Helle Nippel und Anal-Bleaching.

Normalerweise bin ich hier in den Pforzheimer Online-Kreisen der Chef für die unappetitlicheren Dinge und das wirklich schon seit einigen Jahren. Und würde man jemanden hier fragen, wer denn am ehesten über „helle Nippel und Anal-Bleaching“ im Web schreibt, dann würde es nicht lange dauern, bis mein Name fällt. Meinen Status als Herr der Pforzheimer Online-Kanalisation habe ich mir hart und ausdauernd erarbeitet und eigentlich will ich mir diesen Titel nicht einfach so wieder wegnehmen lassen. Ein dahingehender Kampf wäre unerbittlich, ich kann in der Anwendung von Sarkasmus wirklich ganz schlimm werden.

Ich muss aber leider mitteilen: Die obige Überschrift stammt nicht von mir. Ich habe mit helle Nippel und Anal-Bleaching nichts zu tun. Und ich habe sogar keine Ahnung, was mit hellen Nippeln und Anal-Bleaching gemeint ist. Aber dafür habe ich nun harte Konkurrenz hier in Pforzheim bekommen. Und dann auch gleich noch das Undankbarste, was mir passieren konnte: Die Pforzheimer Zeitung. Glaubstdunicht? Muhahaha … die untenstehende Überschrift ist anklickbar:

Es ist aus. Ich kann nur noch hart lachen. Ich gebe mich geschlagen und gebe die Pforzheimer Online-Kanalisation völlig entwaffnet frei. Miriam, du bist meine Heldin, du darfst mein Kanalisationschef-Perlendiadem kampflos haben. Gegen helle Nippel und Anal-Bleaching komme ich nicht an, ich kann so einen Artikel nicht mehr mit einem sarkastischen Kommentar unterlegen. Ich habe fertig, ich huldige dir.

Wir brauchen vielleicht doch das Leistungsschutzrecht, damit so Suchmaschinen wie Google zukünftig Lizenzgebühren zahlen müssen, um solche publizistischen Schätze aufführen zu dürfen. Was täten wir ohne sie?

Das Anzeigenblatt als Sargnagel der Tageszeitung.

Wer im Raum Pforzheim auf seinem Briefkasten kein Verbot für den Einwurf von Werbung kleben hat, durfte an diesem Wochenende einen Neuzugang in Sachen Totholz-Publishing empfangen und ein neues Anzeigenblatt namens „Pforzheimer Woche“ bewundern. Ein gar nicht so dünnes Blatt mit zwei Heften, das eine genauere Betrachtung verdient. Es ist nämlich ein hochinteressantes Anzeigenblatt, obwohl es eigentlich einen Informationsgehalt von nahe Null hat.

Nahblick in die „Pforzheimer Woche“

Das Blatt stammt aus dem Mutterhaus der „Pforzheimer Zeitung“, dem Noch-Lokalmatador in Sachen Lokalzeitung. Und allein schon deshalb ist die „Pforzheimer Woche“ auf den ersten Blick ein Anachronismus, denn aus dem gleichen Verlag erscheint schon jeden Donnerstag ein Anzeigenblatt namens „PZ-Extra“, das deutlich umfangreicher ist.

Schaut man sich die „Pforzheimer Woche“ näher an, konkretisiert sich der Eindruck in Sachen „Anzeigenblatt“ in praktisch allen Kernpunkten, die eine Zeitung ausmachen:

  • Der „Nachrichtenteil“ beschränkt sich auf jeweils drei halbe Seiten, die jeweils mit einem Agenturtext inklusive Agenturbild gefüllt sind. Netterweise wird der Hinweis auf die Agentursherkunft „vergessen“, stattdessen wird der Korrespondent benannt und mit dem Standorthinweis Berlin. So kann man es natürlich auch machen.
  • Im ersten Heft des Blattes findet sich ein Immobilien- und ein Kfz-Teil, sowie die Kleinanzeigen. Zumindest letztere sind identisch mit den Anzeigen in der Samstagsausgabe der Pforzheimer Zeitung. Das zweite Blatt ist vollständig dem Stellenmarkt gewidmet und enthält ab Seite 2 Stellenanzeigen, ebenfalls zu einem großen Teil der Inhalt, der auch in der Samstagsausgabe der Pforzheimer Zeitung erscheint.
  • Anzeigen in der „Pforzheimer Woche“ sind nur mit einer regulären Anzeige in der „Pforzheimer Zeitung“ möglich.
  • Im Impressum findet sich keine Redaktion und kein einziger aufgezählter Redakteur.
  • Es gibt – zumindest derzeit – keine offzielle IVW-Auflagenzählung, die Selbstangabe von einer Auflagenzahl von 125.000 ist mit der gebotenen Vorsicht zu genießen.

Der Untergang der Zeitungsanzeigen

Schon allein aus diesen Kernpunkten ist der Sinn und Unsinn der „Pforzheimer Woche“ weitgehend klar und es zeichnet sich der Teufelskreis ab, in den vor einigen Jahren schon der Zeitungsmarkt in den USA heftigst gezogen wurde und eine Reihe von Zeitungen hat eingehen lassen:

  1. Die Zahl der Abonnenten und Verkäufe sinkt, ebenso demnach die Auflagenzahlen und damit die Reichweite.
  2. Fehlende Verkaufserlöse müssen durch steigende Anzeigenpreise aufgefangen werden.
  3. Es werden weniger Anzeigen geschaltet.
  4. Sinkende Verkaufs- und Anzeigenerlöse sorgen für noch weniger Einnahmen und haben Einsparungen und Personalabbau zur Folge.
  5. Weniger Personal kann auch nur deutlich weniger uniquen Inhalt machen = Teufelskreis, der bei Punkt 1 wieder beginnt.

Mit der „Pforzheimer Woche“ scheint man also das zu machen, was immer noch am einfachsten aus dem Blick eines traditionellen Papierbedruckers scheint: Reichweite aufzufangen, die durch das Bezahlblatt verlorengeht. Und das ist ein böses Vabanque-Spiel, weil es der Konkurrenz in die Hände spielt.

Denn die zweite, große Tageszeitung in Pforzheim, der „Pforzheimer Kurier“, spielt im hiesigen Anzeigenmarkt quasi gar nicht mit, was am Naturell des Blattes liegt. Sie ist nur eine Lokalausgabe der „Badischen Neuesten Nachrichten“ und hat in der Pforzheimer Lokalausgabe mit einer derzeitigen Auflage von etwa 4.500 Exemplaren gerade mal etwas über 10 % von dem, was aktuell die Pforzheimer Zeitung aus ihren Druckerpressen wirft.

Während der Lokalteil des „Pforzheimer Kuriers“ in den letzten Monaten sichtbar an Qualität gewonnen hat, leidet die Qualität des Blattes immer noch darunter, dass es relativ wenig Anzeigen aus Wirtschaft, Stellenmarkt und Kleinanzeigenbereich gibt. Es fehlt dem Kurier-Leser nicht wirklich (immerhin ist das Abo rund 10 % günstiger, als das der großen Konkurrenz), aber es wäre eigentlich nicht schlecht, wenn es das auch noch gäbe, weil diese Teile einen großen Teil des lokalen Informationswesens ausmachen. Und mit der „Pforzheimer Woche“ kommen diese Teile nun samstags kostenlos von der Konkurrenz daher und ergänzen den „Pforzheimer Kuriers“ ironischerweise fast ideal.

Willkommen in der nächsten Stufe der Zeitungskrise

Und diese nächste Stufe muss man gar nicht mehr ankündigen, die „Pforzheimer Woche“ ist das Ergebnis dieser Stufe. Es geht in Sachen papierne Zeitung ums Eingemachte. Und das, was ich mal vor über zwei Jahren skizziert hatte, tritt nun ein. Es wird eng und eigentlich ist die letzte Gelegenheit, einen fast schon unmenschlich Akt zu vollbringen und die Veröffentlichungsstrategie zum schnellstmöglichen Zeitpunkt auf Online zu schwenken, schon fast verpasst.

Denn wer glaubt, die Pforzheimer Zeitung hätte sich im Internet schon ein veritables und festes Standbein geschaffen, irrt auch hier. Auch hier sind seit einigen Monaten die Zugriffszahlen im Abwärtstrend, allenfalls stagniert es. Käme man hier endlich mal zur Erkenntnis, die Leser der Website nicht nur mit Dünnschiss-Nachrichten abzuspeisen, sondern eben mit zumindest einem größeren Teil des echten Contents, dann könnte man hier zumindest einen Teil der Reichweite herüberretten, der im Printbereich verlorengeht.

Könnte. Wenn man wollte. Aber das glaube ich inzwischen nicht mehr.

Die gepfefferten IVW-Auflagezahlen der Regionalpresse.

Zu meiner quartalsweisen Lieblingslektüre gehören eine Reihe von trockenen Zahlen: Die IVW-Auflagezahlen für die Lokalpresse im und um Pforzheim herum. Und die haben es für den 3. Quartal in sich. Es geht nämlich konsequent abwärts.

Pforzheimer Zeitung

  • Auflagezahl von 42.418 auf 41.424 Exemplare (ein Minus von 2,34 Prozent)
  • Abonnentenzahl von 35.872 auf 35.303 (ein Minus von 1,59 Prozent)

Pforzheimer Kurier (Regionalausgabe der Badischen Neuesten Nachrichten)

  • Auflagezahl von 5,920 auf 5,747 Exemplare (ein Minus von 2,92 Prozent)
  • Abonnentenzahl von 4.004 auf 3.937 (ein Minus von 1,67 Prozent)

Und wer jetzt glaubt, dass hier vielleicht die elektronischen Abos die Zahlen verfälschen könnten – nada. Das E-Paper der Pforzheimer Zeitung hat ebenfalls verloren, nämlich einen Abonnent: Von 124 Abonnenten im zweiten Quartal blieben im dritten Quartal genau 123 (ein Minus von 0,81 Prozent).

Macht sich noch jemand anderes da draußen die quartalsweise Arbeit, seine Lokalblätter in Sachen Auflagezahlen zu messen? Ruhig mal schauen.

„Langzeitarbeitslose hängen“.

Von einem eher lustlos gemachten Lokalblatt erwartet man eher nicht, dass sie ihr Redaktionssystem im Griff haben. Das wäre zu viel verlangt, auch wenn sich die Pforzheimer Zeitung schon seit Jahren damit rühmt und sogar in Kinowerbung auf überaus peinliche Art und Weise damit prahlt, zu den „besten Zeitungen der Welt“ zu gehören – wenn freilich auch nur deshalb, weil die Drucktechnik irgendwelchen Verbandsstandards entspricht. Aber das hat man sicherlich einfach nur vergessen, als man die prosaischen Texte für die Werbung zurechtgesägt hat.

Das kaputtgehende und eigentlich schon weitgehend tote Paradigma der Printwelt ist ja das „gestern“: Was du heute in einer Tageszeitung kannst lesen, sind die Nachrichten von gestern. Und die sind im Zweifelsfall so aufregend wie die Flatulenz eines erkälteten Hundes.

Bessere Zeitungen versuchen dem entgegenzuwirken, in dem sie versuchen, ihre Redaktion so zu dressieren, dass der Newsroom (falls man denn noch einen hat) tagsüber die aktuellsten Nachrichten möglichst aktuell auf der Website vertickert und nebenbei mit einem Hintergrundbericht anfängt, das Thema wenigstens noch in der morgigen Ausgabe adäquat mit einem Hintergrundartikel und ggf. einem Kommentar zu verwursten.

Schlechtere Zeitungen sparen sich diese Arbeit und verbraten kurz nach Redaktionsschluss den Inhalt der morgigen Ausgabe noch schnell am Vorabend auf ihrer Website und dann gern auch noch – man hat ja ein einheitliches Redaktionssystem – ohne jegliche Überarbeitung, so dass eine eigentlich heute stattgefundene Tatsache am gleichen Vorabend auf der Website der Zeitung schon als „gestern“ erscheint, weil es eben der Text ist, der am nächsten Tag in der Zeitung erscheinen soll. Das ist in etwa so seriös wie eine Politesse, die neben dem aktuell ausgestellten Strafzettel noch einfach ein paar zusätzliche für zukünftige Delikte hinter den Scheibenwischer klemmt. Würde man sich nicht unbedingt bieten lassen, aber das Selbstverständnis vieler Tageszeitungen ist ja auch, dass man als Abonnent ja nur die gedruckte Zeitung kauft und deshalb auch nicht über die Nachrichten auf der Website meckern darf, weil ja die Website nichts kostet.

Dass Redaktionssysteme von Zeitungen, die nebenbei den gesamten Inhalt auf animalische und doch höchst effiziente Weise nach der Freigabe für die Druckerei den Inhalt noch schnell ins Internet auf die Website kacken können, erzeugt mitunter gelegentlich Probleme, die dem versierten Leser herzerfrischend zeigen, wer in der Redaktion heute wieder hinterherhinkt und sein Œvre auf den letzten Drücker abliefert. Nämlich dann, wenn offensichtlich der Redakteur vom Dienst einen Kommentar eines Redakteurs plant und im Redaktionssystem schon mal einen Artikel dafür anlegt. Diesen Platzhalterartikel veröffentlicht man natürlich nicht, was jedoch nicht automatisch davor schützt, dass man es, vielleicht versehentlich, doch tut. Und wenn man dann so einen Platzhaltertitel im Rohzustand mit Müll bestückt hat und nicht begreift, dass das hochmoderne Redaktionssystem beim feuchten Artikelauswurf ins Internet auch den hauseigenen RSS-Feed bestückt, passieren solche Dinge:

Da ich jetzt mal kühn annehme, dass die Pforzheimer Zeitung nicht zu den Anhängern von „endgültigen“ Lösungsansätzen bei Langzeitarbeitslosen gehört, wird der Platzhalterinhalt „Langzeitarbeitslose hängen“ nur die Kurzfassung der späteren Überschrift „Langzeitarbeitslose hängen in der Warteschleife“ sein. Nicht dass der Kommentar des geschätzten Herrn Klimanski zu den pulitzerpreisverdächtigen Werken gehören würde, aber „kommi1“ ist einfach mal in die Hose gegangen. Zumindest im Internet. So wie die vielen anderen „kommi1“ und restlichen Nachrichten von gestern/morgen/irgendwann.

„Der Tag wird gut“, so das Motto der Pforzheimer Zeitung. Ist ja egal, welcher.

Scheiße trifft Latrine.

Falls jemand aus Pforzheim und Umgebung noch einen Grund sucht, endlich einmal das eventuell noch vorhandene Abonnement der Pforzheimer Zeitung zu kündigen – hier ist es: Unser vollkompetentes Bumsblatt hat nämlich niemand anderen als Thilo Sarrazin zu einer „Lesung“ seines Buches eingeladen. Und weil es genügend „Ja-Aber“-Demokraten in unserer Stadt gibt, die in ihrer Ja-Aber-Zeitung das geeignete Fachmagazin gefunden haben, gibt es gleich zwei Lesungsvorstellungen am gleichen Tag, mit der vollmundigen Ankündigung, dass auch gleich noch ins Internet gestreamt und getwittert werden soll.

Scheiße trifft Latrine.

Scheiße kann man aus dem Weg gehen und das Abo mit der Latrine kann man kündigen. Denn mit Ihrem Geld wird offensichtlich auch gern mal ein gar nicht mehr so verkappter Rassist eingeladen und vermutlich im besten Hotel der Stadt einquartiert. Und damit der Bioreaktor auch schön in Fahrt kommt, erlaubt man sich einen Text als Aufmacher, der haarscharf an Volksverhetzung vorbeischrammt. Zitat:

Es ist schon ungewöhnlich, was sich am Montag im PZ-Forum tut. Dass ein Gast an einem Tag gleich zweimal auftritt, das hat Seltenheitswert. Thilo Sarrazin, ehemaliger Finanzsenator in Berlin, ehemaliger Bundesbanker, SPD-Mitglied und umstrittener Buchautor, macht’s möglich. Binnen kürzester Zeit waren seine Veranstaltungen um 16 und um 19 Uhr ausverkauft, das Interesse riesig.

Kein Wunder in einer Stadt, in der mehr als 21 000 Ausländer leben, die damit knapp ein Fünftel der Bevölkerung stellen. Die meisten stammen aus der Türkei – und damit aus einem Kulturkreis, den Sarrazin skeptisch beäugt. Im Enzkreis kommen weitere 13 479 Migranten hinzu.

In ihrem Todeskampf werden die Lokalzeitungen diejenigen, die alle guten Sitten und Rechte dieses Landes abwerfen. Sei es beim Leistungsschutzrecht oder eben beim politischen Nahkampf.

Das Jörg-Kachelmann-Schlachtfest.

Das Thema Jörg Kachelmann elektrisiert die Journallie. Noch immer scheinen es die Printmedien nicht verwunden zu haben, dass ihnen das Fernsehen in Sachen Aktualität den Rang abgelaufen hat. Umso schöner ist es deshalb, wenn mal einer dieser Moderatoren in irgendeinen Verdacht gerät und man ihn in der Boulevardpresse in Ruhe reißen kann, wie das die Raubtiere in der Serengeti tun. Prominentestes Beispiel der näheren Vergangenheit ist hier der ehemaligen Moderator Andreas Türck, der im Mai 2004 ebenfalls wegen Verdachtes auf eine Vergewaltigung angeklagt wurde, 16 Monate später aber aufgrund Zweifel an der Glaubwürdigkeit des angeblichen Opfers freigesprochen wurde. Seine Karriere als Moderator war freilich hin, denn hängenbleiben tut immer etwas – man muss nur lange genug Drecks durchs Rohr schieben.

Ich muss leider, auch wenn diese Themen hier im Blog extrem unbeliebt sind, wieder einen krassen Bogen zur Lokalpresse machen, denn heute morgen war der Blick auf die Website der Pforzheimer Zeitung wieder eine bedauernswerte Bestätigung dafür, dass man in der Bedienung der Promi-Guillotine weiterhin gern schneller ist, als mit der Verwendung des durchschnittlichen Journalistenverstandes.

Zutatenliste:

  • 1 dpa-Foto Jörg Kachelmann, etwas derangiert schauend, unfriesiert
  • 1 Anreißer mit eingebauter Fragestellung, in etwa mit folgender Intention: Behalten sie ihn noch im Gefängnis und wird da vor uns geschützt oder lassen sie das gefährliche Raubtier frei und er fällt gleich hinter dem Gefängnis die nächste Deutsche an?
  • 1 Bildergalerie mit sieben Bildern aus dem dpa-Bilderarchiv (Suchwort: „jörg kachelmann“)
  • 1 Link auf den ersten Bericht über die Verhaftung, mit einem Titel, der eine glatte Vorverurteilung darstellt („Wetter-Experte in U-Haft: Kachelmann ein Vergewaltiger“). Das Fragezeichen hinter „Vergewaltiger“ wurde immerhin gegen 13 Uhr dann noch nachgereicht.
  • 1 Link auf ein offensichtlich früher geführtes Telefoninterview („Sie rufen aus der Schweiz an.“) mit Jörg Kachelmann zum Thema Wetter in Pforzheim, immerhin aber mit griffig-universeller Überschrift.
  • 1 Leserumfrage zur Urteilsbildung

Zusammengeklickter, sensationsgeiler, Hirnfäule erregender Kloakenjournalismus für die Frühstückspause. Das ist wie wenn man als Redakteur zu einem Fahrradunfall noch ein, zwei Blutbeutel mitnimmt, damit wenigstens noch etwas Farbe ins Bild kommt und dann am Ende den Leser über die Schuldfrage entscheiden lässt. So einfach macht man Nachrichten. Defäkieren ist schwerer.

Thomas Satinsky wird geschäftsführender Verleger der Pforzheimer Zeitung.

Das Personalkarussel der Pforzheimer Zeitung hat sich nach dem Weggang des Chefredakteurs Jürgen Metkemeyer eine Zeiteinheit weitergedreht. Und das fürwahr überraschender, als erwartet, denn die bisherige Interims-Chefredaktion übernimmt die Chefredaktion dauerhaft und als geschäftsführender Verleger kommt ab 1. Februar 2010 Thomas Satinsky ins Verlagsboot, was bedeutet, dass der bisherige Verleger Albert Esslinger-Kiefer die Zeichen der Zeit erkannt hat.

Der Name Thomas Satinsky ist nämlich sicherlich ein Name, der in Pforzheim im Zusammenhang mit der Pforzheimer Zeitung nicht unbekannt ist, war er doch von 1998 bis 2005 Chefredakteur, bis er im Jahre 2005 zum Südkurier nach Konstanz wechselte. Dort war man mit dem Thema Online schon von Anfang an erheblich weiter und traute sich auch an größere Dinge heran, beispielsweise einem eigenen Online-Dienst, einer erheblich breiteren Berichterstattung im Web und stärkeren interaktiven Elementen. Sicherlich hinkt der Vergleich unter anderem deshalb, weil der Südkurier schon seit 1980 zur Holtzbrinck-Verlagsgruppe gehört und dahinter ganz andere Erfahrungsschätze stehen.

Wenn ich mal so die spontane Online-Konferenz der Pforzheimer Bloggeria richtig deute, schätzen nicht nur ich die Rückkehr von Thomas Satinsky zur Pforzheimer Zeitung als eine Art dringend notwendige Notbremse ein. Die IVW-Zahlen für die Auflagenstärke des vierten Quartals 2009 sind zwar noch nicht draußen, allerdings braucht es nur wenig Phantasie dazu, zu befürchten, dass die zuletzt dramatisch abstürzende Zahl der Abonnenten gerade so weitergeht. Eine sichtbare Online-Strategie lässt sich nach Jahren kaum ausmachen, von Versuchen einer Art „Online-Ausrichtung“ ganz zu schweigen. Vergeudete und kaum wiedergutzumachende Jahre, denn je länger eine Zeitung sich den Tatsachen des Medienwandels verschließt und je länger Abonnenten einer Zeitung den Rücken kehren, desto schlechter.

Zeitung lesen – und Reputation verlieren.

Dass sich ein Arbeitnehmer mit allzu offensiv zelebriertem Lesen der gedruckten Tageszeitung während der Arbeitszeit nicht unbedingt Freundschaften in der Geschäftsführung stärkt, ist unschwer nachzuvollziehen.

Enterprise-Lösungen von Anti-Viren-Lösungen haben neben dem reinen Virenscannen noch zusätzliche Absicherungsfunktionen, beispielsweise das Blocken von problematischen Websites. Solche Listen kann der Administrator bestücken, in der Regel werden die Inhalte aber von den Herstellern selbst bereitgestellt. So ist es für den Administrator möglich, beispielsweise Websites mit Malware, Pornografie, Sozialen Netzwerken etc. zu filtern. Davon kann man halten, wie viel man möchte – wenn der Arbeitgeber verfügt, dass bestimmte Inhalte geblockt werden sollen und das private Surfen eh untersagt ist, ist das zu akzeptieren.

Als Administrator in unserem Netz schaue ich mir gelegentlich mal an, was unsere Anti-Viren-Lösung so meldet. Und siehe da: Sie meldet aktuell eine Bedrohung, gemeldet vom URL-Filter (Screenshot für eine Großansicht anklicken):

Bedrohungsstatusmeldung in TrendMicro Worry-Free Business Security

Unter anderem gemeldet vom TrendMicro-Client auf meinem Rechner. Das weckt natürlich meinen Fahndungsinstinkt und ich schaue mal, was mein Client so loggt. Und es überrascht auf den ersten Blick (auch hier ein Klick auf den Screenshot für eine Großansicht):

URL-Filter-Log im TrendMicro Server Security Agent

Hübsch. Offensichtlich Pornografie, abgerufen von meinem Rechner. Sowas hebt die Stimmung in einem Beschäftigungsverhältnis ungemein. Für Arbeitnehmer, die sehr strenge Regeln für die Internet-Nutzung einhalten müssen, unter Umständen ein Problem, wenn der Chef sich mal die Logs anschaut. Aber schauen wir uns mal den URL genauer an.

Vom Aufbau her sind das API-Aufrufe, also vermutlich Aufrufe, die von externen Websites initiiert werden. So was hat man schon, wenn man Badges von Anbietern auf seine Homepage pappt, Suchboxen von Suchmaschinenanbietern, eine Facebook-Meldungsbox usw. Und wenn man sich den Anbieter, der da im Log geblockt ist, anschaut (Vorsicht, wenn ein Virenscanner läuft…), so sieht das schon weniger dramatisch aus, handelt es sich doch um eine eher mäßige Singlebörse. Dennoch, verniedlichen wir nichts: Wenn ein Arbeitgeber unbedarft an das Thema herangeht oder einen Mitarbeiter, der in die Falle getreten, auf dem Kieker hat, könnte das Ärger geben.

So, und wer verbrockt mir den untergejubelten Reputationsverlust? Wer sich im obigen Screenshot den URL näher anschaut, sieht recht schnell, wer die Lorbeeren für die Vermittlung kassiert, nämlich in diesem Fall die Pforzheimer Zeitung, die auf ihrer Website rechts im unsäglich langen Werbeblock ganz unten, gefühlte 40.000 Pixel tief, „Singles aus der Region“ feilbietet (die Gesichter habe ich ausradiert):

Screenshot einer eingebundenen Singlebörsen-Website

Wohlgemerkt: Man muss gar nicht das Formular ausfüllen und eine Suchanfrage nach Singles auslösen, um im Scanner-Radar aufzufallen, es genügt schon vollkommen, einfach mal ahnungslos die Tageszeitung anzusurfen. Die Voreinstellung des API-Aufrufes suggeriert sogar auch noch sexuelle Vorlieben, nämlich dass ich angeblich Männer oder Frauen suche, die zwischen 20 und 44 Jahre alt sind.

Personalien bei der Pforzheimer Zeitung.

Wenn Zeitungsverlage Personalien in eigener Sache zu vermelden haben, sind sie erstaunlich einsilbig. So einsilbig, dass man quasi nicht aus der am Freitagabend veröffentlichten Meldung zitieren kann, ohne Gefahr zu laufen, den gesamten Artikel, der aus geschlagenen zwei Sätzen besteht, zu übernehmen.

Die “Verlagsleitung” verkündet, dass Jürgen Metkemeyer, Chefredakteur der Pforzheimer Zeitung seit Juli 2005, “aus den Diensten des Verlages ausgeschieden ist”. “Interimsweise” übernommen wird die Chefredaktion vom bisherigen, stellvertretenden Chefredakteur und dem Chef vom Dienst.

Lokalpresse trifft Realität.

Einer der wirklich schönen Aspekte der Presselandschaft in Deutschland sind die IVW-Verbreitungszahlen. Jede Publikation, die etwas auf sich hält, meldet die Verbreitungszahlen ihrer Druckwaren quartalsweise an die IVW, so dass man als Werbetreibender oder als interessierter Laie sehr anschaulich sehen kann, wie die Branche unter Druck gerät. Richtig unter Druck.

Eindrücklich ist das an der Auflagen- und Abonnentenzahl der Pforzheimer Zeitung zu beobachten (die beiden oberen Graphen, wobei die oberste Linie die Druckauflage angibt, die gepunktete Linie darunter die Abonnentenzahl). Vom Hoch im 4. Quartal 2003 mit einer Druckauflage von 48.443 Exemplaren pro Tag ist man im dritten Quartal diesen Jahres mit 42.685 Exemplaren pro Tag inzwischen über 12 Prozent entfernt. Das wäre ja nicht unbedingt das große Problem, denn das ist die fallende Tendenz:

Diagramm IVW-Zahlen für Pforzheimer Zeitung und Pforzheimer Kurier

Der Pforzheimer Kurier als Lokalausgabe der Badischen Neuesten Nachrichten scheint inzwischen eine Art Sockel erreicht zu haben, wenn auch auf sehr niedrigem Niveau (im dritten Quartal eine Auflage von 6.179 Exemplaren pro Tag bei 4.069 Abonnenten).

Die Quasi-Nulllinie ganz unten bei der X-Linie stellt übrigens das Dilemma da, in dem die Verlagswelt eigentlich ihr Heil sieht: Das elektronische Exemplar der Pforzheimer Zeitung als Abonnement. Die Abonnentenzahl liegt im dritten Quartal bei 73 Abonnenten und fängt noch nicht mal ansatzweise das ab, was an Abonnenten der Printausgabe wegläuft. Im zweiten Quartal 2008 startete diese „e-Paper-Version“ mit 36 Abonnenten gegenüber damaligen 37.656 Print-Abonnenten. Macht also im Gegensatz zum 3. Quartal 2009 ein Plus von 37 e-Paper-Abonnenten gegenüber einem gigantischen Minus von genau 2.999 Print-Abonnenten.

(Online-Zahlen? Ja, gibt es, die sind aber meiner Meinung nach ohne weitere Aufbereitung nicht wirklich repräsentativ, weil die Pforzheimer Zeitung ihr Online-Forum einfach mitzählt.)