Font-Manager für Windows der Extraklasse: Printer’s Apprentice.

Wer viel mit Schriften unter Windows arbeitet, kennt das Problem: Die eingebaute Schriftenverwaltung von Windows in der Systemsteuerung ist nichts über Freunde der guten Übersicht. Inzwischen gibt es unter Windows zwar keine zahlenmäßige Beschränkung bei installierten Schriften und auch längere Namenslisten werden verhältnismäßig schnell ausgegeben, aber wer nach bestimmten installierten Schriften suchen muss oder nicht alle seine Schriften ständig installiert haben will, der ist ziemlich verloren. Da schielt man dann schon gelegentlich neidisch zu MacOS, für das eine ganze Reihe von sehr schönen Font-Managern existieren.

Nach einer ganzen Weile Suche habe ich letztes Jahr dann doch ein kleines Windows-Tool mit dem Zungenbrechernamen „Printer’s Apprentice“ der kleinen US-Softwareschmiede Lose Your Mind Development gefunden, ausprobiert und nach der Testzeit für 24,99 US-Dollar auch gleich mal gekauft. Denn Printer’s Apprentice, auf Deutsch übersetzt in etwa „der Stift/Gehilfe des Druckers“ ist genau das. Ein kleines, flottes und mächtiges Werkzeug zur Schriftenverwaltung und zur schnellen In- und Deinstallation von Schriften in Windows.

Die Installation und der erste Start.

Die Installation ist herzlich einfach und der erste Start ist erst einmal verwirrend: Denn bei jedem Start fragt das Programm über die Benutzersteuerung nach erweiterten Windows-Rechten – die es jedoch zwingend braucht, um den Windows-Schriftenordner beeinflussen zu können. Da Printer’s Apprentice aus meiner Beobachtung heraus sorgfältig mit dem Windows-Schriftenordner umgeht, kann man diese erweiterten Rechte durchaus gewähren.

Printer's Apprentice

Nach dem Start zeigt sich eine aufgeräumte Oberfläche, die in der linken Leiste die Auswahl darüber gibt, was man sich anschauen möchte: Installierte Fonts, einzelne Font-Dateien bzw. -Ordner oder Font-Gruppen. Während die ersten beiden Registerkarten selbsterklärend sein dürften, sind die Font-Gruppen besonders interessant. So ein Ordner für Font-Gruppen lässt sich in den Einstellungen („Tools“ – „Options“) konfigurieren und dieser wird dann hier in der Font-Gruppenansicht mit allen Unterordnern sauber angezeigt. Beim erstmaligen Aufruf einer solchen Font-Gruppe wird beim Anhaken der Funktion „Read sub folders“ ein kompletter Scan aller Font-Dateien vorgenommen und eine Voransicht generiert, die sich dann rechts in voller Pracht anschauen lässt. Mein rund 13.000 Font-Dateien schwerer Font-Gruppenordner war in ca. 2 Minuten erstmalig gescannt. Da Printer’s Apprentice die Voransichten cacht, ist ein späterer Aufruf nicht mehr ganz so langandauernd. Zudem möchte die Softwareschmiede diesen Scan zukünftig noch weiter verbessern, so dass hier die eigentliche Killerfunktion von Printer’s Apprentice bleibt.

Die Übersicht

Was Printer’s Apprentice sehr gut macht, ist das Auslesen von Meta-Informationen aus den Schriftendateien, die in den Dateiformaten TrueType, OpenType (auch PostScript-basiertes OpenType) und Adobe Type 1 vorliegen dürfen. In diese Meta-Informationen können (tun aber leider nicht alle) Autoren von Schriftarten beispielsweise neben den Gewichtungen (also Regular, Bold, Light etc.) auch definieren, ob die Schrift Serif, Sans-Serif, Monospaced etc. ist. Informationen, mit denen eine Auswahl einer passenden Schrift aus größeren Beständen deutlich einfacher werden kann, wenn denn eben auch alle Schriftenhersteller bei den Meta-Informationen etwas mehr mitdenken würden.

Schön wird es jedoch, wenn man sich durch einen Bestand an Schriften durcharbeitet und eine Auswahl an Schriften zusammenstellen möchte, was sich in Printer’s Apprentice bewerkstelligen lässt, ohne dass auch nur eine Schriftdatei direkt in Windows installiert werden müsste. Und dann diese Auswahl mit einem eigenen Text live anschauen und vielleicht dann als Testdruck ausgeben möchte. Denn das alles macht Printer’s Apprentice dann auf Knopfdruck mit zusammengestellten Sets und auch mit importierbaren Textvorlagen in der gewünschten Textgröße, so dass auch im Produktivbetrieb sehr schön eine Auswahl an Schriften zusammengestellt werden kann. Wer besonders viel Papier bedrucken will, kann auch von jeder Schriftdatei eine Probeseite ausgeben lassen oder auch gesammelt eine Übersichtsseite einer Schriftenfamilie. Das sieht dann genauso übersichtlich aus, wie die recht begehrten (und teuren) Musterbücher der großen Schriftenanbieter.

Das Zusammenspiel mit dem Windows-Schriftenordner

… ist völlig problemlos. Schriften können direkt aus Printer’s Apprentice in Windows installiert und auch wieder deinstalliert werden. Das wirklich schöne ist, dass auch hier bei allen Windows-Schriften die Voransicht inklusive dem Herauslesen der Meta-Informationen in Printer’s Apprentice funktioniert und man auf einen Schlag sieht, was alles im Windows-Schriftenordner ist. Und auch der Export von Dateien aus dem Windows-Schriftenordner in eigene Font-Gruppen funktioniert problemlos.

Kompatibilität, Preis, Updates?

Kompatibel ist Printer’s Apprentice von Windows XP bis 8.1 mit allen Funktionen und auch dem Zugriff zum Windows-Schriftenordner. Der Preis ist mit 24,99 US-Dollar für die Installation auf maximal zwei Computern meiner Meinung nach absolut in Ordnung, Update-Versionen gibt es später dann gar nur für 15 US-Dollar. Bezahlt werden kann der Lizenzschlüssel mit Kreditkarte oder PayPal. Wartungsupdates gibt es verhältnismäßig wenige, ich tippe mal aus meiner Beobachtung grob auf einen halbjährlichen Update-Rhythmus, der aus dem Programm heraus gestartet werden kann.

Einziger Nachteil von Printer’s Apprentice, wenn man es so sehen möchte: Das Programm gibt es nur in englischer Sprache. Das ist aber verschmerzbar, denn ansonsten ist Printer’s Apprentice ein echter Helfer in den Fluten von Windows-Fonts.

Smartphone-Apps als Schriftenlieferanten.

Disclaimer: Mein Anwalt hat geprüft und in folgendem Text keine potentiellen Rechtsverstöße festgestellt. Die folgenden Schritte zeigen keine Vorgänge, die durch Deassemblieren von kompilierten Dateien entstehen, ebenso wird kein Kopierschutz geknackt, sondern lediglich eine Datei in einem De-Zip-Programm geöffnet.

Der meines Erachtens nach notwendige, auch wenn völlig bescheuerte Disclaimer erklärt eigentlich schon alles – Gängige Smartphone-Apps (egal ob Android oder iOS) enthalten neben Programminhalten, Grafiken und multimedialen Inhalten meist auch Schriftdateien, in der Regel im TTF- oder OTF-Format. Zwar haben App-Dateien eine eigene Dateiendung (unter Android „.apk“ und unter iOS „.ipa“), allerdings sind diese Dateien nichts anderes als handelsübliche Zip-Dateien, also im Zip-Format komprimiert. Benennt man App-Dateien in ihrer Dateiendung auf „.zip“ um oder öffnet sie in einem besseren Komprimierungsprogramm wie 7-Zip, dann zeigt sich auf einen Schlag das gesamte Gut. Im Falle der SPIEGEL-Reader-App für iOS zum Beispiel mit folgendem Inhalt:

Font-Dateien in Apps

Das ist nicht weniger als die gesamten SPIEGEL-Schriftfamilien, die zum Beispiel bei MyFonts.com mehr als 220 Euro kosten. Schiebt man diese Dateien aus der gezippten App-Datei direkt in den eigenen Schriftenordner … aber das darf ich nicht weiter beschreiben, denn natürlich ist so eine Nutzung der in der App gelieferten Schriften nicht gestattet (andererseits müsste das ein Lizenzvertrag auch explizit untersagen). Das Spiel kann man so weiterführen, denn viele Apps nutzen nicht die an sich reichhaltige Auswahl an im Mobilbetriebssystem integrierten Schriften, sondern bringen ihre eigene Hausschrift in voller Pracht mit.

iOS macht es da sogar deutlich leichter als Android, denn wer sein iPhone/iPad mit iTunes sichert, hat ein komplettes Backup aller installierten Apps auf der Festplatte. Man schaue (unter Windows) in den Benutzerordner, dort unter

"Eigene Musik\iTunes\iTunes Media\Mobile Applications"

Unter Android ist es nicht ganz so einfach, denn dort lassen sich installierte Apps nur auf dem Smartphone/Tablet selbst heraussuchen und das auch nur bei einem gerooteten Gerät. Dort befinden sich die Apps in

"/data/app"

Da Android Apps auch direkt von hier aus startet, sollten Apps hier nicht direkt geöffnet werden, sondern an eine Stelle im Smartphone kopiert, wo man dann mit einem Dekomprimierprogramm gefahrlos hineinschauen kann. Meist befinden sich innerhalb der App-Datei die Schriftarten im „assets“-Ordner.

Sicherheitshalber nochmal der Hinweis: So dahergeholte Schriftdateien sind in der Regel nicht zur Nutzung außerhalb der jeweiligen App lizenziert. Ich habe das jetzt hier laut und deutlich gesagt. Ich liebe Schriftarten und kaufe offiziell die Schriften, die mir gefallen, um damit auch die Leute zu unterstützen, die sie erstellen. Allerdings könnten genau diese Leute auch mal die Verkäufer ihrer Schriften bitten, wenigstens doch bitte mal ihre Schriften mit entsprechenden Flags auszustatten, die eine Installation als normale Schriftdatei in Betriebssystemen untersagen. Das ist für gewiefte Leute zwar auch keine echte Hürde, ist aber wenigstens nicht ganz so einfältig. Am sinnvollsten wäre es, wenn ein App-Programmierer mit etwas Phantasie solche wertvollen Assets halbwegs gut codiert und vor einfacher Entnahme schützt.

Traue niemandem, der in Arial schreibt.

Einer der ersten Dinge, die ich beim Anpassen von WordPress-Themes ausmerze, ist die Verwendung von Arial beziehungsweise so kranke Definitionen wie „Helvetica“ oder „Neue Helvetica“ (als ob die jemand auf seiner Windows-Kiste hätte) oder, von ganz konformen Webdesignern, „Sans-Serif“ die in normalen Browser-Konfigurationen unter Windows in der Regel bei Arial enden.

Arial ist wirklich eine Krankheit, die mit mit dem Betriebssystem Windows 3.1 in die moderne Welt eingeschleppt wurde, allerdings gar keine Microsoft-Geschichte ist, wie viele glauben. Denn in Wirklichkeit wurde Arial von zwei Designern im Auftrag des Unternehmens Monotype entwickelt, die eine Alternative zur Helvetica wollten, die dem Unternehmen Linotype gehört. Und Arial ist auch keine Kopie der Helvetica, sondern wurde von einer Schrift namens Grotesque 215 abgeleitet und mit Helvetica-Eigenschaften weiterentwickelt.

Das Ergebnis ist eine häßliche, lieblose Schrift, die ihren Zweck erfüllt – mehr aber auch nicht. Arial identifiziere ich inzwischen schon auf den ersten Blick mit einem Auge. Und entweder wurde sie von jemandem genutzt, der sie mit Bedacht als Schrift einsetzt, die nun mal jeder hat oder von jemandem, der von Typografie überhaupt keine Ahnung hat. Letzteres dominiert überwältigend.

Es fährt kaum ein geschäftliches Fahrzeug herum, auf dem nicht mit Arial gearbeitet wurde, was man besonders überdeutlich bei der schrecklichen Ziffer Eins sieht, mit dieser überdominanten Hakennase. Mit ziemlichen Entsetzen habe ich nun ein Thermostat für Heizkörper gefunden, dessen Ziffernreihe ebenfalls mit Arial abgedruckt wurde, und das auch noch in Fett, damit man das Elend noch besonders deutlich sieht.

Schrecklicherweise findet sich Arial auch regelmäßig in der Parteienkommunikation, und zwar in seltenem Schulterschluß bei allen Parteien. Das ist nun wirklich mehr als sträflich, denn praktisch alle Parteien haben eigene Hausschriften, für die sie teilweise sogar Rahmenverträge mit den Herstellern abgeschlossen haben, damit diese in allen Parteigliederungen eingesetzt werden können. Interessiert das jemanden? Leider genügend viele nicht die Bohne.

Dabei gibt es bei den neueren Windows-Versionen Alternativen, beispielsweise Verdana (nicht wirklich toll, aber deutlich besser), das daraus weiterentwickelte Tahoma oder, seit Windows Vista, die leichte Segoe UI, die immerhin auch Microsoft in der Unternehmenskommunikation einsetzt und das erste Mal eine „richtige“ Schrift ist, die von Monotype entwickelt wurde.