Xing goes Old Economy.

Ich hätte es ja noch verstanden, wenn irgendein Pensionsfonds sich Anteile der XING AG kauft. Oder ein Autohersteller. Oder ein skurriler russischer Investor mit mindestens einer 40-Meter-Jacht. Dass aber ausgerechnet die Hubert Burda Media nun durch ihre Tochter, der Hubert Burda Digital GmbH, die etwas über 25 % der Aktienanteile der XING AG von Lars Hinrichs gekauft hat, Hauptaktionär der XING AG ist, enttäuscht.

Ausgerechnet ein Platzhirsch im Wald der Holzmedien, ausgerechnet ein glühender Verfechter von Leistungsschutzrechten und damit ausgerechnet ein Unternehmen, das die moderne Internet- und Informationswelt zwar möglicherweise verstanden hat, aber sich nicht zu schade ist, mit der Politik einen Deal in der Form einzugehen, sich zwar weiterhin als vermeintlich vierte Macht im Staate fürchten, aber insgeheim von diesem Staat protektionieren zu lassen. Das ist bitter. Damit geht Xing den gleichen Weg, wie die VZ-Netzwerke (in der Holtzbrinck-Gruppe) und “Wer kennt wen” (in der RTL-Gruppe). Old Economy eats New Economy.

Nun gut, es trifft sich gut, dass im Dezember mein Premium-Account bei Xing ausläuft. Den muss man übrigens kündigen und das geht hier.

Xing-Wahlbarometerkommando: “Aussitzen!”

Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass das Team bei Xing, das den Wahlbarometer zu verantworten hat, inzwischen die ganze Sache nach ähnlichem Motto wie eine loosende Partei angeht: Aussitzen und so tun, als ob alles in Ordnung wäre. Denn inzwischen ist der Wahlbarometer wieder auf Null, die “Wahlstimmung” für die letzte Kalenderwoche eingetütet und nun wird die “Stimmung” für die Kalenderwoche 33 gezählt. Und, hups, wie überraschend: Schon wieder führt die Piratenpartei mit über 70 %.

Okay, man scheint bei Xing offenbar tatsächlich keine Ahnung zu haben, wie draußen die politische Landschaft funktioniert und wie “drinnen”, also im Internet. Denn in letzterem ist es für eine Partei wie die Piratenpartei überhaupt kein Problem, praktisch deren gesamte Mitgliedschaft inklusive deren Sympathisanten innerhalb weniger Stunden zur Stimmabgabe zu akquirieren, während dies anderen Parteien nur mit größter Mühe gelingen dürfte. Allein dieser Umstand entbehrt diesem Barometer jegliche auch nur ansatzweise angedachten Repräsentanz und macht es zu einem peinlich-schaurigen Spektakel, bei dem der Hauptdarsteller ein Social Network ist, deren Communitymanager offenbar auf dem Mond leben.

Na gut, schauen wir uns das einfach noch weiter an. Popcorn und Cola bereitstellen, das Ding wird noch hübsch hochgehen wie eine Silvesterrakete.

Die politische Nullnummer von Xing.

Gut, ich bin kein Fan der Piratenpartei, weil ich kein Fan von Parteien bin, die sich nur um bestimmte Aspekte einer bestimmten Klientel kümmern und den Rest außen vor lassen. Ich kann deshalb nur wenig mit den Grünen anfangen, aber auch wenig mit der FDP, wenig mit der Linkspartei und auch eben wenig mit der Piratenpartei.

Die wahre Kunst im politischen Geschäft besteht meiner Meinung (!) nach nicht darin, den Generationenkonflikt dadurch aufzulösen, in dem sich jede Generation eigene eigene Partei sucht und über die Medien miteinander kommuniziert, sondern darin, diesen Konflikt innerhalb einer Partei zu diskutieren. Das ist zwar mitunter von Anfang an ein sehr mühsames Geschäft, allerdings bringt es allendhalber nichts, wenn man sich von Ortsvereins- bis Bundesvorstandsebene immer einer Meinung ist und dann einen Kampf gegen politische Windmühlen führen muss, die ganz andere Kaliber an Meinungsmacher haben. Ich halte es bei der Zensursula-Debatte nämlich für ein zentrales Problem, dass die “Gegenseite” der Schäuble-von-der-Leyen-Guttenberg-Fraktion zwar gut organisiert, aber auch scharf umgrenzt ist – so umgrenzte Gruppierungen lassen sich in einer normalen politischen Debatte einfacher ausgrenzen, als Aktivisten, die in einer größeren Volkspartei gut vernetzt sind.

(Das mag man jetzt aus meinem Rachen als SPD-Werbung missverstehen, damit kann ich leben. Die geneigten Leser dieses Blogs und auch mein Freundeskreis wissen, dass ich nach wie vor sauer über die Art und Weise bin, wie sich die SPD in der Zensursula-Debatte verhalten hat.)

Nichtsdestotrotz haben kleinere “Special-Interest-Parteien” auch ihre Berechtigung, demzufolge auch die Piratenpartei. Und man muss auch so fair sein und der Piratenpartei die Berechtigung als Partei zugestehen, die sie als Partei nun mal hat. Und wir wollen und dürfen auch nicht vergessen, dass die Piratenpartei aufgrund des Parteiwechsels von Jörg Tauss nun eben im Bundestag vertreten ist. Ja, auch Xing sollte das verinnerlichen, wie Benedikt Schmidt das bemängelt. Immerhin kam Xing ursprünglich mal mit dem Ansatz daher, komplett überparteilich und unpolitisch sein zu wollen.

Ganz persönliche Meinung: Es wäre schöner gewesen, wenn sich Xing auch daran gehalten hätte und nicht sowas unsägliches und retortenhaftes fabriziert hätte, was in meinen Augen nur eine reine Showveranstaltung ist: http://wahl.xing.com/

Für die Ewigkeit schreiben bei Xing.

Eine Moderatorentätigkeit in einem Xing-Forum führt selbst einen so datenschutzbewanderten Menschen wie mich gelegentlich an den Rand der Ratlosigkeit. Schon seit einigen Tagen beschäftige ich mit mich einem Forumsteilnehmer, der sich nach langer Zeit (im Guten) aus einem von mir moderierten Xing-Forum verabschiedet hat und nun nach Monaten auf die Idee gekommen ist, dass er all seine Beiträge, die er in diesem Forum geschrieben hat, gelöscht haben möchte.

Überraschung Nummer 1: Geschriebene Beiträge in einem Forum kann der Absender nur innerhalb der ersten drei Tage nach dem Schreiben nochmal überarbeiten oder löschen.

Nun bin ich und meine Moderationskollegen nicht sonderlich scharf darauf, solche Dinge zu tun, denn sie bringen quasi nichts. Bei einmal in einem Social Network herausposaunte Äußerungen darf man getrost davon ausgehen, dass sich solche Informationen in der Öffentlichkeit befinden und zum anderen hinterlassen Artikellöschungen in thread-orientierten Foren grundsätzlich immer Diskussionslöcher. Das hat wohl auch Xing erkannt, denn:

Überraschung Nummer 2: Xing räumt sich nach Akzeptieren der AGB grundsätzlich das Recht ein, dass einmal gesendete Artikel in einem Xing-Forum bis zum Sanktnimmerleinstag (oder bis zum eventuellen Austritt des Mitgliedes) veröffentlicht bleiben dürfen. So als ob es das Recht auf Informationelle Selbstbestimmung nicht geben würde.

Also habe ich noch etwas tiefer im Moderatorenforum gegraben und siehe da:

Überraschung Nummer 3: Xing hält sich, glaubt man der FAQ für Moderatoren, argumentativ aus der Forenhaftung heraus und überträgt diese geistig an die Moderatoren von Foren, die ihrerseits dann weitgehend das Recht (aber nicht die Verpflichtung) haben, Artikel in Foren zu löschen. So als ob Teilnehmer von Xing-Foren einen Vertrag mit den Forenmoderatoren hätten und nicht mit Xing und so als ob die Forenmoderatoren ihrerseits einen Vertrag mit Xing hätten, die genau diese Verschiebung von Rechten zur Grundlage hätten.

Nun gut, habe ich mir gedacht, ich habe eigentlich keine sonderliche Lust, mit dem ehemaligen Forumsteilnehmer da größere Diskussionen anzufangen. Zum einen ist der Teilnehmer schon nicht mehr in der Gruppe und zum anderen sind solche Sachen bei mir letztendlich eine reine Abwägung des Zeitfaktors. Also habe ich mit dem Löschen der betreffenden Artikel des Teilnehmers, die er mir wenigstens in einer Liste hat zukommen lassen, begonnen. Das funktionierte auch soweit. Zumindest fast. Denn:

Überraschung Nummer 4: Man kann als Moderator zwar Artikel innerhalb eines Threads löschen, jedoch niemals den ersten Artikel eines Threads. Entweder muss dieser erste Artikel bestehen bleiben oder der gesamte Thread muss gelöscht werden.

Und das brachte mich dann auch gleich zur …

Überraschung Nummer 5: Ich kann als Moderator zwar Artikel von Forenteilnehmern überarbeiten, löschen oder mit einem anderen Text versehen, ich kann jedoch nicht den Absender des Artikels unkenntlich machen.

Das ist mir dann doch etwas zu viel Quatsch auf einmal, den ich unbezahlt dafür machen soll, damit Xing mit dem Mehrwert eines Forensystems möglicherweise ordentlich Geld verdienen kann. Der Teilnehmer soll sich nun mal schön an diejenigen wenden, die für das Auslecken der Sickergruben auch wirklich Geld verdienen, nämlich die Menschen im echten Xing-Support. Denn das sind auch seine wahren Vertragspartner, so deliziös auch die Moderatorenregeln geschrieben sind.

Freunde, Freunde, Freunde.

Als Networker der frühen Stunde galt von Anfang an das ungeschriebene Gesetz, Bekannte zu Freunden zu machen, egal ob nun in Xing, Facebook, Twitter oder sonst anderen Diensten. Genau genommen kommt diese Haltung aus meinen frühesten Internet-Erfahrungen aus dem Jahre 1996, als ich langsam das Internet enterte. Usenet war faszinierend, das IRC ebenfalls. Dort lernte man dann auch – wenn sehr holprig via Modem – Leute kennen, die man auch heute noch kennt. Der Begriff „eingeschworene Bruderschaft“ kommt dem sehr nahe, man war eben durchaus froh, unter den paar Leuten, die die jeweiligen Dienste nutzten, wenigstens ein paar Haltepunkte zu haben. Es gab mal Zeiten, da waren auf einem IRC-Server tatsächlich nur eine Handvoll Leute und keine Bots, wenngleich ich da schon zur eher zweiten Generation gehörte.

Wie auch immer – das ungeschriebene Gesetz gilt heute immer noch und verlagert sich immer weiter nach unten, wenn man das mal so sagen darf. Es gibt Leute, die mich siezen und es gibt auch schon die ersten Menschen, die, als ich online ging, noch tatsächlich in ihre Windeln machten. (Das ist übrigens ein sehr merkwürdiges Problem, das kann ich euch mal so am Rande sagen.)

Das mit der Bruderschaft nimmt aber inzwischen langsam bedenkliche Züge an. Denn auch in anderen Szenen, die so langsam aber sicher das Internet und die sozialen Netzwerke entern, gilt offenbar das ungeschriebene Gesetz, sich zu Freundschaften zu bekennen, obwohl ich sie im Leisesten nicht kenne. Das ist so ein Stückweit das Thomas-Gottschalk-Syndrom, also der Theorie, dass ungeheuer viele Leute den Thomas Gottschalk kennen und zu ihm ein relativ unkompliziertes Verhältnis haben, wenn sie ihn mal leibhaftig treffen. Und natürlich auch der Umstand, dass der Name unverwechselbar ist. Es kennen also mehr Leute einen Besim Karadeniz, während ich mich kaum an die Leute erinnern kann, die immer mehr per Facebook meine Freunde werden wollen.

In Xing habe ich das mit Tagging recht gut im Griff und kann auch unbekannte Menschen relativ einfach gruppieren und sortieren, in Facebook ist das jedoch ein richtiggehendes Problem. Und dummerweise haben da viele neue Freunde genausowenig ein Bild im Profil, wie ich.

Wird ein Problem auf Dauer. Ich will das aber weiterhin nur ungern durch einfaches Ignorieren lösen. Ideen?

Xing-Tagging für Fortgeschrittene.

Ab einer gewissen Zahl von Kontakten in einem sozialen Netzwerk beginnt es, unübersichtlich zu werden. Woher kennt man Kontakt X nochmal? In welchem Netzwerk hängt dieser? Alles Fragen, die man sich spätestens ab 200 Kontakten fragt, wenn man gelegentlich sein Adressbuch durchschaut.

Nun kann man das auf zweierlei Wegen lösen: Kontakte löschen, wie das mal mein geschätzter Bloggerkollege Oliver vorgeschlagen hat, oder Ordnung hineinbringen. Und für Ordnung gibt es in Xing die sehr feine Funktion des Tagging. Man nehme ein paar Begriffe, trenne die mit Kommata und schon kann man, wenn man etwas Disziplin an den Tag legt, auch nach kurzer Zeit sein Adressbuch strukturieren und fit machen für die nächsten hundert Kontakte.

Aller Ansatz ist beschwerlich, weshalb ich an dieser Stelle mal Einblick in meine Tag-Strukturen biete. Alle folgenden Tags sind nur ein Ausschnitt der Tags, die ich einsetze, allerdings gibt es nicht mehr als 40 unterschiedliche Tags. Man sollte es auch eher nicht übertreiben, sondern klein anfangen, aber das appliziert man sich am besten in die eigene Kontaktestruktur hinein.

Es ist übrigens auch nicht schlimm und genau genommen auch unvermeidlich, wenn nicht alle Kontakte absolut korrekt getagged sind. Das Tagging lebt davon, dass es sehr flexibel einen Informationsraum recht strukturierbar auszeichnen kann, aber es muss nicht hundertprozentig genau sein, wie fest angelegte Kategorien (die es in Xing auch so nicht gibt).

  • „D“, „S“
    Zwei Tags, die jeder meiner Kontakte hat und sehr unverfänglich eine Sache markiert – ob ich den Kontakt mit „Du“ oder „Sie“ anspreche. Kann ich mir zwar durchaus bei den meisten Kontakten (noch) merken, aber für was Tagging nicht alles wunderbar geeignet ist..
  • „Familie“
    Auch klar, damit werden Familienangehörige getagged. Aber beispielsweise auch enge Freunde von Familienangehörigen, Schwager, Nachbar der Eltern etc. Also im Prinzip auch alle die Kontakte, die man näher nur durch Familienangehörige kennt.
  • „Alumni IRS“, „Alumni KG“ etc.
    Auch relativ klar – damit markiere ich ehemalige Schulkameraden und Kommilitonen. „Alumni IRS“ steht beispielsweise für „Insel-Realschule“, die Abkürzung „KG“ für Kepler-Gymnasium etc.
  • „Netmanufacture“
    In meinem Fall Kontakte, die ich über meine Arbeit bei meinem Arbeitgeber kenne. Da unser Schuppen „Netmanufacture“ heißt, erklärt sich dieser Tag von selbst.
  • „Ex-Kollege“
    Ehemalige Kollegen, mit denen ich mal bei meinem jetzigen oder bei meinen früheren Arbeitgebern zusammengearbeitet habe, kommen in diese Rubrik. Kann man natürlich erweitern, in dem man „Ex-Kollege Firma A“, Ex-Kollege Firma B“ einsetzt. In meinem Fall jedoch alles noch überschaubar.
  • „Dienstleister“
    Reserviert für Arzt, Rechtsanwalt, Postbote, Hauspolizist, Friseur
  • „ISOC“, „AWO“, „SPD“
    Kontakte in Verbänden, Vereinen, Parteien, aber denkbar auch für Stammtische, Treffs etc.
  • „Blogger“, „IRC“, „Usenet“, „ML netlife“
    Tags, die für Kontakte reserviert sind, die ich schwerpunktmäßig online über diverse Netzwerke kennengelernt habe. „ML“ steht für „Mailingliste“.
  • „netplanet“, „TiddlyWiki“
    Kontakte, die in Zusammenhang mit von mir verwalteten Projekten stehen. Können Projektbeteiligte sein, aber beispielsweise auch Ratsuchende, die mich wegen diesen Projekten kontaktiert haben.
  • „Stuttgarter“, „Berliner“ etc.
    Hier wiederum kommen Kontakte hinein, die ich in den betreffenden Städten kennengelernt habe und dort zu einer Community gehören. Im Falle der „Stuttgarter“ sind das Kontakte, die ich über den IRCNet-Channel #stuttgart kennengelernt habe, bei den Berlinern analog mit #berlin. In der Zwischenzeit etwas verwaschen, weil ich durchaus da auch Leute kenne, die da eher nur in den näheren Dunstkreis gehören.
  • „XING Pforzheim“, „XING ASB“ etc.
    Alles, was mit „XING“ anfängt, markiere ich für Kontakte, die über Xing-Foren entstanden sind.
  • „U2“
    Okay, erklärt sich von selbst. 🙂
  • „FreundFreund“
    Das ist meine neueste Tag-Rubrik, die Freunde bezeichnet, die ich über andere Freunde kennengelernt habe und in keinem anderen Netzwerk vorkommen. So schlecht vernetzte Menschen gibt es gottlob relativ wenige, diese Rubrik deckt aber letztendlich auch den letzten Kontakt in meinem Adressbuch ab.

Wenn man sich einmal die Mühen gemacht hat, seine Kontakte vernünftig zu taggen, hat man zwei nette, kleine Gimmicks: Im Adressbuch finden sich die Tags mit unterschiedlichen Färbungen oberhalb der Kontakte und geben einen schönen Überblick, wo die Schwerpunkte bei den Kontakten im Adressbuch liegen. Genau das gleiche sieht man auch, wenn man in der Tag-Eingabezeile einfach die Pfeil-nach-unten-Taste auf der Tastatur drückt und sich die Tag-Liste einblendet, denn diese ist nach Anzahl von Kontakten pro Tag sortiert.

Und was auch wichtig ist: Das eigene Tagging im Adressbuch sehen die Kontakte in ihrem Profil nicht. Man sollte zwar aus Sicherheitsgründen nicht beginnen, die Kontakte im Adressbuch nach Tiernamen oder mit Schimpfwörtern zu sortieren, allerdings würden die Kontakte das auch nicht sehen, wenn es eben doch so getan wird.