Damit wir es nicht vergessen.

Aus dem SPIEGEL dieser Woche (12/2009) im Artikel „Surfen mit Stoppschild“ auf Seite 163:

„Tatsächlich melden im Windschatten der Von-der-Leyen-Initiative unterschiedlichste Gruppen Begehrlichkeiten an. Das Innenministerium in Hessen lud Internet-Anbieter bereits zum Gespräch über die Sperrung illegaler Glücksspielseiten, die Kommission für Jugendmedienschutz bestellte sie zuletzt zweimal ein, um über die Blockade „jugendschutzrelevanter“ Seiten zu sprechen. Und die Musikindustrie wirbt zum besseren Schutz ihrer Urheberrechte statt für Sperren sogar für Platzverweise: Im Justizministerium plädierte die Branche unlängst für die französische Lösung. Dort werden die Nutzer bei illegalen Download-Versuchen zunächst verwarnt, beim nächsten Versuch wird ihre Internet-Verbindung für einen Monat lahmgelegt.“

Und:

„Hilfe erhält sie [Ursula von der Leyen] vom Innenminister. ‚Kinderpornografie ist abscheulich‘, sagt Schäuble. ‚Wir sollten mit vereinten Kräften dagegen vorgehen, anstatt mit juristischen Spitzfindigkeiten den Eindruck zu erwecken, unsere Verfassung schütze Kinderpornografie. Das ist doch absurd.‘

Wir müssen weiterhin aufmerksam bleiben, das Geschwür wuchert unaufhaltsam weiter.

wolfgang-schaeuble.de gehackt.

Die eh auch schon so katastrophale Website von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (man beachte mal das grässliche Favicon.. uhh) hat einen weiteren Tiefpunkt erreicht: Sie wurde heute Abend erfolgreich gehackt:

Screenshot der gehackten Website von Wolfgang Schäuble (http://wolfgang-schaeuble.de)

Muss man gar nicht wirklich groß kommentieren, der Grund ist augenscheinlich – laut Kommentar der Defacer – eine veraltete Typo3-Version. Dumm gelaufen, wenn man sein Haus nicht sauber hält. Der Link im Defacement geht übrigens auf www.vorratsdatenspeicherung.de.

Update um 1:04 Uhr: Selig schlummert das politische Berlin und das Defacement ist immer noch munter online. Fast schon erfreulich, dass sich offenbar heute Nacht erst einmal kein Schwein um das Problem kümmern wird. Diese gelebte Lässigkeit macht den Bundesinnenminister ja fast schon wieder sympathisch. 😉

Update um 11.52 Uhr: Die Admins der Website haben es dann tatsächlich erst heute Morgen entdeckt und gegen 9 Uhr die Website abgeschaltet. Richard von tutsi.de hat offenbar die halbe Nacht das Ding beobachtet. Von den klassischen Medien war übrigens Golem.de der Schnellste beim Berichten – Punkt 0:08 Uhr ging das Ding bei ihnen über den Ticker.

Bundesinnenminister Schäuble redet den lieben langen Tag.

Es muss ein schrecklich langweiliges Interview gewesen sein, dass Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble neuerdings dem MDR gegeben hat. Denn neben dem üblichen Sermon, dass Islamisten weiter überwacht werden müssten, faselte der gute Mann auch so etwas davon, dass man potentiellen Islamisten auch den Zugriff ins Internet verwehren müsse.

Das sind so Forderungen, ich ich persönlich liebe und die niemand besser auch Redeflüssen herausarbeiten kann, wie Wolfgang Schäuble. Etwas zusammengekauert im Rollstuhl, halb geschlossene Augen, mit der Hand krallenartige Bewegungen nach vorn und dann wird gedichtet: Ein Satz, zwei Sätze, drei Sätze, ein paar Fakten hier, ein paar Fakten da und ein paar Gedankenhappen dazu und schon haben wir genau solche Forderungen, die weitgehend unerfüllbar sind, aber schön die Illusion des mitdenkenden, wachsamen Innenministers aufstellen.

Die Masche ist durch, Herr Schäuble. Bald bricht die Wahlkampfzeit an, da dreht man nicht noch große Gesetzesvorhaben, die am Grundgesetz rütteln. Sowas zettelt man am Anfang einer Legislaturperiode an, damit Gras über die Sache wächst.