Ich hätte gern: Einen Friedensnobelpreis.

Was für ein hanebüchener Schwachsinn: Barack Obama, also tatsächlich der US-Präsident, der seit Januar im Amt ist, erhält den diesjährigen Friedensnobelpreis. Und das für seine “außergewöhnlichen Bemühungen für die Zusammenarbeit zwischen den Völkern”. Äh, wie bitte? Der Mann ist gerade mal neun Monate im Amt, kämpft vor allem damit, die Zusammenarbeit von Arm und Reich in seinem eigenen Land wieder zu etablieren und hat außenpolitisch außer vielen Sondierungen bisher noch nicht wirklich viel zustande gebracht. Ganz im Gegenteil: Gestern beherrschte unter anderem die Nachricht die Welt, dass die US-amerikanische Diplomatie schwammig mit einer “Superbombe” in der Iran-Diskussion schwadroniert, mit der tiefliegende Bunker getroffen werden könnten. Sehr friedensstiftende Maßnahme. So steht dieser Friedensnobelpreis unter dem Verdacht, als Vorschusslorbeeren zu gelten. Und das ist wahnsinnig schlecht.

Sehr übel, für alle Seiten. Zeigt es doch, dass es offensichtlich schon reicht, zwei Jahre einen auf Hoffnung basierenden Wahlkampf zu machen, sich dann (zu Recht) wählen zu lassen und dann letztendlich für all diese warmen Worte dann den Friedensnobelpreis zu kassieren.

Die gespielte Bürgernähe der CSU.

Außerhalb von Bayern die CSU ernstzunehmen, fällt vielen nicht leicht. Aus Maßkrügen saufende, in tiefstem bayerischen Dialekt johlende Politiker, die auch gern mal in Lederhosen und Dirndl aufmarschieren und einen fast schon penetrant wirkenden Patriotismus an den Tag legen, der gern auf Kosten der restlichen Nation geht. Man könnte auch sagen, dass die CSU ähnlich albern ist, wie der FC Bayern München, aber allein schon die Tatsache, dass das Führungspersonal beider Organisationen es in all ihren Dingen, die sie tun und die sie für gut halten, erschreckend ernst meinen, macht die Sache oft genug einfach nur jämmerlich.

Schuld hat natürlich immer der Ausländer, wobei das im Falle von Bayern natürlich sehr praktisch ist, denn der Ausländer kann im Ernstfall auch einfach schon der Schwabe Jürgen Klinsmann sein, bei dem man als Führungspersonal von FC Bayern am Ende immer sagen kann, dass man nicht ahnen konnte, wie schlecht der Mann dann doch angeblich ist. Im Zweifel ist aber auch die Kanzlerin Schuld oder einfach „die Anderen“.

So kommt es, dass sich die CSU in den letzten Wochen und Monaten erstaunlich rebellisch und bürgernah gibt. Ganz plötzlich hat man in München erkannt, dass das Volk offenbar Not leidet und die Steuern zu einer Zeit gesenkt werden müssen, in dem der Staat selbst vor dem Abgrund steht. Dann hat man dankenswerterweise die Aussage Barack Obamas, dass die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei weiter forciert werden sollen, als kleinen, wie gerufenen Wahlkampfkracher eingetütet. CSU-Chef Horst Seehofer moniert ganz aktuell die angeblich schlechten Leistungen der Großen Koalition und CSU-Bundestagsabgeordneter Peter Gauweiler sieht seine CSU-Gruppe gar unglaublich gegängelt im Bundestag. Die CSU als einzig aufrechte Kraft im Land. Das hat einige Jahrzehnte sogar richtig gut funktioniert.

Die ganze, gespielte Bürgernähe hat einen feschen Grund und die nennt sich Europawahl am 7. Juni. Und bei diesem Thema regiert innerhalb der CSU die nackte Angst, denn da muss man plötzlich mit einem gruseligen Gespenst kämpfen, das man so gar nicht kennt: Die Fünf-Prozent-Hürde. Die gilt es nämlich im Verhältnis zur Bevölkerung in Europa und zur Wahlbeteiligung zu überspringen und das ist nun wirklich sehr ungeschickt.

Denn zum einen geht es der CSU nach den internen Dramen letztes Jahr nicht wirklich viel besser. Horst Seehofer ist zwar der Dampfplauderer, der bei jedem Thema herausarbeiten kann, dass ohne die Bayern da einfach nichts laufen würde – an frisch gezimmertem Profil fehlt es der CSU aber weiterhin. Dummerweise muss man bei einer anstehenden Europawahl aus das Thema Europa als unsichtbares Feindbild relativ kleinhalten, denn man kann unmöglich den Laden madig reden, in den man hineinmöchte. Und richtig blöd kommt der CSU die immer stärker aufkeimende Frage vieler Wähler, ob es denn tatsächlich Sinn macht, eine kleine, patriotisch gesinnte Lederhosenpartei zu unterstützen, wenn es da draußen in der Welt um zig größere Dimensionen geht und man da eigentlich ziemlich bescheuert dasteht, wenn man behaupten würde, internationale Konflikte würden sich besser lösen, wenn die Bayern da mitmischen würde, in welcher Form auch immer.

Barack Obama gibt eine unglaublich schnelle, aber schwer widerstehliche Schlagzahl vor, in dem er die Themen dieser Welt sehr universell und konventionell anpackt und damit die mächtigen Feindbilder an einer ganz anderen, ungewohnten Seite anpackt: An der Seite, in der sich die Leute fragen, wie es denn passen kann, dass da ein US-Präsident kommt, der offenbar zuhören und diskutieren will. Das mag man als gespielten Populismus abkanzeln und abheften – genau das ist jedoch auch die Phalanx der Machtpolitiker, bei denen man eigentlich gar nicht mehr so recht weiß, warum es sie überhaupt noch gibt und was sie eigentlich in einer moderneren Welt, in der die Rezepte der letzten Jahrhunderte immer weniger einfach so funktionieren, bewerkstelligen könnten.

Bei der CSU merken wir das jetzt, wie sehr es ein Problem werden kann, wenn einem schon vor Jahren der Stöpsel der ursprünglich vollen Badewanne verlorengegangen ist und man nun, da man lange Zeit aufgrund des vielen Wasser nicht den Stöpsel zu suchen brauchte, so langsam in die Not kommt, dass kein Wasser mehr da ist. Es wird nicht die letzte Partei und es werden nicht die letzten Mächtigen dieser Welt gewesen sein, die sich dieser Erkenntnis stellen müssen und in schweres Fahrwasser gegenüber dem Souverän kommen.

„Ich“ oder „Wir“ im Wahlkampf?

Eine sehr beliebte Frage im Umfeld von Politik 2.0 ist die Frage, wie man eigentlich als Wahlkampfteam online auftritt. Dazu gebe ich eine Analogie aus dem klassischen Wahlkampf als Argument zur Diskussion: Ein Infostand in der Fußgängerzone einer x-beliebigen Stadt. Dort steht der zu wählende Kandidat, nennen wir ihn einfach mal Jakob Maria Mierscheid, und, sagen wir, zehn Menschen aus seinem Wahlkampfteam, die Gespräche mit Passanten suchen, Material verteilen. Stehen da nun elf Jakob Mierscheids, um mal die klassische Vorgehensweise in der politischen Kommunikation zu beschreiben, oder ein Jakob Maria Mierscheid und zehn weitere Individuen mit eigenem Namen, eigenen Ansichten, eigenen Verbindungen zum Kandidaten, aber alle mit der Gemeinsamkeit, dass sie sich mit dem Kandidaten identifizieren?

Ich halte diese große Portion Authentizität (wenn man nicht gerade ein bezahltes Team für sich laufen lässt) für ein großes Kapital und hohes Gut in einem jeden Wahlkampf und aus diesem Grund steht es außer Frage, dass man dieses Humankapital praktisch zwingend auch im Online-Wahlkampf einsetzen muss – weil es schon da ist. Nichts ist wertvoller als die „Front Runner“, die Menschen, die an der Wahlkampffront stehen.

Wie das funktioniert, machte der Online-Campaigning-Altmeister Barack Obama vor. Und es war deshalb so gut, weil es kaum auffiel, denn es schrieb beispielsweise „David Plouffe, BarackObama.com“. Und genauso kann man es auch im Online-Wahlkampf halten, da ist es dann eben „Thomas Gottschalk, Team Jakob Maria Mierscheid 2009“ oder ähnlich und genau damit werden in der Kampagne E-Mails absenderadressiert oder das Wahlkampf-Weblog bestückt.

Wenn man nicht gerade jeden Tag einen neuen Namen einführt und die Leute des Wahlkampfteams auch einmal im Bild hat, leidet darunter keinesfalls die Glaubwürdigkeit. Genau das Gegenteil wird der Fall sein.

Der dunkle Geist des George W. Bush.

… den wird Barack Obama so schnell offenbar nicht los. Damit ist an dieser Stelle nicht direkt das schwer verdauliche politische Erbe von Dabbelju gemeint, bei dem es letztendlich nur noch darum geht, wieviele Jahrzehnte es braucht, um das wieder gutzumachen, sondern den Effekt des so genannten „Google-Bombings“, unter dem ausnahmsweise George W. Bush jahrelang leiden musste, ohne daraus eine „Achse des Bösen“ konstruieren und eine 1a-Legitimation für Kriege herbeireden zu können.

Da moderne Suchmaschinen die Linkstruktur auswerten, die auf eine Website zeigen, und unter anderem die Linkbezeichnungen dafür heranzieht, konnten in monatelanger Kleinarbeit – buchstäblich ein Graswurzelwachstum – bestimmte Begrifflichkeiten so in Suchmaschinen gepusht werden, dass diese beim Suchen auf bestimmte Websites führten. Die Website für das Weiße Haus erschien beispielsweise an erster Stelle, wenn man in Google den Begriff „miserable failure“ eingab. Daneben gab es offenbar auch noch andere Begriffe wie beispielsweise nur „failure“ oder auch „cheerful achievement“ (in etwa „erfolgreiche Ausführung“), die allesamt der politischen Tätigkeit des George W. Bush gewidmet waren.

Nun ist Barack Obama im Amt, die Website des Weißen Hauses steht allerdings, ebenso wie das Weiße Haus selbst, weiterhin. Und damit natürlich auch die Linkbasis. Zwar hat Google die bekannten „Google-Bomben“ entschärft (und damit genau genommen in eine ur-basisdemokratische Meinungsäußerung manuell eingegriffen), allerdings haben scheinbar einige dieser Zeitbomben wieder mit Ticken angefangen und zeigten nun allerdings auf den falschen US-Präsidenten. Sozusagen das Basic-Thinking-Theorem in XXL. 😉

Im „Google Public Policy“-Blog hat man das erkannt und berichtigt, aber wer weiß schon, was noch alles für Landminen im Index von Google und anderen Suchmaschinen lauern.

Die Illusion der Weite im Fernsehen.

Dass Barack Obama, wie jeder moderne und medienerfahrene Universalpolitiker, mit einem Teleprompter umzugehen hat, ist keine Neuigkeit. Teleprompter kennen die meisten Zuschauer (wenn sie überhaupt wissen, was ein Teleprompter ist), vor allem als Gerät, das – unsichtbar für den Zuschauer – unmittelbar vor einer Kamera montiert ist und für einen Nachrichtensprecher die primäre Lesequelle ist; das gedruckte Papier, das die meisten Nachrichtensprecher in den Händen halten, dient nur als sekundäre Quelle, falls der Text im Teleprompter nicht parat ist oder das Ding schlicht kaputt ist. (Die einzige Ausnahme ist übrigens die 20-Uhr-Tagesschau, die auch heute noch traditionell ohne Teleprompter gefahren wird, hier müssen die Nachrichtensprecher tatsächlich noch vom Papier ablesen.)

Aber auch wenn jemand nicht direkt in die Kamera schaut, kann er vom Teleprompter ablesen, nämlich schlicht und einfach dann, wenn der Teleprompter überraschenderweise nicht vor einer Kamera positioniert ist, sondern an einer anderen Stelle. Dieses dramaturgische Mittel nutzte auch Barack Obama, wenn er in öffentlichen Reden oder Kundgebungen zum Volk spricht. In dieser Art der Präsentation ist nämlich ausdrücklich nicht erwünscht, dass der Sprecher direkt in die Kamera schaut, um beim Fernsehzuschauer nicht den Eindruck zu erwecken, dass er die Kundgebung nur für das Fernsehen macht.

In der bisherigen Medientheorie hat man solche indirekt aufgestellten Teleprompter rechts und links vom Sprecher etwa mit einem Winkel von 30 bis 40 Grad zur direkten Sehrichtung in die Kamera aufgestellt. Das war für den Sprecher recht angenehm, da er, wenn er von einem Teleprompter zum anderen schauen wollte, den Kopf nur um etwa 60 bis 80 Grad drehen musste. Zudem waren diese Blickwinkel auch harmonisch zum Pantoffelkino-Bildformat von 4 zu 3, mit dem man eh kaum eine breit verteilte Zuschauerschaft bildfüllend zeigen konnte. Wenn man aber die Illusion erzeugen möchte, dass es eher eine kleine, lauschige Veranstaltung ist, kann man das auch durchaus mit einer engeren Teleprompter-Anordnung tun:

Das heutige Breitbildformat von 16 zu 9 hat das deutlich geändert, denn nun ist das Bild von Hause aus wirklich breit. Und nur wenige Politiker wie Barack Obama haben verstanden, dieses Format auch zu nutzen, da er in großen Kundgebungen, die auch als „groß“ medial zu präsentieren waren, seine beiden Teleprompter erheblich weiter nach links und rechts stellen ließ – meinen Schätzungen nach deutlich mehr als 45 Grad zur Sehrichtung zur Kamera, was für einen Bildästhet dann schon faktisch ein Horrorszenario ist, da das Gesicht des Sprechers quasi nur noch im Seitenprofil zu sehen ist und der Sprecher beim Blickwechsel zum anderen Teleprompter erheblich mehr und vor allem schneller den Kopf drehen muss. Das war in seiner Berliner Rede am 24. Juli 2008 sehr schön zu sehen:

Das Ergebnis ist jedoch frappierend. Die weit auseinanderstehende Teleprompter-Anordung erweckt verblüffend überzeugend den Eindruck, dass Obama in einer großen Kundgebung zu einer riesigen Gesellschaft spricht, die scheinbar praktisch halbkreisförmig bis zum Horizont vor ihm steht. Diesen Eindruck wird auch dadurch untermalt, dass er „weitsichtig“ fast gerade nach links und rechts schaut, obwohl er auf einem Podest gut und gern fünf bis zehn Meter über dem Volk steht – das wird dadurch erzeugt, dass seine Teleprompter in der Höhe seines Gesichts stehen und keinesfalls darunter. Er würde ansonsten nach unten schauen, was schon wieder eine Herrschaftspose wäre.

Obamamanie.

Dreht das ZDF jetzt eigentlich durch? Die US-Präsidentschaftswahl war am Dienstag, okay, geben wir noch den Mittwoch für die Wahlberichterstattung, aber warum muss man noch heute eine Dokumentation über den Wahltag senden, danach noch Maybrit Illner mit mehr oder weniger prominenten Amerikanern, Wahl-Amerikanern und Sonstigen die Zukunft diskutieren und danach auch noch Johannes B. Kerner, der schon die ganze Woche über im Obama-Fieber schwelgt, ebenfalls nochmal mit Prominenten und Halb-Prominenten über die Zukunft von Obama palavern lassen? Glaubt wirklich noch jemand, es wäre über den Wahlkampf, den Ansichten der Wähler und über Barack Obama noch nicht alles mehr als hundertmal gesagt, geschrieben und gesendet?

Der Journalist von Welt bemüht sich, nach jedem dritten Satz zu sagen, dass man nicht zu viele Erwartungen an die US-Präsidentschaft von Barack Obama setzen soll, weil der Wahlkampf eine Sache ist, die US-Präsidentschaft wiederum eine andere. Kann das dann bitte auch einer mal dem ZDF sagen? Es wäre jetzt dann langsam dringend. Man muss nicht die jahrelang praktizierte Zwangignorierung Amerikas innerhalb von einer Woche wieder wettmachen.

Nach der Wahl – ist was genau?

Nun ist Barack Obama als der nächste US-Präsident gewählt. Herzliche Glückwünsche, ehrlich! Ein hartes Stück Arbeit liegt hinter ihm und seinem Team und nach rund zwei Jahren Wahlkampf (wenn man die Vorwahlkämpfe mit einbezieht) kann man wirklich sagen, dass das eine Menge Arbeit war.

Muss man jetzt dann pathetisch sein und Barack Obama schon in die Ahnengalerie stellen? Nein, muss man nicht. Ein solches Amt besteht aus zwei fundamental unterschiedlichen Teilen, dem Wahlkampf und der Amtsperiode. Wahlkampf ist Werbung, Marketing und Verkaufen, Amtsperiode ist dann die Produktion und Abwicklung. Das Erstere ist bunt, mächtig und illustrativ, das Letztere dann mitunter trocken, unangenehm und ernüchternd. Es wird die wahre Kunst sein, dass dann dem Volk zu verkaufen.

Sprich: Nun hat er erst einmal sein Amt, geerntet mit zugegeben sehr aufopferungsvoller und disziplinierter Arbeit und dafür gebührt ihm zweifellos hoher Respekt. Ab Januar 2009 muss er sich dann aber erst einmal beweisen und das wird bei den grauenvollen Trümmerfeld, dass George W. Bush auf praktisch allen Schlachtfeldern hinterlässt, eine entsetzlich komplexe Arbeit. Und nach den ersten 100 Tagen, nach dem ersten Jahr, da reden wir dann nochmal. Das maximale, was ich an Vorschusslorbeeren geben kann: Ich kann mir gut vorstellen, dass er das packt.

Ich weiß, ich sehe das sehr trocken – vielleicht auch etwas zu trocken. Aber das ist nun einmal Wahlkampf. Am ehesten erträglich für ehemalige Fernsehleute, abgebrühte Systemadministratoren und Projektmanager. 😉

Barack versus Sarah.

Es geht also wieder los, das Gezittere und die schale, latente Angst im Hinterkopf, wer denn nun am nächsten Dienstag als nächster US-Präsident gewählt wird. Während sich der Planet Erde außerhalb der USA weitgehend darüber einig ist, dass Barack Obama derjenige ist, der am ehesten die Zügel anpacken sollte, ist das in den USA wieder einmal eine Zitterpartie. Und dabei geht es nur auf den ersten Blick um Barack Obama und John McCain, denn mit 72 Jahren und einer erschreckend umfangreichen Krankenakte ist die Gefahr, dass McCain während der Präsidentschaft abtritt, verhältnismäßig hoch. Und dann wäre Sarah Palin am Steuer.

Eine Frau, bei der jeder ausgesprochene Satz Abgründe über ihren Intellekt darlegt, die ihren ersten Reisepass erst weit in ihrer fünften Lebensdekade beantragt hat, deren Haltung zum so genannten Intelligent Design derart krass abstrus sind, die nachweislich korrupt ist und die schlicht und einfach nur deshalb die Menschen anspricht, weil sie für ihr Alter im aufgebrezelten Zustand verhältnismäßig gut aussieht und der lebende Beweis dafür ist, dass man auch mit bescheidenem Intelligenzquotienten verhältnismäßig weit hoch kann, wenn man die richtigen Zapfen krault. Und darüber hinaus entsetzlich humorlos ist, was das größte Warnzeichen ist, wenn man mit einem Politiker zu tun hat.

So eine Person an einem Tisch, an dem davor schon acht Jahre lang zuvor ein George W. Bush, dem ewig ungeliebten Sohn einer mächtigen Familie, dessen Mission es war, es ausgerechnet durch die US-Präsidentschaft allen zeigen zu wollen, die Welt unsicher gemacht hat, kann nur haarsträubend sein. Ein US-Präsident John McCain/Sarah Palin wäre der Beweis dafür, dass es der Mehrheit der US-Bevölkerung schlicht scheißegal ist, wen sie da als Bodenpersonal in das Weiße Haus installiert.

Wahlkampfnotizen.

Dass ich ein Bewunderer des Präsidentschaftswahlkampfes von Barack Obama bin, ist ja nun nicht wirklich mehr neu. Die Art, wie Obama eloquent das Web und Web 2.0 für seinen Wahlkampf einsetzt, ist mit Sicherheit ein Meilenstein in der modernen Wahlkampfführung. Zwar kann man nicht alles einfach so in deutsche Wahlkämpfe übernehmen – wer kennt hier schon den Facebook-Clone „Batanga“ – allerdings ist die Art der Kommunikation und der Wähleransprache eine ganz andere. Sehr modern, überaus authentisch und mit einer perfekten Illusion eines Rückkanales der Wähler zum Obama-Team. Immerhin – das Wahlkampfteam antwortet auf E-Mails, selbst aus dem fernen Deutschland, auch wenn sie derzeit noch nicht wirklich daran interessiert sind, ihre Geheimnisse und Erfahrungen mit Noobs wie mir zu teilen.

Deshalb: Notizen machen und spätestens jetzt anmelden. Und das ist für die Wahlkämpfer und Interessierten als letzter Aufruf zu verstehen, denn es ist zu erwarten, dass die Kampagnen-Website nach der Wahl relativ schnell viele ihrer interaktiven und pflegeintensiven Elemente nicht mehr haben wird, spätestens dann, wenn das Wahlkampfteam seine Sachen packt.

Deshalb ist jetzt die Zeit, sich anzumelden, sich anzuschauen und sich darüber Notizen zu machen, wie die Folks die letzten wirklich heißen Wahlkampfwochen online stemmen.

Jeffersons Erben.

Auf einen Tipp des geschätzten Genossen Andreas Kesting hin habe ich mir das kleine, unauffällige Buch Jeffersons Erben von Tobias Moorstedt gekauft. Neun Euro in der Edition Suhrkamp mit blauem Cover und 165 Seiten.

Moorstedt ist dem Phänomen der Internetkampagne von Barack Obama auf die Spur gegangen und dabei tiefer in die Materie eingedrungen, als so ziemlich alle Journalisten vor ihm, zumindest wenn man da Journalisten aus den üblichen Redaktionen herannimmt. Er beschreibt sehr anschaulich die verschiedenen Elemente, die vom Wahlkampfteam darin eingepackten Erwartungen und wie das Team über die Kampagnenangebote erstaunlich effizient mit Wahlkämpfern und Wählern vor Ort kommuniziert und sich Kommunikation über das Internet neben den klassischen Medien zu einem echten Informationskanal entwickelt hat.

Überraschend ist das auf den ersten Blick, auf den zweiten dann schon nicht mehr, denn eine Kernkompetenz von „Obama ’08“ ist es, dass sie es schaffen, von vorn bis hinten in der Onlinekampagne glaubwürdig herüberzukommen, wie es vermutlich in nur wenig Wahlkämpfen früher der Fall war. Über eine Million Nutzer kommunizieren über „MyBarackObama“ miteinander, während es Konkurrent John McCain, der gern von sich sagt, dass er keinen Computer bedienen kann, nur auf einige tausend Anwender in „MyMcCainSpace“ schafft.

Die Obamasche Kampagne ist zweifellos ein Musterstück der politischen Propaganda und Mobilmachung und Tobias Moorstedt schafft in seinem Büchlein einen wunderbaren Querschnitt durch die Kampagne und vermutlich auch ein geschichtliches Werk, denn wer weiß schon, was nach der Präsidentschaftswahl von der Kampagne übrig bleibt.

Eindeutiger Kaufbefehl, nicht nur für Wahlkampfleiter und Web-2.0-Schlampen, sondern für jeden politisch Interessierten, die lernen wollen, wie zukünftige politische Botschaften daherkommen.