WordPress ist spätestens jetzt Industriestandard …

… da seit 6. Mai nun auch der industriemäßig bloggende Jörg Kantel alias „Der Schockwellenreiter“ nun per WordPress veröffentlicht – eine höhere Adelung kann WordPress wohl kaum passieren.

Und dabei hat Herr Kantel, der immerhin schon seit dem Jahr 2000 bloggt und damit zu den allerersten Bloggern im Land gehört, auch noch die ganz große Büchse geöffnet und das alte Design in die Ewigen Theme-Gründe geschickt. Wobei man jedoch als geneigter Leser durchaus kritisch anmerken darf, dass das jetzige Design des Schockwellenreiters der gewaltigen Historie überhaupt nicht gerecht wird. Jörg, das kann man auch durchaus edler machen. Deine Aura verträgt’s problemlos. 😉

Zum Thema Selbstbehuldigung.

Seien wir mal freundlich: Ich mag solche Knuddelveranstaltungen wie die Republica zur Selbstbehuldigung nicht sonderlich, völlig unabhängig davon, um welches Thema es geht. Da geht es mir weniger um das investierte Geld und eine fehlende Veranstaltungsrendite, sondern ums Prinzip selbst. Ich glaube, dass wir Blogger noch weit davon entfernt sind, die Infoelite zu sein, die sich gern auf solchen Veranstaltungen feiert. Wir haben ja noch nicht mal unseren eigenen, kleinen Kosmos im Griff. Denn das, was die Blogosphäre ausmachen sollte, verkümmert immer weiter und es stört offenbar immer weniger Blogger:

  1. Es gibt ein Volk der „Edelblogger“, von denen einige wenige tatsächlich mehr oder weniger von Anfang an dabei sind, die auch mal durch das Etablieren von Web 2.0 glänzen konnten, dadurch eine Reihe von Visitenkarten einheimsen konnten und nun beratend durchs Land tingeln. Deren Beratungsarbeit ist allerdings insofern enttäuschend, dass es kaum zu wirklich sichtbaren Hallo-Effekten kommt. Die Frage ist da wirklich, ob es etwas bringt, jemandem für Geld das Bloggen zu verkaufen, wenn schon genau diese Frage die Idee hinter dem Blogge infrage stellt?
  2. Auch wenn wir in jedem zweiten Satz vollmundig und selbstbewusst festschreiben, dass wir Blogger eine neue Informationskultur darstellen, fühlen wir uns doch besonders wohl, wenn wir ein Mikrofon eines Fernsehsenders unter die Nase gehalten bekommen oder wir zu billigen Berichterstattern von Katastrophenfällen degradiert werden, um die berühmten 15 Minuten Ruhm einzustreichen und sich in Wirklichkeit vollkommen albern machen zu lassen. Wir sehen uns einerseits als die Neue Welt, fühlen uns aber offensichtlich am geilsten, wenn die Alte Welt versucht, uns zu karikieren.
  3. Die Blogosphäre liest sich immer stärker und immer ausschließlicher selbst und macht sich selbst zu einem Teufelskreis, den andere antreiben. Wir schreiben viel zu viel ab und machen zu wenig frischen Content. Damit aber der Blogosphärenreaktor kritisch werden kann, reicht es nicht einfach, die vorhandene Masse einfach aufzuheizen, sondern es muss mehr Stoff von außen hinein. Ansonsten bleibt die Blogosphäre auch weiterhin nur ein sehr großer Kommentarbereich für SPIEGEL Online, Heise & Co. und tritt nur auf der Stelle.
  4. Wir beschäftigen uns viel zu sehr mit uns selbst, anstatt den Webbrowser aufzumachen und surfen zu gehen oder auch einfach mal aus der (echten) Haustüre zu treten und draußen zu fragen, wo der Schuh drückt. Selbst wenn es dann der eigene ist. Das ganze Gebilde lebt aber nicht davon, dass wir uns jeden Tag von neuem fragen, ob wir gut oder schlecht sind, sondern davon, dass wir etwas schreiben.
  5. Wir machen zu viel gleichzeitig und damit zu viel zu wenig. Du twitterst? Schön! Du twitterst, weil du sonst keine Zeit zu bloggen hast? Schlecht. Wenn jemand anstatt einem Blogartikel zehn Twitter-Tweets schreibt, dann ist das ein Verlust für die Blogosphäre und ein Sieg für das Belanglose und Flüchtige. Ich habe bis vor kurzem auch selbst noch gesagt, dass ich das twittere, was angeblich in mein Blog thematisch nicht hineinpassen würde, genau das ist aber einer der Kardinalfehler.
  6. Wir verlinken in der Blogosphäre viel zu wenig und viel zu sorgenvoll. Das ist ein großer Fehler, denn erst die Vernetzung via Links bringt Leser zu anderen Meinungen und andere Blogs in die Diskussion. So lange wir dabei Angst haben, dass uns dabei die eigenen Leser weglaufen (was definitiv nicht stimmt), wird der Blogosphärenreaktor niemals aus eigener Kraft laufen.

Wir Blogger haben eigentlich einen gewaltigen Berg an Arbeit vor uns, wenn wir den Graswurzeljournalismus tatsächlich einmal zu einer festen Größe werden lassen und nicht zu einer Randnotiz des Informationszeitalters verkümmern wollen. Und ich sehe nicht, dass die derzeitigen Web-2.0-Huldigungsveranstaltungen dazu sonderlich viel beitragen.

Wer will eigentlich das bedingungslose Grundeinkommen?

Ja, das frage ich mich derzeit gerade. Will es der Bürger? Oder will es ein Lobbyverband? Oder wollen es eher Teile von Web-2.0-Sphären, die mit diversen Online-Petitionen, Twitter-Spam (ja, Spam) davon träumen, mal eben geschwind‘ die Obama-Nummer hier durchzuziehen? Zumindest letzteres erreicht nämlich derzeit eher schrille Ausmaße.

Grundsätzlich: Verstärkt den Konsum zu besteuern und eher weniger die Arbeitsleistung, ist generell keine dumme Sache, zweifellos. Es ist auf den ersten Blick nicht wirklich sinnvoll, Arbeit immer weiter dadurch zu verteuern, um damit rein den Staat zu finanzieren, denn schließlich müssen alle konsumieren, während nicht alle arbeiten müssen/wollen/können. Und freilich hört es sich auch einfach toll an, wenn man praktisch keine Einkommensteuer mehr zahlen soll, sondern auch noch 1.500 Euro (eine Planzahl von vielen) bar vom Staat auf die Hand bekommt, erst mal für umme.

Die Probleme kommen allerdings mit dem zweiten Blick und davon sind genügend Aspekte schlicht Bindflüge erster Güte:

  • Die Idee des Grundeinkommens lebt davon, dass in noch stärkerem Maße Konsum stattfinden muss. Keiner weiß, was passiert, wenn dieser Konsum nicht stattfindet, was in einem sparwütigen Land wie Deutschland ein nicht wegzudiskutierendes Thema ist.
  • Es gibt bereits eine Konsumsteuer, die nennt sich Mehrwertsteuer und die ist mit 19 % schon nicht knapp genug. Sie ist zwar im Europavergleich relativ niedrig, allerdings gibt es auch nicht allzuviel Luft nach oben.
  • Niemand kann wirklich fundiert sagen, was für Auswirkungen ein Grundeinkommen auf den Arbeitsmarkt haben wird. Einerseits wird logischerweise Arbeit billiger, es steht auch der Ansatz im Raum, dass einfache und bisher schlechtbezahlte Arbeit schlicht besser bezahlt werden muss, damit sie getan wird, aber dadurch wird diese wiederum teurer und durch eine Konsumsteuer noch zusätzlich verteuert.
  • Das Grundeinkommen, besonders die Idee des Bedingungslosen Grundeinkommen, stellt den fundamentalen Ansatz, dass der Staat dann da ist, wenn er benötigt wird, komplett auf den Kopf. Ich möchte nicht, dass der Staat mir erst mal ohne Gegenleistung Geld überweist und ich das dann teuer wieder zurückgeben muss. Wohlgemerkt: Ich. Der Grenznahe, der Reiche, der Pfennigfuchser, der Online-Käufer, die werden das Geld ins Ausland tragen oder zum Schmuggler um die Ecke.

Über eine andere Sache muss man sich übrigens auch klar werden: Das Steuersystem ist immer so gerecht, wie es das Volk fordert. Selbstverständlich kann man ein Steuersystem radikal vereinfachen, das geht jedoch logischerweise auf Kosten von Ausnahmen. Und von Ausnahmen profitieren lange nicht nur Reiche, sondern vor allem die arbeitende Mittelschicht – man denke da nur an so liebgewonnene und aus verschiedenen Gründen nicht immer zeitgemäße Schlager wie die Pendlerpauschale, der Sparer-Pauschbetrag, die Wohnungsbauprämie, die Arbeitnehmersparzulage und viele andere gewachsene, wilde und doch eifrig genutzte Kuriositäten mehr. Mit halben Sachen ist ein Grundeinkommen nicht zu machen und ich bin mir nicht sicher, ob der harte Schnitt da auch gut in der Mittelschicht, die letztendlich auch weiterhin den Bärenanteil am Steueraufkommen zahlen wird, ankommt.

Eine andere Sache, die mich schwer stört, ist jedoch wieder eine Sicht in die Web-2.0-Welt und damit in die aktuellen Bewegungen in der Twitter-, Facebook- und Blogosphäre: Regierungsarbeit und Wahlkampf sind zwei grundverschiedene Dinge, auch wenn ersteres zunächt einmal letzteres bedingt. Man kann noch so hübsch im Wahlkampf die so genannte Bürgerdemokratie und die Graswurzelbewegung hochhalten – mit Regierungsarbeit hat das nur damit zu tun, dass man schön davon träumen kann.

Und machen wir uns mal bitte eine Sache nicht vor: Der Herr Obama ist sicherlich ein sympathischer Mensch, mit dem ich durchaus auch gern mal ein Bier trinken gehen würde, der sicherlich einige sehr erfrischende Thesen in petto hat und weit transparenter ans Werk geht, als sein amtsfrigider Vorgänger im Amt. In sein Tagesgeschäft und in seine oberste Gestaltungshohheit wird sich jedoch auch ein Herr Obama weder von seinen Twitter-Feed-Lesern, noch von Bloggern hereinreden lassen. Der große Diskurs und die große Enttäuschung ist in meinen Augen da nur eine Frage der Zeit.

Wer schleichwirbt, stirbt.

Nicht sofort und auch nur in seiner Existenz in meinem Feedreader, dafür jedoch nachhaltig. Und damit meine ich vor allem so Blogger, die sich dafür hergeben, für vergleichsweise harmlose Kinkerlitzchen von Euro knallharte Werbung a la Trigami & Co. in den Content zu schmuggeln.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich habe absolut nichts gegen Leute, die ihr Blog monetarisieren. Die wenigsten können davon wirklich leben, aber selbst wenn es nur dazu reicht, die Hosting-Kosten zu decken, ist es schon sinnvoll. Wer sein Hobby finanziert bekommt, macht es zumindest nicht falsch. Wer sein Hobby allerdings damit finanziert, in dem er neben seinem Hobby noch Meinungen anderer für Geld platziert, dann loost er.

So aktuell die an sich bisher recht kompetent wirkenden Jungs vom GoogleWatchBlog, die es doch heute tatsächlich geschafft haben, eine eh schon peinliche Mitarbeiterwerbeaktion der Bausparkasse Schwäbisch Hall als Trigami-Werbeaktion in den eigenen Content und damit in mindestens 23.630 Feedreader (laut dem Feedburner-Counter) zu blasen.

Und das muss man sich erst einmal im Nachlauf auf der Zunge zergehen lassen: Trigami-Werbung, die von der Idee her darauf basiert, wertvolle Textlinks in den Content von Blogs einzukaufen, um von deren Google-Linkjuice zu profitieren und das ausgerechnet auf einer Website, die fast ausschließlich über Google schreibt. Besser kann man sich vermutlich auf keine andere Weise Feinde schaffen.

Teuer verdiente Euro. Und nun zumindest bei mir auf der Abschußliste im Feedreader.

Sind keine Nachrichten gute Nachrichten?

Es gibt ja in der Web-2.0-Welt durchaus die Verfechter der These, dass Blogging der Journalismus von morgen sei. Diese These beschäftigt mich innerlich mehr oder weniger schon seit Jahren und während ich ganz zu Anfang diese These komplett verneinte, zwischendurch dann schon mal das Gefühl hatte, dass an der These etwas sein könnte, hat sich meine Meinung in den letzten Monaten wieder gewandelt. Nicht, weil das Bloggen selbst nicht journalistischen Ansprüchen genügen würde (das Gegenteil ist der Fall), sondern weil die meisten Blogger eben keine Journalisten sind.

Das beste Beispiel heute ist Rivva.de, das wunderbare Werkzeug von Frank Westphal, das einen Überblick über Schlagzeilen in der Blog- und Online-Welt liefert, in dem es dem Kommentierungs- und Verlinkungsgrad bewertet. Von der Idee her eine tolle Sache, allerdings in der Praxis ein Werkzeug, das schonungslos aufzeigt, dass in den Leitmedien der Blogosphäre Quantität vor Qualität steht. Ein gefühltes Drittel der Blogs, die in Rivva.de als Reaktionen auf einen Artikel erscheinen, erscheinen dort nur aus einem Grund: Weil die Autoren der betreffenden Blogs nichts anderes machen, als Reaktionen auf in Rivva.de erscheinende Artikel zu geben. Damit machen sie natürlich in erster Linie auf ihr Blog aufmerksam, ranken dafür aber die betreffenden Artikel in Rivva.de hoch. Was das jetzt mit Weihnachten zu tun hat? Nun, wenn eben diese ganzen Trittbrettfahrer im Weihnachtsurlaub sind, läuft Rivva.de quasi leer. Und das tut es nämlich gerade.

Gibt es deshalb jetzt gar keine Nachrichten? Ein Blick auf die gängigen Nachrichten-Websites, die unter anderem über ein Ultimatum Israels gegen die Hamas schreiben, über Truppenverschiebungen pakistanischer Militärs an der pakistanisch-indischen Grenze, über den Vorschlag vom  Banken zum Verschieben von Risikopapieren an den Staat und über die Reaktionen zur Weihnachtsansprache des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad an die britische Bevölkerung, spricht dabei eine andere Sprache.

Die viel besungene Schwarmintelligenz hat sicherlich seinen eigene Charme, dessen Wirkung in vielen Spezialfällen noch gar nicht wirklich erforscht sein dürfte. Wenn jedoch die Schwarmintelligenz das Problem hat, dass ein paar schlafende Schwarmteilnehmer dem gesamten Schwarm eine trügerische Ruhe unfreiwillig vorgaukeln können, dann haben wir ein Problem.

Wie tot eigentlich wirklich tot ist.

Alle paar Monate wabert es durch die Blogosphäre: Blogs seien tot. Beim letzten Mal vielleicht noch nicht so ganz richtig, aber jetzt auf jeden fall echt. Richtig tot. Kein Hype mehr. Seltsamerweise kommen solche Feststellungen immer wieder gern von Marketingleuten, die versuchen, den Web-2.0-Hype zu fassen.

Was bitteschön ist denn eine Sphäre? Eine Sphäre ist in erster Linie erst einmal eine Bezeichnung für einen Raum, der aus vielen einzelnen, höchst unterschiedlichen und komplexen Ebenen bestehen kann, die auch gern alle einen eigenen Mikrokosmos bilden und die im Vergleich zu den anderen Ebenen höchst unterschiedlich sein können. Nicht ohne Grund ist der Begriff „Sphäre“ deshalb passend für die uns umgebende Atmosphäre, von der viele glauben, dass sie erst 5/50/500/5000 Meter über unsere Köpfen beginnt, aber in Wirklichkeit die Gashülle um einen Himmelskörper bezeichnet und die fängt eben nun mal direkt über dem Boden an.

Und genau hier sind wir schon beim Problem, wenn wir definieren wollen, was eigentlich die Blogosphäre ist. Und hier sind wir auch schon beim nächsten Problem, ab wann denn die Blogosphäre als tot gilt. Sterben kann eine Sphäre nämlich eher weniger, sie kann unwirtlicher für eine bestimmte Art von Lebewesen werden oder auch kleiner. Sie kann auch, wenn der „Drive“ des Himmelskörper fehlt, auch ganz entschwinden. Und sie kann, um das alles noch viel komplizierter zu machen, auch in Bereichen schwer geschädigt sein, während sie an anderen Stellen funktioniert wie blöde.

Das, was sich im Zusammenhang mit Blogs vielleicht so langsam dem Ende zuneigt, ist der Hype. Der definiert sich dadurch, dass zu einer bestimmten Zeit viele Menschen glauben, es sei einfach „modern“, sich ein hippes Ding zuzulegen, ohne Rücksicht darauf, ob es Sinn macht, gut ausschaut, draußen ankommt. Es ist einfach ein Hype, es ist hipp, am Hype teilzunehmen – und ebenso ist es irgendwann nicht mehr hipp und dann verwelken diejenigen, die am Hype nur des Hypes wegen teilgenommen haben. Kommt vor.

Bloggen ist ähnlich wie Autofahren. Es erfüllt keinen Hype, sondern dient Grundbedürftnissen: Autos unterstützen die Fortbewegung, Bloggen unterstützt die Kommunikation und persönliche Entfaltung. Niemand käme auf die Idee, zu sagen, Autofahren wäre tot, auch wenn es durchaus mal eine Zeit gab, in denen Autofahren mal hipp war. Hatte eben noch nicht jeder, brauchte man auch nicht unbedingt, hätte man aber gern.

Die Betrachtungsweise, Herrschaften, lässt sehr viel darüber hinausblicken, wie es da draußen wirklich ist und wie es vor allem eben nicht wirklich ist. In meinem Feedreader finden sich in den 80 Feeds, die ich abonniert habe, pro Jahr durchschnittlich10 bis 20 % Feeds von Publikationen, die irgendwann gestorben sind. Könnte ich sofort anfangen, herumzujammern. Tue ich aber nicht, weil pro Jahr etwa 20 bis 30 % neuer Feeds hinzukommen und die werden zu einem nicht kleinen Teil auch von denen erstellt, die noch im Vorjahr ein Blog aufgegeben haben.

Das sieht dann natürlich gern keiner, wenn er die ewige Mär von der ach so sterbenden Blogosphäre singt. Aber inzwischen wird auch Robert ziemlich pampig, wenn er die Schlagersänger singen hört. 😉