Zum Tode von John Barry.

Niemand hat zum Tode von John Barry, dem James-Bond-Chefkomponisten, so einen wunderbaren Nachruf geschrieben, wie der SPIEGEL in dieser Woche. Ich bin so unverschämt, den gesamten Nachruf hier zu zitieren, der Verlag möge das einem langjährigen Abonnenten bitte nachsehen…

John Barry, 77. Wer die Augen schließt und nur der Musik lauscht, die der britische Komponist für das Melodram „Jenseits von Afrika“ (1985) schrieb, erinnert sich mit größter Klarheit an die Bilder des Films. Fünf Oscars erhielt Barry im Laufe seiner Karriere für die beste Filmmusik oder das beste Lied. Er konnte mit seinen Kompositionen ganze Welten evozieren – die erhabene Weite der afrikanischen Savanne oder die mondäne Eleganz der europäischen Hautevolee in den James-Bond-Filmen. Das legendäre Motiv für die Agentenfilm-Serie stammte von Monty Norman, doch Barry prägte es, macht es dynamischer, aggressiver und passte es im Lauf der Jahrzehnte geschmeidig den wandelnden musikalischen Moden an, so dass es stets frisch und unverbraucht wirkte. Nur wenige Komponisten konnten so lässig Klassik, Jazz und Rock verbinden wie er. Genau diese Mischung machte die Titelsongs, die er für die 007-Filme „Goldfinger“ oder „Diamantenfieber“ schrieb, zu weltweiten Hits. John Barry starb am 30. Januar in Glen Cove auf Long Island.

Diesem Nachruf ist nichts, aber auch wirklich gar nichts mehr hinzuzufügen.

Star Wars im Mainstream.

Unsterblichkeit erreicht ein Film oder eine Filmmusik erst dann, wenn sie im Mainstream angelangt sind und damit meine ich nicht arme und geplagte Musikschüler, die auf ihrer Geige zur Motivation Filmmelodien einsägen dürfen, sondern eben Mainstream.

Sehr hübsch kann man das an der Titelmusik von Star Wars beobachten. Hier mal die Banjo-Fassung, die überraschend angenehm klingt. Könnte ich mir im Swinger Country-Club nach zehn Bier sehr gut vorstellen:

Die ganz harten Jungs geben sich das natürlich standesgemäß im Guiness-T-Shirt und Darth-Vader-Helm auf einem Dudelsack:

Der Star-Wars-Titel gehört allerdings seit Jahren auch zum Repertoire jedes besseren Orchesters, hier beispielsweise das Symphonieorchester des japanischen Fernsehsenders NHK in gewohnt japanischer Präzision:

Und wenn man vom Mainstream spricht, kann es nur eine adäquate Adelung für Filmmusik geben, nämlich eine Interpretation durch den Grossmeister des musikalischen Weichspülens, durch James Last und seinem Orchester. Das hier ist eine (sehr laute!) Interpretation aus dem Jahre 1982 aus einem Konzert auf der Berliner Waldbühne. Man beachte die Kostüme:

Durch Zufall habe ich dabei den extrem gut sortierten James-Last-Kanal auf YouTube entdeckt, der wirklich sehens- und hörenswert ist, auch wenn die Tonqualität bisweilen wirklich deutlich prellt. Das ist allerdings wirklich Musik aus meiner Jugend, ich war und bin ewig James-Last-Fan! 😉

Der beste James-Bond-Soundtrack? For Your Eyes Only!

Ganz klar, da gibt es null Widerrede: In meiner Sammlung ALLER James-Bond-Soundtracks glänzt der Soundtrack von For Your Pyes Only einfach nur gewaltig. Und das hat einen ganz einfachen Grund: Die Federführung für das Album hatte niemand anderes als Bill Conti, dem Gott für US-Fernsehserien und B-Movies, bei denen der Opener einen großen Teil der Dramaturgie übernehmen muss. Kein „Denver Clan“, kein „Falcon Crest“, kein „Cagney & Lacey“, kein „Rocky“, kein „Karate Kid“, nichts von alledem ohne den Titelsound von Bill Conti, der problemlos Jahre im Ohr bleiben konnte. Keiner beherrscht es so gut, mit fulminantem Orchester oder mit sekundenlangen Fanfarenzügen zu malen.

Im Soundtrack zu „For Your Eyes Only“ kommt dann auch wirklich alles vor, was die früheren Achtziger so hergegeben haben. Der schmutzige James-Bond-Sound, übertönt von damals modernen Fanfaren und fast schon rockiger Musik, dann teilweise klassische Musik und auch so Experimente wie „Gonzales Takes A Drive“, in dem spanisch klingende Folklore mit Funk gepaart ist.

Auch wenn der Film zu den eher merkwürdigeren Bond-Filmen gehört – der Soundtrack ist sicherlich in der Top 5 aller Bond-Soundtracks.

„Original Soundtrack“ und Trailer.

Mir hat es die Anfangsmusik im Trailer von „8 Blickwinkel“ angetan, die schön düster ist und perfekt zum Thema des Filmes passt:

Ein Grund, den Original Soundtrack zu kaufen, was schon mal ein kleines Rechercheproblem erzeugte, da der Film im Original „Vantage Point“ heißt und die deutsche Übersetzung so gar nicht passte.

Das Nette am Soundtrack ist, dass der zwar ebenfalls recht düster daherkommt und ideale Hintergrundmusik für Notarztfahrer, Fußballtrainer von Bayern München etc. ist, aber eben nicht die Musik des Trailers enthält. Die Musik im Trailer kommt übrigens im ganzen Film nicht vor und hat gar nichts mit diesem zu tun, wie ich dann in Foren erfahren habe. Der wurde einfach dazugemischt. Super Sache.

Stammen tut der Song übrigens aus dem Album „Glass Cuts“ von Philip Glass, nennt sich „Saxophone Concerto“ und ist remixed von Héctor Castillo & Eduardo Larez. Kann man sich ultrateuer aus Amiland einschiffen lassen oder – und das war dann die Premiere – über Musicload kaufen, was mich 99 Cent kosten sollte. Oder 99 Happydigits. Wie passend, dass man praktisch immer solche Pünktchen irgendwo herumliegen hat, die grundsätzlich für nichts Greifbares reichen, aber dafür für so Fetzen von Musik.