Was bringt eine Tag-Wolke?

Vlad aus Peruns Weblog denkt laut über die Frage nach, wozu eigentlich eine Tag-Wolke gut sein könnte. Ich habe das jetzt absichtlich mit Bindestrich geschrieben, um einigermaßen deutlich zu machen, dass es nicht um eine “Tageswolke” geht, sondern der Begriff “Tag” im Sinne des englischsprachigen Wortes für “Schlagwort” gesehen werden sollte.

Vlads Vermutung, dass eine Tag-Wolke wahrscheinlich vor allem aus Gründen des schnellen Themenüberblicks positioniert wird, ist einleuchtend und nachvollziehbar. Ich sehe eigentlich auch keine andere Nützlichkeit dafür. Als Werkzeug für SEO, für “Search Engine Optimization” taugt die Tag-Wolke kaum, denn will man Inhalt vernünftig unter Suchmaschinen bringen, nimmt man sich eher dem Werkzeug der Sitemap und einer sitemap.xml an und vergisst ganz schnell den Glauben, dass man die Relevanz von Seiten einer Suchmaschine mitteilen müsste. Das macht sie dann schon selbst.

Das „Tagging“, also das verschlagworten von Artikeln, ist so eine Sache, auf die man sich einlassen muss, denn in erster Linie ist Tagging nichts anderes wie die Bildung von Kategorien, allerdings auf organischer Basis. „Organisch“ bedeutet, dass Inhalte durchaus auch gefühlsmäßig kategorisiert werden, sich Kategorien dadurch auf Basis von ob- und auch subjektiven Klassifizierungen bilden und so ein Gebilde ständig in Bewegung ist, auch wenn man dies nicht in jedem Einzelschritt sieht. Der Begriff „Zeitgeist“ ist vermutlich einer der wenigen Konstanten von Tag-Wolken. Und ja, ich bin mir der Bedeutung des Begriffes in diesem Zusammenhang durchaus bewusst.

Worauf ich hinaus will: Sinnvoll ist Tagging dann, wenn man sich bei der Findung von Tags nicht so sehr über das große Bild Gedanken macht, sondern rein auf das Tagging des jeweiligen Artikels konzentriert. Das, was sich dann am Ende bildet, ist meist immer genau das, was man sich nicht vorgestellt hat und genau davon lebt das Tagging und auch eine Tag-Wolke.

Freunde, Freunde, Freunde.

Als Networker der frühen Stunde galt von Anfang an das ungeschriebene Gesetz, Bekannte zu Freunden zu machen, egal ob nun in Xing, Facebook, Twitter oder sonst anderen Diensten. Genau genommen kommt diese Haltung aus meinen frühesten Internet-Erfahrungen aus dem Jahre 1996, als ich langsam das Internet enterte. Usenet war faszinierend, das IRC ebenfalls. Dort lernte man dann auch – wenn sehr holprig via Modem – Leute kennen, die man auch heute noch kennt. Der Begriff „eingeschworene Bruderschaft“ kommt dem sehr nahe, man war eben durchaus froh, unter den paar Leuten, die die jeweiligen Dienste nutzten, wenigstens ein paar Haltepunkte zu haben. Es gab mal Zeiten, da waren auf einem IRC-Server tatsächlich nur eine Handvoll Leute und keine Bots, wenngleich ich da schon zur eher zweiten Generation gehörte.

Wie auch immer – das ungeschriebene Gesetz gilt heute immer noch und verlagert sich immer weiter nach unten, wenn man das mal so sagen darf. Es gibt Leute, die mich siezen und es gibt auch schon die ersten Menschen, die, als ich online ging, noch tatsächlich in ihre Windeln machten. (Das ist übrigens ein sehr merkwürdiges Problem, das kann ich euch mal so am Rande sagen.)

Das mit der Bruderschaft nimmt aber inzwischen langsam bedenkliche Züge an. Denn auch in anderen Szenen, die so langsam aber sicher das Internet und die sozialen Netzwerke entern, gilt offenbar das ungeschriebene Gesetz, sich zu Freundschaften zu bekennen, obwohl ich sie im Leisesten nicht kenne. Das ist so ein Stückweit das Thomas-Gottschalk-Syndrom, also der Theorie, dass ungeheuer viele Leute den Thomas Gottschalk kennen und zu ihm ein relativ unkompliziertes Verhältnis haben, wenn sie ihn mal leibhaftig treffen. Und natürlich auch der Umstand, dass der Name unverwechselbar ist. Es kennen also mehr Leute einen Besim Karadeniz, während ich mich kaum an die Leute erinnern kann, die immer mehr per Facebook meine Freunde werden wollen.

In Xing habe ich das mit Tagging recht gut im Griff und kann auch unbekannte Menschen relativ einfach gruppieren und sortieren, in Facebook ist das jedoch ein richtiggehendes Problem. Und dummerweise haben da viele neue Freunde genausowenig ein Bild im Profil, wie ich.

Wird ein Problem auf Dauer. Ich will das aber weiterhin nur ungern durch einfaches Ignorieren lösen. Ideen?

Xing-Tagging für Fortgeschrittene.

Ab einer gewissen Zahl von Kontakten in einem sozialen Netzwerk beginnt es, unübersichtlich zu werden. Woher kennt man Kontakt X nochmal? In welchem Netzwerk hängt dieser? Alles Fragen, die man sich spätestens ab 200 Kontakten fragt, wenn man gelegentlich sein Adressbuch durchschaut.

Nun kann man das auf zweierlei Wegen lösen: Kontakte löschen, wie das mal mein geschätzter Bloggerkollege Oliver vorgeschlagen hat, oder Ordnung hineinbringen. Und für Ordnung gibt es in Xing die sehr feine Funktion des Tagging. Man nehme ein paar Begriffe, trenne die mit Kommata und schon kann man, wenn man etwas Disziplin an den Tag legt, auch nach kurzer Zeit sein Adressbuch strukturieren und fit machen für die nächsten hundert Kontakte.

Aller Ansatz ist beschwerlich, weshalb ich an dieser Stelle mal Einblick in meine Tag-Strukturen biete. Alle folgenden Tags sind nur ein Ausschnitt der Tags, die ich einsetze, allerdings gibt es nicht mehr als 40 unterschiedliche Tags. Man sollte es auch eher nicht übertreiben, sondern klein anfangen, aber das appliziert man sich am besten in die eigene Kontaktestruktur hinein.

Es ist übrigens auch nicht schlimm und genau genommen auch unvermeidlich, wenn nicht alle Kontakte absolut korrekt getagged sind. Das Tagging lebt davon, dass es sehr flexibel einen Informationsraum recht strukturierbar auszeichnen kann, aber es muss nicht hundertprozentig genau sein, wie fest angelegte Kategorien (die es in Xing auch so nicht gibt).

  • „D“, „S“
    Zwei Tags, die jeder meiner Kontakte hat und sehr unverfänglich eine Sache markiert – ob ich den Kontakt mit „Du“ oder „Sie“ anspreche. Kann ich mir zwar durchaus bei den meisten Kontakten (noch) merken, aber für was Tagging nicht alles wunderbar geeignet ist..
  • „Familie“
    Auch klar, damit werden Familienangehörige getagged. Aber beispielsweise auch enge Freunde von Familienangehörigen, Schwager, Nachbar der Eltern etc. Also im Prinzip auch alle die Kontakte, die man näher nur durch Familienangehörige kennt.
  • „Alumni IRS“, „Alumni KG“ etc.
    Auch relativ klar – damit markiere ich ehemalige Schulkameraden und Kommilitonen. „Alumni IRS“ steht beispielsweise für „Insel-Realschule“, die Abkürzung „KG“ für Kepler-Gymnasium etc.
  • „Netmanufacture“
    In meinem Fall Kontakte, die ich über meine Arbeit bei meinem Arbeitgeber kenne. Da unser Schuppen „Netmanufacture“ heißt, erklärt sich dieser Tag von selbst.
  • „Ex-Kollege“
    Ehemalige Kollegen, mit denen ich mal bei meinem jetzigen oder bei meinen früheren Arbeitgebern zusammengearbeitet habe, kommen in diese Rubrik. Kann man natürlich erweitern, in dem man „Ex-Kollege Firma A“, Ex-Kollege Firma B“ einsetzt. In meinem Fall jedoch alles noch überschaubar.
  • „Dienstleister“
    Reserviert für Arzt, Rechtsanwalt, Postbote, Hauspolizist, Friseur
  • „ISOC“, „AWO“, „SPD“
    Kontakte in Verbänden, Vereinen, Parteien, aber denkbar auch für Stammtische, Treffs etc.
  • „Blogger“, „IRC“, „Usenet“, „ML netlife“
    Tags, die für Kontakte reserviert sind, die ich schwerpunktmäßig online über diverse Netzwerke kennengelernt habe. „ML“ steht für „Mailingliste“.
  • „netplanet“, „TiddlyWiki“
    Kontakte, die in Zusammenhang mit von mir verwalteten Projekten stehen. Können Projektbeteiligte sein, aber beispielsweise auch Ratsuchende, die mich wegen diesen Projekten kontaktiert haben.
  • „Stuttgarter“, „Berliner“ etc.
    Hier wiederum kommen Kontakte hinein, die ich in den betreffenden Städten kennengelernt habe und dort zu einer Community gehören. Im Falle der „Stuttgarter“ sind das Kontakte, die ich über den IRCNet-Channel #stuttgart kennengelernt habe, bei den Berlinern analog mit #berlin. In der Zwischenzeit etwas verwaschen, weil ich durchaus da auch Leute kenne, die da eher nur in den näheren Dunstkreis gehören.
  • „XING Pforzheim“, „XING ASB“ etc.
    Alles, was mit „XING“ anfängt, markiere ich für Kontakte, die über Xing-Foren entstanden sind.
  • „U2“
    Okay, erklärt sich von selbst. 🙂
  • „FreundFreund“
    Das ist meine neueste Tag-Rubrik, die Freunde bezeichnet, die ich über andere Freunde kennengelernt habe und in keinem anderen Netzwerk vorkommen. So schlecht vernetzte Menschen gibt es gottlob relativ wenige, diese Rubrik deckt aber letztendlich auch den letzten Kontakt in meinem Adressbuch ab.

Wenn man sich einmal die Mühen gemacht hat, seine Kontakte vernünftig zu taggen, hat man zwei nette, kleine Gimmicks: Im Adressbuch finden sich die Tags mit unterschiedlichen Färbungen oberhalb der Kontakte und geben einen schönen Überblick, wo die Schwerpunkte bei den Kontakten im Adressbuch liegen. Genau das gleiche sieht man auch, wenn man in der Tag-Eingabezeile einfach die Pfeil-nach-unten-Taste auf der Tastatur drückt und sich die Tag-Liste einblendet, denn diese ist nach Anzahl von Kontakten pro Tag sortiert.

Und was auch wichtig ist: Das eigene Tagging im Adressbuch sehen die Kontakte in ihrem Profil nicht. Man sollte zwar aus Sicherheitsgründen nicht beginnen, die Kontakte im Adressbuch nach Tiernamen oder mit Schimpfwörtern zu sortieren, allerdings würden die Kontakte das auch nicht sehen, wenn es eben doch so getan wird.