Badware „iPad“.

Wenn es einen besseren Indikator dafür gibt, ob Steve Jobs‘ Messias-Anwandlungen angekommen sind oder nicht, dann ist es der Aktienkurs von Apple. Und der ist einen Tag nach der Vorstellung des iPad, der angeblich neuen Revolution aus dem Hause Apple, mal eben um über 4 % heruntergeknallt. Selbst die Analystenberichte, die sonst nicht damit sparen, der Steve-Jobs-Verkaufsförderung gehörig auf dem Leim zu gehen, sind eher ernüchternd. Im groben Vergleich kommt im Nachhinein sogar das von Microsoft-Chef Steve Ballmer Anfang Januar vorgestellte Tablet von HP kaum schlechter weg, immerhin soll dieses Tablet mit einem richtigen Windows 7 daherkommen.

Und tatsächlich ist das iPad eigentlich eine atemberaubende Nullnummer, die so gar nichts mit den einstigen Vorstellungen von MP3-Player, Macbooks und iPhones zu tun haben scheint. Ein aufgeblasenes iPhone, ausgesprochen unschön, einem 4-zu-3-Bildschirm und dem bekannt kaputtreglementierten iPhone-OS als Betriebssystem, mit allen bekannten Schwächen, die schon auf dem iPhone nerven. Aber sich nun hinzustellen und ein Surftablett als noch nie dagewesene Neuerung hinzulamentieren, das nur Kindergarten-Programme abspielen kann, kein Multitasking beherrscht und einen flash-losen Webbrowser mitbringt? Das ist nicht innovativ, das lebt nur vom Namen und der Hoffnung, dass die „iSekte“ das Gerät wenigstens kauft, weil hinten ein Apfel klebt. Das scheint auch Apple zu dämmern, was letztendlich dadurch zu erkennen ist, dass das iPad offenbar bewusst nicht als neues Biotop mit eigener Software-Welt und den iPhone-üblichen Providerlock-Sperren daherkommen soll.

Meine Vermutung ist die, dass die Innovationskraft von Apple letztes Jahr vor allem durch den längeren Ausfall von Steve Jobs sehr deutlich gelitten hat. Das Ergebnis dieses Stillstandes könnte das iPad gewesen sein.

Die Schlafmützentruppe namens CCC.

Ja, der CCC, der Chaos Computer Club, das war mal etwas, das klang wie Musik in den Ohren des Subversiven. Leute, die zigarettenschmauchend die Strom- und Telefonrechnung zu Hause in schwindelnde Höhen brachten, Treffs in muffigen Kellern mit leise sprechenden Leuten und vielen Computern, Legenden über die Superhacker aus den eigenen Reihen, deren Geschichten ehrfürchtig weitergereicht wurden und hier und da mal kleine, mal große Scharmützel mit der weitgehend unwissenden Staatsmacht. Oft auf kleinerem Niveau, gern aber auch ganz groß mit Entblößungen über haarsträubende Sicherheitsprobleme bei Kommerz und Regierung.

Heute backt man kleine Brötchen. Neben den zugegebenermaßen nicht ganz unwichtigen Aufrufen zu Demonstrationen gegen den immer weiter ausufernden Überwachungswahn beteiligt man sich bei Flugroboterwettbewerben, verweist hier und da auf Aktionen anderer Vereine hin, beweist hin und wieder doch mal Kreativität bei so Sachen wie dem Fingerabdruck von Wolfgang Schäuble für jedermann, vergisst dann aber wieder bei den wirklich wichtigen Dingen im Leben, dem nerdigen Spielzeug, die grundlegende Familienehre:

Das Projekt Blinkenlights von Tim Pritlove, CCC-Mitglied und langjähriger Organisator des Chaos Communication Congress und des Chaos Communication Camps (bis 2005), ist wieder da, diesmal in Toronto am Gebäude des dortigen Rathauses. Da will man beim CCC einfach mal mitwerben und schreibt stolz auf die Homepage:

„Nach langer Pause erwachte das Projekt Blinkenlights wieder zu neuem Leben: Das Rathaus der größten kanadischen Stadt Toronto ist der neue Bildschirm mit 960 Fenstern (also 960 Pixeln mit 16 Helligkeitsstufen) auf 2 Gebäuden. Es handelt sich also um zwei Bildschirme, die noch dazu nach innen gekrümmt sind. Die zwei Bildschirme gaben dem Projekt den Namen Blinkenlights Stereoscope. Es wird vom 4. bis 12. Oktober die Stadtverwaltung erhellen und lädt wieder zu Interaktionen mit den Bildschirmen ein. Außerdem können eigene Animationen eingespielt werden. Diesmal gibt es eine spezielle Anwendung für das iPhone.“

Das muss man sich wie warme Butter auf einem der kleinen CCC-Brötchen zergehen lassen: Der Chaos Computer Club bewirbt eine praktisch eigene iPhone-Applikation. Wie armselig der Club doch geworden ist. Letztendlich am Ende auch nur alles verblendete Konsumenten, die freiwillig mehrere hundert Euro für die Insignien der iSekte ausgeben: Ein geschlossenes System mit Software-Gestapo und einem teuren 2-Jahres-Vertrag, ausgerechnet auch noch beim Klassenfeind, dem ehemaligen Staatskonzern.

In aufgeklärten Welten werden eben keine Kühe mehr zum Schlachthof gefahren, sie gehen selbst dort hin, in dem sie den Wegweisern zu den sexy Bullen folgen. In diesem Sinne: Willkommen in der Realität, lieber CCC. Schade, dass ihr hier angekommen seit.