Berlin, geht doch.

Eigentlich wollte ich dieses Jahr ja nicht auf die Republica nach Berlin. Das vor allem deshalb, weil ich das mit dem rechtzeitigen Ticketing verpasst habe und ich das vollständig teure Ticket nicht bezahlen wollte. Vor ein paar Wochen twitterte mich aber meine Hausbank, die Comdirect Bank an und fragte, ob ich denn nicht auf die Republica wolle, man würde mir gern ein Ticket schenken. Na gut …

Berlin im Mai ist ja so ein Ding bei mir seit letztem Jahr. Ich bin ja jetzt wirklich niemand, der sich von einem wie auch immer gelagerten Aberglauben leiten lässt und „Prüfungen“ muss man manchmal eben angehen, ohne groß darüber nachzudenken. Und ich habe mir natürlich auch einen kleinen Schnupfen zugelegt, aber das sitze ich nun wirklich mit einer Pobacke aus.

Eine Berichterstattung über die Republica erspare ich mir, eigentlich ist mir das alles viel zu voll diesmal und es schreiben auch andere genügend darüber. Die meisten Panels kann man sich auch online anschaue, was muss ich da jetzt auch groß darüber quaken? Wichtig war mir gestern ein Gespräch mit Mitarbeitern der Comdirect Bank an ihrem Stand, zum einen um mich für das Ticket zu bedanken und zum anderem um sie auch für ihre inzwischen recht gut laufende Social-Media-Strategie zu beglückwünschen. Ich bin gern bei dieser Direktbank und natürlich habe ich auch meinen ultimativen Wunsch angebracht, dass sie irgendwann auch mal ein Unternehmensblog starten. Gutes Corporate Citizenship gebietet eine umfassende Unternehmenskommunikation und umgekehrt und die Comdirect Bank kann das sicherlich. Ich bin gespannt.

Premiere: Berlin per Fernbus.

Zwar gibt es im Rahmen der Republica auch dieses Jahr wieder Veranstaltungstickets der Deutschen Bahn, aber die Bahn hat es, zumindest dieses Jahr, bei mir leider vergurkt. Denn obwohl ich ein Ticket ohne Zugbindung haben wollte und auf zwei Züge reservieren wollte, in denen schon Oliver Gassner fuhr und wir das für eine gemeinsame Fahrt nutzen wollten, ging das nicht, wenn ich nicht nochmal 30 Euro zusätzlich drauflegen würde – wohlgemerkt: Plus Reservierung. Pardon: Knapp 140 Euro waren mir dann für diese Dreistigkeit zu viel, wenn es ursprünglich ja 99 Euro kosten sollte. So funktioniert Fairness nicht.

Also wurde es jetzt Zeit, mal mit dem Fernbus nach Berlin zu fahren. Als Kind bin ich ja ganz gern mit dem Fernbus gefahren und letztendlich schaffte es Meinfernbus.de dann einfach mit dem Fahrpreis: Hin und zurück für schlappe 60 Euro. Und zumindest schon mal die Hinfahrt war einfach normal. Gestartet wurde um 8:55 Uhr in Karlsruhe mit 10 Minuten Verspätung und geendet um 17:23 Uhr in Berlin mit schlappen drei Minuten Verspätung.

Ansonsten gibt es nichts zu meckern. Der Doppeldecker war überraschend bequem und die Busfahrt angenehm. Sicherlich ist eine Bahnfahrt kürzer und der Sitzabstand dort mit 92 Zentimetern (im Bus 70 Zentimeter) größer, allerdings stehen in meinem Fall eben 80 Euro Preisunterschied im Raum. Und wer im Fernbus einen Platz am Tisch ergattert, kann sogar komfortabel arbeiten und die Beine ausstrecken (sollte aber zuschauen, wenigstens nicht ganz so penetranten Fußgeruch zu haben …).

Erfahrung des Tages – MyTaxi.

Der heutige Dienstag lief nicht ganz so gut an. Ich hatte nämlich etwas verpennt und der Kopf war etwas dick und mir viel um kurz vor halb neun ein, dass ich ja eigentlich um neun Uhr einen Frühstückstermin mit Anne und Andreas hatte. Da fiel schon mal die Anfahrt per U-Bahn in Richtung Potsdamer Platz aus, denn das war nicht zu schaffen. Ein Taxi war die Notlösung. Also, MyTaxi auf das Smartphone installiert, nach fünf Minuten angemeldet gewesen und ein Taxi bestellt und nach weiteren Minuten war das Taxi auch da. Und natürlich, wie sollte es in Berlin auch anders sein, war es ein türkischer Taxifahrer, der den Auftrag annahm:

MyTaxi Screenshot

Und diese Taxifahrt wurde eine Fahrt mit Bestimmung. Da Mehmet aus meiner Online-Bestellung ja auch schon meinen Namen wusste, begann nach der Fahrtbestätigung ein Gespräch, das schnell mit seiner Frage umschwenkte, warum ich denn nicht Türkisch sprechen würde. Ich könne es nicht so gut, sagte ich. Das sei doch kein Grund, denn vermutlich könne ich nur so schlecht Türkisch wie er Deutsch und das sei ja auch kein Problem. Das ist richtig …

So wurde die Fahrt eine echte Gewissensangelegenheit. Wo die Eltern denn aus der Türkei kämen. Ob wir Geschwister hätten, was arbeitete ich, was mache ich so in Berlin. Ich eierte mich mit meinem Türkisch so durch und musste immer wieder Deutsch einbauen, aber letztendlich machte er es ja nicht anders. Das gibt mir alles ziemlich zu denken. Und das alles „nur“ durch eine online bestellte Taxifahrt! Ich habe Mehmet dann noch schnell die Adresse meines Blogs aufgeschrieben und ein Foto gemacht:

Mehmet, der Taxifahrer aus Berlin

Wann kommt man schon dazu, mit einem Taxifahrer sich so tiefsinnig unterhalten zu können und ein Foto zu machen?

Google Now und Googles Vermutung, warum ich in Berlin bin.

Auf den Screenshot von Google Now muss man gar nicht sonderlich tief eingehen. Google speichert ja seit Jahren all meine Suchanfragen und stellt daraus genügend Beziehungen her und so hat Google es wohl so verstanden, dass ich, wenn ich heute und wohl auch zukünftig nach Berlin komme, vermutlich das dringende Bedürfnis habe, in die Charité zu fahren, weshalb Google Now schon mal die Routenplanung zurechtlegt:

Google Know Karte Routenplanung

Echte Preisfrage: Wie bekomme ich das Google Now wieder ausgeschwatzt? Es nervt nämlich schon etwas.

Berlin-Motto 2012 – „Benjamin Franklin“.

Jeder meiner bisherigen Berlin-Besuche steht unter einem Motto, das sich normalerweise im Laufe des Aufenthaltes findet. Man besucht irgendetwas, sieht irgendjemanden, macht eine Erfahrung und so weiter und so fort. So auch dieses Jahr, als ich am 30. April eigentlich zur re:publica 2012 anreisen wollte. Alles war gebucht, ich fand mit einem unfreiwilligen Zwischenstopp nach dem zweiten Anlauf sogar den richtigen ICE in die richtige Richtung und kam gegen 22 Uhr auch in Berlin an, wo mich mein alter Freund Timo abholte. Ein kurzer Besuch bei einem Schnellimbiss sollte eigentlich danach bei ihm zu Hause in der WG mit einem kühlen Bier zu einem versöhnlichen Abschluss des Tages führen. Allerdings ging es dann erst so richtig los.

Denn kurz vor Mitternacht merkte ich, wie mein Blutdruck einen gewaltigen Sturzflug machte. Ein kurzes Überprüfen mit einem Blutdruckgerät ergab irgendeinen recht niedrigen Wert, vor allem aber einen nicht mehr so richtig messbaren Puls. Das kam mir dann nach etwa 10 Minuten so merkwürdig vor, dass ich mich selbst in das nahegelegende Krankenhaus Waldfriede einlieferte. Und das war auch nicht sonderlich falsch, denn der Rettungsassistent diagnostizierte nach dem ersten EKG einen Puls von über 200 und die diensthabende Ärztin verfrachtete mich in der Notaufnahme auf eine Liege. Dort empfing ich in einer Stunde über zwei eiligst gelegte Zugänge erst einmal drei Spritzen Betablocker, die jedoch allesamt nicht halfen. Mein Herz flatterte munter vor sich hin und wollte sich nicht beruhigen lassen.

Das wurde dann der Ärztin zu bunt und sie empfahl mir, dass sie jetzt einen Notarzt ruft, der mich dann – und hier kommen wir zum Motto – in das Benjamin-Franklin-Klinikum der Charité in Steglitz transportieren würde, wo eine gut ausgestattete Kardiologie weitere Schritte unternehmen könne. Gesagt, getan, nach wenigen Minuten lag ich in einem Rettungswagen und wir fuhren mit Blaulicht und Tatütata nach Steglitz. Bzw. rumpelten dahin, die Erfahrung einer Rettungswagenfahrt muss man nicht machen. Geschüttel, Druck in der Brust, Martinshorn, besorgte Gesichter, Gepiepse und ein leichter Anflug von Panik sind eine ziemlich unangenehme Mischung.

Im Benjamin-Franklin-Klinikum landete ich in der Intensivstation der Kardiologie. Auch hier wurde nochmals Betablocker verabreicht und allerlei Flüssigkeiten, die jedoch ebenfalls alle nicht halfen. In der Zwischenzeit zeigte die Uhr 3 Uhr und der Notarzt kündigte mir in bemerkenswert ruhigen Worten an, dass er jetzt folgendes machen wolle: Eine Kurznarkose von ein paar Minuten und einen kleinen Elektroschock, um meine Pumpe mit einem externen Impuls wieder auf Takt zu bringen. Da mir die fast vier Stunden Flattern schon sichtlich zusetzten und ein Herzflattern gar nicht ganz so ungefährlich ist, weil es auch ganz zügig in gefährliches Kammerflimmern überwechseln kann, stimmte ich dem zu. Fünf Minuten später wachte ich auf und sowohl Puls, als auch Blutdruck waren wieder da, wo sie normalerweise sind. Ich sah als erstes den Notarzt, der auf den Überwachungsmonitor schaute und meinte: „Als ob nichts gewesen wäre.“

Doch, da war was. Und die nächsten 14 Tage bis einschließlich gestern verbrachte ich in Berlin im Benjamin-Franklin-Klinikum, abwechselnd in der Intensiv- und der Normalstation der Kardiologie. Drei Herzkatheter, unendlich viele Blutproben und EKG später bin ich nun seit letzten Donnerstag Besitzer eines so genannten Implantierbaren Kardioverter/Defibrillators (ICD), der nun in meiner Brust ständig und rund um die Uhr darauf aufpasst, ob mein Herz „richtig“ schlägt“ und im Falle des Falles mit entsprechenden Impulsen darauf zu reagieren und wieder den Normalstand einzustellen. Dieser kleine ICD sieht im Röntgenbild, das mir die Charité auf meine Nachfrage hin freundlich zur Verfügung stellte, so aus (Ansicht von vorn):

Wichtig sind die zwei abgehenden Elektroden, die führen nämlich per Vene zu meinem Herzen. Das andere Drahtgedöhns gehört primär nicht dazu, die gehören zu den vorübergehend während der OP aufgeklebten EKG-Pads auf meiner Brust. Die jetzt auf Schulterhöhe eine ca. 5 Zentimeter große, tatsächlich schöne Narbe hat (meine erste Narbe!) und dank diverser Unverträglichkeiten gegenüber EKG-Pads und Pflaster aussieht wie mitten in der Pubertät. Dafür war die ICD-Implantierung eine derart lässige Operation unter lokaler Anästhesie, dass ich sie fast schon in gechillter Atmosphäre in Erinnerung habe, inklusive nettem Plausch mit der Chirurgin.

Der ICD macht tatsächlich die meiste Zeit – nichts. Ich spüre ihn nicht und das aktuell noch vorhandene, leichte Druckgefühl kommt wohl davon, dass der kleine Kollege hinter dem Brustmuskel platziert ist. Wie es sich anfühlen wird, wenn es tatsächlich einmal zum Fall der Fälle kommt und der ICD stimulierend auf mein Herz einwirken muss, wird sich zeigen, wobei dieses hübsche Gerät eine ganze Reihe von Programmen intus hat und sehr individuell therapieren kann. Die Sorge darüber, wie sich das anfühlt, ersetzt jedoch die Sorge, dass ich so eine Show wie vor zwei Wochen nicht mehr wirklich haben möchte. Und schon gar nicht dann, wenn ich nicht zufällig in der Nähe von einer der besten Kliniken zu diesem Thema verweile.

Was war nun los?

Das ist eine spannende Frage, die sich die Charité noch stellt, denn eigentlich ist mein Herz soweit recht gesund. Es pumpt ordentlich, hat eine weitgehend normale Größe und ist in einem alterstypischen Zustand. Was genau die Rhythmusstörungen auslöst, wird nun in den nächsten Wochen anhand der Gewebeproben, die völlig schmerzlos per Katheter gezogen wurden, untersucht.

Zumindest ist es nichts akutes, so dass ich gestern, vier Tage nach Einsetzen des ICD, schon wieder entlassen wurde und inzwischen auch wieder in Pforzheim am Tisch sitze und blogge. Der Rest wird sich zeigen.

Privatsphäre? Warum so offen?

Das ist übrigens eine Frage, die mir ein Arzt stellte, als ich ihn um Röntgenbilder bat. Die habe ich ihm folgendermaßen beantwortet:

So ein Gerät kann ich zwar verheimlichen, seine Wirkung jedoch im Ernstfall nicht verstecken. Dazu kommt, dass ich meinem Freundeskreis an dieser Stelle nichts zu verheimlichen habe, so wie es beispielsweise viele Diabetiker ebenfalls tun. Meine Krankenversicherung weiß dank der gewaltigen Rechnung, die da kommen wird, ebenfalls Bescheid und allen anderen Versicherungen muss ich vor einem eventuellen Abschluss eines relevanten Vertrages sowieso Auskunft geben. So what?

Viele Menschen haben Herzstolpern und in den allermeisten Fällen ist dieses Stolpern auch ungefährlich und bleibt folgenlos. Es ist jedoch immer sehr sinnvoll, alle atypischen Herzrhythmusstörungen untersuchen zu lassen. Das ist oftmals komplett schmerzlos und selbst eine Herzkatheteruntersuchung ist kein großer Eingriff.

Aber: Geht zum Arzt, wenn euch irgendetwas an eurem Herz (oder natürlich auch sonstwo in eurem Körper) nicht gefällt. Ein EKG ist sehr schnell gemacht, aus Symptomen können Ärzte eingrenzen, ob man weiter untersuchen sollte und das Risiko, dass etwas passiert, ist schon deutlich kleiner. Und wenn euch danach ein Stein vom Herzen fällt, wisst ihr auch, warum die Redewendung genau so lautet.

Samsung Galaxy S2 im Alltagstest.

Der Kurzurlaub nach Berlin war lange geplant. Der Kauf des Samsung Galaxy S2 nicht ganz so lange. Und eigentlich widerstrebt es mir, mit wichtigen Instrumenten in die Prärie zu fahren und sie erst dort kennenzulernen. Denn meist wird es dann schlimm und nervig, vor allem, wenn man bestehende Workflows hat, die man nahtlos weiterpflegen will. Wir können uns gern bei Gelegenheit darüber streiten, ob Twittern und flickrn als Workflow zu bezeichnen sind, aber ist nun mal so.

Vermisst habe ich mein altes iPhone 3GS tatsächlich nicht eine Minute lang und ich hatte es noch nicht einmal dabei. Zwar war es bis gestern noch voll installiert und sozusagen im Notfall-Standby-Modus, das ist aber seit gestern Abend auch Geschichte. Mein Samsung Galaxy S2 hat sich bewährt.

Handling und Phoning.

Nun, das iPhone 3GS liegt nicht wirklich hart in der Hosentasche – das Samsung Galaxy S2 allerdings auch nicht. Es ist zwar etwas breiter und höher, als das iPhone, dafür deutlich dünner und insgesamt recht angenehm in der Handhabung. Aus meiner Sicht nicht wirklich super, es dürfte ruhig etwas dicker sein. Und von Hause aus gern auch etwas griffiger. Ich habe mir damit beholfen, dass mein SGS2 eine Silikonhülle verpasst bekommen hat. Damit ist es nun griffig und liegt gut in der Hand. Und wird hoffentlich genauso mackenlos bleiben, wie das iPhone.

Die Bedienung ist fast so eingängig, wie auf dem iPhone. Von der Lockscreen-Variante mit den Linien werde ich mich allerdings verabschieden, weil das mit dem Daumen auf dem großen Schirm nicht wirklich intuitiv aus dem Handgelenk heraus kommt. Ansonsten ist es bedienbar, hakt nicht und ist souverän am Start. Ein Smartphone, das einfach „fertig“ ist und so stabil funktioniert, wie ein Wählscheibentelefon. Hätte ich nicht erwartet, haben die Folks von Samsung jedoch sauber abgeliefert.

Ein paar Android-Sachen.

Wobei es so ein paar Dinger in Android gibt, die nicht so richtig fertiggedacht sind. Zum Beispiel das kurze Klingelsignal, wenn der Akku voll ist. Sicher hübsch, aber ich würde das gern ausschalten können, denn nachts, wenn das Handy am Ladegerät hängt, ist es mir herzlich egal, wenn der Akku voll ist. Ebenso finde ich es nicht gut, dass das Telefonklingeln anschwellend beginnt – ich hätte es gern sofort in vernehmbarer Lautstärke. Und etwas übersichtlicher darf es bei der Einstellung der Lautstärke von Telefon, Media, System und Benachrichtigungen auch wirklich sein.

Es gibt eine deutlich zu spürende Lernkurve. Sicher tut alles, wenn man es sich einstellt und es ist nicht so, dass das Telefon beim ersten Einschalten völlig unbrauchbar ist – das ist es nicht – aber Android ist noch nicht ganz „weichgebügelt“.

Fotos

Das Thema „Fotos machen mit Handy“ war eine Zeitlang gar nicht auf meinem Radar, seit dem iPhone dann so etwas, aber erst mit dem SGS2 macht es sogar richtig Spaß. Ein Tapser auf die Kamera-App und die Kamera ist nach einer gefühlten Sekunde sofort am Start. Die Voreinstellungen sind gut, der eingebaute (bescheidene) Blitz auf Automatik und auch das GPS-Fixing beginnt ab diesem Moment.

Und das, was das SGS2 als Fotos in versprochenen 8 Megapixeln abliefert, ist erstaunlich gut und sehenswert. Kein Vergleich mit den eher dunklen und kontrastarmen Bildern der iPhone-Phalanx, sondern reich an Farben, klar und brillant. Die Kontrastausbeute ist deutlich besser und bei hellen Bildelementen traut sich das SGS2 deutlich mehr in die Helligkeit, als das iPhone, ohne auch nur im Ansatz irritierende Ergebnisse abzuliefern. Und ebenso mutig und souverän kommt die deutlich markanter ausgeprägte Weitwinkeligkeit. Weitwinkel ist für Digitalkameras die echte und wahre Kunst und man merkt spätestens hier, dass Samsung seine jahrelange Erfahrung im Bau von Digitalkameras einbringt. Ich hatte meine „große“ Kamera dabei, die blieb aber, auch weil ich keine so rechte Lust hatte, das Ding die ganze Zeit durch die Stadt zu schleppen, einfach mal zu Hause.

Eine Bilderauswahl des Trips gibt es auf meinem flickr-Stream im Berlin-2011-Album. Ah, und in Sachen flickr-App ist meine Entscheidung auf „Flickroid“ gefallen. Kostenlos und einfachster Upload.

Akku?

Ist in Ordnung, kommt mit iPhone & Co. locker mit. Mir fehlen zwar noch die richtigen Vergleichswerte, das SGS2 bewegte sich jedoch gefühlte zwei Ticks besser in Sachen Akkuleistung, als mein iPhone 3GS. Ich habe keine wirklichen Bedenken mehr. Vor allem nicht, wenn man bedenkt, dass in der Kiste ein Dualcore-Prozessor mit annehmbaren 1,2 GHz vor sich hinwerkelt.

In Berlin kann man eine gute Akkuleistung allerdings auch brauchen, zumindest wenn man bei O2 ist, denn es gibt ständig eine Umbucherei zwischen UMTS und GSM und hier dann auch noch zwischen HSDPA und EDGE. Das sorgte dann gelegentlich auch dafür, dass für einen Moment gar nichts mehr ging, beispielsweise direkt vor der Türe bei den Arkaden am Potsdamer Platz. Zentraler geht es wohl kaum noch, aber das O2-Netz beschäftigte da sicher nicht nur mein Handy vollauf mit reinen Netzgeschichten. Aber das ist ein anderes Thema.

re:publica 2010, Tag 3.

Der dritte und letzte Tag der re:publica 2010 war bei mir nicht ganz so besuchsproduktiv, wie die Tage davor. Das lag zum einen am leckeren Mittagessen und zum anderen auch daran, dass ab Mittag die Vorträge nur noch in der Kalkscheune stattfanden und der Laden schwer überlaufen war.

„Revolution im Kopf“ von Götz W. Werner

Götz Werner ist Chef der Drogeriemarktkette „dm“ und in seiner Freizeit Chefprediger der Bewegung für das bedingungslose Grundeinkommen. Und den Job kann der begnadete Menschenfänger extrem gut. Dank Flugausfälle eine Stunde später am Mikrofon zog er alle wichtigen Pro-Argumente für das bedingungslose Grundeinkommen aus dem Register – ohne Präsentationsfolien und auch ohne Vortragsvorlage.

Und zugegeben, seine Thesen klingen schwer widerstehlich gut, wenn man nicht einige Gegenargumente wegdiskutieren könnte. Da die „Revolution im Kopf“, wie er es so schön bezeichnete, keine Geschichte ist, die man eben mal so macht, kamen dementsprechend auch relativ wenig sinnvolle Fragen zustande, die man ihm hätte stellen können. Ich hätte zwar einige gehabt, aber ich habe ehrlich gesagt keine große Lust gehabt, ausgerechnet an meinem Geburtstag in Berlin auf der re:publica die große politische Diskussion anzuzetteln. Aber dennoch: Götz Werner ist sicherlich ein Mensch, der reden kann.

„This object cannot be liked“ von Miriam Meckel

Was Miriam Meckel, immerhin Professor Doktor, da eigentlich in ihrem unglaublich schnellen Vortrag sagen wollte, ist mir nicht so ganz klar geworden. Ich vermute, irgendetwas mit soziologischen Zusammenhängen und Netzwerken in virtuellen Räumen. Oder so. Selten habe ich mich in einem Vortrag quasi von der ersten Minute an so dumm gefühlt, wie in diesem Vortrag. Ich bin ja nicht unbedingt vollkommen auf die Nase gefallen, aber ich habe, wenn überhaupt, nur ein Viertel von dem verstanden, was sie sagte und ich habe mich angestrengt, war nicht angetrunken, hatte keine ablenkende Damenbegleitung dabei und auch kein Notebook. Vielleicht war allein schon diese Erkenntnis keine so schlechte Erfahrung.

„Medien hacken – Im Herz der Bestie“ von Victor Dornberger und Helmut Grokenfeld

In diesem amüsanten Vortrag gab es zunächst eine Erklärung über das so genannte Mediahacking, also der Vorgehensweise, klassische Medien auf falsche Nachrichtenfährten zu lenken. Wer jetzt glaubt, das kann man heutzutage nur mit Twitter & Co. machen, täuscht sich, denn in einigen Beispielen wurde erklärt, dass schon selbst so Dinge wie fingierte Pressemitteilungen, ein falscher (und eingeweihter) Ansprechpartner, eine unwiderstehlich gute Story und eine schlampige Gegenrecherche dazu führen kann, dass eine falsche Nachricht in Umlauf gerät.

Das Gegenteil sind dann so Sachen wie der Skandal im ehemaligen Magazin „polylux“, in dem ein fingierter Darsteller angab, mit der Droge Speed abnehmen zu wollen und ihm das wohl auch soweit gelingt und gut bekommt. Interessanterweise funktionierte dieser Hack aber nur, weil die Redaktion in einschlägigen Foren Interviewpartner suchte, die zum Thema Speed und Stressabbau etwas sagen konnte. Bevor solcher Mist gesendet wird, gehört es also immer mindestens zwei Augen, meist aber noch viel mehr, die diesen Mist nicht richtig kontrolliert haben, bevor er über den Sender läuft.

Ein Fazit zur re:publica?

Hat Spaß gemacht! Viele Bekannte und neue Leute getroffen, viele gute und interessante Vorträge, die gottlob nicht alle mit Bloggen, Twitter oder Facebook zu tun haben, sondern auch mal andere Themen, modernes Leben und auch einfach mal ganz andere Dinge beleuchten. Ob man jetzt beruflich etwas mitnehmen kann, sei dahingestellt. Sicherlich ist es gerade auf einer so ungezwungenen Konferenz wie der re:publica extrem einfach, Kontakte zu finden, die auch tatsächlich etwas draufhaben und nicht einfach nur „Consultant“ sind.

re:publica 2010, Tag 2.

Mein zweiter Tag bei der re:publica 2010 in Berlin war erwartungsgemäß dem Themenspecial Netzneutralität gewidmet. Eigentlich wollte ich mir nur ein, zwei Vorträge anschauen, bin dann aber doch den ganzen Tag an diesem Thema hängengeblieben, auch weil die meisten Vorträge richtig gut und informativ waren.

„Netzneutralität – Eine Einführung“ von Simon Schlauri

Der schweizerische Jurist hat einen schönen Überblick über die gar nicht so einfache Thematik aus Sicht eben eines Juristen gegeben und sehr schön herausgearbeitet, wo der Schuh auf beiden Seiten, nämlich auf Anwender- und auf Provider-Seite drückt. Dass Schlauri das Thema aus wissenschaftlicher Sicht heraus betrachtet, kommt der Sachlichkeit seines Vortrages sehr entgegen. Eine gelungene Einführung, leider nicht sehr gut besucht.

„Free Press and SaveTheInternet.com“ von Marvin Ammori

Beim Vortrag von Marvin Ammori sah es dann schon besser aus, was vermutlich auch an der Bekanntheit der Aktivitäten liegt, in denen Ammori mitarbeitet. SaveTheInternet.com ist nämlich vermutlich die Organisation, die das Thema Netzneutralität als erste überhaupt thematisiert hat. Sehr schön hat Ammori die Anfänge erklärt, als ein findiger Netzwerktechniker, der aufgrund einer längeren Krankheit ans Haus gebunden war, nebenbei entdeckte, dass er große Schwierigkeiten dabei hatte, Musikstücke seiner eigenen Combo in eine Peer-to-Peer-Tauschbörse hochzuladen. Er analysierte die Problematik und fand dabei heraus, dass sein Provider Comcast offensichtlich die Bandbreite zu Tauschbörsen künstlich drosselte.

SaveTheInternet.com erzeugte daraufhin innerhalb kürzester Zeit und mit einem minimalen Personalaufwand von gerade mal fünf Personen und einem riesigen Netzwerk dahinter eine gewaltige Publicity-Lawine, die sich dem Thema annahm und unter anderem dafür sorgte, dass Barack Obama dieses Thema auf seine Agenda nahm und später die US-amerikanische FCC Comcast auf Netzneutralität einschwor und ihr die künstlichen Bremsen von bestimmten Diensten untersagte. Dass diese Entscheidung kürzlich revidiert wurde, thematisierte Ammori, übrigens auch ein Jurist, auch und stellte so sehr schön dar, dass das Thema Netzneutralität keineswegs ein abgeschlossenes Thema ist und dieser Diskurs gerade erst richtig begonnen hat.

„Netzneutralität in Deutschland“ als Podiumsdiskussion mit Constanze Kurz, Falk Lüke, Cara Schwarz-Schilling, Thorsten Schilling

Die darauf folgende Podiumsdiskussion versuchte, das Thema Netzneutralität auf deutsche Verhältnisse herunterzudividieren, war aber leider nicht wirklich gut besetzt. Cara Schwarz-Schilling war als Vertreterin der Bundesnetzagentur zwar mit allerlei Worthülsen ausgestattet, von denen sie in ihren anfänglichen Monologen auch ausgiebigen Gebrauch gemacht hat, eine wirkliche Streitkultur wollte aber nicht aufkommen. Constanze Kurz vom CCC war verhältnismäßig wenig grausam zu ihr und lediglich Falk Lüke unternahm einige zaghafte Versuche eines Diskurses, der jedoch nicht weiter kam als zur Feststellung, dass wir alle Netzneutralität haben wollen, alle hohe Bandbreiten möchten, selbstverständlich auch guten Wettbewerb, einfache Wechselmöglichkeiten, aber alle großzügig die Frage umschiffen, wer denn eigentlich den Netzaufbau bezahlen will. Ich bin zwar auch ein Verfechter der Netzneutralität, aber die Frage, wer den Spaß nachhaltig finanzieren soll, müssen wir uns stellen.

Die zweite halbe Stunde war dann eine offene Podiumsdiskussion mit dem Publikum, die jedoch einiges an teilweise erschreckend unfundierten Äußerungen in die Diskussion einbrachten. Da stand dann doch tatsächlich ein Mensch auf, der froh sei, dass er Internet beim Deutschen Forschungsnetz habe, denn ADSL sei für ihn nichts anderes ein „Distributionskanal von Pro-Sieben-Sat-1“. Er fordere symmetrisches Internet für alle. Sorry, kannst du doch haben, kostet halt einfach mehr und du brauchst zu Hause eine separate Doppelader in die Wohnung, was in vielen Haushalten schon zu einem Problem wird.

Auch Jörg Tauss meldete sich zu Wort und stellte eine Frage, an die ich mich gar nicht mehr so recht erinnern kann – lediglich daran, dass er den Angriff auf die Netzneutralität mit politischer Zensur und Zensursula in einem Topf wirft. Nein, lieber Jörg, so leicht ist das nicht und wir sollten keinesfalls den Fehler machen, all das auch wirklich als ein Thema anzufassen. Die unsäglichen Versuche, eine Zensurinfrastruktur im Namen des Kampfes gegen die Verbreitung von Kinderpornografie im Internet ist ein gänzlich anderes Ding als der Versuch einiger Groß-Provider, Geld von Content-Anbietern abzudrücken.

„The politics of Deep Packet Inspection“ von Andreas Bogk, Ralf Bendrath

In diesem zweigeteilten Vortrag wurde es dann heftig technisch, indem das Deep-Packet-Inspection-Verfahren ausführlich erläutert wurde, also die Technologie, im Datenstrom einzelne Datenpakete zu analysieren und mit Filterregeln entsprechend zu verarbeiten. Relativ klar ist, dass DPI die einzig sinnvolle Technologie ist, „richtig“ zu filtern und DPI ist demnach auch die Technologie, mit der beispielsweise die „Große Firewall“ Chinas funktioniert. Bestimmte Stichworte werden im Datenstrom durch DPI erkannt und der entsprechende Kommunikationsstrom gefiltert.

Für Anfänger, Politiker und Juristen mag dieser Vortrag sicherlich an die Grenzen des Verarbeitbaren gegangen sein, allerdings ist es gut und richtig, zumindest mal gesehen zu haben, wie Filtering auf Paketebene funktioniert und das geht nun mal nur mit Header-Analyse und Betrachtung des Schichtenmodells.

In der rechtlichen Analyse kam Bendrath allerdings an einer Stelle schwer ins Schleudern, in dem er nämlich behauptete, Internetprovider hätten ein Vetorecht, wenn es um behördliche Filtermaßnahmen ginge. Der ebenfalls im Raum sitzende Jan Mönikes platzte schier bei dieser Aussage, allerdings völlig zu Recht. Internet-Provider haben keineswegs ein Vetorecht, wenn eine Behörde vor der Türe steht und eine richterliche Abhörmaßnahme einfordert. Da kommen die Hände an die Hosennaht und es ist zu salutieren.

„Who wants to restrict the Internet and how?“ von Monica Horten

Monica Horten brachte als britische Wissenschaftlerin und Kennerin der EU-Versuche zur Regulierung des Internets in Sachen Filter und Online-Sperren einen Überblick darüber, welche Schweinereien die EU so auf Lager hat und derzeit diskutiert. Kurzer, hochkonzentrierter Vortrag, allerdings sehr stark gepackt und selbst für Leute, die bei der heftigen Materie der EU-Arbeit einigermaßen im Bilde sind, schwer greifbar. Horten gab sich jedoch sehr viel Mühe.

„Net neutrality and threats to fundamental rights in Europe“ von Jérémie Zimmermann

Jérémie Zimmermann ist so etwas wie der klassische Netzaktivist, der in Frankreich in der Bürgerrechtsorganisation „Le Quadrature du Net“ mitarbeitet und einen sehr schönen Überblick über die verstörende Welt der französischen Denkweisen über das Internet gemalt hat. HADOPI war ein großes Thema, also der Three-Strike-Ansatz, mit dem Internet-Benutzer, die Copyright-Verletzungen behördlich verwarnt werden und schließlich im Ernstfall sogar mit einem Trennen ihres Internet-Anschlusses bestraft werden können. Zimmermann stellte in seinem amüsanten und engagierten Vortrag einiges deutlich dar und zeigte auch, wie hübsch sich in Frankreich knallhart Lobbyisten bei der Gesetzgebung durchgesetzt hat und verwandtschaftliche Verhältnisse von Politikern und Industriegrößen dazu schamlos ausgenutzt werden.

Ich hätte vor wenigen Monaten noch gesagt: „Boah, gut, dass wir nicht in Frankreich leben.“ Aber ich habe inzwischen bekanntlicherweise jegliche Illusion verloren, dass uns das in Deutschland so nicht auch passieren könnte. In unserer Bundesregierung haben wir dazu genügend Damen und Herren, die neben Hotels sicherlich auch noch andere Firmen sponsern, wenn sie entsprechend Zaster auf die richtigen Konten „spenden“.

Einen kurzen Besuch hat Zimmermann dann auch noch zum Thema ACTA gemacht, über das Thema werde ich demnächst dann auch nochmal ausführlicher bloggen (müssen).

„Net Neutrality and Free Speech“ von Tim Wu

Tim Wu gehört wiederum zur SaveTheInternet.com-Bewegung und ist nicht irgendjemand, sondern der Kopf, also quasi „Mr. Net Neutrality“. Zugegebenermaßen, von Tim Wu habe ich mir vorgestellt, dass er den Laden rockt, vermutlich dachten das die re:publica-Macher auch, die diesen Vortrag nicht mehr in der Kalkscheune durchführten, sondern auf der Hauptbühne des Friedrichstadtpalastes. Der war jedoch nur zu einem Viertel gefüllt und das ist positiv geschätzt.

Tim Wu hatte dann auch noch einen sehr abstrakten Vortrag dabei, der Netzneutralität sehr umfassend und mit Analogien zu den frühen Zensurverpflichtungen im amerikanischen Film erklären wollte. Tatsächlich mussten früher Spielfilme von einer Arbeitsgruppe der Motion Picture Association abgenommen werden, die unter anderem darauf achtete, dass es keine Geschlechtsakte zwischen weißen und farbigen Menschen gab.

Leider endete der Vortrag dann auch noch so plötzlich, wie er an die eigentliche Thematik gegangen ist, so dass dieser Vortrag leider nicht sonderlich angekommen ist und der Person Tim Wu keinesfalls auch nur ansatzweise gerecht wurde. Sehr schade.

„Internet Censorship worldwide“ von Lucie Morillon

Lucie Morillon brachte als charmante Sprecherin mit süßem, französischen Akzent einen leider höchst unangenehmen Überblick darauf, wie es weltweit mit der Verfolgung von Bloggern und Online-Aktivisten aussieht. Als Vertreterin von „Reporter ohne Grenzen“ waren diese Zahlen zweifellos fundiert und deprimierend.

„Do censorship and repression kill content on the web?“ von Sami Ben Gharbia

Der Tunesier Sami Ben Gharbia stellte in seinem vollgepackten 30-Minuten-Vortrag einen ganzen Strauß vor, was man machen kann, wenn man als Blogger zu politisch Verfolgten gehört und wie man damit umgehen kann und sollte. Viele Dinge gehen dabei in die Richtung, dass man sich eben einen neuen Provider sucht oder bei staatlicher Zensur andere Plattformen zum Betrieb eines Blogs nimmt. Andere Ansätze sind dann aber schon wieder „klassische“ Guerilla-Taktiken, beispielsweise die äußerst interessante Idee, in Google Earth oder Maps einfach Locations anzulegen, die auf die Regierungsstätten der betreffenden Länder zeigen und dann mit regierungskritischen Artikeln verlinkt sind, zum Beispiel einem YouTube-Video.

Ein sachlich gut fundierter und recherchierter Vortrag, leider auch nicht wirklich gut besetzt, obwohl gerade das eine wichtige Kompetenz für politische Arbeit im Internet ist. Unsere Meinungsfreiheit mag in Deutschland und Europa relativ gut geschützt sein, aber wer wüsste schon, wie man reagieren kann, wenn er/sie von einem politischen Aktivisten aus dem Ausland angesprochen würde, der politisch verfolgt wird?

Tag 2?

War gut, sehr gut sogar. Ich habe beim Themenstrang Netzneutralität von 10 bis 18 Uhr durchgehalten, weil viele der Vorträge gigantisch gut waren. Leider leidet das Thema Netzneutralität darunter, dass viele Menschen – auch viele re:publica-Besucher – keine so rechte Ahnung davon haben, was eine aufgeweichte Netzneutralität für Schäden anrichten kann, vor allem deshalb, weil man im Zweifelsfall nur sehr schwer merkt, ob überhaupt eine fehlende Netzneutralität Schuld dafür ist, dass Dinge im Internet nicht erreichbar sind.

Ich hoffe, dass in dieses Thema noch genügend Sensibilisierung hineinkommt, denn dass gerade die Deutsche Telekom mit entsprechenden Äußerungen ihres CEO in der Vergangenheit immer wieder mal die Stimmung getestet hat, muss aufhorchen lassen.

re:publica 2010, Tag 1.

Tag 1 war spannend – immerhin ist das meine erste re:publica und wenn man bedenkt, dass ich ebenfalls noch nie ein Barcamp o.ä. besucht habe, war ich schon recht gespannt darauf, was passiert, wenn mehr als 30 Web-2.0-Leute auf einem Haufen sitzen und Tacheles miteinander sprechen.

Einführungsvortrag „Die digitale Faszination“ von Peter Glaser

Peter Glaser ist schlicht der philosophierende Barde der deutschsprachigen Blogosphäre. So wie der heftig im Wienerischen akzentuierende Mensch da vor dem Pult sitzt, glaubt man ihm zunächst nicht, dass er es in kürzester Zeit schafft, großartige Bilder vor den geistigen Augen seiner Zuhörerschaft zu malen. Warum finden wir Online so faszinierend? Unmöglich, im Schnelldurchlauf von den ersten Menschen, die das Feuer gebändigt haben, zu den Menschen zu kommen, die im Internet mindestens genauso kompetent kommunizieren, wie in der Realität? Das kann nur Glaser. Sein phantastischer Vortrag findet sich in seinem Blog „Glaserei“ der Stuttgarter Zeitung.

„Google Buzz for the rest of us“ von Thomas Steiner

Oliver Gassner, Martin Koser und ich kamen dann gleich zur Sache und sind zum von Google gesponserten Vortrag zu Google Buzz gewankt. Der Vortrag litt leider durchweg vom quasi nicht vorhandenen Internet – zum einen funktionierte WLAN nicht wirklich und zum anderen war der Vortrag im Quatsch Comedy Club im Untergeschoss des Friedrichstadtpalastes, so dass auch der gute, alte Mobilfunk der ganzen Geschichte einen Strich durch die Rechnung machte.

Thomas Steiner mühte sich redlich, Informationen zu geben, wie man sich in Google Buzz registrieren kann und den Dienst nutzt, durfte aber schon auf eher einfache Fragen, wie beispielsweise Googles Planung für einen Enterprise-Dienst von Buzz aussehen wird, nicht antworten. Der Mehrwert der Veranstaltung hielt sich daher in leider recht engen Grenzen. Das hätte man besser hinbekommen, sowohl technisch, als auch inhaltlich.

„The German paradox – Privacy, publicness ans penises“ von Jeff Jarvis

Jeff Jarvis am Anfang eines Vortrags als leicht arroganten Menschen zu bezeichnen, kann anflugweise passieren. Das ändert sich allerdings, wenn man seinen Vorträgen zuhört und das war auch in seinem heutigen Vortrag so. Zunächst hielt er sich fast schon schmerzhaft lange damit auf, wie skurril wir Deutschen teilweise auf unsere Privatsphäre schauen, die dann aber abrupt da endet, wo der FKK anfängt, die wiederum die Amerikaner als zutiefst verstörend empfinden.

Spannend und berührend wird es allerdings spätestens dann, wenn Jeff Jarvis beginnt, über seinen überstandenen Prostatakrebs zu reden. Denn über diese Krankheit hat er damals gebloggt und damit sein Wissen der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Aufgrund dessen, dass er dies getan hat, hat er bis dato eine Reihe von berührenden Kommentaren erhalten, die entweder von Betroffenen sind, die ihm danken, darüber geschrieben zu haben, aber auch von Menschen, die erst durch so einen Artikel wirklich je auf die Idee gekommen sind, zu einer Krebsvorsorgeuntersuchung zu gehen.

Worauf er hinaus will und auch kam: Privacy ist gut, Öffentlichkeit ist es aber auch. Und das Ziel muss sein, weitgehend jede Art von Öffentlichkeit zu schützen, denn Einschränkung der Öffentlichkeit bedeutet Kontrolle. In vielen Beispielen nimmt er da unter anderem auch Bezug darauf, dass das Web 2.0 nun eine Möglichkeit ist, dass eine riesige Menschenmenge eine Öffentlichkeit darstellen kann und dass genau dies eine der Prophezeihungen des Cluetrain-Manifestes der 1990er Jahre ist.

Recht hat er, allerdings bin ich da vorsichtig und dass sind gottlob auch viele der Menschen, mit denen ich nach dem Vortrag gesprochen habe. Vielleicht auch eine deutsche Krankheit, aber einer aus dem Publikum hat Jeff Jarvis ein Beispiel dafür genannt, warum die entwaffnende Öffentlichkeit im Falle des Prostatakrebses vielleicht nicht gut war, denn mit dieser Information wird er bei allen Versicherungsunternehmen schlagartig uninteressant. Jarvis‘ Gegenantwort darauf, dass dies letztendlich bei genügend Öffentlichkeit eben auch die Öffentlichkeit beeinflussen könnte, ist sicherlich diskutabel. Dennoch einer der hochwertigsten Vorträge, zweifellos.

„What’s next – Wie die Netzwerke Wirtschaft und Gesellschaft revolutionieren“ von Peter Kruse

Ein weiteres Highlight, zumindest am Tag 1. Peter Kruse ist Hirnforscher und hat in einer Stunde glatt über 90 Folien am Bildschirm vorbeigezogen, in denen er die Welten der „Digital Residents“ und der „Digital Visitors“ beschrieben hat. Kurzgefasst sind die Residents die Leute, die in Web 2.0 denken und handeln und die Visitors die Web-1.0-Folks. Was unsereiner eigentlich schon weiß, nämlich dass beide Denkweisen miteinander sehr viele Gegensätze pflegen, hat Kruse einmal dargestellt, nämlich mit höchst interessanten Auswertungen in interessanten Diagrammen.

Was am Anfang noch sehr undurchsichtig war, entwickelte sich im Laufe des Vortrages zu einfachen Thesen, was daran liegt, dass Kruse die Forschungsergebnisse radikal herunterdividiert auf einzelne Begrifflichkeiten herunterdividiert hat und die dann auch sehr anschaulich wurden. Man kann sich darin tatsächlich ein Stückweit wiederfinden.

Der Vortrag war allerdings haarscharf am Rande des Verständlichen. Peter Kruse knallte seinen Text frei herunter und zog einige Folien im Sekundentakt vorbei, so dass man sich das kaum mal in Ruhe anschauen konnte. Schade drum, denn so ein Vortrag gehört nicht in die primäre Verdauungsphase nach der Mittagspause positioniert.

„Augmented Reality – Hype or not?“ von Marc Rene Gardeya

Marc Rene Gardeya ist CEO des Stuttgarter Unternehmens Hoppala und auch beteiligt am Layar-Projekt, dass für das iPhone (auch für Android?) die gleichnamige Anwendung anbietet, mit der auf Live-Kamerabilder per GPS- und Kompass-Peilung dreidimensionale Objekte live abgebildet werden können, also eine Art virtuelle Welt auf ein „echtes“ Bild in Echtzeit projiziert wird. Layar gehört da zu der Anwendung, die sicherlich am weitesten ist und viele Layer zum Anschauen anbietet.

Wenn ich bei vielen Layern und Augmented-Reality-Clients so meine eigene Ansichten habe und nicht wirklich so recht davon zu überzeugen bin, so fand ich eine Anwendung wiederum supergut, nämlich die Einblendung der (virtuellen) Berliner Mauer, wenn man sich in Berlin an der ehemaligen Grenze befindet. Das gibt Raum für viele Anwendungen in dem Bereich, wo man eben alte, nicht mehr vorhandene Gebäude oder auch neue, geplante, irgendwie visuell und vor allem in Echtzeit darstellen muss.

Dass die gängigen Smartphones mit Augmented Reality freilich nur noch äußerst kurzen Surfspaß bieten, sei mal dahingestellt.

„Saving the planet vs. privacy – How to design „green“ tech properly“ von Frank Rieger

Ein enttäuschender Vortrag von Frank Rieger vom Chaos Computer Club, der in etwa so zusammengefasst werden kann: Die Erde hat begrenzte Ressourcen, die irgendwann einmal zuneige gehen werden, aber schon vorher vermutlich nicht mehr zu bezahlen sind. In diesem Zusammenhang wird man sich Gedanken darüber machen müssen, wie man Privacy in Systemarchitekturen schützt, die zentralisiert Inhalte im Internet bereithalten. Ach was. In Zeiten von Facebook, wo man das schon weit vor dem endgültigen Verbrauch aller Ressourcen tun sollte, ist das keine wirkliche Neuerung.

Ein weiterer Aspekt war die Frage, wie man Wind- und Sonnenenergie bzw. den dadurch gewonnenen Strom sinnvoll verwaltet, nämlich durch Smart-Grids. Und das war dann fälschlicherweise nur dadurch skizziert, dass Strom eben zu bestimmten Zeiten billiger oder teurer ist. Dass zu Smart-Grids aber auch die Idee von dezentraler Stromerzeugung gehört, beispielsweise kleinen Kraftwerken auf Basis von mit Erdgas befeuerten Generatoren, oder auch die dezentrale Stromspeicherung, beispielsweise mit am Netz angeschlossenen Akkus von Elektroautos, das fehlte hier dann leider völlig.

Nonsens-Vortag, den man mit etwas Lektüre des Heise-Newstickers auch selbst zusammengezimmert bekommt.

Party?

Sorry, bin ich der falsche Ansprechpartner, ich gehöre eher nicht zur Partyfraktion, die mit der Gefahr lebt, sich ggf. selbst zu feiern. Ist jetzt eine böse Kutsche, aber ich kann generell mit Kongress- oder Messepartys rein gar nichts anfangen. Müssen andere ran. 🙂

Net is in the air.

Auf der gestrigen Autofahrt nach Berlin zur re:publica 2010 hat mein Mitfahrer Oliver Gassner, der mich während der re:publica anderen Menschen nur als „sein Fahrer“ vorstellen wird, gleich hinter Vaihingen/Enz für einen Lacher gesorgt, der leicht hätte dazu führen können, dass ich vor Lachen das Lenkrad verrissen hätte.

Er packte quasi gleich nach dem Anschnallen sein Netbook mitsamt UMTS-Stick aus, um eine Flugbestätigung zu suchen, fuhr den Apparat hoch und rief frohlockend die Frage in den Raum:

„Hey, hast du WLAN im Auto?“

Offensichtlich fuhren wir gerade an einem Haus vorbei, in dem das WLAN-Netzwerk ziemlich massiv weit hinausstrahlte. Die Idee mit einem WLAN im Auto fanden wir dann aber die restlichen 600 Kilometer zumindest so doof nicht, als dass wir immer wieder das Thema aufkochten – neben der spannenden Frage, was er während der re:publica mit seinen alten Visitenkarten anstellen wird. 😉

U2-Tour, die zweite.

Und auch vorerst – zumindest dieses Jahr – die letzte. Zwei Wochenenden hintereinander Ausflug in Paris und Berlin zehren an den Kräften. Dementsprechend invalide kamen wir Teilnehmer aus gestern am Stuttgarter Flughafen wieder an. Mir schmerzt dank eingelaufener Blase der rechte Fuß, ich habe Muskelkater und eine leichte Erkältung, Jochen lief wie ein alter Mann die Treppen herunter, Thomas plagte das Knie und Joachim machte auch nicht mehr den ganze fittesten Eindruck.

Immerhin haben wir uns in Berlin das ganz harte Touri-Programm erspart. Am Samstag haben wir mit Timo einen kleinen Rundgang vom Alexanderplatz in Richtung Brandenburger Tor gemacht, von dort dann weiter am Reichstag bis zum Hauptbahnhof und wieder zurück. Jochen und Joachim haben nur die halbe Tour mitgemacht, weil am Hotel Adlon ein wahrer Menschenauflauf danach trachtete, U2 beim Herausgehen zu erwischen (was aber nicht gelang). Nach einem Besuch im Hotel, um die Taschen abzuladen, ging es von dort nach eine weiteren Fußmarsch zum Olympiastadion und zum U2-Konzert.

Bombastisch ist dabei der falsche Ausdruck – U2 kann es einfach immer noch und immer besser. Das Pariser Konzert letzte Woche war schon nicht schlecht, die Folks haben aber mit ihrem Berlin-Konzert die Messlatte noch ein Stückchen weiter nach oben geschoben. Joachim und ich hatten diesmal einen Stehplatz „unten“ und haben uns links neben die Bühne gestellt, so dass man von hier aus sehr anschaulich Bono & Co. sehen konnte. Was wird nur, wenn die U2-Bandmitglieder es vielleicht irgendwann an der Hüfte bekommen? 🙂

Der Sonntag war dann weitgehend ein Chill-Out-Tag, den Jochens Bruder Martin designte. Dazu gab es zwei Abstecher in den Mauerpark, in dem man sehr anschaulich erleben konnte, was es heißt, wenn man spontane Happenings veranstaltet. Sehr spannende Sache.

Und ich habe mir vorgenommen, nie wieder über den Baden-Airpark zu lachen. Der einzig wahre Provinzflughafen, der eigentlich eher in die Kategorie Flugplatz zählen könnte, ist Berlin-Schönefeld.