Eine Analyse des Wetten-dass-Deals aus einer anderen Sicht.

Wie muss man eigentlich den Deal zwischen dem ZDF und Markus Lanz, der nun auch offiziell der nächste Moderator von „Wetten, dass…?“ bewerten? Ob er ein guter oder schlechter Moderator ist, ist kaum bewertbar, gute Moderatoren moderieren alles weg und brauchen in der Regel ein paar Grundbedingungen, um wirklich gut zu sein. Das beste Beispiel ist da Thomas Gottschalk, der in seiner neuen Talkshow nicht wirklich anders moderiert, als früher, aber eben ein paar Dinge fehlen, die ihn bei „Wetten, dass…?“ unverwechselbar machten, an erster Stelle die direkte Interaktion mit dem Studiopublikum, das ironischerweise ja jetzt auch in „Gottschalk live“ wieder eingeführt werden soll.

Nein, Markus Lanz kann man nur unterschätzen, wenn man versucht, ihn aus seiner bisherigen Arbeit als Gute-Nacht-Moderator zu bewerten. Auch wenn er seine Zuschauer gern mal dadurch peinigt, sehr belanglose Fragen an seine Gäste zu stellen: Man kann ihm kaum nachsagen, dass er sich nicht gut vorbereitet und dass er nicht schlagfertig sei. Der Rest ist eine Sache der Vorbereitung und der Selbstdarstellung. Markus Lanz hält sich da, wo er gerade ist, also wird es an beidem nicht mangeln.

Spannender ist das, was hinter den Kulissen passiert. Denn „Wetten, dass…?“ ist nicht ohne Grund einer der letzten großen Unterhaltungsdampfer in deutschen Fernsehen geblieben: Es ist eine der letzten Samstagabend-Unterhaltungsshows, die noch vollständig vom Sender produziert wurden, also vom ZDF. So eine Eigenproduktion bedeutet, dass der Sender die Produktionsleitung hat und Redaktion und Produktion aus eigenem Hause kommen.

Der Handschlagdeal zwischen Markus Lanz und der neuen ZDF-Verwaltungsspitze um Thomas Bellut beinhaltet offenbar eine Vereinbarung, dass Lanz‘ Produktionsfirma „mhoch2“ einen Teil mitproduzieren darf. Darüber kann man jetzt vortrefflich diskutieren, welcher Teil das ist, aber ich tippe darauf, dass es vor allem der redaktionelle Teil ist, denn das ist bei allen Produktionsfirmen der große „Kreativposten“, während die eigentliche Produktion (also Kulisse, Studio, Technikpersonal) als Dienstleistungen dazugekauft werden. Zu dieser Vermutung passt auch eine andere Personalie, nämlich der Ausstieg von Michelle Hunziker vor einigen Wochen. Bei diesem Job des Co-Moderators wird sich sicherlich die Frage gestellt hat, ob zum einen ein neuer Moderator damit klarkommt, eine sehr gut vorbereitete Hunziker an der Seite zu haben und zum anderen auch, bei wem sie eigentlich dann genau arbeitet.

Die Frage der Zukunft wird aber genau da weitergehen, im Spannungsfeld zwischen externer Redaktion und eigener Produktion. Einen Vorgeschmack dazu gab es schon mit dem Eurovision Song Contest letztes Jahr, den ja eigentlich die ARD ausrichtete, aber von Stefan Raabs Produktionsfirma Brainpool produziert wurde. ARD-Mitarbeiter beschwerten sich im Vorfeld der Contest dann darüber, dass sie zwar Pressekonferenzen filmen durften, bei der eigentlichen Produktion der Show jedoch außen vor blieben. Die sehr gut gewerkschaftlich organisierten Stammbelegschaften öffentlich-rechtlicher Sender reagieren auf solche Wetterlagen.

In der eh schon angeheizten Stimmung auf dem Mainzer Lerchenberg dürfte die Transformation der jahrzehntelang selbstproduzierten, größten Unterhaltungsshow Europas zu einer teilweise privatwirtschaftlich produzierten Sendung für Misstöne sorgen, bei der ich gespannt darüber bin, wie das ZDF-Management das in den Griff bekommt, ohne dass „Wetten, dass…?“ inhaltlich so ausblutet wie andere ehemalige Samstagabend-Unterhaltungsdampfer.

Das wird ein hartes Geschäft für alle Beteiligten.

Vorsicht, SEOs!

Wann ist man in der Blogosphäre gut dabei? Dann, wenn man Kommentarlinks untergejubelt bekommen soll. Also vornehmlich schwachsinnige, allgemein gehaltene Kommentare mit einer Zustimmung zu einem Thema oder sonstigem Geflöt, vornehmlich auf bisher eher wenig kommentierten Artikel, gern aber mit einem thematisch passenden Link.

Irgendwann bekommt man als Blogger ein Gespür für solche Unterjubeleien. Und es soll an dieser Stelle nochmals gesagt sein, dass ich jeden Kommentar von einem neuen Absender von Hand freigebe und mir eventuelle Links vorher anschaue und nicht vor einer Klassifizierung als Spam schrecke, wenn es sich eben um Spam handelt.

Das nur mal so als wiederholt ausgesprochene Warnung. Ich habe den untrüglichen Eindruck, dass da ein paar Jungs lauern und probieren, was hier so geht. Und hier weht wirklich wenig.

Für die Ewigkeit schreiben bei Xing.

Eine Moderatorentätigkeit in einem Xing-Forum führt selbst einen so datenschutzbewanderten Menschen wie mich gelegentlich an den Rand der Ratlosigkeit. Schon seit einigen Tagen beschäftige ich mit mich einem Forumsteilnehmer, der sich nach langer Zeit (im Guten) aus einem von mir moderierten Xing-Forum verabschiedet hat und nun nach Monaten auf die Idee gekommen ist, dass er all seine Beiträge, die er in diesem Forum geschrieben hat, gelöscht haben möchte.

Überraschung Nummer 1: Geschriebene Beiträge in einem Forum kann der Absender nur innerhalb der ersten drei Tage nach dem Schreiben nochmal überarbeiten oder löschen.

Nun bin ich und meine Moderationskollegen nicht sonderlich scharf darauf, solche Dinge zu tun, denn sie bringen quasi nichts. Bei einmal in einem Social Network herausposaunte Äußerungen darf man getrost davon ausgehen, dass sich solche Informationen in der Öffentlichkeit befinden und zum anderen hinterlassen Artikellöschungen in thread-orientierten Foren grundsätzlich immer Diskussionslöcher. Das hat wohl auch Xing erkannt, denn:

Überraschung Nummer 2: Xing räumt sich nach Akzeptieren der AGB grundsätzlich das Recht ein, dass einmal gesendete Artikel in einem Xing-Forum bis zum Sanktnimmerleinstag (oder bis zum eventuellen Austritt des Mitgliedes) veröffentlicht bleiben dürfen. So als ob es das Recht auf Informationelle Selbstbestimmung nicht geben würde.

Also habe ich noch etwas tiefer im Moderatorenforum gegraben und siehe da:

Überraschung Nummer 3: Xing hält sich, glaubt man der FAQ für Moderatoren, argumentativ aus der Forenhaftung heraus und überträgt diese geistig an die Moderatoren von Foren, die ihrerseits dann weitgehend das Recht (aber nicht die Verpflichtung) haben, Artikel in Foren zu löschen. So als ob Teilnehmer von Xing-Foren einen Vertrag mit den Forenmoderatoren hätten und nicht mit Xing und so als ob die Forenmoderatoren ihrerseits einen Vertrag mit Xing hätten, die genau diese Verschiebung von Rechten zur Grundlage hätten.

Nun gut, habe ich mir gedacht, ich habe eigentlich keine sonderliche Lust, mit dem ehemaligen Forumsteilnehmer da größere Diskussionen anzufangen. Zum einen ist der Teilnehmer schon nicht mehr in der Gruppe und zum anderen sind solche Sachen bei mir letztendlich eine reine Abwägung des Zeitfaktors. Also habe ich mit dem Löschen der betreffenden Artikel des Teilnehmers, die er mir wenigstens in einer Liste hat zukommen lassen, begonnen. Das funktionierte auch soweit. Zumindest fast. Denn:

Überraschung Nummer 4: Man kann als Moderator zwar Artikel innerhalb eines Threads löschen, jedoch niemals den ersten Artikel eines Threads. Entweder muss dieser erste Artikel bestehen bleiben oder der gesamte Thread muss gelöscht werden.

Und das brachte mich dann auch gleich zur …

Überraschung Nummer 5: Ich kann als Moderator zwar Artikel von Forenteilnehmern überarbeiten, löschen oder mit einem anderen Text versehen, ich kann jedoch nicht den Absender des Artikels unkenntlich machen.

Das ist mir dann doch etwas zu viel Quatsch auf einmal, den ich unbezahlt dafür machen soll, damit Xing mit dem Mehrwert eines Forensystems möglicherweise ordentlich Geld verdienen kann. Der Teilnehmer soll sich nun mal schön an diejenigen wenden, die für das Auslecken der Sickergruben auch wirklich Geld verdienen, nämlich die Menschen im echten Xing-Support. Denn das sind auch seine wahren Vertragspartner, so deliziös auch die Moderatorenregeln geschrieben sind.