Wer braucht eigentlich noch … ICQ?

Der Instant Messenger ICQ, ich kann mich noch relativ gut daran erinnern, war mal Kult. Weniger der offizielle ICQ-Client, der schon immer eine Usability-Katastrophe war und mit Werbebanner überhäuft war, sondern die Möglichkeit des Echtzeitquatschens für Nichttechniker. Bis dato, also bevor ICQ ab 1997 die Elektrokommunikation revolutionierte, mailte man oder drückte sich im IRC herum – wenn man wusste, wie man dahin kam. ICQ hatte einen Client, den installierte man, registrierte sich, bekam eine ICQ-Kennung und die gab man herum.

Nach gut zwei Jahren verkauften die vier israelischen ICQ-Erfinder ihr Unternehmen namens Mirabilis 1998 an niemand geringeres als AOL. AOL selbst hatte mit seinen internen AOL-Chats die Chat-Hoheit im Privatmarkt, aber eben nur intern. ICQ störte sich an solchen Dingen nicht und obwohl AOL mit seinem eiligst aufgebauten AOL Instant Messaging (AIM) versuchte, ICQ Paroli zu bieten, tat man das, was man mit aufstrebenden Konkurrenten macht, so lange sie noch klein sind: Man kauft sie auf.

Dem Erfolg von ICQ tat das freilich kein Abbruch. Eine halbe Milliarde ICQ-Kennungen soll es geben, wovon vermutlich nicht wenige schlicht inaktiv sein dürften. Instant Messaging ist in der „Online-Karriere“ der meisten Internet-Nutzer ein vorübergehendes Kapitel. Für ICQ und AOL war es vermutlich ebenso, denn AOL hat so ziemlich alle Trends verpasst, die man mit einer so wertvollen User-Basis hätte machen können. Die Online-Konkurrenten Yahoo und Microsoft bauten für ihre bestehenden Communitys ebenfalls mit verhältnismäßig wenig Aufwand Instant Messenger und ein paar Jungs aus Estland bastelten 2002 mit Skype eine Software, die das Telefonieren im Internet revolutionierte und die Instant Messaging quasi noch als Abfallprodukt beherrschte.

ICQ blieb der Instant Messenger der Kinder und der Unverbesserlichen. Unglaublich groß, laut, spam-überlaufen und mitunter sehr nervend. Im Business-Umfeld, in dem man eh schon genug damit zu tun hatte, Instant Messaging als Kommunikationsform zu etablieren, war die Nutzung so empfehlenswert, wie das Mitnehmen der Bild-Zeitung als Frühstückslektüre in den Aufsichtsrat einer Aktiengesellschaft. Zwar konnte man sich als Profi damit behelfen, alternative Clients einzusetzen, deren Nutzung von ICQ/AOL zwar untersagt war, aber dennoch funktionierte.

Und dann kam das Web 2.0. Twitter, Facebook, studiVZ und Konsorten schafften völlig neue Community-Welten, die den schnellen Aufbau von sozialen Netzwerken innerhalb kürzester Zeit ermöglichten. Während in Social Networks wie Facebook eben auch einfach eine Chat-Funktion integriert wurde, betraten Micro-Blogging-Dienste wie Twitter einen ganz neuen Pfad, nämlich das Grenzgebiet zwischen Echtzeitkommunikation, Mailen und Chatten. Man kann Twitter als Nachrichtenfeed nutzen, aber auch zum Chatten oder zur Direktkommunikation mit einem Kommunikationspartner. Während ich beim Chatten ständig „auf Sendung“ sein muss, lässt Twitter hier Freiräume und ermöglicht es, eine an sich stringent geführte Kommunikation zu strecken. Das geht sicherlich auf Kosten der Verbindlichkeit einer „echten“ Direktkommunikation, flexibler ist es aber allemal.

Nun ist ICQ als einer der wichtigeren Werte von AOL versilbert worden, was vermutlich kaum noch zu vermeiden war. Während AOL in seinen besten Zeiten in den USA über 25 Millionen Kunden hat, bewegt man sich heute hart an der 5-Millionen-Grenze, Tendenz weiter fallend. Andere Märkte außerhalb der USA gab man lieber gleich ganz auf, beispielsweise auch AOL Deutschland. Dass ICQ nun einem russischen Investor gehört, macht die Zukunft sicherlich nicht rosiger.

Google Moderator.

formspring.me teste ich ja nun schon eine ganze Weile, das ist rechts in der Sidebar des Blogs die Textbox, in der ich mit leicht panisch wirkendem Unterton um Fragen bitte. Probieren geht ja bekanntermaßen über Studieren.

Ergebnis nach ein paar Wochen ist, dass es eine weitgehend unspannende Geschichte ist. Als publizierender Mensch hat man generell das Problem, dass Rückmeldungen rar sind und darunter leidet dann auch diese Textbox. Nicht immer, wenn man einfach Fragen stellen könnte, hat man auch welche parat oder findet den Befragenden so spannend, ihm irgendwelche Fragen zu stellen. Ohne Fragemotivation funktioniert so etwas überhaupt nicht.

Dazu kommen dann noch genügend Unzulänglichkeiten von formspring.me. Es gibt beispielsweise keine Möglichkeit, dass mir der Dienst eine Mail schreibt, wenn mir jemand eine Frage stellt. Immer wieder schaut man deshalb rein – oder eben auch nicht.

So kommt es dann, dass es mitunter interessante Personen gibt, denen man dann möglicherweise doch mal eine interessante und ernst gemeinte Frage stellen möchte und die liegt dann ewig herum, weil der Befragte sich nicht einloggt und seinen Zettelkasten durchschaut. Langweilig und auch irgendwo lieblos betriebene Veranstaltung.

Durch Zufall bin ich auf einen kleinen Dienst namens Google Moderator gestoßen, der eine ähnliche Feedback-Möglichkeit bietet, aber eher als einem Vorschlags- und Abstimmungssystem angelegt ist. Hier kann ein Thema eingerichtet werden, zu dem dann Teilnehmer Vorschläge und Ideen beisteuern können und zu denen dann auch gleich Zustimmung oder Ablehnung bekundet werden kann.

Damit ist die Feedback-Möglichkeit natürlich nicht ganz so universell wie mit einer einfachen Textbox, allerdings ist es mir so möglicherweise eher lieber. Mit etwas Phantasie habe ich nun eine Einleitung gedichtet, mit der ich die geneigte Leserschaft auffordern kann, Vorschläge einzuwerfen, über was ich drüben bei netplanet oder hier im Blog mal schreiben soll und andere Teilnehmer können diese Vorschläge (so wenn denn dann auch welche kommen) gleich mitbewerten.

Auch hier gilt: Probieren wir es einmal aus, und zwar hier: Was darf’s sein in netplanet?

Warum deutscher Sport und Web 2.0 nicht funktionieren.

Im ganzen Olympia-Trubel stellt Thomas Knüwer in seinem Blog eine interessante Frage auf, die da lautet, warum Web 2.0 im deutschen Sport nicht funktioniert.

Die Antwort dürfte eigentlich sehr naheliegend sein: Es gibt offensichtlich keine Notwendigkeit dafür. Und in der Tat trifft es diese zunächst subjektiv aufgestellte These weitgehend auf den Kopf, denn der deutsche Profisport kommt im Internet – wenn überhaupt – quasi ausschließlich in Web 1.0 daher. Aber woran liegt’s eigentlich?

Professioneller Sport außerhalb der großen, voll durchkommerzialisierten Sportarten wie eigenverwaltetem Ligasport von Fußball, Handball, Eishockey oder solchen Werbeverkaufsveranstaltungen mit angeschlossenem Sportevent wie die Formel 1 etc. ist ein zutiefst verbandsorientierter und staatlich subventionierter Sport. Das fängt schon in den unteren Ligen der großen Sportarten an und wird immer trister, je tiefer und regionaler es wird. Wenn ein Verein und ein Sportler nicht zuschaut, seinen Enthusiasmus zu vermarkten, dem bleibt am Ende nur noch das Joggen mit selbstbezahlten Turnschuhen.

Verbandssport bedeutet im Idealfall: “Das Team ist alles, das Individuum gehört dazu.” Gern ist es aber auch mal: “Der Verband ist alles, das Team ist viel und das Individuum ist nun mal da.” Und irgendwann, wenn es dann professionell werden soll und das alles nicht mehr in den Verbandsrahmen passt, ist plötzlich der Staat da, in Form des Beamtentums. Da sind dann auf der Loipe Sporter unterwegs, die von Beruf Soldat sind, Polizist oder Zöllner. Die sicherlich auch irgendwann mal eine Grundausbildung im Schnelldurchlauf durchziehen, aber ansonsten sich auf ihren Sport konzentrieren und Ihr Gehalt fortan bis zu ihrem Ausscheiden vom Staat erhalten.

Es gehört bei jeglicher Art von Unterordnung (das ist jetzt per se noch gar nicht böse gemeint) dazu, ein Stück des eigenen Individualismus aufzugeben. Und das sieht man dann sehr schön in den Internet-Auftritten und in den weitgehend abgestellten Selbstvermarktungsaktivitäten.

Eine eigene Sportler-Homepage ist da noch das größte, was man zu sehen bekommt. Die direkte Ansprache der Besucher in den in der Regel äußerst homöopathisch veröffentlichten Nachrichten ist dabei der einzig wirkliche Versuch, eine Art von Dialog vorzugaukeln, der Rest ist dann eher erschütternd. Die wenigen Fotos kommen aus dem professionellen Shooting, das Gästebuch ist nun mal ein Gästebuch im Einbahnstraßenverkehr, die Biografie stammt vom Berater. Von so einfachsten Sachen wie einem RSS-Feed ist weit und breit nichts zu sehen.

Solche Art von Fan-Versorgung mag zwar Mainstream sein, entspricht aber in etwa einer handkopierten Mitgliederzeitung des fiktiven Manta-Clubs Nordschwarzwald. Müffelt etwas nach Schweiß, sieht aus wie die grundsätzlich grauen Anzüge der bundesdeutschen Wintersport-Nationalmannschaften mit Bundesadler und spricht meist mit bayerischem Akzent.

Glamour? Starkult? Glamour “made in Germany” sieht folgendermaßen aus: Bundesverteidigungsminister zu Guttenberg fährt zu seinen Untergebenen nach Whistler, lässt sich mit ihnen im Sparkassen-Viererbob (der so aufgrund des Werbeaufdrucks gar nicht fahren darf) fotografieren, sitzt im völlig albernen quietschgelben Anorak im Publikum einer Veranstaltung und diktiert so denkwürdige Sätze in die Notizblöcke der Journalisten, wie als dass er Magdalena Neuner seine Handynummer gegeben habe und sie ihn jederzeit anrufen könne. Ideales Popcorn für das unter fortschreitender Gehirnfäule leidende BILD-Publikum. Goldhäschen trifft Star-Minister! Und wenn man dann wieder zurück im heimischen Lande ist, geht es zum nächsten Knietätscheltermin von “Wetten dass” und wieder zurück ins Arbeitslager.

Zugegeben, eine überzogene Zeichnung, die ich hier male. Aber warum finden wir es aufregend, was die Amerikaner so tun? Mein bestes Beispiel ist hier die US-Skiläuferin Julia Mancuso (deren Homepage derzeit allerdings nur gelegentlich funktioniert), der ich seit einer Weile in Twitter followe, neben den derzeit 14.131 anderen Followern. Mancuso gilt selbst in den USA als Sportlerin mit durchwachsenem Privatleben, in dem sie es auch durchaus auch mal krachen lässt. Mancuso in kurzen Hosen beim Skifahren, Mancuso im Whirlpool, an die Brüste fassen lassend. Dazu noch hier ein Alkoholexzess, da noch irgendwelche Männerbegleitungen, von denen Väter grundsätzlich warnen und so weiter und so fort.

Sicherlich sind Julia Mancusos Twitter-Beiträge in den seltensten Fällen Beiträge, mit denen man im ZDF-Nachtjournal die Philosophennacht zum leuchtenden Tage umdefiniert bekommt. Allerdings ist es eines: Authentisch. Man muss es als Sportler sicherlich nicht bis zum Anschlag übertreiben, aber wann finden wir einen anderen Menschen interessant? Wenn er etwas tut, was man selbst nicht tut und wenn uns dieser Mensch daran teilhaben lässt.

Selbstvermarktung ist etwas, was jeder Freiberufler, jeder Autor, jeder Handwerker, jeder Jungunternehmer tun muss. Selbstvermarktung im Sport ist aber nach wie vor etwas, was im bundesdeutschen Sport grundsätzlich pfui ist, obwohl es, und da sind wir beim Web-2.0-Paradigma, ein zentrales Ding wäre, Sport zu einem Gemeinschaftserlebnis zu machen. Und spätestens da sind wir dann auch dort, wo auch das Interesse potentieller Sponsoren beginnt.

Ich bin jetzt sicher keiner, der die totale Kommerzialisierung der Sportförderung (!) oder das Entblättern jeglicher Privatsphäre fordert. Es ist schon schlimm genug, anzusehen, wie manch Sportler nach seiner Karriere auf äußerst peinliche Weise seinen zweiten Frühling auslebt und das dummerweise auch noch öffentlich im Fernsehen. So Tiefflieger wie Katarina Witt, die offensichtlich tatsächlich jedem Menschen auf dem Planeten erzählen und auf der Olympia-Website der ARD gar bloggen und twittern muss, was für ein furchtbar tolles Leben sie hat und dabei gern auch mal der Geschichtsverklärung unterliegt – das tut dem Zuschauer weh.

re:publica 2010.

Den durchgeknallten 374 Typen, die meinem Twitter-Stream followen, wird schon vor einigen Tagen aufgefallen sein, dass mein Profilbild nun auch die vier lustig-bunten “Böppel” hat, die schon seit einigen vorherigen Tagen bei anderen Twitterern erschienen sind. Die Auflösung dazu findet sich rechts, die Böppel gehören zur re:publica, einer Social-Media-Konferenz, die im April nun zum vierten Mal in Berlin stattfindet und die Böppel macht sich der darauf, der mit seiner Teilnahme besonders herumprollen will.

Bisher habe ich mich erfolgreich um jedes Barcamp herumdrücken können, was beweist, dass man mehr als zehn Twitter-Follower, zehn Facebook-Kontakte oder zehn Blog-Leser haben kann, ohne auf solche Veranstaltungen herumzutanzen. Damit will ich keinesfalls Barcamps diskreditieren, irgendwie fehlte mir dazu Zeit und Muße.

Nun, also, re:publica 2010 als Premiere. 70 Euro für das Blogger-Ticket sind für eine dreitägige Konferenz günstig angelegtes Geld und meine edlen Freunde in Berlin rücken zusammen, um meiner armseligen Existenz und einigen meiner Habseligkeiten ein vorübergehendes Dach über dem Kopf.

Und weil Premieren unvergesslich sein sollen, habe ich auch gleich mal ein eigenes Thema vorgeschlagen, das sich mit Politik 2.0 beschäftigt. Vielleicht wird es ja etwas und es kommt mit aufs Programm. Wobei ich zugeben muss, dass ich erst nach der Einreichung gelesen habe, dass letztes Jahr 1.800 Leute dabei waren und die re:publica also eine richtig große Konferenz ist. Könnte noch heiter werden, aber wenn man sich keine nicht nur kinderleicht erreichbaren Ziele setzt, macht es nur halb so Spaß. Ich halte euch auf dem Laufenden.

Bis dato: Anmelden! Blogger-Tickets gibt es nicht mehr so viele und Blogger sind immer noch die Königsklasse des Web 2.0. Sorry, ihr 374 Durchgeknallten, ich liebe euch trotzdem. 🙂

2. Pforzheimer Onliner-Treffen.

Das erste Treffen am 1. Oktober ist ja schon eine Weile her und war dafür, dass es das erste Treffen war, das Oli und ich aus einer mehr oder weniger durchtränkten Schnapsidee erkoren haben, ein voller Erfolg. Über 20 Onliner haben sich im Konsumat Pforzheim getroffen und sich bestens unterhalten, wobei die iPhone-auf-dem-Tisch-Quote erstaunlich gering war – der Eintritt ist also auch ausdrücklich für die Onliner erwünscht, die einfach mal Kontakt mit der Onliner-Szene aufnehmen wollen. Wer also schon immer mal wissen wollte, was eigentlich Twitter genau ist, findet beim nächsten Treffen so viele Leute und Antworten, dass man quasi nicht herumkommt, sofort mit dem twittern anzufangen. 😉

Der erste Durchlauf bei der Terminfindung endete gerade und es bleiben zwei Termine, die Gleichstand haben. Bis morgen machen wir jetzt also mal einen Schnelldurchlauf und jeder, der zum nächsten Onliner-Treffen kommen möchte, kann sich bei Doodle eintragen und seinen Wunschtermin aussuchen:

Wer kommen möchte, darf sich bitte dann noch herzlich gern auf unserer kleinen Communitysite unter http://pfot.mixxt.de/ registrieren. Kostet ebenfalls keinen einzigen Euro, sondern nur ein ganz kleinwenig Zeit.

Der Mann, der nicht twitterte.

Na da hat US-Präsident Barack Obama offensichtlich in ein Wespennest gestochen, als er vor chinesischen Studenten in Shanghai auf die Frage, ob diese twittern sollten, antwortete, dass er noch nie Twitter benutzt habe. Und das dann ausgerechnet zu Diskussionen über das Verified-Account-Siegel führt, das Twitter den prominenten Besitzern von eigenen Twitter-Accounts anbietet und dass auch der Twitter-Account von Barack Obama schmückt.

Um es mal sehr deutlich zu sagen: Wer tatsächlich glaubte, Barack Obama habe jemals selbst mit seinen eigenen zehn Fingern getwittert oder gebloggt, muss schon ein sehr hoffnungsfrohes Bild von Politik in der Enterprise-Klasse haben. Schon in den unteren Wahlkampf- und Politikklassen ist eine Handvoll Zeit, die man braucht, um Äußerungen innerhalb einer bestehenden Kommunikationsstrategie einzupassen, eine Sache, die man einfach nicht hat und die man innerhalb eines Teams zwangsläufig delegieren muss. Die Alternative wäre das, was wir an den Politikern “von gestern” bemängeln: Gar nichts schreiben.

Es ist bei Äußerungen von Politikern immer so eine Sache, wie man Meinung verkauft. In erster Linie ist es erst einmal der Kandidat, der für die Thesen steht, die unter seinem Namen “verkauft” werden. Liest man also eine Pressemitteilung, einen Artikel auf seiner Homepage oder in seinem offiziellen Twitter-Stream, dann ist es erst einmal der Kandidat, der da verkündet. Damit kann man es schon mal bewenden lassen, denn selbst wenn eine Äußerung im offiziellen Twitter-Stream von Barack Obama nicht von ihm selbst geschrieben wurde, gehe ich davon aus, dass Barack Obama das vertritt, was er da schreiben lässt.

Twitter lässt sich als ein sehr persönliches Sprachrohr nutzen und das tun viele Menschen auch, in dem sie selbst die Buchstaben eintippen – aber von müssen steht da nichts.

Im übrigen hätte man nur die Online-Kampagne von Obama näher betrachten müssen, um schon sehr lange zu wissen, dass sie Obama nicht selbst erfunden und gefahren hat. Das Unternehmen hinter der Strategie nennt sich Blue State Digital, macht das auch nicht zum ersten und letzten Mal und wenn man sich das offizielle Kampagnenblog anschaut, so haben da schon immer viele Menschen aus dem Team Obama mitgeschrieben, aber eben alle eine Sache gemeinsam vertreten. Das ist moderner Wahlkampf.

Vorwarnung: Onliner-Treffen.

Logo Pforzheimer Onliner-TreffenWir hatten vor zwei Wochen ja schon mal etwas herumgefragt und nach einem Termin für das Onliner-Treffen gesucht, der ist in der Zwischenzeit gefunden und auch propagiert: 1. Oktober 2009 ab 19.30 Uhr, also schon nächsten Donnerstag. Örtlichkeit ist der Konsumat in der Weiherstraße 19 (im Hinterhof). Wir haben dort mal in unserem bescheidenen Hochmut 20 Onliner angekündigt (bei 16 Teilnehmern sind wir gerade), das soll aber keine Grenze sein, es gibt Mannschaftstische.

Zum organisatorischen Vorlauf eine Bitte: Anmeldung! Wir haben dazu bei mixxt.de eine kleine Communitysite eingerichtet, die sich unter http://pfot.mixxt.de/ findet. Wer bereits einen mixxt.de-Account besitzt (beispielsweise die Pl0gbar-Folks), kann sich da einfach mit seinen mixxt.de-Credentials anmelden, ansonsten bitte einfach einen neuen mixxt.de-Account anrichten und in die Gruppe beitreten. Und wer dann erfolgreich beigetreten ist, kann dort unter „Veranstaltungen“ das Onliner-Treffen sehen und sich einfach dazu anmelden. Falls jemand einen Gast mitbringen möchte, kann man dies dort auch angeben.

In der Communitysite gibt es auch ein kleines Diskussionsforum, das übrigens genutzt werden darf. Da man sich sehr hübsch alle Aktivitäten der Communitysite als RSS-Stream unter der Adresse http://pfot.mixxt.de/api/rss/lifestream in den eigenen RSS-Reader holen kann, entgeht einem nichts.

Onliner-Treffen in Pforzheim.

In der Zwischenzeit gibt es nach über zehn Jahren ja endlich auch mal mehr Leute aus Pforzheim im kommunikativen Teil des Internets – vor gut 12 Jahren gab es im deutschsprachigen Usenet in Zusammenhang mit Pforzheim eigentlich weitgehend nur „Besim“, was ich äußerst bedauerlich fand. Aber ganz so einfach wollte sich das Thema Internet in einer eher schläfrigen Stadt wie Pforzheim nicht ansiedeln.

Nun, das ist nun anders. In vielen Web-2.0-Diensten bin ich inzwischen nicht mehr der erste Pforzheimer und in einigen Social Networks gibt es sogar schon vor mir einschlägige Pforzheim-Gruppen, abgesehen von QYPE. Sich mit Leuten zu vernetzen, die im etwa gleichen Alter wie ich sind, ist eher weniger das Problem, allerdings gibt es im Internet schon die nächste und teilweise sogar schon die übernächste Generation, die einen in Twitter-Mentions siezen und sich in ganz anderen Online-Sphären bewegen.

Dennoch, das sollten wir ändern, weshalb Oliver und ich einen Onliner-Treff in Pforzheim planen, der sich an alle richtet, die entweder zur ehrenwerten Gesellschaft der Blogger gehören und/oder sich in einschlägigen Web-2.0-Diensten tummeln, sei es Twitter, Facebook, MySpace, identi.ca, QYPE, studiVZ, meinVZ, schuelerVZ, meineSPD, dopplr, flickr und wie sie alle heißen und ich möglicherweise auch gar nicht kenne.

Damit das dann auch alles Sinn macht und wir mal in eine konkrete Phase kommen, haben wir eine Doodle-Terminfindungsseite eingerichtet, in die sich jeder mit seinen präferierten Datums- und Zeiträumen einbilden einbinden kann.

Als Treffpunkt schwebt Oliver und mir der Konsumat (in QYPE, in MySpace) vor. Hier gibt es kostenloses WLAN und wir haben den WLAN-Key, außerdem sind hier die Getränkepreise sehr moderat.

Zwecks Reservierung/Hallenanmietung sehen wir die Doodle-Terminfindungen daher auch so etwas als Zusage für die jeweiligen Termine an. Es wäre schlecht, nur 5 Leute im Hinterkopf zu wissen und am Ende kommen 500. Welcher Termin dann genommen wird, geben wir nochmal gesondert durch, auch wenn sich jetzt offenbar schon recht deutlich der 1. Oktober, 19.30 Uhr herauskristallisiert.

Die politische Nullnummer von Xing.

Gut, ich bin kein Fan der Piratenpartei, weil ich kein Fan von Parteien bin, die sich nur um bestimmte Aspekte einer bestimmten Klientel kümmern und den Rest außen vor lassen. Ich kann deshalb nur wenig mit den Grünen anfangen, aber auch wenig mit der FDP, wenig mit der Linkspartei und auch eben wenig mit der Piratenpartei.

Die wahre Kunst im politischen Geschäft besteht meiner Meinung (!) nach nicht darin, den Generationenkonflikt dadurch aufzulösen, in dem sich jede Generation eigene eigene Partei sucht und über die Medien miteinander kommuniziert, sondern darin, diesen Konflikt innerhalb einer Partei zu diskutieren. Das ist zwar mitunter von Anfang an ein sehr mühsames Geschäft, allerdings bringt es allendhalber nichts, wenn man sich von Ortsvereins- bis Bundesvorstandsebene immer einer Meinung ist und dann einen Kampf gegen politische Windmühlen führen muss, die ganz andere Kaliber an Meinungsmacher haben. Ich halte es bei der Zensursula-Debatte nämlich für ein zentrales Problem, dass die “Gegenseite” der Schäuble-von-der-Leyen-Guttenberg-Fraktion zwar gut organisiert, aber auch scharf umgrenzt ist – so umgrenzte Gruppierungen lassen sich in einer normalen politischen Debatte einfacher ausgrenzen, als Aktivisten, die in einer größeren Volkspartei gut vernetzt sind.

(Das mag man jetzt aus meinem Rachen als SPD-Werbung missverstehen, damit kann ich leben. Die geneigten Leser dieses Blogs und auch mein Freundeskreis wissen, dass ich nach wie vor sauer über die Art und Weise bin, wie sich die SPD in der Zensursula-Debatte verhalten hat.)

Nichtsdestotrotz haben kleinere “Special-Interest-Parteien” auch ihre Berechtigung, demzufolge auch die Piratenpartei. Und man muss auch so fair sein und der Piratenpartei die Berechtigung als Partei zugestehen, die sie als Partei nun mal hat. Und wir wollen und dürfen auch nicht vergessen, dass die Piratenpartei aufgrund des Parteiwechsels von Jörg Tauss nun eben im Bundestag vertreten ist. Ja, auch Xing sollte das verinnerlichen, wie Benedikt Schmidt das bemängelt. Immerhin kam Xing ursprünglich mal mit dem Ansatz daher, komplett überparteilich und unpolitisch sein zu wollen.

Ganz persönliche Meinung: Es wäre schöner gewesen, wenn sich Xing auch daran gehalten hätte und nicht sowas unsägliches und retortenhaftes fabriziert hätte, was in meinen Augen nur eine reine Showveranstaltung ist: http://wahl.xing.com/

Neulich, da drüben im Web 2.0.

Ich mag so Dialoge in der Web-2.0-Welt. Das erinnert mich alles an meine Sturm- und Drangzeit im IRC. Hier mal der Ausschnitt in Twitter:

@besim: Zwei Stunden erfreuliche Telefonate geführt. Jetzt kann ich endlich mal aufs Klo und mich anziehen!

@moritzhomann: Krass. Ich zieh mich immer im Bad an…

@besim: Wie? Du ziehst dich an?

@moritzhomann: Habs mal nicht gemacht, da haben die Kollegen so komisch geguckt…seitdem mach ichs.

@besim: Ach was, so eine Borat-Badehose muss einfach reichen. Bei meinem Bäuchlein ist das halt ein Problem, die Träger rutschen ab.

Und hier der Thread in Facebook, in das ich (ja, ich weiß, eine Krankheit) meine Twitter-Beiträge syndiziere:

Besim Karadeniz: Zwei Stunden erfreuliche Telefonate geführt. Jetzt kann ich endlich mal aufs Klo und mich anziehen!

Lars Barteit: Nackt telefonieren? Interessant…

Katrin Schreiber: Hinzu kommt, dass es erfreuliche Telefonate waren und 2 Stunden gedauert hat.

Markus Hagge: Hmmm. Eindeutig Doppeldeutig *gg*

Besim Karadeniz: Die Doppeldeutigkeit fällt auf, korrekt. Ich kann aber versichern, dass es sich nicht um diese Form von Telefongesprächen, wie hier angenommen wird, handelte, sondern um rein geschäftliche. Das glaubt mir zwar doch keiner, allerdings war es tatsächlich so.

Markus Hagge: Ich glaub Dir das, geht mir doch manchmal ähnlich mit den geschäftlichen Telefonaten. Da bin ich dann ganz glücklich, das sich Bild-Telefon nie so richtig durchgesetzt hat *gg*

Ihr Nicht-Twitterer und Nicht-Facebookler, die ihr möglicherweise über sowas nicht lachen könnt – ihr versteht das nicht. 😉