Neues von Golem. (Letzter Teil.)

Nach drei Tagen kam dann auf meine Mail doch noch eine Antwort des Golem.de-Redakteurs mit einem Versuch einer Art von Entschuldigung. Es gab „viele Neuerungen“, so dass sich viel geändert habe und man nicht hinterherkam mit dem Beantworten. Gut, so eine Art der Entschuldigung kann man versuchen. Man muss aber nicht, denn fast fünf Monate Antwortzeit kann man so eher nicht entschuldigen.

Das war dann aber auch schon egal, denn der zweite Absatz ist nochmal ein herbes Krönchen auf dem Krönchen:

Der Tamagotchi-Text müsste sehr aufwendig bearbeitet werden, deshalb
schlage ich vor, dass wir es dabei belassen. Es fehlt ein „roter
Faden“ und einige Informationen müssten durch neue ersetzt werden.
Wären Sie so lieb und würden mir noch einmal die anderen Vorschläge
zusenden?

Äh, nein. Ich bleibe dann lieber doch böse und habe mir, obwohl ich über diese Bitte sehr angewidert war, auch eine Rückantwort erspart. Es wird sich sicherlich ein anderer Blog-Depp finden lassen, der nach Ablehnung eines Textes, der eigentlich bestellt wurde, so bescheuert ist, einen weiteren Text auf Vorleistung einzusenden und dann vielleicht nochmal ein paar Monate darauf zu warten, dass er aus eher fadenscheinig wirkenden Gründen abgelehnt wird. Das kann mein Papierkorb besser und auch schneller, obwohl ich ihn nur alle drei Wochen leere.

Golem.de und seine Art, mit Bloggern umzugehen.

Im Juni letzten Jahres tönte die IT-Nachrichtenseite Golem.de mit einem recht interessanten Angebot an Blogger. Anstatt als Nachrichtenseite in das ewige Horn der „bösen Blogger“ zu blasen, wolle man Bloggern das Angebot machen, auch hin und wieder Artikel für Golem.de zu schreiben, mit eigenen Ansicht und vor allem gegen Geld und entsprechender Aufmerksamkeit. Faire Idee.

Dass ich auf den Aufruf reagierte, war nicht so davon geprägt, dass ich das Geld dazu dringend bräuchte, sondern mir gefiel das Angebot der Aufmerksamkeit. Die Reichweite von Golem.de ist eine ganz andere als die eines jeden Weblogs und die so herstellbare Link-Reputation ist ein gutes Geschäft auf Basis der Gegenseitigkeit. Also, eine Mail geschrieben und es kam auch recht bald eine freundliche Reaktion eines Redakteurs mit der Bitte, aus meinem Blog ein paar Links zu Artikeln zu schicken, die ich für besonders gelungen halte.

Das tat ich dann auch und es passierte auch erst einmal nichts. Nach zwei Monaten – Mitte August 2013 – fragte ich nochmal nach, was denn nun der Stand sei und es kam vom gleichen Redakteur die Antwort, man habe so viel zu tun, man fände aber das Blog sehr gut, einige Themen seien sicher auch für Golem.de-Leser interessant und ob ich nicht Interesse hätte, für Golem.de exklusiv einen Artikel zu schreiben. Falls ja, solle ich doch mal eine Themensammlung schicken, über die ich schreiben könne.

Auch über das Thema des Honorars wurde geschrieben, nämlich dass alles vor allem ein Versuch sei. Man wolle bei Veröffentlichung auf jeden Fall ein kleines Honorar zahlen und wolle dann, wenn ein Artikel besonders erfolgreich sei, auch durchaus noch etwas drauflegen. Wie gesagt, für mich aufgrund obiger Motivation okay.

Zwei Wochen später – Mitte September – habe ich dann eine Themensammlung übersendet, inklusive jeweils einem kleinen Exposé. Aus dieser Sammlung kam dann tatsächlich auch ein Artikelwunsch:

Hallo Herr Karadeniz, 

jetzt endlich eine Meldung von mir. Ich hatte Ihre Themenvorschläge
in unsere Redaktionsrunde eingebracht. Wir finden das Tamagotchi-
Thema spannend. Allerdings sollten Sie sich auf einen Aspekt in dem
Beitrag konzentrieren - das Tamagotchi als Wegbereiter des heutigen 
"Gadgetings". Welchen Einfluss hatte das Tamagotchi auf heutige
Apps für Smartphones, wäre eine mögliche Fragestellung, für die man
eine These entwickeln könnte. Was meinen Sie, trauen Sie sich das
zu? Kein einfaches Unterfangen, aber ein Artikel würde sehr gut
gelesen werden. 

Viele Grüße,

Gut, kein Problem. Herausgekommen ist nach gut einem halben Tag Arbeit ein Textentwurf mit 6.700 Zeichen und 1.000 Wörtern, also nichts ganz kleines und aus Weblog-Sicht schon ein Großartikel. Den habe ich dann am 30. September auch als Textentwurf deklariert eingesendet, ausdrücklich auch mit dem Hinweis, dass ich den Entwurf auch als Entwurf sehe und ihn so überarbeite, wie er ggf. gebraucht wird.

Die Reaktion von Redakteur und Golem.de war danach recht übersichtlich – es gab nämlich schlicht keine mehr. Weder kam eine Manöverkritik zum Artikel, noch wurde der Artikel veröffentlicht. Auf eine Anfrage einige Wochen später kam ebenso keine Antwort wie auf eine weitere Mail Anfang Januar, in der ich freundlich schrieb, dass ich davon ausgehe, dass am besagten Tamagotchi-Text ja mutmaßlich doch kein Interesse mehr bestünde, ich aber auch einige andere Themen einreichen könne zu meinem eBolide-Weblog. Ebenfalls null Reaktion.

Gestern nachmittag schrieb ich dann nochmal eine Mail an „artikel@golem.de“, die – so wie zu erwarten war – ebenfalls aktuell unbeantwortet ist:

Hallo, 

ich habe letztes Jahr als Blogger auf den Aufruf von Golem.de
reagiert, in dem Blogger zum Schreiben von Artikeln auf Golem.de
eingeladen werden sollen. 

Ich habe dazu nach einem Mailwechsel mit Herr XXXX Ende September
einen Artikelentwurf zum Thema Tamagotchi eingesendet, auf den ich
seitdem keine Reaktion mehr bekommen habe. Auch auf eine Nachfrage
hin kam keine Reaktion mehr, ebenso auf eine weitere Mail von
Anfang Januar, in dem ich weitere Themen vorschlug. 

Frage: Wollt ihr eigentlich wirklich Blogger mitschreiben lassen
oder ist das eine Art Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Blogger? Ich
bin auf Erlöse durch das Schreiben nicht wirklich angewiesen und
habe daher meinen Text ohne eine vertragliche Grundlage geschrieben
und eingereicht, aber schlicht und einfach gar nicht zu reagieren,
das halte ich dann schon für recht befremdlich. So kann man
natürlich mit Bloggern umgehen, muss man aber nicht. 

Grüße, 
Besim Karadeniz

Gut, könnte man sagen, selbst schuld, wenn man einer Redaktion ohne Vertrag und ohne feste Vergütungsabrede auf den Leim geht. Wie gesagt, das Honorar war und ist für mich in diesem Fall – zumindest auch Sicht eines „Neuschreibers“ – eher zweitrangig. Ich bin kein Journalist und habe auch nicht vor, einer zu werden. Die investierten vier Stunden in den Tamagotchi-Artikel sitze ich auch problemlos auf einer Hinternbacke weg.

Mir schlägt allerdings trotzdem die Magensäure hoch, weil hier eine gestandene Redaktion Interesse bekundet, auch einen Artikel bestellt und sich dann sich schlicht und einfach gar nicht mehr zurückmeldet. Da heulen alle gängigen Medien über die ach so schlimme und tumoröse Kostenloskultur der bösen Blogger und auch z.B. der Huffington Post, aber die veröffentlichen wenigstens am Ende und halten aber zumindest ihre Autoren nicht einfach so hin.

Das kommende Ende des Internets, wie wir es heute kennen.

Kurzum: Das Internet wird so, wie wir es heute kennen, mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit in mittelferner Zukunft nicht mehr so sein, wie wir es kennen. In Sachen Pessimismus bei Netzpolitik hat sich meine Stimmungslage in den letzten Monaten ja schon sichtlich ins Dunkle gewandelt, die letzten Wochen und Monate in Sachen Neufassung des Jugendmedienschutzstaatsvertrags haben meine größten Befürchtungen jedoch weitgehend bestätigt. Hinzukommt die Art und Weise, wie "hemdsärmelig" WikiLeaks erfolgreich von einzelnen Politikern bekämpft wird, was mir zeigt, dass es genügend gewählte Menschen in Demokratien gibt, die zur Wahrung ihrer eigenen Interessen keinen Moment zögern würden, global den "Internet-Stecker" zu ziehen. Zum Thema WikiLeaks werde ich nochmal gesondert bloggen.

Das Internet ist kein freiheitliches, vielleicht gar anarchisch wirkendes Netz mehr. Das ist alles verblümte Geschichte. In Wirklichkeit ist es schon verloren und es geht maximal nur noch darum, die schlimmsten Auswüchse dieser Entwicklung abzumildern. Harsche Worte.

Netzpolitik in der Zange der Inhaltsanbieter – und umgekehrt

Will man den aktuellen Stand der “modernen” Netzpolitik der deutschen Spitzenpolitik kartografieren, muss man ein politisches Feld des totalen Versagens und der vollständigen Inkompetenz aller Parteien konstatieren. Tatsächlich glaubte ich sehr lange, dass das darin resultiert, dass es einfach an fachkundigen Politikern fehlt. In der Zwischenzeit bin ich jedoch überzeugt, dass es zwar nach wie vor an fachkundigen Politikern fehlt, die moderne Netzpolitik jedoch inzwischen die gleiche Lobbysteuerung aufweist, wie sie in der Tabak- und Alkoholbranche seit Jahrzehnten üblich ist.

Anbieter von Inhalten haben in den letzten Jahren das Internet vor allem so verstanden: Wir stellen mal alles hinein und irgendwann wird schon ein Businessmodell herausfallen. Mit diesem Ansatz wurde schon ein ganzer Boom befeuert (der gute, alte Dot-Com-Boom), der Milliardensummen an Geld vernichtet hat. Tragfähige Businessmodelle sind freilich dabei kaum herausgesprungen.

Und so führte das für Inhaltsanbieter (und dabei ist es letztendlich egal, ob das Rechteinhaber von Nachrichten, Bücher, Musik oder Filmen sind) geradewegs ins Elend. Eine Galgenfrist lieferten die noch viel zu kleinen Internet-Anschlüsse und fehlende Komprimierformate, aber MPEG änderte alles.

Man könnte sagen: Selbst schuld. Doch so eine Feststellung macht man dann, wenn man an das Gute glaubt. Das ist bei milliardenschweren Wirtschaftszweigen eine naive Grundlage. Denn Meinungen zu kaufen ist in Branchen, die Meinungen verkaufen, sehr einfach. Gib‘ du mir etwas Glamour und ich beschützte dein Biotop!

Ausnahmslos alle netzpolitischen Vorgaben lassen sich auf diese Haltungen und Lobbyarbeiten herunterdividieren und zurückführen. Netzsperren dienen mit ihrer aufzubauenden Sperrinfrastruktur später auch gern zum Sperren von anderen Inhalten als dem K.O.-Argument Kinderpornografie, Leistungsschutzrechte dienen zum Erhalt von so genannten “freien” Medien und wenn man all diese Vorhaben näher dahingehend betrachtet, wie sie denn technisch so umzusetzen wären, dass sie auch funktionieren, wird man schnell feststellen, dass es gar nicht darum geht. Es geht rein um die Kriminalisierung von Dingen, die die Leute verbocken, die zu dumm dazu sind, sich neue Businessmodelle auszudenken.

An Dreistigkeit gibt es da inzwischen keine ausgemachte Schweinerei mehr, die nicht denkbar wäre. Lobbyisten, die diese Tätigkeit stolz herumtragen, werden in Enquete-Kommissionen berufen und verstecken ihre Lobbyarbeit gar nicht mehr. Gewerkschaften wie Verdi werden knallhart mit Argumenten in die Leistungsschutzrechtsdebatte eingebunden, so dass man im Gespräch mit eher ahnungslosen Gewerkschaftlern teilweise so Aussagen zu hören bekommt, dass der ganze Berufsstand “wegen diesem Kostenlos-Internet” kurz davor stünde, in die Pleite zu rutschen. Und dem Politikbetrieb wird das alles damit verkauft, dass das Ende von Kunst, Kultur und Meinungsfreiheit grundsätzlich davon abhängen würde. Dass all die netzregulatorischen Maßnahmen, die sich Inhaltsanbieter wünschen, nichts anderes wie das teure Erkaufen von Zensurmaßnahmen sind, da hört man halt einfach weg. Da schreiben wir dann halt – bewährte Vorgehensweise – einfach nicht drüber und die paar Blogger und andere Schmutzfinken, die werden dann halt einfach kriminalisiert.

Hanebüchen. Es haut inzwischen niemanden mehr vom Hocker über die unfassbaren Umstände, wie freie Medien mehr oder weniger und vor allem immer weniger genieren, nach staatlicher Protektion zu rufen. Die vierte Gewalt im Staat, eine Begrifflichkeit, die auch heute noch bei gestandenen Zeitungsleuten zu einer langanhaltenden Erektion führt, verkommt zu einem Haufen armseliger Tropfempfänger und keinen scheint es wirklich zu stören.

Ich habe inzwischen aufgehört, davon zu reden, wie schlimm China, Iran, die Türkei und viele andere Länder das Internet reglementieren, regulieren und zensieren. Ich bin inzwischen fest davon überzeugt, dass die Europäische Union und auch Deutschland auf dem genau gleichen Weg sind. Schweinereien sind schließlich keine Schweinereien im ursprünglichen Sinne mehr, wenn alle Schweine geworden sind.

Fiktive Redaktionskonferenz einer Lokalzeitung.

Wir schalten uns mal live in eine fiktive Redaktionskonferenz einer x-beliebigen Lokalzeitung hinein, die gerade dabei ist, die Tageslosung auszugeben. Die einstündige Konferenz ist schon weit fortgeschritten, wir sind in den letzten fünf Minuten, die prinzipiell für die Online-Strategie reserviert ist.

Chefredakteur: „So, Zeitung haben wir durch, was machen wir denn online?“

Online-Chef: „So mal grob überflogen – das übliche. Den Aufmacher des Lokalteiles und des Sports, zweite Nachrichtenschiene mit dem gesamten Inhalt des Presseverteilers der hiesigen Polizei.“

Chefredakteur: „Sehr gut, sehr gut, sehr gut. Ihr wisst ja – weniger ist mehr, das Gute ins Töpfchen, das Schlechte ins Kröpfchen. Gibt es einen Kommentar, so für die Interaktivität?“

Online-Chef: „Ja, für den Aufmacher schreibt der Lokalredakteur noch einen Kommentar, wir haben ihm schon eine Seite reserviert und das auch schon auf der Homepage freigeschaltet.“

Lokalredakteur: „Hach, schön, dann steht das ja auch schon im RSS-Feed, beim letzten Mal stand da schon ‚Kommentar von Franz Biebelfratz muss hier hinein!‚, bevor ich den Kommentar fertiggeschrieben habe.“

Online-Chef: „Ja, Franz, dieses RSS-Ding macht ja auch einfach Spaß, besser als gelbe Klebezettel.“

Chefredakteur: „Wie sieht’s aus mit Bildern, Bilderchef?“

Bilderchef: „Für den Aufmacher fährt unser Fotofrontmann vor, der macht eh ein Bild für den Zeitungsartikel. Er bleibt mit dem Finger einfach etwas länger auf dem Auslöser als sonst und den ganzen Verschnitt blasen wir dann hoch.“

Chefredakteur: „Toll, diese moderne Technik. Früher mussten wir noch Filmmaterial kalkulieren und entwickeln, heute kann der Fotomann einfach den Finger auf dem Auslöser lassen.“

Online-Chef: „In Sachen Aktuelles pappen wir überregional den DPA-Ticker ein und schauen mal, was die Blaulichtkameraleute so an Unfällen auflesen und anbieten, das klopfen wir dann heute nachmittag noch rein.“

Chefredakteur: „Und was macht unser Filmteam mit seiner Handycam?“

Online-Chef: „Die gehen später noch raus und sammeln ein paar O-Töne von der Bevölkerung vor der Türe.“

Chefredakteur: „Cool. Zu welchem Thema?“

Online-Chef: „Keine Ahnung, ist aber auch unwichtig, wir können ja die Leute direkt fragen, was sie bewegt, die interessanteste Frage stellen wir dann gleich dem nächsten Passanten und frickeln da dann einen Beitrag bis Feierabend.“

Chefredakteur: „Wahnsinnsleute sind wir! Und was machen wir mit diesem Twitter-Dings und diesem Facebook?“

Online-Chef: „Da machen wir nix, das macht der Kollege Computer, denn das Redaktionssystem hämmert die neuen Artikel automatisch rüber.“

Chefredakteur: „Müssen wir da nicht noch etwas dazuschreiben oder etwas Community machen?“

Online-Chef: „Nein, nein, nicht erforderlich. Wir twittern ja schon in die Zeitung und wenn die Leute reden wollen, dann sollen sie unsere Polizeiticker-Artikel in unserem Forum kommentieren.“

Chefredakteur: „Hm, ist das nicht etwas schlechtgemacht? Die Leute könnten doch glauben, dass alles so furchtbar in unserer Stadt ist, weil wir nur die schlechten Sachen auf der Homepage haben?“

Online-Chef: „Nö, da passiert nichts. Und wenn die Leute in unserem Forum hitziger diskutieren, ist das doch egal, steigert doch unsere Zugriffsraten.“

Chefredakteur: „Sauber! Meinungsmache, wie in alten Zeiten. Los, Leute, gehen wir Meinung machen. Kaffee für alle!“

Der WISO-Praxistest: Dicke Hose machen.

Ich schau gerade einigermaßen entsetzt das WISO-Magazin im ZDF. Immerhin stand „WISO“ einmal für „Wirtschaft und Soziales“ und war ein fachlich fundiertes Magazin über eben Wirtschaft, Soziales und Arbeit. Der heutige WISO-Praxistest steht genau in dieser Tradition, wenngleich auch mit negativem Vorzeichen.

Man wollte nämlich einmal testen, ob das Äußere tatsächlich Menschen dazu bringt, Vertrauen zu schöpfen, ohne wirklich zu wissen, ob bei der Person auch die inneren Werte zum Äußeren passen. Da hätte ich doch jetzt erwartet, dass man einem Banker einen Schlabberlook verpasst oder ähnliches.

Nein, man hat den Redaktionspraktikanten genommen und ihn zu einem Hip-Hop-Star gemacht. Dazu hat man von einem „aufstrebenden“, echten Hip-Hop-Star eine Demo-CD eingespielt, für den Praktikanten eine hippe Autogrammkarte gebastelt und ihn unter anderem mit einer Strechlimo, einer Horde Leibwächter, einem Manager und zwei ZDF-Kamerateams in Einkaufszentren, Supermärkte, einem fetten Hotel und einem Friseur gebracht.

Ergebnis: Beim Bäcker gabs Schweineöhren und Kuchen aufs Haus, im Hotel die Suite zum Preis eines normalen Hotelzimmers, beim Friseur den (blutigen) Haarschnitt kostenlos. Und dazu noch ein paar Kids und Hausfrauen aufgenommen, die sich um die Autogrammkarten und CDs gerissen haben, als ob Rex Gildo eine Autogrammstunde gibt.

Coole Sache, da hatten bestimmt genug Leute turboaffengeilen Spaß, einmal auf dicke Hose zu machen, auf Kosten des Hauses und natürlich im Namen der Gerechtigkeit und des knallhart fundierten Praxistests. Der normale Mensch fasst sich allerdings (hoffentlich) an den Kopf und fragt sich, was Marcel Reich-Ranicki eigentlich gemeint hat. Ich meine: Der Alte hat sich geirrt, das Fernsehen ist nicht nur „fast“ komplett hinüber, es ist schon längst verloren.