Wo Datenmisthaufen sind, da sind auch Datenkäfer.

Es gibt ein ganz einfaches Gesetz beim Bilden von Vorratsdatenhaltungen: Sammle Daten wie ein Weltmeister und du wirst Freunde gewinnen, von denen du später weißt, dass du sie in diesem Zusammenhang am besten nie kennengelernt hättest. Das müssen sich vor allem Leute heutzutage fragen, die in der Ära Mehdorn in der Führungsriege der Deutschen Bahn gearbeitet haben.

Immer wieder erstaunlich ist dabei, wer da alles in welchen Daten herumgeschnüffelt hat und es offenbar lange Zeit null Widerstände oder ein „unangenehmes Bauchgefühl“ bei Verantwortlichen gab. Die hübscheste Randnotiz dabei ist das, was der Heise-Newsticker heute schreibt, nämlich dass in den Jahren 1994 und 1998 die Deutsche Bahn im Auftrag der Gewerkschaft (!) Transnet überprüft hat, ob Mitarbeiter der Deutschen Bahn, die in Transnet gewerkschaftlich organisiert sind, auch satzungsgemäße Gewerkschaftsbeiträge abführen, die sich grundsätzlich nach der Gehaltshöhe orientieren.

Und das ist dann eine sehr spannende Verquickung, denn die Gewerkschaften sind im Aufsichtsrat der Deutschen Bahn AG vertreten und zudem eigentlich auf der anderen Seite des Managements und auf Seiten der Mitarbeiterschaft. Wenn es aber gilt, den eigenen Hintern einpudern zu lassen, dann gibt es offenkundig keine Skrupel mehr.

Microfiches als moderne Archivierungsmethoden.

Der Sysadm.in-Oliver aus meiner Oliver-Phalanx schreibt in seinem Blog, dass er beim aktuellen Datenklau der Landesbank Berlin in erster Linie bemängele, dass da Microfiches zum Archivieren genutzt werden. Da er in seinem Blog keine Kommentare zulässt (eine Krankheit, wie ich finde), hier mal eine Antwort von mir:

Microfiches mögen zwar altmodisch sein, sind aber in Sachen Haltbar- und Lesbarkeit jedem eletronischen Datenträgersystem, das derzeit existiert, höchstwahrscheinlich mehrfach überlegen. Bei Microfiches setzt man als Mindesthaltbarkeit (bei korrekter Lagerung) mindestens 400 Jahre an und vor allem ist das Auslesen von Microfiches denkbar einfach – man braucht einfach nur ein optisches Lesegerät. Will man einen bewußten Medienbruch in einem Archivierungskonzept haben, sind Microfiches immer noch unschlagbar in der Langzeitarchivierung.

Social failing.

Ich habe gerade im Auto die 16-Uhr-Nachrichten gehört und musste bei der allerersten Nachricht aufpassen, vor Lachen und Staunen nicht in die Leitplanken zu fahren. Der Datenskandal bei der Landesbank Berlin hat sich nämlich aufgeklärt. Wir erinnern uns: Dort ist ein Paket mit offensichtlich sensiblen Kreditkartendaten verschütt gegangen und der Redaktion der Frankfurter Rundschau zugespielt worden.

Des Rätsels Lösung: Zwei Kurierfahrer haben verbotenerweise einen Christstollen, den sie eigentlich hätten liefern sollen, aufgefuttert. Und? Nun, so clever, wie die beiden offenkundig waren, haben sie den Christstollen aufgefuttert, den Versandaufkleber aber sicherheitshalber auf ein anderes Paket gepappt, zufälligerweise eben auf das Paket mit den sensiblen Daten der LBB. Und dummerweise stand auf dem Versandaufkleber als Empfänger die Redaktion der Frankfurter Rundschau, an die eigentlich der Christstollen adressiert war.

Das ist mal sowas von dumm gelaufen, da muss man wirklich schon staunen. 😉

Nachzulesen bei WELT Online, SPIEGEL Online und der Netzeitung. Vorsicht, volle Kaffeetassen vorher abstellen.