Das ZDF und die Anti-Killerspiele-Lobby.

Wie man perfekt einer Lobby auf den Leim tritt und Meinungen verkauft, die es so offensichtlich gar nicht gibt, hat heute bilderbuchmäßig das ZDF vorgemacht, bezeichnenderweise das staubtrocken-konservative Landesstudio Baden-Württemberg. Es geht hierbei um die Aktion des „Elternbündnisses gegen Killerspiele“, das sich aus dem Umständen des Amoklaufes in Winnenden gebildet hat und sich, pardon für die Analogie, auf die so genannten „Killerspiele“ eingeschossen hat.

Aus diesem Grund hat dieses „Elternbündnis“ gestern eine recht makabre Aktion auf dem Stuttgarter Schlossplatz veranstaltet. Ein riesiger Container wurde hingestellt und jedes Kind, dass seine „Killerspiele“ in den Container hineinwerfen würde, hätte an einer Verlosung eines Nationaltrikots teilnehmen dürfen.

Da der Samstag nachrichtentechnisch sowieso immer etwas heikel ist, hat man im Landesstudio die Pressemitteilung dankend aufgenommen und zwei Beiträge gemacht, einen Textbeitrag auf heute.de und gar einen 1:42-min-Einspieler für die heute-Sendung (17 Uhr?). Diesen Beitrag kann ich leider nur in der ZDF-Mediathek verlinken, bitte deshalb erst einmal diesen Beitrag anschauen.

Was sich da für Eltern, die sich von so einer Show halbwegs beeindrucken lassen, nach einer guten Nachricht anschauen lässt, ist in Wirklichkeit eine Nullnummer gewesen, wie Bilder zeigen, die von Augenzeugen aus anderen Perspektiven gemacht wurden:

(Nach Angaben des Videografen etwa um 14:30 Uhr aufgenommen.)

Wie man dann Nachrichten eben macht, wenn man eigentlich gar keine Neuigkeiten hat, zeigt dieses Video (man verzeihe dem Videografen hier die Perspektive):

Es sei angemerkt, dass dieser Kameramann offensichtlich möglicherweise nicht derjenige ist, der für das ZDF die Bilder gedreht hat, da das Kind, dass die Spiele in den Container wirft, ein anderes ist, als auf den Bildern, die das ZDF zeigt. Allerdings spielt das hier auch überhaupt keine Rolle.

Fakt ist jedoch: Das ZDF liefert einen unsäglichen, unverhältnismäßig einseitigen und nicht objektiven Beitrag und lässt sich so vor den Karren einer Gruppierung spannen, von der sich selbst Wissenschaftler distanzieren, die sehr vorsichtig mit einigen zentralen Behauptungen des Vereines sind.

Von der Unwählbarkeit der CDU und der CSU.

Ich gebe es auf – ich halte die CDU und die CSU nicht mehr einfach nur deshalb für eine nicht wählbare Partei, weil ich in der SPD bin, sondern weil beide Parteien inzwischen nachweislich unfähig sind, sich mit der modernen Kommunikations- und Unterhaltungswelt sinn- und verantwortungsvoll auseinanderzusetzen. Den Ausschlag dazu (und ich lege Wert auf die Feststellung, dass dieser Ausschlag nur der allerletzte Krümel ist, der bei mir den Steinschlag auslöst) gibt die heute von der Innenministerkonferenz ausbaldowerte Losung, dass so genannte Killerspiele in Deutschland verboten werden sollen.

Das ist nichts als purer Populismus und dafür gibt es eine Reihe von Gründen:

  • So genannte Killerspiele sind in praktisch allen Fällen bereits nicht für Jugendliche käuflich zu erwerben und dürfen nur gegen Altersnachweis verkauft werden. So wie im übrigen auch Horrorfilme und harte, alkoholische Getränke.
  • Ein Verkaufsverbot führt zu nichts, weil Konsumenten von Computerspielen sich diese Spiele auf anderen Wegen und aus anderen Ländern kaufen. Das ist nicht die Zukunft, das ist die Gegenwart, denn die meisten Ballerspiele sind in der Deutschland-Fassung bereits herunterdividiert. Das wissen auch die Hersteller von entsprechenden Spielen, die neben den Deutschland-Versionen meist noch Europa-Versionen produzieren, die unter anderem eben auch die deutsche Sprachfassung enthalten. Gekauft werden diese Fassungen dann einfach im Ausland und der deutsche Verkäufer von Computerspielen schaut einfach mal in die Röhre.
  • Es fehlt immer noch der schlüssige Nachweis, dass der Konsum von Killerspielen in einem kausalen Zusammenhang mit grundsätzlich in homöopathischen Dosen auftretenden Amokläufen Jugendlicher steht. Betrachtet man die Einzelfälle, kommt man immer zum Ergebnis, dass sich der betroffene Amokläufer in einem schweren Seelenzustand befand und einen sträflich einfachen Zugang zu Waffen hatte. Der reine Besitz von Killerspielen und eine mögliche Vermutung, dass er am Vorabend gar diese Spiele genutzt hat, erklärt gar nichts. Genauso gut könnte man argumentieren, dass ein übermäßiger Konsum von koffeinhaltigen Getränken unmittelbar vor dem Amoklauf einen kausalen Zusammenhang mit dem Amoklauf haben könnte.
  • Rein politikhandwerklich betrachtet ist dieser Verbotsantrag der Innenministerkonferenz eine Nullnummer, denn der Bundesrat entscheidet nichts, sondern empfiehlt. Das Ding geht also erst mal an die Bundesregierung und dann an den Bundestag, muss debattiert werden. Die Empfehlung, dass der Bundestag da möglichst schnell entscheidet, ist lieb gemeint, allerdings praktisch unlösbar, da der Deutsche Bundestag nur noch zwei Sitzungswochen bis zur Bundestagswahl im September hat.

Zu denken gibt nach wie vor, dass die Politikerkaste, die über Recht und Ordnung im Lande waltet, nach wie vor nicht begriffen hat, dass neue Medien von heute die Zukunft von morgen darstellen und man mit Verboten nichts, aber auch rein gar nichts tut, außer reinen Populismus zu betreiben und ganze Gesellschaftsschichten zu kriminalisieren, von der man glaubt, dass sie sie einem ja doch nie wählen würden. Das ist “Team Zukunft”? “Wir in Europa”? Das ist tiefstes Mittelalter!

Mit dieser generellen Rückwärtsgewandtheit und einer offenen Feinschaft gegenüber neuen Technologien und der Jugend wird aber der größte Kardinalfehler begangen, den man nur tun kann: Denn wenn junge Menschen aus der Überzeugung, dass die politische Klasse sie nicht versteht, nicht mit ihr spricht und sie wenig fundiert bevormundet, am Ende aus Prinzip gar nicht mehr wählen geht, dann entsteht der schwammige Spielraum, der den ganz radikalen Vollidioten plötzlich die Chance gibt, in Parlamente einzuziehen.

Aus diesem Grund sollte man sich überlegen, welche zukunftsgerichtete Partei man wählen möchte. Was man allerdings gar nicht wählen darf, sind Parteien, die ganz offen den Rückspiegel als Fenster in die Zukunft sehen.

Meine Haltung zu so genannten Killerspielen.

Kollege Oliver fragte mich gestern, ob bei mir in Sachen Killerspielen die kritische Distanz fehlen könnte. Eine berechtigte Frage, die ich auch an dieser Stelle ausführlichst beantworten möchte. Hinweis: Wird lang.

Fangen wir mit der Moral an.

Ich erspare mir an dieser Stelle jetzt mal eine grundsätzliche Diskussion, wie sich „Moral“ eigentlich definiert und wo wir unsere moralischen Vorstellungen eigentlich einnorden müssen. Nur so viel: Der Mensch ist weit davon entfernt, schon immer ein Individuum auf diesem Planeten gewesen zu sein, das vor allem durch übermäßige Liebe zum Frieden aufgefallen wäre. Seit dem erstmaligen Auftritt des modernen Menschen in der Erdzeitgeschichte ist eher das Gegenteil der Fall: Gab es irgendwo größeren Krawall zwischen unterschiedlichen Individuen, war meist der moderne Mensch beteiligt. Der Unterschied zwischen Mensch und Tier war und ist aber der, dass der Mensch im Laufe seiner Entwicklung eine Benachteiligung seines eigenen Ichs dank seines Verstandes deutlich nachtragender auffassen konnte und seine Mitgeschöpfe dadurch überraschte, dass er sich die tollsten und niederträchtigsten Gemeinheiten ausdenken konnte, um seinen eigenen Vorteil zu erringen und zu manifestieren.

Wir lernen: Gewalt ist nichts, aber auch wirklich gar nichts, was der Mensch nicht von Hause aus mit sich trägt. Der rationelle Verstand sorgt beim modernen Menschen zwar dafür, dass er eine gewisse Kontrolle über die weitgehend emotional gesteuerten „Problemfunktionen“ hat, aber wer sich schon einmal einen Winterschlussverkauf im Nahkampf angeschaut hat, lernt sehr schnell, dass im Ernstfall die Ratio nur sehr bedingten Einfluss auf die Emotio hat.

Der Mensch strebt also, wie die meisten anderen Lebewesen in der Erdzeitgeschichte auch, zu einem besseren Leben, das er, wiederum dank seines Verstandes und seiner von Mensch zu Mensch unterschiedlich ausgeprägten Ratio, höchst unterschiedlich definieren kann. Der eine Mensch ist glücklich, wenn er Essen, Trinken und ein Dach über dem Kopf hat, ein anderer Mensch will steinreich werden, ein anderer Mensch ist glücklich, wenn er ungestört forschen kann und wieder ein anderer strebt vielleicht gar die Weltherrschaft an.

Im Zeitalter des regierten Menschen (und da sprechen wir in Mitteleuropa von nur einigen wenigen, hundert Jahren) hat sich der Mensch dem angenähert, was wir heute als zivilisiert bezeichnen würden. Nicht jeder schlägert sich gleich herum, wenn er einen ihm aus irgendwelchen Gründen zustehenden Parkplatz bekommt. Die Betonung liegt hierbei auf „nicht jeder“, denn die so genannten unzivilisierten Menschen, denen offenbar der Gleichtakt von Ratio und Emotio im Bezug auf dem der restlichen Gesellschaft fehlt, kennen da weniger Skrupel. Das gilt auch für Despoten, die Parkplatzprobleme in zigmal größeren Dimensionen auf nationalen Ebenen austragen und andere Völker beschießen.

Schon immer gehörte es dazu, sich solche Dinge anzuschauen. Gehenkt wurden Straftäter im Mittelalter auf dem Marktplatz, wobei es auch zum guten Ton gehörte, die ganze Familie dazu mitzubringen. Zu Kriegen haben Kriegsparteien schon immer gern die Presse des eigenen Landes mitgebracht und heute gehört es quasi zu jedem guten Krieg dazu, dass der „eingebettete Journalist“ live aus dem Kriegsgebiet berichtet.

Wo waren wir gleich noch? Ah, genau, bei der Moral.

Gewalt gehört zu unserer Geschichte, wir sind voll davon. Die Menschheitsgeschichte ist nicht deshalb blutgetränkt, weil die anderen bluten, wenn wir auf sie schießen, sondern weil wir alle voller Blut sind. Glauben wir nicht? Dann schauen wir doch mal, wie viele Krimiserien es im Fernsehen gibt. Warum uns gerade Filme gefallen, die in unterschiedlichsten Formen brutal sind, uns selbst bei geschichtlichen Dokumentarfilmen zu Kriegen ein angenehmer Schauer überfällt und wir uns vortrefflich aufregen können, wenn der Nachbar seine Kehrwoche wieder mal ausfallen lässt.

Gewalt ist latent immer da und die meisten Menschen würden nicht lange zögern, zuzuschlagen, wenn es darauf ankommt. Der Hang zum Chaos wird dadurch gemindert, dass es in unserer Gesellschaft von uns definierte Regeln „im Namen des Volkes“ gibt, die dafür sorgen sollen, dass wir es nicht allzu bunt treiben und uns nicht ständig mit der Generalausrede bekleiden können, dass man sich das Recht eben mit Waffengewalt hat besorgen müssen, weil es nicht anders ging.

Ein kleinwenig Moral, das einem gewaltigen Berg Gewaltpotential entgegensteht.

Gewaltspiele – hatten wir das nicht immer schon?

Richtig, gewagte These, allerdings müssen wir dazu einfach mal in unsere Jugend schauen. Generationen von Kindern spielen im Kindergarten das beliebte „Cowboy und Indianer“. Zu Fasching hatte ich sogar ein Cowboy-Kostüm und einen Revolver mit Platzpatronen. Wir kennen das Spiel „Schiffe versenken“? Oder Monopoly? Letztendlich auch „Malefiz“ oder schlicht alle Spiele, in denen zwei oder mehr Mitspieler ihre Kräfte oder ihr Glück miteinander messen? Überall geht es darum, den Gegenüber auszubooten, von Spiel zu Spiel mit mehr oder weniger sinnvollen Spielregeln und ebenfalls von Spiel zu Spiel mit teilweise haarsträubender Spielerhethorik, wenn auch sehr abstrakt. Bei „Schiffe versenken“ ist ein Schiff sehr schnell und systematisch abgeschossen, ohne dass man sich groß Gedanken darüber machen müsste, wie elend man auf einem Schiff auf See stirbt, wenn es versenkt wird.

Der Weg von herkömmlichen Spielen zu Computerspielen ist da nahtlos – mit zwei großen Unterschieden. Der Computer ersetzt den Spielkameraden und ein Computer kann mehr oder weniger gut die Spielewelt multimedial simulieren. Gepaart mit üblichen Suchtmustern sind wir dann da, wo man Kinder nicht haben sollte: Sie hängen stundenlang vor dem Computer bzw. der Spielekonsole und spielen für sie ungeeignete Spiele.

Warum Gewaltspiele für Kinder ungeeignet sind.

Die Fakten sind hier relativ klar und deutlich: Kinder haben noch kein gefestigtes Selbstbewußtsein und Gerechtigkeitsgefühl. Jeder, der als Kind schon mal eine schlaflose Nacht wegen einem aufrüttelndem Buch hatte, weiß, wovon wir hier sprechen. Spiele mit eindeutiger Gewalt unterstreichen dies um ein Vielfaches.

Die „Sitten verrohen“ zusehend und wenn ein Kind durch übermäßigem Konsum immer stärker sein „normales“ Leben verpaßt, kommen so Sachen wie Leben in einer Traumwelt, das Ziel, in der Traumwelt akzeptiert zu werden, Versagensängste etc. alles  hinzu. Dann noch etwas Mobbing in der realen Welt und schon ist die Zeitbombe scharf, die bei labileren Kandidaten zu bekannten Dingen führen kann, wenn ein paar unglückliche Umstände noch dazukommen, eben darunter der Zugriff auf echte Waffen.

Und wie gehen wir nun an das Dilemma heran?

Ganz klar: Alterseinstufungen von Spielen beachten und das auch kontrollieren. Von Seiten des Handels ist das weitgehend kein Thema, Computerspiele für Erwachsene dürfen so ohne weiteres nicht an Kinder verkauft werden. Das scheint ja zumindest auch weitgehend so zu funktionieren.

Nur – das reicht inzwischen dank Internet nicht mehr, wenn man sich Spiele schlicht online besorgt. Es sind an dieser Stelle deshalb auch die Eltern gefragt, die gefälligst ihrer erzieherischen Verpflichtung bewußt sein und regelmäßig mal nachschauen sollte, was sich der Filius denn so auf den Rechner installiert hat und was der so in seiner Freizeit dort treibt. Erstaunlicherweise machen sich genügend Eltern Sorgen um mögliche Gifte in billigem Spielzeug – was aber einige Jahre später auf deren Computer vor sich hinwabert, interessiert offenbar die wenigsten.

Gewaltspiele einfach mal zu verbieten, mag politisch wirksam klingen, ist jedoch weitgehend eine Nullnummer. Ein Verbot ist im normalen Postversand kaum zu kontrollieren, auf dem Online-Weg noch viel weniger. Am wenigsten zu kontrollieren ist der Distributionsweg über den Schulhof.

Das Lehren einer vernünftigen Medienkompetenz ist einer der Zauberwörter, um die wir immer weniger herumkommen werden und für dessen vernünftige Umsetzung uns immer weniger Zeit bleibt. Die Schöne Neue Welt ist immer schwerer durch einfache Verbote zu flankieren, an ihre Stellen muss Verantwortung treten, auf die man die Neulinge in der Welt der Unterhaltungselektronik, Computer- und Online-Welt trichtern muss. Einfach nur zu sagen, dass das alles böse ist und nicht angefasst werden darf, funktioniert argumentativ und technisch nicht wirklich so, wie wir es von Dingen kennen, die man „besitzen“ muss.

Muss ich mich jetzt schämen, Gewaltspiele zu spielen?

Muss ich das wirklich. Bin ich moralisch ein Mittäter? Mit Sicherheit nicht. Ich gebe zu, ich entspanne beim Spielen an der Spielekonsole, unter anderem auch mit Spielen, die gewaltverherrlichend sind. Ich bin allerdings 33 Jahre alt und soweit gefestigt, dass ich zwischen Realität und Computersimulation unterscheiden kann. Ich sehe das in dieser Klasse ähnlich wie das Autofahren, dass man sachlich oder sportlich betreiben kann. Für mich ist es ein Gebrauchsobjekt, andere benutzen es mehr oder weniger ungeniert als Sportgerät und damit oft genug auch als regelrechte Waffe.

Ein Amoklauf hat niemals nur einen Grund, sondern ist eine Melanche aus vielen Dingen, psychischen Problemen, Realitätsentrückung, Zugriff auf Waffen. Einfach nur damit zu reagieren, so zu tun, als müsse man nur eine Sache abschalten und alles würde wieder gut werden, ist eine Milchmädchenrechnung. Ich müsste es der Politik wirklich übelnehmen, wenn der Schuldige an Amokläufen Jugendlicher pauschal die Killerspielewelt ist. Das nicht, weil ich solche Spiele für den Eigenkonsum dann einschmuggeln müsste, sondern weil es schlichter, hanebüchener Populismus wäre.

Finde den Fehler!

Aus einem Interview des Pforzheimer Kuriers (Lokalausgabe der Badischen Neuesten Nachrichten) mit Hans-Peter Uhl, Innenexperte der CSU:

Pforzheimer Kurier: Sollte man es nach den Erfahrungen von Erfurt und Winnenden verbieten, Munition zu Hause aufzubewahren?

Uhl: Man fragt sich natürlich bei dem Vater des Amokläufers, warum er 4.600 Schuss zu Hause hat. Wozu braucht er ein derartiges Waffenarsenal und diese Munitionisierung? Mein Vorschlag geht in eine andere Richtung: Der unsägliche Konsum von gewaltverherrlichenden Killerspielen stellt eine erhebliche Gefahr dar. An diesem Punkt muss man ansetzen.

Da sind wir wieder bei den Killerspielen.

Es war klar wie der Sonnenschein am heutigen Tage, dass von der Moralfraktion, die Kinder am liebsten bibellesend im Trachtenanzug in der so genannten guten Stube sehen, anstatt vor dem Computer, wieder der Ruf nach Verbot von so genannten Killerspielen kommt. So als ob ein Verbot irgendjemanden wirklich interessieren würde und im übrigen nicht wirklich durchsetzbar und schon gar nicht kontrollierbar ist.

Wir müssen eigentlich nicht wirklich darüber diskutieren, dass der Kollege Computer bzw. die Kollegin Spielekonsole wohl kaum dazu da sind, Erziehungsmängel von Eltern zu ersetzen. Wir müssen viel eher darüber diskutieren, dass es höchst bedenkliche Menschen gibt, die kiloweise Waffen und Munition im Haus für so genannte sportliche Zwecke horten und auch noch so abgebrüht sind, ihre Kinder mit Freunden zum sportlichen Ballern mit in den Schießclub zu nehmen.

Ein Beispiel aus Pforzheim: Anscheinend sind in einem Schülerforum Fotos von Schülern aus einer Pforzheimer Schule aufgetaucht, in denen sie mit Waffen hantierend fotografiert wurden. An sich schon mal ein relativ geschmackloser Vorgang. Der eigentliche Skandal ist jedoch, wie es zu diesen Fotos kam, denn ein Familienvater hat kurzerhand die Geburtstagsparty seines Sohnes in den Schützenverein verlegt und dort mal munter die Kids ballern lassen.

Das, liebe Herrschaften, sind Verbrecher, nicht Computerspiele, die zum einen sowieso nicht im Handel frei erhältlich sind und zu einem großen Teil auch nur das simulieren, was die Gesellschaft und der Staat selbst mit Kriegen betreiben. Niemand in diesem Land braucht als Privatperson ein Schießeisen unter dem Kopfkissen und wer glaubt, dass er sowas zur „Brautumspflege“ braucht, wie es gerade bei uns in Süddeutschland gern gehandhabt wird, sollte sich dabei gut überlegen, was er da seinen Kinder für Vorstellungen und Werte ins Weggepäck packt. Denn im Gegensatz zu Kollege Computer bzw. Kollegin Spielekonsole ist es ein ganz anderes Ding, wenn Papi das Ballern im eigenen Haus als Sport verkauft, dann auch noch das Zeug teilweise so lagert, wie seine Unterhosen und offenbar auch noch vergisst, sein Kind zu einem Bürger zu erziehen.