Warum man sich Router nicht vom DSL-Anbieter geben lässt.

Dass es wieder einmal ein größeres Sicherheitsproblem mit Speedport-Routern der Deutschen Telekom gibt, die vornehmlich an DSL-Kunden als gar nicht so kostenlose Dreingabe mitgehen, wundert mich gar nicht – es hat leider System. Denn es ist nicht das erste Sicherheitsproblem, dass im Laufe der Zeit in der Software von Speedport-Routern gefunden wurde. Die Frage stellt sich da schon, was die Deutsche Telekom da eigentlich ihren Kunden zumutet. Und die nächste Frage geht an Kunden selbst: Warum zum Teufel kauft ihr keinen Marken-Router und lässt euch von eurem DSL-Anbieter eine weitgehende Blackbox an das eurige Ende der Leitung legen?

Tatsächlich ist nämlich die Kalkulation, die DSL-Anbieter führen müssen, das tatsächliche Problem dieser Misere. Damit nämlich der Anschluss möglichst konkurrenzfähig bleibt, wird nicht die beste Hardware in die Angebote gepackt, sondern die möglichst günstigste. Und das führt dann dazu, dass unter dem Telekom-Pseudo-Label „Speedport“ eine ganze Reihe von Hardware und Herstellern auftauchen, die aus Fernost kommen, ein reines OEM-Geschäft verrichten und Endkundenorientierung vom Hörensagen kennen. Hardware, die in der Form niemals selbstständig den Weg in den Handel führen würde, weil sie dermaßen miserabel ist, dass die Rückläuferquote viel zu hoch wäre. Es kann hier eigentlich nur Mist dabei herauskommen, manchmal früher und manchmal eben später.

Und genau das ist bei OEM-Hardware für einen Breitenmarkt nun ein riesiges Problem. Zwar hat man wohl mitgedacht und die ausgelieferten Router so konfiguriert, dass sie ein Update automatisch einspielen (wenn der Nutzer das nicht explizit ausgeschaltet hat), aber ein Umdenken wäre dennoch langsam erforderlich.

Android 4.0.3 auf dem Samsung Galaxy S2.

Seit nun einer Woche habe ich auf meinen Samsung Galaxy S2 die offizielle Samsung-Version von Android 4.0.3 installiert. Zwar wird diese Version noch nicht offiziell über den Samsung-eigenen Update-Dienst KIES verteilt, allerdings kann man sich über diverse Websites das offizielle Update-Package für „Open Europe“ herunterladen und das dann über ein Update-Werkzeug namens „ODIN“ installieren. Ist etwas Tech-lastig, ich empfehle diese Art der Installation ausdrücklich nicht. Am Ende kommt aber ein Samsung Galaxy S2 mit eben Android 4.0.3 heraus und da es ein offizielles Update-Paket ist, ist das Smartphone danach auch weiterhin in der Produktgarantie.

Wer sich von Android 4.0.3 auf dem Samsung Galaxy S2 viel Änderungen erhofft, wird enttäuscht werden. Samsung hat es tatsächlich geschafft, weitgehend alle schicken Design-Neuerungen von Android 4.0 wegzulassen und weiterhin auf seinen eigenen „TouchWiz“-Launcher zu setzen. Der ist, um es kurz zu fassen, langweilig und schrecklicherweise mit Android 4.0.3 – zumindest im aktuellen Update – belastet mit einem klitzekleinen Zeitverzug bei der Touch-Interaktion. Wischt man eine Seite weiter, merkt man, dass das Smartphone erst einen (wenn auch sehr kurzen) Sekundenbruchteil später darauf reagiert.

Und so geht es in Sachen Look-and-Feel leider durchweg weiter – von Android 4.0 nichts zu sehen. Das Einstellungsmenü ist das altbackene Samsung-Menü und leider weit von der neuen Übersichtlichkeit von Android 4.0 entfernt. Ebenso leidet das Scrollverhalten in Apps, das nicht mehr das ist, wie unter Android 2.3.x – wird das Scrollen „abgeschubst“, läuft es nur noch hakelig und stoppt wieder sehr abrupt und unschön, wenn man es mit einem Tap wieder anhält. Ist schwer zu erklären, ist aber einfach nicht schön und gerade in timeline-lastigen Apps wie praktisch alle Twitter-Apps einfach nur lästig. Inwiefern hier die Patentstreitigkeiten mit Apple eine Rolle spielen (die das definitiv tun), kann ich nicht beurteilen, aber hey, Samsung, regelt eure Hahnenkämpfe nicht auf den Rücken der Anwender.

Leider auch unter den Tisch gefallen ist die deutlich verbesserte Software-Tastatur von Android, die Samsung einfach weggelassen hat und wieder mit der Samsung-Tastatur und der leider wieder bescheuerten Rechtschreibkorrektur aufwartet. Dieser Schritt ist mir schlicht unverständlich, denn hier hat Samsung eine wirklich gute Android-Verbesserung zugunsten einer schon immer miesen Eigenentwicklung ersetzt. Immerhin: Der neue Taskmanager hat es auf das Samsung Galaxy S2 geschafft und das ist tatsächlich auch die größte, sichtbare Neuerung.

Soll man denn überhaupt updaten? Es bleibt kaum eine andere Wahl. Das letzte offizielle Update für den deutschsprachigen Raum stammt noch vom September letzten Jahres und hat Android 2.3.4 als Untersatz. Die im Februar kurzfristig verteilte Version 2.3.6 wurde kurzfristig wegen instabilem Verhalten wieder zurückgezogen und wohl zugunsten des bereits in der Pipeline stehenden Updates auf Android 4.0.3 nicht ausgebessert.

Wer aber schon immer mit dem Gedanken gespielt hat, sich ein Custom ROM zu installieren, der dürfte mit diesem Update Auftrieb bekommen. Es bleibt abzuwarten, wann die Jungs vom Cyanogenmod-Projekt die erste stabile Android-4.0.3-Version für das Samsung Galaxy S2 bereitstellen

1.000 Tage.

1.000 Tage sind in etwa der Zeitraum, in denen Hersteller von Mobiltelefonen die Firmware von Smartphones pflegen. Dabei ist „pflegen“ ein sehr dehnbarer Begriff, bei dem sich die meisten Hersteller strikt darauf beschränken, aus der initial verteilten Firmware die Bugs herauszuoperieren und maximal nur sehr moderate Erweiterungen zu integrieren. Man will ja den Kunden nicht dadurch verlieren, dass er so zufrieden mit seinem Gerät wird, dass er kein neues Smartphone mehr kauft.

Zusammenprall der Welten

Tatsächlich leidet unter diesem Zusammenprall der Welten Google mit seinem Betriebssystem Android am meisten. Android hat einen vergleichsweise hohen Entwicklungsschub, was für Google typisch ist. Wird in ein Produkt von Google Energie hineingesetzt, dann hochkonzentriert und stark. Das ist für einen Software-Hersteller natürlich kein so wirklich großes Problem, denn Software-Herstellung verläuft deutlich weniger „schweinezyklisch“, wie Hardware-Herstellung. Ist ein Bug in der Software, wird er eben gefixt. Das Internet unterstützt dieses Paradigma zudem. Ein Software-Update ist heute – wenn überhaupt – nur noch einen Klick weit entfernt.

In Sachen Hardware-Fertigung sieht das alles noch ganz anders aus. Planung, Entwicklung, Kalkulation, Fertigung, Verkauf, Distribution sind alles Dinge, die aufeinander aufbauen, gehörige Vorbereitungen und gewaltigen Einsatz in Sachen Finanzierung und Personal bedeuten und jeder Schritt muss passen. Die Software des Smartphones ist der Teil eines solchen Spektakels, mit dem der Endanwender am meisten Spaß oder Ärger hat, dementsprechend konservativ gehen Hardware-Hersteller mit diesem Thema um. Diese konservative Vorgehensweise der Hardware-Hersteller ist dann auch das zentrale Problem von Android, denn es gibt keinen einheitlichen Rollout einer Android-Version. Und noch viel schlimmer ist, dass Interimsversionen, die vornehmlich Bugfixing als Ziel haben, ebenfalls teilweise stark verzögert auf Smartphones landen – wenn überhaupt.

Auch wenn die Android-Entwicklung und spätere Anpassung auf Smartphones eine Geschichte ist, die man eben nicht mal so nebenbei erledigt: Der Konsument hat dafür immer weniger Verständnis und so bald sich der (gern subjektive) Eindruck breitmacht, dass ein Mobiltelefon in Sachen Software nicht gut gepflegt ist, ist der Wechsel zu einem anderen Mobiltelefon tatsächlich nicht mehr weit. Und noch viel schlimmer: Hat sich so ein Eindruck beim Endkunden manifestiert, ist nicht nur der Smartphone-Hersteller in seinem Ruf hier beschädigt, sondern auch gleich noch Android.

Apple, ja Apple

Besitzer von iPod, iPhone und iPad sind es gewohnt, in regelmäßigen Abständen Firmware-Updates zu bekommen, die allesamt sitzen und praktisch keine Kompatibilitätsprobleme aufweisen. Das ist auch verhältnismäßig einfach zu bewerkstelligen, denn Apple baut hier eine Software auf die eigene Hardware und hat von der Hardware auch verhältnismäßig wenig Versionen zu berücksichtigen.

Aber auch hier gilt die 1.000-Tage-Regel und spätestens nach dem letzten Update der Firmware beginnt ein Smartphone, an Nutzen zu verlieren. Immer mehr Hersteller von Apps berücksichtigen alte Firmware-Versionen nicht mehr und von weiteren Entwicklungen sind natürlich auch die hauseigenen Apps wie Webbrowser und Mail-Programm betroffen. Damit könnte man ja noch leben, aber das größte Problem bei so einem definierten Ende des Produktzyklus sind später entdeckte Fehler und Bugs. Die fixt für so abgekündigte Produkte natürlich auch keiner mehr. Lost in Translation.

Entkoppelung von Hard- und Software

Wäre es nicht schön, wenn es mir egal sein könnte, ob Samsung für mein wunderbares Galaxy S2 zukünftig Softwareupdates liefert oder nicht? Immer ein Smartphone zu haben, das eine aktuelle Software so lange einsetzt, wie ich das möchte, unabhängig davon, ob Samsung nun den Support einstellt oder nicht? Traum? Ich persönlich glaube, dass die Zeiten der Koppelung von Hard- und Software auf Smartphones zukünftig eher Ausnahmen sein werden. Okay, Apple wird sich aus religiösen Gründen nicht davon trennen (können), die Software-Entwicklung aus der Hand zu geben, aber alle anderen Smartphone-Hersteller, die kein eigenes Betriebssystem einsetzen? Ein Traum, ein Smartphone mit entkoppelter Hard- und Software zu haben?

Nein, kein Traum, sondern Realität. Und wenn man es genau nimmt: Schon seit Jahren.

„Firmware-Cooking“

Dass bei Smartphones Software immer der Hardware hinterherhinkt, ist kein Phänomen, das erst mit Android auf die Welt kam. Windows Mobile hat daran in seiner Inkarnation in Version 5 und 6 ständig gekrankt. Der Hauptgrund war, dass Windows Mobile in Version 5 und 6 zwar ein leistungsfähiges, aber ein hoffnungslos veraltetes Betriebssystem war und quasi alles, was machbar war, dadurch verhagelte, dass es nur schwer zu bedienen war. Dazu kam ab Version 6 die aufkommende Touch-Bedienung, die vornehmlich HTC mit Windows Mobile zu implementieren versuchte und dazu eigene Software-Module beisteuern musste. So entstanden zwar hardware-technisch recht ausgereifte Geräte, die jedoch durch Windows Mobile unglaublich katastrophal zu bedienen waren.

Schon zu dieser Zeit, wir schreiben da den Zeitraum von 2005 bis 2007, gab es Menschen, die „eigene“ Firmware-Pakete „kochten“. Dazu nahmen sie bestehende Update-Pakete, extrahierten daraus die Treiber und gerätespezifischen Anpassungen und backten diese in offizielle Windows-Mobile-Distributionen ein. Natürlich alles hochgradig illegal und oft auch in zweifelhafter Qualität, aber Microsoft verstand bemerkenswert gut, dass diese halblegal-illegale Subwelt gar nicht schlecht war, denn immerhin benutzten sie Windows Mobile und kauften solche Geräte auch, so dass die Betriebssystemabgabe schon beim Kauf des Gerätes geleistet wurde. Die ganzen Köche, die in ihrer Freizeit Firmwares auf Basis von Windows Mobile backten, bekamen auffällig wenig Ärger von Microsoft und wurden, glaubt man Gerüchten, teilweise sogar direkt von Microsoft mit Insiderinformationen und internen Dokumentationen versorgt, um etwaige Fehler in der Do-it-yourself-Firmware auszumerzen.

Wenn man will, war dieses Hobbykochen der erste Schritt zu dem, wie ich mir die Smartphone-Welt zukünftig vorstelle.

Firmware als Abo-Modell

Ich bin inzwischen überzeugt davon, dass der Versuch von Smartphone-Herstellens, Hard- und Software weiterhin aus einer Hand anzubieten, zukünftig immer weniger funktionieren wird. Schon heute ist der Produktezyklus sehr hoch und während heute ein Hersteller ein Smartphone einer bestimmten Preisklasse neu verkauft, ist die nächste Generation in der konkreten Entwicklung und die übernächste in der Planung. Und auch schon heute kommt die Software-Entwicklung kaum noch nach, so dass die ersten Versionen einer Firmware oft genug noch Beta sind, wenn man sie knallhart nach gängigen Qualitätssicherungskriterien bewerten würde.

Im Gegenzug könnten sich Hersteller von Smartphones, wenn sie sich nur noch auf Hardware beschränken würden, wieder auf das beschränken, was sie eigentlich wirklich gut können – gute Hardware bauen. Vernünftige, ausgewogene Leistungsdaten und durchdachte Schnittstellen, sowohl zur Firmware, als eben auch über die Bedienelemente zum Benutzer.

Die Software wiederum ist in einem Abo-Modell bestens aufgehoben. Wer eine Basis-Firmware braucht, dem genügt vielleicht schon eine ganz einfache Firmware, die weitgehend nur das Telefonieren ermöglicht. Wer Wert auf ausgefeilte Funktionen und Feintuning legt, wird sich am ehesten auch darauf einlassen, für so eine Firmware Geld auf den Tisch zu legen, wenn denn eben auch sichergestellt ist, dass die Software mit dem Gerät funktioniert und im Idealfall auch harmoniert.

Utopie? Schwer zu sagen. Es müsste einfach mal ein Hersteller offensiv probieren. Dass man sich in der Hardware-Welt dem Thema nicht verschließt, beweisen SonyEricsson und Samsung, die dem bemerkenswerten CyanogenMod-Projekt, das für viele Geräte eine ausgereifte Android-Distribution zur Verfügung stellt, die jeweils aktuellen Smartphones zu Entwicklungszwecken zur Verfügung stellt. Der nächste, konsequente Schritt wäre die Monetarisierung eines solchen Vertriebsmodells als Firmware-Abo. Wer sich da als erster traut, wird – meiner Meinung nach – nicht enttäuscht werden.