Twitter und das zukünftige Geschäftsmodell.

Glaubt man einem Beitrag des englischsprachigen Weblogs SocialBeat, dann hört das Zeitalter des unbeschwerten Twitterns im August auf. Angeblich testet Twitter ein „Feature“, bei dem Twitter-Nutzern in ihren Timelines so genannte „promoted Tweets“ eingeblendet werden. Sprich: Werbung. So richtig überraschen tut diese Feststellung niemanden wirklich, weder den Autoren des Blog-Artikels, noch mich, noch viele andere Twitter-Nutzer.

Ich glaube, dass Twitter sich langsam aber sicher überlebt. Und das nicht deshalb, weil die Idee dumm wäre, sondern weil Twitter es jahrelang erfolgreich geschafft hat, sich nicht vernünftig zu entwickeln. Beispiele? Aber gern doch:

  • Eigene Timelines lassen sich auch heute noch nicht sinnvoll auf Serverseite filtern. Entweder man bekommt den gesamten Strom aller der Nutzer, denen man folgt, oder eben gar nichts.
  • Die Listenfunktion von Twitter ist eine Funktion, die überhaupt nicht dazu taugt, Information zu kanalisieren, sondern lediglich eine (halbwegs funktionale) Sache ist, anderen Leuten Themenkreise zu definieren (Liste „Fernsehen“ etc.).
  • Was Twitter ebenfalls nie geschafft hat, ist das Filtern von Applikationen. Was nervt es doch, wenn andere Nutzer ihre Beiträge in allen möglichen Social Networks in Twitter featuren und es für andere Leser keine Möglichkeit gibt, diese Kommentare beispielsweise dadurch sperren zu können, in dem die Quelle, also das entsprechende Twitter-Gateway des Dienstes, für sich sperren zu können.
  • Viel dramatischer ist meiner Meinung nach jedoch das, was früher oder später dann passiert, wenn man vielen Nutzern folgt, die untereinander viel via Replies twittern. Denn Replies bekommen alle die mit, die sowohl dem Absender, als auch dem Empfänger einer Reply ebenfalls folgen. Und das nervt sehr schnell und sehr massiv.
  • Fast schon marginal ist das Thema, dass man eine Direct Message nur Leuten schicken kann, die einem selbst folgen. Diese Funktion, die eigentlich hervorragend dazu dienen könnte, den halbprivaten Quatsch abzufangen, den sich viele Nutzer tagtäglich zutwittern, wird also durch diese künstliche Beschneidung so degradiert, dass viele Nutzer sie gar nicht kennen.

Tatsächlich ist viel von Twitter inzwischen in Facebook aufgegangen. Dass Twitter zu Facebook noch nicht gänzlich alle Nutzer verloren hat, mag daran liegen, dass Facebook sich scheinbar grundsätzlich dämlich anstellt, wenn es darum geht, Information auch Leuten zur Verfügung zu stellen, die nicht bei Facebook angemeldet sind, denn das ist (noch) das große Plus von Twitter. Ich muss mit niemandem Freund sein, um ihn bei Twitter lesen zu können und (noch) muss ich mich noch nicht mal bei Twitter anmelden, um den Inhalt der meisten Twitter-Nutzer mitlesen zu können. Und das, was Twitter mit Direct Messages einst einführte, das fangen heutzutage so Dienste wie WhatsApp ab und zukünftig auf der iPhone/iPad-Plattform der zukünftige hauseigene Apple-Dienst. Und für das, was am Ende in Sachen Social-Network-Bedarf übrigbleibt, gibt es ja dann noch Goole+.

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Unglücklicherweise fürchte ich, dass die Monetarisierungsversuche von Twitter versanden werden und Twitter – immerhin erstaunlich spät – irgendwann in den nächsten Monaten aufgekauft und endgelagert wird. Die Web-2.0-Blase hat in einigen Details (Groupon, Facebook) gewaltige Größen angenommen und selbst wenn diese Blase nicht platzt sondern langsam und halbwegs kontrolliert Luft verlieren wird – für gänzlich neue Finanzierungsrunden für Dienste, die seit Jahren nach der richtigen Finanzierung suchen, wird es eng werden. Und wie man die „promoted Tweets“ den Nutzern erklären will, die seit Jahren twittern, viel twittern, auf vielen Diensten schreiben und von Twitter erstaunlich wenig abhängig sind, das wird ein spannendes Thema.

Flattereien.

Eigentlich habe ich heute vorgehabt, das Thema flattr auf diesem Blog zu beenden. Fünf Monate nach dem Teststart in diesem Blog ist das Thema flattr nämlich eines, das eigentlich gar keines ist. Die Einnahmen bewegen sich bisher in einem Bereich, bei dem Betteln auf der Straße mit Sicherheit effektiver ist.

Mein Twitter-Follower @TheMaDav alias David Freund hatte heute einen Hinweis darauf, woran es liegen könnte, dass ich wider Erwartens noch nicht wirklich Millionär geworden bin. Nämlich daran, dass das verwendete flattr-Plugin, das ich in WordPress für den Einsatz im RSS-Feed einsetze, gar nicht funktioniert und bei einem Klick auf den flattr-Button nur Fehlermeldungen produziert. Tatsache.

Offensichtlich hat flattr bzw. das flattr-RSS-Plugin irgendetwas so geändert, dass nun eine Anmeldung des Plugins und der Website, auf dem dieses Plugin den flattr-Button anzeigt, bei flattr notwendig ist. Ohne diese Anmeldung läuft nichts außer einer hässlichen Fehlermeldung. Ich habe das nun korrigiert und nun funktioniert auch im Feed der flattr-Button unter jedem Artikel.

Falls ihr also in den vergangenen Wochen oder gar Monaten vergeblich in eurem Reader auf den flattr-Button gedrückt habt, dann holt das bitte in genau der Zahl ab, wie ihr das versucht habt, damit ich doch noch zum Millionär werde, ja? Und wenn nicht, fliegt flattr eben irgendwann in den nächsten Monaten heraus …

flattr-Testing.

Probieren geht über mit Studieren. Aus diesem Grund habe ich in mein Weblog hier flattr eingebaut. Das ist insofern relativ unproblematisch, weil es für WordPress ein Plug-In namens „flattr“ gibt, mit dem der flattr-Button sehr einfach unter jeden Artikel eingehängt werden kann. Ein weiteres Plug-In namens „flattRSS“ bindet den flattr-Button zusätzlich auch in den RSS-Feed ein.

Wie funktioniert flattr?

Warum ich nach 12 Jahren Webpublishing ausgerechnet jetzt teste, liegt an der Einfachheit von flattr. Ein flattr-Nutzer lädt auf sein flattr-Konto einen Betrag per PayPal. Im nächsten Schritt definiert er, wie viel Geld er monatlich per flattr verteilen möchte, beispielsweise fünf Euro. Klickt er nun auf Websites, Blogs etc. auf flattr-Buttons, dann werden all diese Klicks als Divisor für den monatlichen Betrag gezählt. Hat also der Nutzer zehn Websites ausgewählt, werden die fünf Euro durch zehn geteilt und jeder erhält demnach 50 Cent.

Warum tue ich das?

Hauptsächlich, um zu testen. Weniger, ob das technisch funktioniert (das scheint ja zu funktionieren), sondern um zu testen, ob es überhaupt ansatzweise möglich ist, auf diese Weise Menschen dazu zu bewegen, auf einen Button zu drücken und Geld für das Lesen von Artikeln zu bezahlen. Ich bin da üblicherweise skeptisch, allerdings muss man es sinnvollerweise testen.

Dass der flattr-Button auch im RSS-Feed steckt, wird sicherlich den ein oder anderen nerven. Allerdings: Der RSS-Feed meines Weblogs war immer und bleibt zukünftig auch werbefrei und mein RSS-Feed hat alle Artikel immer vollständig enthalten, was auch weiterhin so bleiben wird. Das ist der Deal.

Was machen wir mit dem Geld?

Eine fette Party. Die wollte ich schon immer mal machen und dazu einfach mal das Internet einladen und abwarten, wer alles kommt. Die Idee ist übrigens ernsthaft, daran habe ich mit einigen Freunden schon mal geistig daran gearbeitet und keiner fand die Idee so bescheuert, dass man sie sofort vergessen sollte. Dass allein flattr zur Finanzierung reicht, sei dahingestellt, die Hoffnung stirbt immer zuletzt und Partyhosts sind immer die Deppen der Nation, sie zahlen so oder so drauf.

flattr ist ja invite-only!

Stimmt. Ich hätte drei Einladungscodes hier. Die ersten Kommentatoren bekommen jeweils, wenn sie einen wollen. First come, first serve. Wer zu spät kommt – auch nicht schlimm. Auf der flattr-Website registrieren und ein paar Tage warten.

Das Konzept der Zeitungsmacher ist da.

Und ich habe mir wirklich an den Kopf machen müssen. Dass ausgerechnet auch noch die Rhein-Zeitung im Kreise der Planer ist, lässt mich erschüttern, denn immerhin ist die Rhein-Zeitung aus Koblenz einer der Zeitungen im Land, die das Thema Internet sehr früh und pragmatisch angepackt haben.

Also, wie sieht der Plan aus? In Augsburg trafen sich eine Reihe von Vertretern von Zeitungen, die sich von einem Unternehmen namens Marktwert IT ein Konzept haben vorstellen lassen. Marktwert IT ist, laut der Beschreibung auf der eigenen Homepage, offenbar unter anderem spezialisiert auf Anwendungen auf Smartphones.

Sich bei der Augsburger Allgemeinen zu treffen, lässt übrigens auch tief blicken, denn die Augsburger Allgemeine – bzw. ein Unternehmen namens “Newsfactory” aus dem Umfeld der Augsburger Allgemeinen – ist Dienstleister für andere Zeitungen und Lieferant eines Content Management Systems namens “redFACT”, das von vielen kleineren Zeitungen eingesetzt wird.

Jedenfalls trifft man sich so da und berät ein Konzeptpapier, das W&V vorliegt und das folgende Eckpunkte hat:

  • Das iPhone sei mit vier Millionen Stück das meistverkaufte Handy [Anmerk. des Autors: Huh?] und 98 Prozent der Nutzer würden mit diesem Gerät im Internet surfen. Durchschnittlich geben iPhone-Nutzer nach einer Studio von AdMob 9 Euro monatlich für iPhone-Apps aus.
  • Marktwert IT habe eine eigene App namens “NewsPush” (Bilder von der App gibt es im Blog von Marian Semm), in der die teilnehmenden Verlage Artikel in ihrem Namen anbieten können sollen, selbstverständlich nicht kostenlos. Der Kauf eines einzelnen Artikels solle 79 Cent kosten, darüber hinaus gäbe es dann Möglichkeiten, eine vertretene Zeitung in der App auch wochen- oder monatsweise zu abonnieren. Laut den Screenshots stellt man sich für ein Wochenabo 1,59 Euro vor, für ein Monatsabo 7,99 bis 8,99 Euro. (Kann freilich viel, muss aber auch nichts heißen.)
  • Die Einnahmen werden geteilt, 30 % erhält Apple, 20 % der Anbieter der App, also Marktwert IT, und 50 % der Verlag, von dem der Artikel bzw. das Abo stammt.
  • Pro Verlag stellt man sich einen TKP (Tausender-Kontakt-Preis, also Umsatz pro eintausend Kontakte) von 320 Euro vor und hält eine Zahl von eine Million Downloads bis Ende 2010 für machbar.

Ich lasse das mal alles so dahingestellt und verkneife mir jeden weiteren Kommentar, um die Partystimmung nicht zu stören. Ich habe mir ja schon an den Kopf gefasst. Thomas Knüwer hat herzlich gelacht, aber ich kann über sowas nicht mehr lachen. Sehen die denn alle tatsächlich den Eisberg nicht, auf den sie schon längst draufgefahren sind?