Ungerecht.

Ich habe es nicht so mit Reichtum. Reichtum ist abstrakt und bringt viele Leute nur auf viele Dummheiten. Wenn Reichtum ungerecht verteilt ist – und ungezügelter Kapitalismus verteilt Reichtum grundsätzlich ungerecht – schafft das Unfrieden und irgendwann Hass und Krieg. Nicht immer unbedingt angezettelt von den wirklich Reichen, sondern eher von den Leuten, die mit dem Ungleichgewicht ordentlich Stimmung machen. Ist nicht so? Dann empfehle ich die Lektüre von Dokumentationen praktisch aller Kriege der letzten 300 Jahre.

Ich bin auch nicht reich, sondern hatte in den vergangenen Jahren vielleicht Glück, oft auch schlicht durch reinen Zufall. Das hat in Sachen Finanzen zum Phänomen geführt, dass ich dieses Jahr fast 40 % meines Einkommens durch mein Wertpapierdepot erzielt habe. Und ich bin in Sachen Wertpapiere keiner, der auf Derivate, Hebel oder Optionspapiere setzt und auch nicht gegen Staaten und Währungen wettet. Ich habe zwei Drittel meines Wertpapierdepots in Aktienfonds, bei denen ich schon sehr genau schaue, wo die investieren und ein Drittel in reinen Aktien. Mitunter spekulativ, aber Glück und Pech gehen da immerhin rein auf meine Kosten, das ist das Betriebsrisiko.

So, und nun wird es ungerecht: Ich bin ledig und werde für mein reguläres Einkommen aus meiner selbstständigen Tätigkeit voraussichtlich um die 30 % Einkommensteuer abführen. Auf der anderen Seite arbeitet auch das Vermögen und wirft Zinsen, Dividenden und realisierten Gewinne durch Wertpapierverkäufe ab und die – obwohl sie nichts andere wie Einkünfte sind – werden pauschal nur mit 25 % durch die Abgeltungssteuer besteuert.

Ist das gerecht? Nein, ist es nicht. Es ist eine hässliche Sache, die mir nicht gefällt, auch wenn ich aus dem Bauch heraus natürlich auch kein Freund des Steuerzahlens bin. Ich habe zwar mein Spendenaufkommen dieses Jahr ebenfalls erhöht, aber das ist nicht die Lösung, denn wenn ich für Rettungshubschrauber, Notärzte, Umweltorganisationen, kommunale Kinos und karitative Organisationen spende, wird dadurch die kaputte Straße auch nicht schneller ausgebessert. Charity und – sehr böse gesagt – Almosen ersetzen keine Staatsaufgaben. Dürfen es niemals. Almosen retten mitunter Menschen, zerstören aber Menschenwürde.

Nun bin ich ein kleines Licht und man muss auch berücksichtigen, dass ich mit meinem bescheidenen Vermögen nebenher eine Altersvorsorge aufbauen muss. Andere, richtig reiche Menschen, arbeiten oft auch noch und das vielleicht auch recht viel. Sie verdienen dann auch mehr und zahlen den Höchstsatz von 42 % Einkommensteuer auf ihr Einkommen. Auf das, was ihr Vermögen erwirtschaftet: Ebenfalls nur 25 %. Wenn sie so reich sind, dass sie nicht mehr arbeiten müssen und rein von ihrem Vermögen leben, dann zahlen sie auf die realisierten Gewinne – also das, was sie tatsächlich dann aus ihrem Vermögen entnehmen – ebenfalls nur 25 %.

Ist das gerecht? Nein, das ist himmelschreiend ungerecht. Wer viel, viel mehr Geld hat, nicht mehr arbeiten muss (was keine Schande ist) und nur noch vom Ersparten lebt, kommt ganz billig weg und zahlt einen Steuersatz wie jemand, der ein sehr niedriges Einkommen bezieht. Er zahlt natürlich mehr Steuern, als ein Niedrigverdiener, aber eben nur einen Bruchteil von dem, was er eigentlich leisten sollte und könnte, wenn seine Vermögenseinnahmen ebenfalls als normales Einkommen zu versteuern wären.

Wenn wir uns wirklich eine Sache in Deutschland nicht erlauben dürfen, sind es solche obszönen Steuer-Ungerechtigkeiten, wie sie die Abgeltungssteuer darstellt.

Projekt „Geldrettung“.

Gut, ein dümmlicher Name für den konzertierten Wertpapierkauf zum Ende des Jahres, aber irgendwie musste ich das Musterdepot als Einkaufszettel ja benennen. Ein paar weitere Dinge habe ich nun gelernt:

  • Fondsanteile direkt von einer Fondsgesellschaft zu kaufen, mag zwar kostenlos sein, wenn die Bank und die Fondgesellschaft auf den Ausgabeaufschlag verzichtet, dafür dauert der Kauf lange. Sehr lange. Ich habe in weiser Voraussicht meine Kauforder am 18. Dezember aufgegeben und die letzte Fuhre Fondsanteile kamen heute auf das Depot. Bin ich wirklich nicht gewohnt, da ich ansonsten direkt über die elektronische Handelsplattform XETRA ordere, meine 9,90 Euro Handelsgebühr zahle und dafür aber den Wertpapiereingang auch weitgehend sofort sehe.
  • Neben dem Verzicht auf Ausgabeaufschläge ist bei allen ein sehr krummer und jedes Mal sehr anderer Wert als Bonifikation verzeichnet, dessen Grund mir partout nicht deutlich wird. Freuen die sich einfach, dass doch noch jemand Fondsanteile kauft?
  • Das Musterdepot als „Einkaufszettel“ macht auch nach dem Kauf noch Sinn, da der im Wertpapierdepot angegebene Einkaufspreis in keinem Fall der sechs gekauften Fondswerte wirklich identisch ist. Letztendlich geht es da weitgehend immer nur um Kommawerte, aber Spesen, die beim Kauf von Fondsanteilen fällig werden, sind nun mal Spesen und die verteuern den Kaufpreis.
  • Mein Wertpapierdepot sind nun aus wie bei Hämpels und mir muss so schnell keiner mit dem Ratschlag der Diversifizierung kommen.
  • Es macht nun Sinn, ab dem neuen Jahr ein Zweitdepot zu starten, was bei vielen Depotanbietern kostengünstig oder gar kostenlos möglich ist, um nach einem Kauf im neuen Jahr zwischen Käufen vor und nach der Einführung der Abgeltungssteuer unterscheiden zu können. Das vor allem dann, wenn man von einen Wertpapierwert im neuen Jahr noch nachkaufen sollte.
  • Meine sorgsam berechnete und heilig gepflegte Quote zwischen Wertpapieranlagen und verzinslichen Anlagen ist nun schwer aus dem Gleichgewicht geraten und das ist trotz meinem nicht sonderlich getrübten Optimismus eine nicht gute Sache. Der Wertpapierkauf hat also vorerst ein Ende.

Wer übrigens mit dem Gedanken spielt, der Abgeltungssteuer noch ein Schnippchen zu schlagen, hat weitgehend Pech gehabt, wenn nicht gerade Papi einen Stapel Wertpapiere zu verschenken hat: An Silvester findet traditionell kein Börsenhandel statt.

Kaufen oder nicht kaufen? Kaufen!

Das ist so eine Frage, die ich mir die letzten Tage und Wochen ständig gestellt habe – Wertpapierdepot nochmal mit einem Schlag Fonds aufschütten oder nicht? Und ich habe mich ausdrücklich dafür entschieden, meiner Meinung nach sprechen dafür mehrere Gründe:

  • Die drohende Abgeltungssteuer, klar. Wertpapiere vor dem 1. Januar 2009 zu kaufen, bringt langfristig den Vorteil, dass auf die Veräußerungsgewinne keine Abgeltungssteuer fällig wird (man aber natürlich die dann noch geltende, einjährige Spekulationsfrist berücksichtigen sollte).
  • Ich glaube, dass wir vorläufig mit den Börsen den „Boden“ erreicht haben. Dafür spricht, dass die Märkte gerade konsolidieren und trotz weiterer, negativer Meldungen nicht sonderlich weiter fallen. Das hat mehrere Untergründe:
    • Wir sind schon sehr tief, durchschnittlich haben die meisten Kurse Dellen von 40 % und mehr zu verkraften und das innerhalb eines halben Jahres.
    • In den jetzigen Kursen sind die negativen Prognosen für das nächste Jahr eingepreist, weitgehend allerdings im Worst-Case-Szenario, d.h. man geht vom Allerschlimmsten aus. Da kann man jetzt wetten, wie man möchte, ich glaube, dass es nicht so schlimm kommen wird.
  • Grundsätzlich kaufen tut man, wenn alle jammern.

Aus diesem Grund habe ich mein gutes, altes Musterdepot wieder ausgemottet und ordentlich gesattelt. Die vorläufige Planung sieht folgendermaßen aus:

  • 40 % Durchschnittliches (ein Fonds mit Ausrichtung Aktien Europa und einer mit Ausrichtung Aktien USA auf US-Dollar-Basis)
  • 25 % Konservatives (ein Fonds mit Ausrichtung Aktien kleiner Unternehmen Deutschland und ein Dachfonds)
  • 35 % Chancenreiches (ein Fonds mit Ausrichtung internationaler Unternehmen und ein Spezialfonds regenerativer Energien)

Sind also derzeit sechs Aktienfonds von sechs unterschiedlichen Fondsanbietern, wobei das bei Investmentfonds nicht so kritisch ist, wie mit Zertfikaten. Geht ein Fondsanbieter pleite, ist das Fondsvermögen erst einmal nicht in der Insolvenzmasse, aber ich bin da nun mal jemand, der diversifiziert.

Erklärungsbedürftig ist auch, warum der konservative Anteil mit 25 % geringer daherkommt. Das liegt daran, dass ein weiterer, großer Teil meines Vermögens festverzinslich angelegt ist, also gar nicht erst in Wertpapiere angelegt werden darf. Das bilde ich so in der Wertpapierstrategie ab. Das ist auch der Grund, weshalb man hier nichts von Renten- oder Geldmarktfonds sieht. Die jetzigen Zinsen in Euroland machen es imho gerade eher weniger interessant, hier in Wertpapieren zu investieren, weshalb ich hier vorläufig nichts tun werde.

Was ist eigentlich die Abgeltungsssteuer?

Fangen wir einmal von vorn mit dem an, was heute schon Usus ist: Die Kapitalertragssteuer. Diese Steuer ist eine Form der Einkommensteuer und ist auf Einnahmen aus Kapitalerträgen fällig. Sprich: Hat jemand ein Sparbuch und kassiert damit 100 Euro Zinsen, dann sind diese 100 Euro als Einnahmen aus Kapitalerträgen einkommensteuerpflichtig und werden mit dem jeweiligen Steuersatz versteuert.

Um diese Fummelarbeit bei kleinen Zinseinnahmen zu vereinfachen (offiziell heißt das natürlich so, dass man damit die Kleinsparer schützen möchte), gibt es den Sparerfreibetrag in Höhe von 750 Euro bei Ledigen und 1.500 bei Verheirateten. Das heißt, dass die Einnahmen aus Kapitalerträgen nicht versteuert werden müssen, wenn diese in der Gesamtheit von 750 Euro im jeweiligen Steuerjahr nicht überschreiten. (Gern ist beim Sparerfreibetrag die Rede von 801 Euro bzw. 1.602 Euro. Das ist nicht ganz richtig, denn bei den letztgenannten Freibeträgen ist auch noch der abziehbare Anteil für Werbungskosten beinhaltet, über die man beispielsweise Kosten für ein Wertpapierdepot geltend machen konnte. Das gibt es so auch nicht mehr.)

So weit, so gut, das ist ab 1. Janur 2009 Historie. Denn ab da gibt es die Abgeltungssteuer.

Die Abgeltungssteuer ist eine eigene Steuer und, im Gegensatz zur Einkommensteuer, auf 25 % gedeckelt. Das heißt, hat jemand einen höheren Einkommensteuersatz als 25 %, ist die Abgeltungssteuer dennoch bei 25 %, zuzüglich Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer. Hat jemand einen niedrigeren Einkommensteuersatz, kann er die durch die Abgeltungssteuer zu viel bezahlten Ertragssteuern in seiner Einkommensteuererklärung geltend machen. Um das Bezahlen bzw. Nichtbezahlen der Abgeltungssteuer muss sich der Vermögende übrigens nicht kümmern, die Beträge führt seine Bank direkt an das Finanzamt ab. Damit hat sich dann allerdings – und das ist das Gute an der Abgeltungssteuer – eine weitere Versteuerung auch erledigt, die Einkommensteuerpflicht für die Vermögenserträge ist damit abgegolten.

Ein Trostpflaster in Form eines Freibetrages gibt es auch, der nun Sparerpauschbetrag heißt und nicht mit dem Sparerfreibetrag verwechselt werden darf, den es ab 1. Januar 2009 sowieso nicht mehr gibt. Denn der Sparerpauschbetrag ist zwar augenscheinlich mit 801 Euro für Ledige und 1.602 Euro für Verheiratete höher, dafür fällt aber ein abziehbarer Anteil für Werbungskosten, so dass eben beispielsweise Kosten für Wertpapierdepots nicht mehr aus der Steuerlast abgezogen werden können.

Das Unhübsche bei der Abgeltungssteuer ist weiterhin (und das ist eigentlich einer der Hauptdiskussionspunkte), dass nun noch mehr Einkunftsarten als bisher mit der Kapitalertragssteuer besteuert werden, nämlich beispielsweise auch Veräußerungsgewinne an Wertpapieren. Die wurden bisher nämlich ebenfalls einkommensteuerpflichtig (gern als „Spekulationssteuer“ tituliert), wenn die jeweiligen Wertpapiere weniger als 12 Monate gehalten wurden. Sprich: Hatte man ein Wertpapier zu 100 Euro gekauft und diese nach weniger als 12 Monaten zu 200 Euro wieder verkauft, wurden die 100 Euro Veräußerungsgewinn einkommensteuerpflichtig.

Mit der Abgeltungssteuer gibt es diese Haltefrist von 12 Monaten nicht mehr, es wird jeglicher Veräußerungsgewinn steuerpflichtig, egal, wann er entsteht. Ausnahme: Wertpapiere, die vor dem 1. Januar 2009 gekauft wurden, für diese gilt die bisherige Regel. Deshalb hier mein Ratschlag vor einigen Tagen, dass man sich mit diesem Thema noch in diesem Jahr beschäftigen sollte, wenn man das noch nicht getan hat und man noch Geld herumliegen hat.

Ein anderes Thema, warum sich verhältnismäßig wenig junge Leute um das Thema kümmern, ist der Fehlglaube, man hätte gar nicht so viel Geld. Aber das kann man leicht ausrechen, beispielsweise, wie viel Vermögen man braucht, um 801 Euro mit 4,25 % (das ist ein ganz guter Tagesgeldzinssatz) zu erreichen:

801 geteilt durch 0,0425 ergeben 18.847 Euro ursprüngliche Anlagesumme

Und das ist dann doch schon durchaus ein Betrag, den man auf der hohen Kante haben kann. Noch kürzer wird das Handtuch, wenn man Wertpapiererlöse realisieren will. Nehmen wir an, es realisiert jemand 20 % Veräußerungsgewinn mit einem Wertpapier (was zwar in der jetzigen Wirtschaftslage eher exotisch wäre, aber in Zeiten einer Börsen-Hausse gar nicht abwegig ist), dann sieht das so aus:

801 geteilt durch 0,2 ergeben 4.005 Euro ursprüngliche Anlagesumme

Das sind dann doch schon „erreichbare“ Vermögenserträge.

Schon in der Bank gewesen?

Und damit meine ich nicht den Geldautomaten, sondern richtig die Bank, die sich um die Spareinlagen kümmert. Das Stichwort ist die Abgeltungssteuer, die am 1. Januar 2009 an den Start geht und einer der Steuern ist, mit der man entweder auf Dauer richtig Schotter blechen muss oder richtig Schotter spart, je nachdem, wie lange man schläft und/oder welchen Steuersatz man hat.

Falls sich aber jemand noch keine Gedanken darüber gemacht hat, mehr als 10 Euro auf dem Sparbuch hat, gar Wertpapiere besitzt und steuerpflichtig ist, dann ist das dumm, denn wenn man längerfristig Geld anlegen möchte und das noch dieses Jahr tut, kann man bares Geld legal am Fiskus vorbeisparen. Es lohnt also definitiv, sich dem Thema einmal anzunehmen und zwar bald. Das Jahr hat nur noch 15 börsenoffene Tage.

Ein paar Dinge dazu schreibe ich mal die nächsten Abende.