„Kostenpflichtige E-Mail“ reloaded.

Bei der Deutschen Post wird es vor einiger Zeit vermutlich folgendes Gespräch gegeben haben:

Schlipsträger A: “Mensch, irgendwie müssten wir mit diesem Internet doch Geld verdienen, oder? Immer weniger Leute schicken sich noch echte Briefe, alle mailen nur noch.”

Schlipsträger B: “Dann verlangen wir doch einfach Geld für E-Mails.”

Schlipsträger A: “Super Idee, machen wir!”

Herausgekommen ist daraus bei der Deutschen Post AG ein Produkt, was der Klassiker in Sachen Produkte-Totgeburt sein dürfte: Die kostenpflichtige E-Mail namens “E-Postbrief”, die übrigens nichts mit einer anderen, staatlich geförderten Totgeburt namens “De-Mail” zu tun hat.

“E-Post”? War da nicht schon mal etwas? Ja, genau, “E-Post”! Beziehungsweise “ePost”, wie man das eingetragene Warenzeichen der Deutschen Post AG im Jahre 2000 schon mal für ein Produkt einsetzte. Einer “lebenslangen E-Mail-Adresse”, die jeder Bürger kostenlos bei der Deutschen Post AG beantragen konnte und deren Besitzer per Postident-Verfahren einmalig identifiziert wurde. Idee war, dass so jeder Besitzer einer ePost-Adresse besonders vertrauenswürdig erscheinen würde, da er ja im Gegensatz zur damaligen Freemailer-Konkurrenz eindeutig identifiziert war. Der Versand eines elektronischen Briefs war damals kostenlos und als besonderen Service gab es die Möglichkeit, ePost-E-Mails ausdrucken und per Normalpost versenden zu lassen, für 2 Deutsche Mark für die erste Seite und weiteren 50 Pfennig pro Zusatzseite.

Die Garantie auf eine “lebenslange E-Mail-Adresse” endete fünf Jahre später, als die Deutsche Post das Experiment mehr oder weniger sang- und klanglos wieder beerdigte. Weder waren die Konkurrenten namens GMX, Web.de, Yahoo oder AOL erfolgreich erledigt, Internet Service Provider gab es offensichtlich immer noch und zudem trat im Jahr 2004 Google mit einem eigenen Maildienst in den Ring. Vertrauenswürdigkeit hin oder her – offensichtlich interessierte sich niemand wirklich dafür, ob die E-Mail-Adresse eines Absenders besonders identifiziert war oder nicht und zu echten Briefeschreibern konnte die Deutsche Post ihre Kunden auch nicht erziehen.

Und nun, tataa, ist “ePost” als “E-Postbrief” wieder da. Auch jetzt ist die Anmeldung inklusive Postident-Verfahren wieder kostenlos, allerdings kostet nun der Versand Geld. “Sie zahlen nur das, was Sie auch nutzen”, so die Deutsche Post und verlangt beispielsweise für den Versand eines “E-Postbriefs 55 Cent. Wohlgemerkt: Für den elektronischen Versand, der darüber hinaus nicht größer als 20 Megabyte pro E-Mail sein darf. Und wenn der Absender eine Bestätigung für den Empfang haben möchte, werden zusätzlich 1,60 Euro fällig.

Die Deutsche Post möchte also tatsächlich nur 55 Cent für eine E-Mail haben, die bei allen Freemailern und Internet Service Providern dieses Planeten ansonsten kostenlos gesendet werden kann. Wenn schon die Briefträger verhungern müssen, sollen die Schweine, die das Internet für kostenlose Kommunikation mißbrauchen, wenigstens deren Obdachlosenhäuser bezahlen. Oder irgendwie so. Oder vielleicht auch einfach nur aus nostalgischen Gründen?

Aber hey, Deutsche Post AG, ich halte das alles für ein klasse Businessmodell! Jetzt klappt’s bestimmt, ich weiß es genau! Alles wird gut!

Die Wiederauferstehung von ePost.

Wie man sich aus lauter Eifer, der Beste zu sein, nebenbei lächerlich macht, macht uns aktuell die Deutsche Post AG vor. Denn die Deutsche Post AG ist aus dem Konsortium um das Projekt „De-Mail„, mit dem jedem Bürger eine Plattform zum sicheren Kommunizieren mit dem Staat angeboten werden soll, im März mit viel Getöse ausgestiegen und kündigt nun selbst eine entsprechende Plattform an.

Und damit fängt die Deutsche Post AG plötzlich da wieder an zu graben, wo sie vor Jahren mit dem „ePost“-Projekt Schiffbruch erlitten hat, denn schon mit genau diesem Projekt hat man damals, Ende der 1990er Jahre, großspurig ein „Postfach auf Lebenszeit“ angekündigt, dass noch nicht mal zehn Jahre hielt und am Ende auch noch ziemlich rüde verkauft und kurz darauf eingestampft wurde. Da macht es natürlich phantastisch kompetenten Eindruck, wenn die Deutsche Post AG im Alleingang nun plötzlich wieder die ePost-Leiche aus dem Keller holt.

Sehr spannend ist übrigens, mit welcher Intention die Deutsche Post AG an elektronisch sicherer E-Mail arbeitet. Man erwartet einen Rückgang des Briefverkehres durch Etablierung von elektronischen Kommunikationsformen und möchte das kompensieren. Ob die vermutlich sehr gut bezahlten Analysten schon begriffen haben, dass die meiste Kommunikation, die gesichert im Internet durchgeführt werden muss, bereits über das Web abgewickelt wird, beispielsweise das Online-Banking? Auch das De-Mail-Projekt lebt unter anderem mit der Intention, dass der Bürger damit dann sicher mit staatlichen Institutionen kommunizieren kann. Nur: Wer kommuniziert regelmäßig mit dem Staat und dann gar per E-Mail, die zukünftig dann mit De-Mail oder Konkurrenzprojekten zu verschlüsseln wäre?

[via Golem.de]

Paketbeschreibungen.

In der Postfiliale meines Vertrauens stand gestern Abend erstaunlicherweise nur eine Person vor mir. Normalerweise kann man sich nach 16 Uhr darauf gefasst machen, dass die halbe Nordstadt Pforzheims in der Schlange der Postfiliale steht, die selbst im Rewe an der Hohenzollernstraße stationiert ist, aber gestern ging es richtig.

Dafür fand man das Paket nicht, dass die Frau mit ihrer roten Paketmarke abholen wollte. Auflösung vorab: Laut Karte wäre das Paket erst am nächsten Tag abholbereit, aber darauf schaut man ja auch ganz zuletzt. Es ergab sich dennoch ein bemerkenswerter Dialog:

Mitarbeiterin (sucht in den Regalen): “Hm, ich kann Ihr Paket beim besten Willen nicht finden.”

Kundin: “Das ist aber komisch. Sollte doch eigentlich hier sein.”

Mitarbeiterin (schaut auf die Karte): “Ja, eigentlich schon, die angegebene Postfiliale ist richtig. Was ist denn im Paket drin?

Kundin (frohlockt und steigert die Lautstärke): “Ein WLAN-Router.

Mitarbeiterin: “Nö, ist noch nicht da.”

Ob es mit der Angabe des richtigen Paketinhaltes vielleicht doch noch etwas geworden wäre? Ob die Filialmitarbeiterin weiß, was ein WLAN-Router eigentlich ist? Und ob das Paket überhaupt nochmal ankommt? Hach ja.

Briefmarken per Mobiltelefon.

Die Deutsche Post experimentiert ja schon seit längerem an neuen Wegen, Porto zu verkaufen, ohne dass der geneigte Kunde zum Postschalter oder Briefmarkenautomat rennen muss (die nebenbei ja auch Geld kosten). Die am heimischen Computer ausdruckbare Internetmarke ist beispielsweise so ein Produkt, die nicht mehr als normales Briefporto kostet und sogar die Einbettung eigener Motive zulässt.

Eine neue Idee geht noch weiter: Die Handymarke. Hier kann der Handynutzer einfach eine SMS mit dem Textinhalt (ohne Anführungsstriche) „BRIEF“ oder „KARTE“ (für eine Postkarte) an die Rufnummer 22122 schicken und erhält umgehend eine SMS mit einem Ziffernblock zurück, der einfach rechts oben auf den Briefumschlag bzw. die Postkarte geschrieben wird. Bezahlt wird mit Handyguthaben oder der nächsten Telefonrechnung. Vorbei die Zeiten, als man vor dem Briefkasten stand und keine Briefmarke zur Hand hatte.

Die Idee hat jedoch zwei Haken: Zum einen funktioniert der Kauf einer Handymarke derzeit nicht unter O2 und zum anderen ist das so gekaufte Port richtig saftig teuer: Das Porto für den nationalen Standardbrief kostet 95, für die nationale Postkarte 85 Cent. Und dazu kommen dann auch noch die SMS-Transportkosten, so dass im ungünstigen Fall die Briefmarke per Handy doppelt so viel kostet, wie die normale Briefmarke.

Schade eigentlich, denn die Idee der Handymarke ist bemerkenswert gut.