Wer nicht pariert, wird gefloppt.

Die Fernsehzeitschrift „Auf einen Blick“ aus dem Heinrich Bauer Verlag gehört zu den eher kleingeistigeren Fernsehzeitschriften im Land, die sich mit ihrem „Empört-euch!“-Stil im Magazinteil vornehmlich an die Rentnerfraktion wendet, was auch ganz anschaulich durch den Tenor der Annoncen flankiert wird. Jedenfalls findet sich in jeder Ausgabe dort auf der Doppelseite „Promis der Woche“ eine wöchentlich wechselnde Rubrik, in der der „Top“- und „Flop“-Promi der Woche gekürt wird. Der „Flop“-Promi dieser Woche hat es sich dabei wohl gehörig mit der Redaktion verscherzt:

„Kim Weisswange
Anrüchig

Das ist gar nicht dufte! Letzte Woche gab die Hamburger Parfümeurin Kim Weisswange (47) bekannt, dass sie einen Hochzeitsduft für Prinz William und seine Kate kreiert habe – im Auftrag des Königshauses. Auch auf einen Blick berichtete. Jetzt stellte sich heraus, dass sie gar keine Bestellung erhalten hat, sondern nur ein Standardschreiben, in dem man das „Werbegeschenk“ dankend ablehnte. Peinlich!“

Tja, das kommt davon, wenn man als Redaktion das mit der Recherche nicht ganz so genau nimmt und abtippselt, was da einem auf den Tisch flattert. Da gaben sich andere Medien in der Thematik dann schon mehr Mühe, beispielsweise das Hamburger Abendblatt. Allerdings befindet sich „Auf einen Blick“ dennoch in ganz brauchbarer Gesellschaft, denn offensichtlich ebenfalls auf den Leim getreten sind unter anderem Welt Online, selbstverständlich auch Bild Hamburg und zur besonderen Krönung auch der Norddeutsche Rundfunk.

Wie man als Fernsehmensch bloggen kann: Dirk Steffens.

Ich muss zugeben, dass mir der Name Dirk Steffens erst vor einigen Monaten geläufig wurde, als der begnadete Dokumentar- und Tierfilmer im ZDF bei der altehrwürdigen Reihe „Terra-X“ landete und dort die Serie „Faszination Erde“ moderiert, immerhin in der Nachfolge des unanfechtbaren Gott aller Wissenschaftsjournalisten, Joachim Bublath. Für Wissenschaftsjournalisten dürfte „Terra-X“ und überhaupt die Wissenssendungen in ARD & ZDF zum Olymp gehören, den man als Wissenschaftsjournalist so erreichen kann. Ist man da oben, muss man oben bleiben, denn es geht nur noch herunter.

Das ist von Dirk Steffens eher nicht zu erwarten. Und, ich bin des Lobes in Sachen Fernsehen: Es wäre schade, würde Dirk Steffens irgendwann einmal die Lust an seinem Job verlieren, denn er ist zweifelsohne das, was man als nächste Generation der Tier- und Dokumentarfilmer bezeichnen kann. Frische Moderation von tatsächlich erst kürzlich aufgezeichneten Folgen (im Durchschnitt keine sechs bis acht Wochen alt), fachlich auf hohem Niveau, angenehm und verständlich moderiert und garniert mit feinem Witz und Selbstironie. Wie zollt Steffens beispielsweise Respekt gegenüber Ureinwohnern Afrikas, die stundenlang im mäßigen Jogging-Schritt auf die Jagd gehen? Er läuft als Marathonläufer bin und versagt „schon“ nach zwei Stunden, völlig durchgeschwitzt, in der Mittagssonne Afrikas. „Und die Jungs schnaufen noch nicht mal!“ Ein Heinz Sielmann, Joachim Bublath und wie sie alle auch heißen, wären nie auf die Idee gekommen, das gestärkte Hemd gegen ein Trikot auszutauschen und das Leiden für den Zuschauer auch mal begreifbar zu machen.

Dirk Steffens ist demnach also einer, der mit dem Medium Fernsehen vortrefflich experimentieren kann – einem Grundauftrag eines jeden Fernsehschaffenden. Und er hat auch begriffen, dass man zur Dokumentation dieser Arbeit nichts besseres haben kann, wie ein Weblog. Seine Domain, auf die ich nur gegangen bin, weil ich neugierig war, wie die Homepage des Honorarkonsuls des Königsreiches Palau in Deutschland, das er auch noch ist, aussehen könnte, führt auf ein Weblog bei Blogger.com.

Und das ist genau so, wie man sich einen Dirk Steffens als Weltenbummler und Globetrotter vorstellt. Heute hier, morgen da, ein Fallbeispiel für ein echtes Reiseblog, schön bebildert und ausgestattet mit Tatsachenberichten, beispielsweise einem Unfall, bei dem er einen Lavabrocken (kalt) ins Gesicht bekommen hat. Selbst solche Sachen kann man mit feiner Ironie nachbearbeiten und aus einer Person eine unverwechselbare Marke schaffen. Mit einem einfachen Weblog und einer gehörigen Portion Enthusiasmus. Kurzum: Ich bin nahe dran, zu sagen: Perfekt.

Dass es das ZDF immer noch nicht geschafft hat, eine eigene, regelmäßig bestückte Blog-Plattform unter eigener Adresse zu schaffen, ist genau bei so einer hochproduktiv arbeitenden Person wie Dirk Steffens äußerst schade und vergeudetes Potential. Hey, ihr Mainzelmänner und -frauen – das ist die Zukunft!

Schreiber oder Fotograf?

Das kann man in der Zwischenzeit recht gut am mitgebrachten Computer festmachen. War es früher die große Tüte in Form des Teleobjektives, so ist es heute entweder das schicke, kleine Netbook für den Schreiber oder das dicke, große Notebook mit großer Mattscheibe für den Fotograf.

Und an ganz anderer Front hat sich in den letzten Jahren richtig etwas getan: Journalisten haben alle inzwischen ausnahmslos eine GSM/UMTS-Karte dabei und friemeln offenbar nicht mehr ihre Handys mit obskuren Kabeln an Notebooks an. Und die ganz professionellen Journalisten können sogar schon mit WLAN umgehen und nehmen (tja, der Kostendruck ist wohl auch ganz vorne schon angekommen) eher WLAN, als ihre Mobilkarte.

Zugegeben, in der praktisch nagelneuen Stadthalle Singen funktioniert WLAN völlig problemlos. Und das, obwohl mindestens zwei Dutzend Notebooks am Netz hängen, mindestens zwei Fotografen pausenlos Fotos in ihre Agenturen ballern und eine ganze Phalanx von iPhones ins Netz senden. Solche Netzkonnektivität fällt auf.