Was war eigentlich gleich nochmal Second Life?

Erinnert sich der geneigte Leser noch an Second Life? Damals, so um das Jahr 2007 herum, war das mal der absolute Hype. Second Life, die virtuelle 3D-Welt, war irgendetwas zwischen einem inzwischen 8 Jahre alten Dienst, der quasi jeden Rechner als unterdimensioniert ansah und einen völlig unbedienbaren Client mitbrachte, mit dem man sich im Cyberspace nicht wirklich bewegte, sondern herumstakste. Meine Anmeldung datiert vom 30. Oktober 2007 und ich kann mich sehr gut erinnern, dass meine damalige Second-Life-Experimentierphase am 2. November 2007 auch schon wieder endete. Mein damaliger Rechner war schlicht nicht brauchbar und irgendwie war auch kaum mehr mit Second Life anzufangen, als andauernd von anderen Avataren zu hören, wie schön doch das Fliegen sei.

Heute habe ich mal aus lauter Neugier einen zweiten Anlauf getan. Und einen Unterschied gibt es: Die Testphase endete nicht 2 Tage später, sondern 2 Stunden – Second Life ist, so weit ich das beurteilen kann, tot. Weit toter als beispielsweise PlayStation Home, die virtuelle Welt auf der PS3, die zwar nicht gänzlich tot ist, sich aber an Gehirntote richtet.

Immerhin, der Second-Life-Client ist mit seinen 24,5 Megabyte immer noch verhältnismäßig schlank und nach dem Start findet man sich in einem deutlich benutzerfreundlichen Modus wieder. Eine vorherige Ausbildung als 3D-Objektentwickler ist also nicht mehr unbedingt erforderlich. Das Laufen ist also ganz einfach möglich, mit Maus und Pfeiltasten. Nur: Wohin laufen? Eigentlich gibt es nichts mehr, wohin man hinlaufen wollte.

Mit den „Destinations“ hat man offensichtlich einen weiteren Makel behoben, nämlich die Frage, wohin man eigentlich nach dem Start auf der Anfängerinsel hingehen möchte. Science-Fiction-Welten gibt es, „reale“ Welten, die mehr oder weniger realen Orten nachempfunden sind und so weiter und so fort. In viele Destinationen kann man sogar gehen (einige funktionieren schlicht nicht), allerdings findet man sich in den meisten gänzlich allein. Der Besuch im virtuellen Köln war eine recht spaßfreie Geschichte, denn neben dem Hintergrundgedödel von Eins Live und der Möglichkeit, am virtuellen Kölsch-Fass gemütlich ein Glas einzustecken, ist man dort allein. Eine weitere Person fand sich auf dem Gelände und der Mensch, der mutmaßlich zu diesem Avatar gehört, war entweder am schlafen oder tot, denn nichts tat sich.

Hat sich das Thema Second Life erledigt? Wollen wir gar nicht in den „3D-Cyberspace“ gehen? Wo sind die ganzen Experimentierflächen diverser Unternehmen, Parteien, Prediger geblieben?

Wer braucht eigentlich noch … ICQ?

Der Instant Messenger ICQ, ich kann mich noch relativ gut daran erinnern, war mal Kult. Weniger der offizielle ICQ-Client, der schon immer eine Usability-Katastrophe war und mit Werbebanner überhäuft war, sondern die Möglichkeit des Echtzeitquatschens für Nichttechniker. Bis dato, also bevor ICQ ab 1997 die Elektrokommunikation revolutionierte, mailte man oder drückte sich im IRC herum – wenn man wusste, wie man dahin kam. ICQ hatte einen Client, den installierte man, registrierte sich, bekam eine ICQ-Kennung und die gab man herum.

Nach gut zwei Jahren verkauften die vier israelischen ICQ-Erfinder ihr Unternehmen namens Mirabilis 1998 an niemand geringeres als AOL. AOL selbst hatte mit seinen internen AOL-Chats die Chat-Hoheit im Privatmarkt, aber eben nur intern. ICQ störte sich an solchen Dingen nicht und obwohl AOL mit seinem eiligst aufgebauten AOL Instant Messaging (AIM) versuchte, ICQ Paroli zu bieten, tat man das, was man mit aufstrebenden Konkurrenten macht, so lange sie noch klein sind: Man kauft sie auf.

Dem Erfolg von ICQ tat das freilich kein Abbruch. Eine halbe Milliarde ICQ-Kennungen soll es geben, wovon vermutlich nicht wenige schlicht inaktiv sein dürften. Instant Messaging ist in der „Online-Karriere“ der meisten Internet-Nutzer ein vorübergehendes Kapitel. Für ICQ und AOL war es vermutlich ebenso, denn AOL hat so ziemlich alle Trends verpasst, die man mit einer so wertvollen User-Basis hätte machen können. Die Online-Konkurrenten Yahoo und Microsoft bauten für ihre bestehenden Communitys ebenfalls mit verhältnismäßig wenig Aufwand Instant Messenger und ein paar Jungs aus Estland bastelten 2002 mit Skype eine Software, die das Telefonieren im Internet revolutionierte und die Instant Messaging quasi noch als Abfallprodukt beherrschte.

ICQ blieb der Instant Messenger der Kinder und der Unverbesserlichen. Unglaublich groß, laut, spam-überlaufen und mitunter sehr nervend. Im Business-Umfeld, in dem man eh schon genug damit zu tun hatte, Instant Messaging als Kommunikationsform zu etablieren, war die Nutzung so empfehlenswert, wie das Mitnehmen der Bild-Zeitung als Frühstückslektüre in den Aufsichtsrat einer Aktiengesellschaft. Zwar konnte man sich als Profi damit behelfen, alternative Clients einzusetzen, deren Nutzung von ICQ/AOL zwar untersagt war, aber dennoch funktionierte.

Und dann kam das Web 2.0. Twitter, Facebook, studiVZ und Konsorten schafften völlig neue Community-Welten, die den schnellen Aufbau von sozialen Netzwerken innerhalb kürzester Zeit ermöglichten. Während in Social Networks wie Facebook eben auch einfach eine Chat-Funktion integriert wurde, betraten Micro-Blogging-Dienste wie Twitter einen ganz neuen Pfad, nämlich das Grenzgebiet zwischen Echtzeitkommunikation, Mailen und Chatten. Man kann Twitter als Nachrichtenfeed nutzen, aber auch zum Chatten oder zur Direktkommunikation mit einem Kommunikationspartner. Während ich beim Chatten ständig „auf Sendung“ sein muss, lässt Twitter hier Freiräume und ermöglicht es, eine an sich stringent geführte Kommunikation zu strecken. Das geht sicherlich auf Kosten der Verbindlichkeit einer „echten“ Direktkommunikation, flexibler ist es aber allemal.

Nun ist ICQ als einer der wichtigeren Werte von AOL versilbert worden, was vermutlich kaum noch zu vermeiden war. Während AOL in seinen besten Zeiten in den USA über 25 Millionen Kunden hat, bewegt man sich heute hart an der 5-Millionen-Grenze, Tendenz weiter fallend. Andere Märkte außerhalb der USA gab man lieber gleich ganz auf, beispielsweise auch AOL Deutschland. Dass ICQ nun einem russischen Investor gehört, macht die Zukunft sicherlich nicht rosiger.

Migration meines Instant Messaging.

Das hat mich wirklich eine ganze Weile genervt: Zwar funktioniert Miranda als Multiprotokoll-Instant-Messenger soweit ganz zufriedenstellend, wenn auch nicht immer richtig vertrauenerweckend, allerdings ist er als Instant Messenger simpel, leichtgewichtig und funktioniert prima ohne Installation, direkt vom USB-Stick herunter. Multi-Protokoll heißt aber, wenn man wirklich zu jedem einzelnen Dienst Verbindung aufnimmt, vier Verbindungen über verschiedene Ports, vier manchmal recht hartnäckig zickende Dienste und leider unterschiedliche Userverwaltungen.

Die Jabber-Entwicklergemeinde kennt dieses Problem und hat schon vor Jahren das Konzept der so genannten Transports implementiert – Gateways zu anderen Diensten aus dem Jabber-Netzwerk heraus. Das hat den angenehmen Effekt, dass man sich einmalig mit seinem Jabber-Benutzernamen bei entsprechenden Transports registriert und dann über diese Gateways beispielsweise auf ICQ zugreifen kann. Und eben nur per Jabber direkt zu einem Server verbunden ist.

Der Tipp von Frank mit dem Jabber-Server swissjabber.ch kam da wie gerufen. Ein top-gepflegter Jabber-Server, auch erreichbar per SSL auf Port 443 (die Insider wissen, was für einen Nebeneffekt das hat..) und mit Transports zu ICQ, Yahoo, AIM und MSN. Und da dieser Server (inzwischen wieder) wirklich in der Schweiz steht, beißt auch Wolfgang Schäuble auf besten, schweizerischen Granit, wenn er mitlesen wollte. 😉

Miranda: Security by default. Fast.

Im Changelog des Multiprotokoll Instant Messengers Miranda findet sich für die Version 0.7.8, die vorgestern veröffentlicht wurde, folgendes:

Enhancements:
 - SSL library included to provide ssl support
 - ICQ: Improved client detection
 - Jabber: Enable StartTLS by default

Die Jungs haben nun tatsächlich die Jabber-Einstellungen so voreingestellt, dass standardmäßig bei jedem Verbindungsaufbau eine SSL-verschlüsselte Verbindung probiert wird. Und damit das auch genutzt wird und funktioniert, liegt nun im Installationspaket ein Datei namens winssl.dll.

Coole Sache. Dachte ich zumindest auf den ersten Blick. Der zweite Blick zeigte mir nämlich, dass diese winssl.dll nur schlappe 6 Kilobyte groß ist – für eine SSL-Bibliothek reichlich dünn, wenn man bedenkt, dass die echten OpenSSL-Bibliotheken unter Windows (libeay32.dll, libssl32.dll und ssleay32.dll) zusammen rund 600 Kilobyte auf die Waage bringen.

Die Lösung ist relativ einfach, wenn auch bescheuert: Die Datei winssl.dll enthält nämlich gar keinen eigenen SSL-Stack, sondern sorgt dafür, die SSL-Implementierung von Windows für die Jabber-Verbindung zu nutzen. Ziemlich einfallslos, da kann man die Logausdrucke ja auch gleich ausdrucken, binden und an das Innenministerium schicken. Zumal es genügend Dokumentation und sogar Windows-Binaries der originalen OpenSSL-Bibliotheken gibt, die man lediglich in das Miranda-Programmverzeichnis hineinkopieren muss (deutsche Anleitung im Miranda-Wiki).

Hinweis: Bevor die originalen OpenSSL-Bibliotheken in das Programmverzeichnis kopiert werden, zuerst die vorhandene winssl.dll löschen. 😉