sich einige Online-Publisher mal ihre eigenen Angebote kritischer anschauen.

wolfgang-schaeuble.de gehackt.

Die eh auch schon so katastrophale Website von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (man beachte mal das grässliche Favicon.. uhh) hat einen weiteren Tiefpunkt erreicht: Sie wurde heute Abend erfolgreich gehackt:

Screenshot der gehackten Website von Wolfgang Schäuble (http://wolfgang-schaeuble.de)

Muss man gar nicht wirklich groß kommentieren, der Grund ist augenscheinlich – laut Kommentar der Defacer – eine veraltete Typo3-Version. Dumm gelaufen, wenn man sein Haus nicht sauber hält. Der Link im Defacement geht übrigens auf www.vorratsdatenspeicherung.de.

Update um 1:04 Uhr: Selig schlummert das politische Berlin und das Defacement ist immer noch munter online. Fast schon erfreulich, dass sich offenbar heute Nacht erst einmal kein Schwein um das Problem kümmern wird. Diese gelebte Lässigkeit macht den Bundesinnenminister ja fast schon wieder sympathisch. 😉

Update um 11.52 Uhr: Die Admins der Website haben es dann tatsächlich erst heute Morgen entdeckt und gegen 9 Uhr die Website abgeschaltet. Richard von tutsi.de hat offenbar die halbe Nacht das Ding beobachtet. Von den klassischen Medien war übrigens Golem.de der Schnellste beim Berichten – Punkt 0:08 Uhr ging das Ding bei ihnen über den Ticker.

Der neue Web-Auftritt der SPD.

Nanu, es hat mich ja schon fast gewundert, dass SPIEGEL Online den Relaunch des Web-Auftrittes der SPD nicht zerrissen hat. Zumindest hat es sie erstaunt, wobei ich mich frage: Warum eigentlich?

Es ist üblich, dass das zentrale Kampagnendesign einer Partei alle 12 bis 18 Monaten geändert oder zumindest deutlich überarbeitet wird, inklusive des Claims. Dass dabei auch mit den Sekundärfarben gespielt wird und nun ein Hellblau die Geige spielt, ist hübsch, aber eben mehr oder weniger eine Frage des Zeitgeistes. Welche Farbe ist modern? Welche Signalwirkung soll das Farbenzusammenspiel darstellen? Wie sieht die Kampagnenplanung für die nächsten Wahlkämpfe aus und so weiter und so fort. Das ist alles überraschenderweise meist ein relativ langweiliger Vorgang.

Der zentrale Claim: Ja, zentrale der Claim. Da sitzen dann die wirklichen Parteistrategen daran und zermartern sich mit einem jahrzehntelang zusammengesammelten Satz von starken Wörtern die Köpfe, um in so genannten guten Zeiten die aktuelle Stimmung in einem Satz darzustellen oder – und das ist weit schwieriger – in so genannten schlechten Zeiten die gewünschte Zielvorstellung. Oder man sitzt einfach am PC, denkt sich so einen Spruch wie „Für Pforzheim. SPD.“ aus, vergisst dann vor dem Launch, das wieder herunterzunehmen und schon bleibt das drin.

Das Normalste der Welt. Und weil alle von einer „Obamasierung“ des neuen Webauftrittes sprechen: Ihr habt keine Ahnung.