Zensursula gibt nicht auf.

Ein Interview des Hamburger Abendblattes – das Zielblatt und dessen Verlag (Axel Springer) für das Interview lässt schon recht eindrücklich einsortieren, dass es mal wieder um ein “Bauchthema” geht – mit Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen lässt aufhorchen. Dort ist nämlich Ursula von der Leyen schon einen Schritt weiter und antwortet bei der Fragestellung, ob Grundregeln unserer Gesellschaft online wie offline gelten sollten, sehr anschaulich:

abendblatt.de: Sie argumentieren, Grundregeln unserer Gesellschaft müssten online wie offline gelten. Warum sperren Sie dann nicht auch Internetseiten, die Nazipropaganda verbreiten oder Gewalt gegen Frauen verherrlichen?

Von der Leyen: Mir geht es jetzt um den Kampf gegen die ungehinderte Verbreitung von Bildern vergewaltigter Kinder. Der Straftatbestand Kinderpornografie ist klar abgrenzbar.20Doch wir werden weiter Diskussionen führen, wie wir Meinungsfreiheit, Demokratie und Menschenwürde im Internet im richtigen Maß erhalten. Sonst droht das großartige Internet ein rechtsfreier Chaosraum zu werden, in dem man hemmungslos mobben, beleidigen und betrügen kann. Wo die Würde eines anderen verletzt wird, endet die eigene Freiheit. Welche Schritte für den Schutz dieser Grenzen notwendig sind, ist Teil einer unverzichtbaren Debatte, um die die Gesellschaft nicht herumkommt.

Hat tatsächlich jemand geglaubt, dass die Diskussion um Online-Sperren nun beendet wären? Denn genau jetzt wird es richtig losgehen und ich bin weitgehend überzeugt davon, dass das Thema “Schmutz im Internet” ein hervorragendes Wahlkampfthema für die CDU hergeben wird und Ursula von der Leyen mangels anderer “Erfolgsgeschichten” aus dem Familienministerium im Zweifel nicht auf die äußerst bewährte Mischung aus Demagogie, Agitation, Lügen, Diffamierungen ganzer Personengruppen und anderer, “unterentwickelten” Nationen verzichten wird und das ganz große Karussell drehen wird. Und sie wird sich dabei nicht schade genug sein, ein paar Augenblicke später wieder mit Kindern in Kindergärten publikumswirksam Kinderlieder zu trällern.

Dass Zensursula ein vortreffliches Wahlkampfthema abgeben könnte, unterstreicht auch ein weiterer Umstand: Die Konkurrenz in Form der SPD kann nicht darauf einschlagen, weil sie es mitgetragen hat. Na klar, sicherlich wird die SPD dann sagen, dass ja sie es war, die das Sperrgesetz in zeitliche Grenzen und auf Kinderpornografie beschränkt hat, aber der nächste Level der CDU-Wahlkampfargumentation wird sein, dass man “Kante zeigen muss”, vor allem gegenüber dem “richtigen” Schmutz, also im Zweifelsfall Mobbing (immer ein gutes Thema, da hat man auch sofort das Unterschichtenfernsehen dran), islamistische Websites, Bombenbauanleitungen, suchtmachende Dinge wie Glücksspiele und – immer für einen Wahlkampfschlager gut – der Kampf gegen Rechts.

Der einzige Rettungsanker wird der sein, dass Zensursula voraussichtlich nur ein “weiches” Wahlkampfthema sein dürfte. Es gibt für eine breite Kommunikation in die Gesellschaft zu wenig Konsistenz her, ist relativ schnell verbraten und lohnt deshalb nur als kleine Zwischenmahlzeit oder als Anhänger zu einem anderen großen Thema. Würde also eine islamistische Gruppierung irgendwo in der Republik ein Bömblein hochgehen lassen, wäre die Ausweitung von Zensursula auf eben solch islamistische Websites ein hübsches Anhängerthema, mit der man auch Familienministerin Ursel hübsch in die Diskussion einbauen kann.

Diese Art von Wahlkampfplanung ekelt? Tja, das ist Wahlkampf. Und da die CDU schon angekündigt hat, dass ihr Wahlkampf “kurz und hart” sein wird und erst am 1. September beginnt, dürfen wir uns auf sehr beschauliche vier Wochen freuen, die vermutlich gewaltige Akzente im weiteren Abbau der Meinungsfreiheit setzen wird. Das “Team Deutschland” wird schon dafür sorgen.

[via netzpolitik.org]

Neues zur Online-Kompetenz der CDU Pforzheim.

Nichts geht über gute Wettbewerbsanalyse und eine aktive Gegnerbeobachtung im Wahlkampf. Und wenn man das schon während dem Wahlkampf als Steigbügelhalter im Oberbürgermeisterwahlkampf für die FDP-Kandidatin versemmelt, macht man das wenigstens nach dem Wahlkampf. Dachte man sich wohl heute mittag bei der CDU Pforzheim, wenn ich mir das so anschaue:

Archiv von www.gert-hager.de auf dem Webserver der CDU Pforzheim

Mal sehen, ob sie auch mein Blog hier lesen:

Hallo, liebe Freunde von der CDU Pforzheim,

ich bin derjenige, der die Kampagnenseite von Gert Hager im Internet betreut. Grundsätzlich finde ich es gut, dass ihr euch anderer Leute Dinge zumindest einmal näher anschaut, um vielleicht irgendwann selbst davon zu profitieren. Grundsätzlich finde ich es aber schlecht, wenn ihr das so stümperhaft macht, dass ich davon Sodbrennen bekomme. Und grundsätzlich finde ich es gar nicht gut, dass ihr euer mühsam erzeugtes Archiv unserer Website auf einem offenen Webserver bei euch spazierentragt und ihr damit unter anderem gegen meine Urheberrechte bei vielen Texten und Fotos verstößt. Bei sowas kann ich durchaus komisch werden.

Ich gebe euch daher Zeit bis Montag, euren seltsamen Webserver zumindest mal für die Außenwelt unzugänglich zu machen. Ansonsten schicke ich eurem Landesverband mal bei Gelegenheit einen herzlichen Brief.

Es geht aber auch einfacher: Für den Stundensatz von 210 Euro (Stundensatz für Beratung auf Kreisverbandsebene, zuzüglich der Mehrwertsteuer) bietet ich euch gern einen Workshop in Sachen Online-Campaigning an. Da machen wir euch dann fit für den nächsten Wahlkampf. Beziehungsweise: Dann liegt es, wenn ihr euren nächsten Wahlkampf versemmelt, nicht daran, dass ihr nicht wusstet, wie man es hätte gut machen können. 😉

Viele Grüße,
euer rote Besim von der SPD

Dumdidum.

Update am 20. Juli 2009: In der Zwischenzeit haben sie begriffen und den Webserver für anonyme Zugriffe gesperrt. Immerhin, hat nur drei Tage gedauert.

Online-Sperren das Wasser abgegraben.

Das, was soeben die SPD-Bundestagsfraktion als Ergebnis der öffentlichen Anhörung zur Initiative zu Online-Sperren veröffentlicht hat, lässt hoffen. Ich deute das mal vorsichtig in die Richtung, dass das Ding zumindest als Wahlkampfschlager tot ist und damit der größte Knackpunkt beiseite ist: Ursula von der Leyen kann mit diesem Thema nicht mehr auf die gleiche, unsägliche Weise hausieren gehen und plumpe Wahlkampfstimmung erzeugen, wie in den letzten Wochen und Monaten.

Es zeigt sich aber letztendlich auch sehr deutlich etwas ganz anderes, was die Wahlkampfstrategen der CDU und CSU mit Sicherheit noch eine Weile beschäftigen wird: Die Union hat das Thema Internet, Neue Medien, Computerspiele etc. noch nicht mal ansatzweise im Griff und hantiert mit der fatal durchschaubaren Haltung, dass man dem Gespenst Internet endlich mal einen Riegel vorsetzen muss. Das potentiert sich alles mit dem weitgehend katastrophal laufenden CDU-Wahlkampf zur Europawahl und der eklatanten Führungsschwäche der CDU direkt unterhalb von Angela Merkel. Und – da kann man reinphilosophieren, was man will: Das merkt man als Konkurrenzpartei auch unten in der Basis. Das mal so nebenbei.

Zu Victory-Rufen in Sachen Online-Sperren ist es eindeutig zu früh, denn wir müssen uns weiterhin im Klaren darüber sein, dass dieses Thema sicherlich nicht vom Tisch ist, sondern weiterhin in der Diskussion bleiben wird. Es ist aber allem Anschein nach nun so, dass man das Ding – sicherlich auch im Hintergrund der gewaltigen Welle, die die Online-Petition zu diesem Thema ausgelöst hat – nicht einfach mehr so durchgetrommelt bekommt.

Um das weiter zu manifestieren, gilt: Weiter nach Mitzeichnern zur Online-Petition gegen Internet-Sperren werben! Jeder weitere Mitzeichner setzt ein noch deutlicheres Zeichen, dass das Thema willkürliche Zensur auch weiterhin in Deutschland ein heißes Eisen bleibt, dass man nicht einfach mal eben so anfasst und umschmiedet.

Einfallslosigkeiten beim Wahlkampf-Claim.

Ich bin nun wirklich keiner, der kleineren Wahlkampfscharmützeln ständig aus dem Weg gehen muss – ganz im Gegenteil: Wahlkämpfe beinhalten das Wort “Kampf” und wenn man hierbei streng bei verbalen Kämpfen bleibt, kann klug und fair geführter, verbaler Wahlkampf für alle Beteiligten und auch für den Wähler sehr spannend sein. Politik lebt vom Wort und von Argumenten und wenn man das noch mit einer Prise Witz würzen kann, kann auch der eher ungeliebte Teil des Wahlkampfes, das richtige Wording, noch richtig Spaß machen.

Unsere SPD-Liste für die Gemeinderatswahl in Pforzheim läuft unter dem Motto “Kluge Köpfe für Pforzheim”. Das hat sich schon vor einigen Monaten unser Kreisvorsitzende ausgedacht und das wurde auch – weil es ein wirklich guter Claim ist – sehr schnell von den Entscheidungsgremien der Parteiführung angenommen und frühzeitig in die Wahlkampfstrategie gegeben.

Umso erstaunter war ich, als ich heute morgen das erste Mal eine Zeitungsanzeige der CDU Pforzheim gesehen habe und nun tatsächlich einmal das Presswerk der Konkurrenz sehen konnte, über das sich die Genossen schon seit einigen Tagen lustig machen. Denn dort grinsen doch tatsächlich die CDU-Kollegen mit dem Slogan “Helle Köpfe für Pforzheim” aus der Zeitung, obwohl der eigentliche CDU-Slogan superbrillant unter dem Slogan “Team40” läuft. (Dass man die offenbar besonderen Teamfähigkeiten der CDU immer wieder besonders herausstreichen muss, hat mich ja schon vor einer Weile bei der Analyse des Claiming der Bundes-CDU amüsiert.)

Nichts gegen Ironie im Nahkampf! Ich hätte noch Verständnis gehabt und der Konkurrenz die Schadenfreude gegönnt, wenn sie unseren Claim irgendwie zugespitzt hätten und das noch halbwegs sinnvoll klingt, also beispielsweise “Noch klügere Köpfe für Pforzheim” oder sowas ähnliches. Aber einfach unseren Claim zu nehmen, ein praktisch gleichwertiges Synonym für “klug” zu nehmen und bei der Umsetzung jegliche Ironie vermissen zu lassen, das ist nicht mehr sonderlich originell, das ist schlicht plump geklaut.

Und wenn man das dann noch im Rahmen dessen sieht, dass die CDU Pforzheim auf ihrer Kampagnenseite ihr Wahlprogramm hübsch in verschiedene Themen eingeteilt hat, dabei jedoch ein Drittel der Themen noch in Bearbeitung sind und fehlen, dann muss ich konstatieren, dass die Kollegen da gewisse Mängel an Kreativität und Fleiß an den Tag legen und das offensichtlich noch nicht mal mehr gut verstecken. So macht das wirklich keinen Spaß, Freunde.

Attacke auf’s Netz.

Es ist atemberaubend, wie im konservativen Politbetrieb nun offenbar alle gedanklichen Hürden in Sachen Internet fallen, nachdem das zentrale Unwort „Zensur“ im Internet offenbar niemanden so recht hinterm Ofen hervorlockt. Dabei zeigen die schweißigen Maßnahmen vor allem eines: Offenbar niemand in der CDU hat einen blassen Schimmer darüber, was das Internet eigentlich ist, wie es funktioniert und niemand in der CDU hat bis jetzt begriffen, dass das Internet vor allem eines braucht: Eine neue Art und Weise, mit Medien umzugehen.

Nachdem nun die Online-Sperren der Familienministerin Ursula „Zensursula“ von der Leyen praktisch durch sind und die technischen Scheuklappen voll mit technischen und administrativen Löchern sind (die beste Lachnummer ist die, dass die gesamten Sperranforderungen nicht für Provider gelten sollen, die weniger als 10.000 Kunden einen Internet-Zugang ermöglichen), fordert nun ausgerechnet die Junge Union Nordrhein-Westfalen mit einem Antrag zum Landesparteitag der CDU Nordrhein-Westfalen im Mai doch tatsächlich, dass sich Benutzer von Videoportalen vor dem Hochladen von Videos mit Anschrift und Personalausweisnummer authentifizieren müssen. Als Gründe führen die Bubis an, dass in Videoportale Gewaltvideos hochgeladen werden können.

Zum einen gibt es so eine Anforderung bei keinem Videoportal und in keinem Land dieser Welt. Zum anderen impliziert so eine Forderung demnach, dass man, wenn man es genau nehmen wollte, dann bestehende Videoportale eben filtern muss. So leicht geht es, wenn man erst mal die Latte gerissen hat. Quasi jeden Morgen wird nun der nächste politische Tiefflieger einen Bombenangriff fahren und wir haben es zugelassen.

In der Tat mehren sich in mir immer stärker Gedankengänge, die zusammenfassend konstatieren, dass die Union eine inzwischen immer gefährlichere Partei wird, in der Politiker, die Dinge offenbar nicht verstehen, inzwischen immer häufiger so interpretieren, dass man sie einfach verbieten muss – ohne jegliche Rücksicht auf die im Internet verbriefte Meinungsfreiheit.

Sie probieren es immer und immer weiter.

Ich bin mal sehr gespannt, wie lange es der Union die ächzende Polemik in Sachen Online-Sperren noch einigermaßen gut bekommt. Mit Bundeswirtschaftsminister Guttenberg, dem smart joggenden Hans Dampf, der außer smartem Business-Jogging eigentlich bisher noch nichts abgeliefert hat und mit seinem professionell anzuschauenden Auftritt bei General Motors auch ganz schnell einen Mega-Schiffbruch erleiden kann, wenn sich die versprochenen Opel-Investoren als Luftschlösser erweisen, hat sich nun der dritte Moralist neben Ursula von der Leyen und Wolfgang Schäuble gefunden, die der angeblichen „Kinderpornoindustrie“ mit dicken Profilierungssprüchen den Kampf angesagt haben.

Und ich sage es nochmal in aller Deutlichkeit: Das, liebe Herrschaften, sind die Steigbügelhalter der Demokratiefeinde, die jetzt aus reiner Profilierungssucht die Systeme installieren, die die Extremen von Morgen dazu ausnutzen werden, das Volk ins Verderben zu reiten. Seien wir da mal ganz offen: Es wäre nicht das erste Mal, dass Konservative vor lauter Moral in den gepuderten Ärschen das Zepter Extremen in die Hand spielen, dann erst einmal ordentlich die Taschen vollstopfen, dem Niedergang eines Staates zuschauen und dann wieder das ach so traditionelle Bürgertum besingen. Die Geschichte ist voll mit solchen Volkskastrationen, man müsste nur lesen. Lesen wollen.

Wer mit scheinheiligsten Ansprüchen Politik gegen das Volk betreibt und bewusst den Staat in eine Situation manövriert, dass der Staat bewusst dafür haftet, dass Internet-Provider im Auftrag des Staates die Gesetze des gleichen Staates brechen soll, der ist ein lupenreiner Verfassungsfeind. Und der kann meinetwegen überall hingehören, nur nicht in eine Regierungsverantwortung.

Ich mache mich immer mehr ernsthafte Sorgen darüber, wer uns eigentlich vor den Konservativen dieser Welt schützt, die unbedingt uns vor Gefahren schützen wollen, von denen gerade sie entweder gar nicht, stark verzerrend oder gar viel zu übertrieben herunterfaseln. Einige verrennen sich da schrecklich und es sollte uns sehr ernsthafte Sorgen machen, was für höchst gefährliche Menschen da mit unserer Verfassung herumspielen. Sie probieren immer mehr terroristische Dinge an ihr aus, die vor nur wenigen Jahrzehnten, als man noch sehr daran interessiert war, ein demokratisches Land zu sein, schlicht undenkbar wären

Ich will nicht das Fenster aufmachen und sie lauthals als Nazis beschimpfen. Aber ich muss mich immer mehr zurückhalten, das nicht zu tun.

Killer-Silvesterböller.

Ich glaube, so langsam erreichen wir den Bodensatz des Intellekts in den Diskussionen, wie man Amokläufe zukünftig verhindern könnte:

„Baden-Württembergs ehemaliger Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU) hat sich für eine Ächtung von Spielzeugwaffen und Silvesterböllern ausgesprochen. Dies könne nach dem Amoklauf von Winnenden dazu beitragen, die Schwelle für die Anwendung von Gewalt möglichst hoch zu halten, sagte Teufel in Stuttgart: ‚Ich glaube, dass man Waffen, auch als Spielzeug, wirklich ächten sollte.‘ Auch Killerspiele am Computer und Gewaltfilme im Fernsehen tragen nach Teufels Ansicht zur Verrohung der Gesellschaft bei.“

[dpa via Pforzheimer Kurier]

Die CDU Pforzheim/Enzkreis und ihr Umgang mit Verdächtigen aus eigenen Reihen.

Ein Grund, weshalb die hiesige CDU in Pforzheim/Enzkreis mit ihrem Kreisvorsitzenden Stefan Mappus derzeit nicht so recht auf den politischen Gegner respektive Jörg Tauss einschlagen kann, liegt darin, dass die hiesige CDU eine eigenes Problem mit einem höherrangigen Mitglied hat, gegen das aktuell offenbar Ermittlungen wegen des Besitzes von kinderpornografischem Material geführt werden.

Grundsätzlich ist das richtig so, konkreten Verdachtsmomenten muss, gerade bei so abscheulichen Dingen wie Kinderpornografie, nachgegangen werden. Was mich dann etwas erstaunte in der hiesigen Presse war, dass man dort in der Übernahme der CDU-Pressemeldung noch redaktionell hinzufügte, dass man den Namen des Verdächtigen, im Gegensatz zur originalen Pressemeldung, nicht aufführen werde.

Und tatsächlich betreiben die CDU Pforzheim/Enzkreis und namentlich der Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion Stefan Mappus eine Vorverurteilung Erster Klasse, in dem sie doch tatsächlich eine Pressemeldung veröffentlichen, diese sogar ins Internet stellen und darin den Betroffenen mit vollständigem Namen benennen – so als ob die CDU die am stärksten Geschädigte bei dieser Straftat wäre. Besonders abscheulich ist dabei folgende Floskel:

„Mit Blick auf den konkreten Fall machte er [Stefan Mappus] deutlich, dass eine solche Verhaltensweise gerade für eine Partei, die sich den christlichen Grundwerten in besonderem Maße verpflichtet fühlt, in keiner Weise tolerierbar sei.“

Einmal davon abgesehen, dass Pädophilie von keiner demokratischen Partei und von keiner aufgeklärten Gesellschaft tolerierbar ist: Das Phänomen der Wut, der Vergeltung und der Rachsucht sind Formen des Zornes und der wiederum ist eine der sieben Todsünden – wenn man es schon aus Sicht von „christlichen Grundwerten“ sehen möchte, was in diesem Zusammenhang schlichte und sehr schlecht umgesetzte Heuchelei ist. Etwas weniger Gestelze, etwas weniger Denunziantentum und etwas mehr Rücksicht darauf, dass vor einer offiziellen Verurteilung das Unschuldsprinzip gilt, wäre auch an dieser Stelle angebracht – selbst für die der christlichen Grundwerten so verpflichteten CDU.

[Update am 8. März, 21:20 Uhr: Inzwischen hat die CDU Pforzheim die betreffende Pressemitteilung von ihrer Homepage entfernt.]

Das böse™ Internet als Wahlkampfschlager.

Als stockkonservative Politikerin (die sich jedoch nicht entsetzlich dämlich genug ist, im Fernsehen von einem Talksofa zum nächsten zu rutschen) hat Familienministerin Ursula von der Leyen in kürzester Zeit das geschafft, wovon Innenminister Wolfgang Schäuble schon jahrelang feuchte Träume hatte – das Internet knallhart staatlich zu regulieren und die Providerschar ordentlich damit unter Druck zu setzen, sie letztendlich zu Komplizen des Pädophilengeschäfts zu machen, wenn sie sich nicht wie die Tanzbären durch die Fußgängerzonen der hochglanzpolierten Online-Republik ziehen lassen wollen. Da schreckt die eifrige Ministerin auch nicht davon ab, während einer Pressekonferenz staatsmännisch das zeigen zu lassen, was der schicke, neue Filter nun austrocknen soll.

Man wolle den millionenschweren Markt nun so austrocknen, weil man doch tatsächlich glaubt, dass Kriminelle ihre Machwerke nicht pupseinfach per P2P als verschlüsselte ISO-Files austauschen. Das Erstaunliche dabei wird sein: Es werden zukünftig auch weiterhin Millionen Euro sein. Frau von der Leyen mag vielleicht zu doof sein, das Internet zu verstehen, viele andere mit kriminellem Hintergrund sind es nicht. Symbolpolitik hat noch nie einen breitgesessenen Ministerhintern wirklich nachhaltig abgesichert.

Die zentralen Deppen sind erst einmal alle. Niemand weiß, was wie gefiltert wird. Niemand weiß, was beim Filtern möglicherweise geloggt und nachverfolgt wird. Niemand weiß, was eigentlich passiert, wenn ein Besucher meines Netzwerkes möglicherweise aus Versehen auf so eine gesperrte Website springt und ich möglicherweise zwei Tage später Leute vor der Türe stehen habe, die meinen PC mitnehmen. Heute sind es kinderpornografische Websites, morgen dann Glückspielwebsites (wovon beim hiesigen Glücksspielmonopol und den krampfhaften Versuchen zum Schutze der Lottomilliarden durchaus ausgegangen werden kann). Der Rechtsstaat ausgehöhlt durch ein paar Verträge zwischen der Familienministerin, dem profillosen und dringend aktionsbedürftigen Bundeswirtschaftsminister und ein paar Providern, die sich letztendlich dadurch haben überreden lassen, dass die Investitionskosten minimal sind und vor allem die Verantwortung für mögliche „technische Fehler“ beim Filtern und deren mögliche finanzielle Auswirkungen der Staat übernimmt. So einfach scheint das nun zu sein.

Stinkende, miefende, faulige Symbolpolitik, made by CDU. Probleme beheben, in dem man als Gestrige dem Volk Scheuklappen aufsetzt und so tut, als ob nun alles viel besser würde.  Und die fesche Ursula von der Leyen und der nette Michael Glos, hey, das sind Leute, die anpacken! Solchen widerwärtigen Politikern bezahlen wir sogar noch die Gage, wenn sie im öffentlich-rechtlichen Fernsehen das Lied der schönen, neuen Welt trällern.

Ralf Moeller droht ungeheuerlich.

Wer im abonnierten SPIEGEL diese Woche den KulturSPIEGEL liest, die Kulturbeilage des SPIEGEL, der liest gar Ungeheuerliches und sieht das vor allem auch gleich auf der Titelseite: Ist doch dort Schauspieler und Bodybuilder Ralf „Conan, der Barbar“ Möller auf einem Foto in Präsidentenpose zwischen einer deutschen und einer nordrhein-westfälischen Flagge zu sehen, mit dem Titel: „Mit starker Hand – Wird der Schauspieler Ralf Moeller der nächste Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen?“

Wenn man nach dem Lachflash dann tatsächlich auf Seite 12 zum Artikel springt, merkt man schnell, dass es Ralf Moeller doch tatsächlich ernst meint und als Vorbild in dieser Mission niemand anderen als Arnold Schwarzenegger hat. Nicht dass es schon genügt hätte, dass Ralf Moeller ewig als der deutsch sprechende Bodybuilder hinter Arnold Schwarzenegger gilt und dass er schon erheblichen (und vor allem erheblich peinlichen) Wahlkampf für die CDU getan hätte – er möchte jetzt auch noch ein Amt:

Seine Freunde in Kalifornien scherzen, dass er einmal Nachfolger von Arnold Schwarzenegger werden könne als Gouverneur von Kalifornien. „Ich mache doch nicht den gleichen Fehler wie Arnold“, sagt er. „Er kann nicht Präsident werden, weil er nicht in Amerika geboren ist. Ich werde deswegen lieber Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, dann kann ich später auch Bundeskanzler werden.“

Möglicherweise tut Bodybuildern das Schauspielern von Charakteren, die vornehmlich durch testosterongetränkte Aktivitäten glänzen, gar nicht gut. Sicherlich hat er auch redlich versucht, diese Aussage witzig klingen zu lassen. Mir fehlt jedoch die blühende Phantasie, nicht zu glauben, dass er seine Ambitionen nicht ernst meint.

Da hat er sich dann allerdings etwas vorgenommen: Ein schillernder Klasse-2-Schauspieler versucht die Schwarzenegger-Nummer in good old Germany und sitzt bei einem trockenen CDU-Landesparteitag vorne auf der Vorstandshühnerleiter und träumt von der Kanzlerschaft.. 😉