Polit-Proleten der Kristina Schröder auf Twitter.

Dr. Kristina Schröder geb. Köhler als eine besonders begabte Politikerin festzustellen, fällt mir, der nun wirklich über eine ausgiebig gute Fähigkeit zum Phantasieren verfügt, ausgesprochen schwer. Spitzenpolitiker bringen im Normalfall, wenn sie Karriere machen wollen, eine Aura mit, leuchtende Augen, ein festtackerbares Lächeln oder wenigstens eine vernünftige Körperhaltung, wenn sie am Tisch sitzen und daran interessiert sind, ihre Meinung in die Blöcke der Journalisten hineindiktiert zu bekommen. Sieht man Frau Schröder an einer Bank mit anderen Politikern, hat man das betroffene Gefühl, dass da eine Referentin sitzt, eine Pressesprecherin des CDU-Kreisverbandes oder irgendjemand aus dem hiesigen CDU-Gemeinderat, nicht die Bundesfamilienministerin.

Ansichtssachen. Wir lernen ständig in den letzten Tagen, dass es offensichtlich gar nicht mehr notwendig ist, besonders talentiert zu sein, um sich für ein Spitzenamt zu bewerben. Talent könnte ja immerhin dazu führen, dass der besonders geförderte Jungpolitiker möglicherweise eigene Gedanken entwickelt und das geht ja nun wirklich gar nicht. Wo kämen wir denn da hin?

Wenn ich ehrlich bin, ist der Name mir nur deshalb ein Begriff, weil Frau Schröder nun Bundesfamilienministerin ist und weil Frau Schröder twittert. Und der letztgenannte Umstand ist mir auch nur deshalb bekannt, weil sie es eben tut und das leider nicht besonders originell, sondern mit, nennen wir es mal so, wie es ist, dem „Westerwelle-Fön“. Warme Luft. Und ihren Twitter-Nickname hat sie auch noch nicht geändert, obwohl eine Änderung ohne Verlust ihrer Follower passieren würde, aber das ist eine Randnotiz zum jetzt folgenden Treppenwitz.

Da hat sich doch Frau Schröder gedacht, als ihre Chefin stolz verkündete, dass wir alle die Gürtel enger schnallen müssen, „weil wir ja über die Verhältnisse gelebt haben“, Mensch, twitter ich doch schnell mal etwas dazu, immerhin habe ich ja ein Ressort. Und das geht dann im Bezug auf das Elterngeld, das von der Idee her zum Ressort des Bundesfamilienministeriums gehört und das einschneidende Kürzungen im Rahmen des aktuellen Sparpaketes der Bundesregierung erfahren soll, so:

In der Tat ist die „Elterngeldstreichung“, die eigentlich keine ist, sondern eine ziemlich unsozial definierte Kürzung, einschneidend. Und eigentlich müsste es heißen: „Natürlich ist die Elterngeldstreichung für Hartz IV-Empfänger besonders hart.“ Das fehlende Wort wäre sogar noch innerhalb der 140-Zeichen-Grenze von Twitter. Denn die Kürzung betrifft vor allem diejenigen, die wenig verdienen, da die Bemessungsgrundlage für das Elterngeld abgesenkt wird. Das heißt: Wer wenig vorher verdient hat, erhält auch weniger Elterngeld. Wer sehr viel verdient, den stört das nicht, da die Höchstgrenze von 1.800 Euro dabei nicht angetastet wird.

Zumindest passt dieses Herumpfuschen am Elterngeld nun besser zu einem der übelsten Vorurteile der Konservativen, denen am Elterngeld schon immer störte, dass damit ja nicht nur reiche Eltern ein adäquates Ausfallgeld für das Kindermachen bekommen, sondern auch einkommenschwache Bevölkerungsgruppen. So wird das jetzt dann eben so, dass sich das Kindermachen für Arme hoffentlich nicht mehr ganz so lohnt, nicht?

Aber Frau Schröder fehlt das staatstragende, womit sie sich in eine Reihe mit anderen Spitzenpolitikern aus der derzeitigen Bundesregierung aufstellt. Weil man offenkundig harte Kost irgendwie auch gut verdaulich unters Volk bringen muss und Frau Schröder offensichtlich immer noch nicht so ganz den Unterschied zwischen BILD-Zeitung und Twitter erkannt hat, gibt es vier Minuten später auch gleich ein Beispiel auf niederem Stammtischniveau mit inkludierter Suggestivfrage:

<sarkasmus staerke=“derb, rau“>
Genau! Diese Scheiß-Hartz-IV-Empfänger, diese Schmarotzer! Kindermachen und sich das auch noch vom Staat bezahlen lassen! Netto! Ja, Frau Schröder, immer drauf! Diese spätrömische Dekadenz! Schaffen soll das Pack und die Balgen, die eh nix werden, gefälligst selbst durchbringen!
</sarkasmus>

Das Integrative, das Versöhnende, die dialogorientiere Arbeitsweise, die eine Ministerin auszeichnen sollte, die gibt es bei Frau Schröder – vermutlich (weil ich ja nicht wirklich Frau Schröder auf meinem Politradar habe) – nur in den klassischen Medien. Da man in Twitter aber einfach Müll reingrunzen muss, kommt dann wohl obiges dabei heraus. Und weil uns ja nur Frau Schröder aus diesem Dilemma mit dem unkontrolliert kindgebärenden Prekariat helfen kann, kommt zwei Minuten später eine klare Ansage:

Tjaha, Frau Schröder, immer im Kampf gegen Ungerechtigkeiten, nicht? Übrigens die Frau Schröder, die noch als Frau Köhler erheblich lauter gegen so Sachen wie den Mindestlohn für Dienstleistungsverhältnisse kämpfte und der nun wirklich einer der funktionsfähigsten Werkzeuge ist, Arbeitnehmern, die auf die Arbeit angewiesen sind, Löhne zu sichern, von denen sie dann leben können und eben nicht auf zusätzliche Leistungen des Staates angewiesen sind.

Aber ist ja klar, 140 Zeichen maximal in einer Twitter-Nachricht, da muss man natürlich schon das eine oder andere weglassen.

Dass Frau Schröder den größten Unterschied zwischen einer Zeitung und Twitter nicht kennt, nämlich den Unterschied, dass dem Leser einer aktuellen Zeitung der abgesonderte Mist eines Politikers, der in der gestrigen Ausgabe erschien, nicht interessiert, in Twitter aber dummerweise alle Nachrichten erhalten bleiben, beweist ausgerechnet die Twitter-Nachricht, die unmittelbar die letzte Nachricht ist, bevor sie die obigen drei Nachrichten abgesendet hat, zwei Tage vorher:

Deutschland, dein Regierungspersonal. Du hast es dir verdient.

Finanzkrise? Wo?

So ein nicht bundesweiter Feiertag ist sehr nett, um mal die Finanzwelt etwas näher zu beobachten. Ich habe deshalb meine alten Metal-Scheiben in den CD-Player geworfen und mich mal etwas dichter im Wertpapierbereich meiner Hausbank umgeschaut und mit etwas durch den Nachrichtenbereich gequält.

Fakt ist wohl: Alle reden von der Krise, viele sind eigentlich in gar keiner, beschließen aber, den Gürtel enger zu schnallen und lösen die Krise eigentlich dadurch erst aus. Sozusagen das Spielen einer Katze mit ihrem eigenen Schwanz, was sie möglicherweise tatsächlich für eine Weile unterhalten kann.

Was die Börsen nämlich derzeit machen, ist folgendes:

  • Überaus viele Papiere sind derzeit mit einem Signal für einen bevorstehenden Kursanstieg („U1“) markiert und vor allem machen gerade aggressive Fonds mit Hebelwirkungen deutliche Anstiege.
  • Die Nachrichtenlage ist eher mau.
  • Die Handelsvolumina an den Börsen ist eher durchschnittlich, wenn nicht gar unterdurchschnittlich.

Sprich: Es ist offensichtlich Kapital da und dafür werden – sicherlich auch wegen des stark gesunkenen Zinsniveaus – Anlagen gesucht.

(Un)Sicherheitsgefühl von/bei „Web-Gründern“.

Kollege Robert Basic hat in seinem Blog ein interessantes Statement eines so genannten „Web-Gründers“, der seine Sicht auf die aktuelle Krise des Finanzsektors darlegt. Manche Experten gehen ja davon aus, dass mit der Finanzmarktkrise schon sehr bald nicht nur die Banken den anderen Banken nicht mehr trauen, sondern auch anderen Unternehmen, am ehesten nicht den Unternehmen, die kein tragfähiges Business-Konzept darlegen können, eine weit verbreitete Seuche in der Web-Szene.

Nun ist es nicht gerade so, dass ich „Web-Gründern“ wirklich sehr viel dabei vertrauen würde, wenn sie mir etwas über die Weltwirtschaft daherposaunen. Ein Absatz hat es mir aber sehr angetan, was mir sofort zeigt, dass da jemand schreibt, der von der Materie überhaupt keine Ahnung hat:

„Ich denke, Online kann von der ganzen Krise seehr profitieren. Unternehmen müssen einsparen, wodurch sich gute Chancen fürs Web ergeben: Warum MS Office für meine 200 Mitarbeiter kaufen, kann doch Google Docs oder Zoho nutzen? Warum teure Exchange Server, wenn Gmail das auch kann? Warum eigene Server Farmen, wenn ich Amazon outsourcen kann? Warum teure TV Kampagnen mit TKPs von (ka, schätz einfach ma) 20 Euro, wenn ich im Web targetisiert meine Zielgruppe ansprechen kann? Etc etc etc du weißt schon, was ich meine…“

Wer auch immer der ominöse Interviewpartner war – es ist in der Tat gut für ihn, dass er namenlos bleibt. Allein schon der Gedanke, dass das vielleicht ein Betreiber eines Webportales sein könnte, der auf diese Weise seine Kundendaten „oursourced“, läßt mir spontan die Fußnägel nach innen wachsen, weil es hanebüchen daneben ist und das gleich mit vielen Argumenten:

  • Unternehmen sparen, wenn sie einsparen müssen, zu allererst am Personal ein, weil das in den meisten Firmen den größten Ausgabeposten darstellt. Eine komplette Exchange-Infrastruktur gibt es schon zum Monatsgehalt eines gutbezahlten Ingenieurs und zudem wird die EDV grundsätzlich auf mehrere Jahre hin abgeschrieben, so dass EDV-Kosten für Office und Collaboration in einem Unternehmen kein großes Thema sind, wenn man als Workstations nicht gerade die letzten Pfeifer kauft, keinen Servicevertrag beihat oder sich nicht erstklassig übers Ohr hauen lässt. Zudem gibt es praktisch für jede Hard- und Software die Möglichkeit von Mietkäufen bis hin zur eingesetzten Software, so dass sich die Ausgabenstruktur für wirklich alle Eventualitäten anpassen lässt.
  • Unternehmenskritische, möglicherweise geheimzuhaltende Daten bei externen Dienstleistern outzusourcen, deren Sicherheitslage nicht zu kennen und dabei auch noch zu wissen, dass die Daten voraussichtlich außerhalb Deutschlands liegen, ist nicht nur moralisch ein Problem, sondern kann ein richtig handfester Straftatsbestand werden. Kundendaten müssen nachweislich sicher vor Zugriff Dritter sein und jedes Sicherheitsaudit wird spätestens bei der Frage enden, wo denn die Unternehmensdaten liegen, wenn die Antwort „bei Google“ heißt. Der Gesetzgeber stellt Datenmißbrauch (zu Recht) verhältnismäßig empfindlich unter Strafe.

Direktbanken und Warnhinweise bei spekulativen Geschäften.

Im ZDF jammert jemand, er habe bei einer deutschen Direktbank DAX-Zertifikate gekauft, die dummerweise von der inzwischen pleite gegangenen Investmentbank Lehman Brothers herausgegeben wurden. Er habe daraufhin mit seiner Bank telefoniert, die jedoch nur bestätigen konnte, dass seine Papier derzeit nicht handelbar seien und er mit einem Totalverlust rechnen müsse. Er, der Kunde, jammert nun, man hätte ihn nicht davor gewarnt und eigentlich müssten auf solchen Zertifikatsprospekten ähnliche Warnhinweise stehen, wie auf Zigarettenschachteln.

Da hat der gute Mann vermutlich eine kleine Leseschwäche. Mir ist bisher noch kein Verkaufsprospekt für ein Zertifikat untergekommen und noch nicht mal eine Werbeanzeige, in dem/der nicht darauf hingewiesen wurde, dass ein Zertifikat gewisse Risiken bergen kann. Zudem haben Banken eine Beratungspflicht, die sich auch auf Direktbanken erstreckt und die Direktbanken für gewöhnlich mit ausführlichem Informationsmaterial erledigen und in denen die Spezialitäten von Zertifikaten erläutert werden – eben auch die Gefahren eines Totalverlustes, wenn das herausgebende Institut beispielsweise eine Bauchlandung macht.

In solchen Fällen, also wenn ein Kunde bei einer Direktbank seine Dokumentation nicht liest und Dinge kauft, von denen er keine Ahnung hat, muss ich sagen: Pech gehabt. Zertifikate sind nichts für Anfänger, weil sie von Hause aus ein erheblich höheres Risiko haben, als beispielsweise klassische Aktienfonds, deren Vermögenssumme getrennt vom Vermögen des Fondsanbieters verwaltet werden.

Mittendrin in der Finanzkrise.

Wer es noch nicht gemerkt hat, dem sei gesagt, dass die Finanzkrise inzwischen ziemlich bedrohliche Ausmaße angenommen hat und es eigentlich ans Eingemachte geht. Gestern hat es mit der Hypo Real Estate, an sich ein solides Unternehmen mit einem großen Bestand an solventen und staatsnahen Kreditnehmern, weitgehend nur deshalb gewackelt, weil eine Tochter dieser Gruppe akute Probleme mit dem Bezug von liquiden Mitteln bekam, da sie ebenfalls im Strudel mit faulen Krediten in der US-Immobilienflaute steckt. Analysten und Experten, die gefragt werden, wie es denn mit den normalen Geschäftsbanken aussieht, antworten schon mit der Aussage, dass keine akute Gefahr besteht, da deren Kundschaft größtenteils aus konservativen Anlegern besteht. Sprich: Die Banken trauen sich untereinander immer weniger, der Staat muss immer stärker und immer öfter einspringen und alles funktioniert an sich nur deshalb, weil die Kundschaft nicht in Panik verfällt. Hoffentlich.

Die Frage wird wirklich sein, wie die nächsten Wochen aussehen. Dass sich Staaten immer stärker in die Bankenwelt einmischen und kurz einmal eine ganze Reihe von Banken verstaatlichen (was noch vor wenigen Monaten kaum einer für möglich hielt), ist bedenklich, wenn auch nicht unbedingt katastrophal. Zum einen sind es häufig Bürgschaften, die nicht unbedingt Zahlemann & Söhne bedeuten, sondern als Sicherung gelten, und zum anderen sind die aufgekauften Banken und faulen Kredite ja nicht unbedingt verbranntes Geld und könnten in mittelferner Zukunft mit einem Verkauf oder einer anderweitigen Verwertung zu einer schwarzen Null oder gar zu einem Gewinn führen. Was allerdings zweifellos ein Problem ist: Die Liquidität, die Banken so erhalten, führt dazu, dass diese vorläufig und vermutlich einige Zeit lang dem Staat fehlt und das mittelfristige Risiko besteht, dass noch einiges an dem investierten Geld auf der Strecke bleibt.

Weiter betrachtet kann sich sowas zu einem richtig harten Bumerang auch außerhalb der Bankenwelt entwickeln, denn wenn der Staat weniger handlungsfähig wird und die Banken groß damit beschäftigt sind, ihre faulen Kredite von einer Ecke zu anderen zu schaufeln, leiden die Unternehmen, die ebenfalls kurz-, mittel- oder langfristig fremdes Geld benötigen. Mit den Rettungsmaßnahmen werden wir also weltweit durchaus noch einige Jahre nett beschäftigt werden.

Zum eigenen Wertpapierdepot: Tja, wer noch nicht aufgeräumt hat, kann es jetzt getrost bleiben lassen, (wenn er nicht gerade auf hochentzündlichen Zertifikaten sitzt, bei denen es teilweise wirklich ums Eingemachte geht), denn alles, was jetzt verkauft wird, geht hoffnungslos unter Preis. Also zusammenreißen, Schotten dicht machen, Augen zu und durch. Der Dienstag wird vermutlich einer der übelsten Tage werden, den die Finanzmärkte je gesehen haben. Die harten Brüder und Schwestern unter uns werden sich morgen vermutlich sogar noch mit Einkäufen bedienen, allerdings ist das selbst mir viel zu heiß gerade.