Spaßiges zu Roland Koch.

Wo wir gerade bei Nachrufen sind – über Roland Koch Witze zu machen, ist eine Qual. Einen durchtriebenen und durchschaubaren Politiker zu karikieren, ist eine leidige Geschichte. Umso mehr musste ich deshalb gestern Abend bei der Lektüre des kommenden SPIEGEL schallend über einen Absatz lachen, der in wenigen Sätzen den Menschen Roland Koch beschreibt:

„Es geht zum Sommerreisebus, der ihn zur Frankfurter Polizei bringt und von da nach Gießen und Kassel, wo die anderen Geschichten liegen, die er hinterlassen will. Er möchte jetzt ein Beispiel geben für personelle Wechsel, die nach einer gewissen Zeit überall in der Gesellschaft notwendig seien. ‚Was mich in den letzten Jahren am meisten genervt hat, war, dass die Meiden mir selten glaubten, dass ich das, was ich sage, auch so meine‘, sagt Roland Koch. ‚Die denken doch immer, hinter allem, was ich sage, stecke irgendein Kalkül.‘

Man sieht ihm nach und denkt: Genauso ist es.“

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Es ist nun gut, dass Roland Koch der Politik den Rücken kehrt und es bleibt hoffen, dass es ein endgültiger Schritt bleibt.

Prost Mahlzeit!

So, das haben wir Genossen jetzt davon, in Hessen werden aller Voraussicht nach Neuwahlen zum dortigen Landtag stattfinden. Die dortigen SPD-Genossen haben ihren Laden ja nun lange genug madig gemacht, so dass Roland Koch, der unsägliche Polemiker, einfach nur abwarten musste, bis es endlich soweit ist.

Selten hat man es einem politischen Gegner, den man ja eigentlich loshaben wollte, so einfach gemacht. Dabei meine ich nicht allein die vier Abweichler gegenüber der haarsträubenden Idee, sich mit den Stimmen der Linkspartei in eine Minderheitsregierung wählen zu lassen, sondern damit meine ich überhaupt das grauenhafte Auftreten der hessischen SPD. Glaubte man den Worten Andrea Ypsilantis, dann gab es ja eigentlich niemals auch nur irgendein Problem, alles war okay und an allem ist ja eigentlich nur Roland Koch Schuld. Dass man aber den eigenen Laden nicht im Griff hat und gleich mehrfach mit dem Kopf durch die Wand wollte, das ist selbstverständlich das Problem des Landesvorstandes. Gegenläufige Stimmen nicht vernünftig in der Partei zu thematisieren und sich dann solche öffentlichen Schlappen zu erlauben und dann auch noch ordentlich nachzutreten, wie das nun der Generalsekretär Norbert Schmidt mit veröffentlichten E-Mails getan hat, das ist unerträglich kaputt. Gäbe es Herbert Wehner noch, hätte er vermutlich spätestens jetzt ein mobiles Schlachthaus vor der hessischen SPD-Zentrale eingerichtet.

Wenn der SPD-Landesvorstand noch Rückgrat haben sollte, tritt er jetzt geschlossen zurück und lässt einen neuen Vorstand ran, damit man wenigstens das nun kommende Wahldebakel dem alten Vorstand zurechnen kann. Aber selbst das werden die Kollegen in Hessen vermutlich vermasseln. Und natürlich wird auch dann wieder Roland Koch Schuld sein. Und vermutlich wird er mit solchen Beschuldigungen nun sogar vortrefflich leben können.

Unsere Genossen und das Internet.

Kann bitte einer ganz schnell den Genossen in Hessen erklären, dass es inzwischen viel zu spät ist, den besagten Mitschnitt wieder aus dem Internet herauszuholen, ja, bitte? Mir ist das schlicht zu doof. Und ich dachte vor einiger Zeit mal laut, dass der hessische Landesverband eigentlich gar nicht so wäre. Beim nächsten Mal halte ich die Klappe, wenn die Landesnachbarn Wahlkampf machen.

Prinzipiell ist es aber so, dass ein Ding, was schon mal in YouTube landet und dort auch schon fünfstellige Abrufraten hat, schlicht draußen ist und seine Runden zieht. Da hilft dann kein hilfloser Ruf nach Rücknahme mehr, sondern da hilft nur noch der Schritt nach vorn und die Auseinandersetzung mit der Schockwelle. Und ja, man hätte sogar mit etwas Humor und einer guten PR sogar noch etwas Positives aus der Misere schnitzen können und nein, nichts ist schlimmer als Verleugnung von Tatsachen.

Aber nein, man will es noch alberner und will jetzt sogar öffentlich nach dem Schuldigen suchen, was der Radiosender ffn schon mal vorsorglich damit kontert, dass der Mitschnitt keinesfalls aus seinem Haus käme. Ach so, na dann wird es vermutlich einfach mal Roland Koch gewesen sein, nicht? Und vermutlich wird sich sogar irgendeiner finden, der das dann auch noch glaubt und kommentiert.

Schade, dass ich nicht Parteivorsitzender bin. Sonst hätte ich spätestens jetzt mal zum Hörer gegriffen und tatsächlich in Frankfurt angerufen und man hätte dabei keinesfalls irgendwelche Zweifel, dass ich tatsächlich am anderen Ende bin.

Whoosah! Whoosah!

Muss man alles in seiner Partei gut finden?

Diese Frage habe ich gestern gestellt bekommen und die ich durchaus klar beantworten kann: Nein, muss man nicht. Ich gehe sogar noch etwas weiter und sage: Nein, muss man nicht und mir sind Leute per se suspekt, die alles in ihrer jeweiligen Partei gut finden und sich mit allem und jedem identifizieren können.

Mein Beispiel ist da Andrea Ypsilanti, die ich inzwischen mehr als peinlich finde, weil sie es gnadenlos schafft, von einem Fettzuber zum nächsten zu stolpern. Dabei ist meiner Meinung nach die immer noch nicht funktionierende Regierungsbildung gar nicht so das Problem, sondern das Drumherum, das Ulk-Gespräch zwischen einem Stimmenimitator und ihr, bei der sie glaubte, es sei Franz Müntefering dran, ist da nur ein weiterer Höhepunkt der Peinlichkeiten.

Nein, es gibt Dinge, die gehen einfach nicht in der Politik: Verschließen von Tatsachen, Nichteinhalten der zentralsten Wahlkampfversprechen, politisches Dampfhammertum, Humorlosigkeit und dummes Geschwätz. Eine gute Mischung kann man auch als Landespolitiker schaffen, zur Not kann man sich Rhetorik auch käuflich beibringen lassen.