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Das kommende Ende des Internets, wie wir es heute kennen.

5. Dezember 2010 | 1 Kommentar | Veröffentlicht in Netzpolitik

Kurzum: Das Internet wird so, wie wir es heute kennen, mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit in mittelferner Zukunft nicht mehr so sein, wie wir es kennen. In Sachen Pessimismus bei Netzpolitik hat sich meine Stimmungslage in den letzten Monaten ja schon sichtlich ins Dunkle gewandelt, die letzten Wochen und Monate in Sachen Neufassung des Jugendmedienschutzstaatsvertrags haben meine größten Befürchtungen jedoch weitgehend bestätigt. Hinzukommt die Art und Weise, wie "hemdsärmelig" WikiLeaks erfolgreich von einzelnen Politikern bekämpft wird, was mir zeigt, dass es genügend gewählte Menschen in Demokratien gibt, die zur Wahrung ihrer eigenen Interessen keinen Moment zögern würden, global den "Internet-Stecker" zu ziehen. Zum Thema WikiLeaks werde ich nochmal gesondert bloggen.

Das Internet ist kein freiheitliches, vielleicht gar anarchisch wirkendes Netz mehr. Das ist alles verblümte Geschichte. In Wirklichkeit ist es schon verloren und es geht maximal nur noch darum, die schlimmsten Auswüchse dieser Entwicklung abzumildern. Harsche Worte.

Netzpolitik in der Zange der Inhaltsanbieter – und umgekehrt

Will man den aktuellen Stand der “modernen” Netzpolitik der deutschen Spitzenpolitik kartografieren, muss man ein politisches Feld des totalen Versagens und der vollständigen Inkompetenz aller Parteien konstatieren. Tatsächlich glaubte ich sehr lange, dass das darin resultiert, dass es einfach an fachkundigen Politikern fehlt. In der Zwischenzeit bin ich jedoch überzeugt, dass es zwar nach wie vor an fachkundigen Politikern fehlt, die moderne Netzpolitik jedoch inzwischen die gleiche Lobbysteuerung aufweist, wie sie in der Tabak- und Alkoholbranche seit Jahrzehnten üblich ist.

Anbieter von Inhalten haben in den letzten Jahren das Internet vor allem so verstanden: Wir stellen mal alles hinein und irgendwann wird schon ein Businessmodell herausfallen. Mit diesem Ansatz wurde schon ein ganzer Boom befeuert (der gute, alte Dot-Com-Boom), der Milliardensummen an Geld vernichtet hat. Tragfähige Businessmodelle sind freilich dabei kaum herausgesprungen.

Und so führte das für Inhaltsanbieter (und dabei ist es letztendlich egal, ob das Rechteinhaber von Nachrichten, Bücher, Musik oder Filmen sind) geradewegs ins Elend. Eine Galgenfrist lieferten die noch viel zu kleinen Internet-Anschlüsse und fehlende Komprimierformate, aber MPEG änderte alles.

Man könnte sagen: Selbst schuld. Doch so eine Feststellung macht man dann, wenn man an das Gute glaubt. Das ist bei milliardenschweren Wirtschaftszweigen eine naive Grundlage. Denn Meinungen zu kaufen ist in Branchen, die Meinungen verkaufen, sehr einfach. Gib’ du mir etwas Glamour und ich beschützte dein Biotop!

Ausnahmslos alle netzpolitischen Vorgaben lassen sich auf diese Haltungen und Lobbyarbeiten herunterdividieren und zurückführen. Netzsperren dienen mit ihrer aufzubauenden Sperrinfrastruktur später auch gern zum Sperren von anderen Inhalten als dem K.O.-Argument Kinderpornografie, Leistungsschutzrechte dienen zum Erhalt von so genannten “freien” Medien und wenn man all diese Vorhaben näher dahingehend betrachtet, wie sie denn technisch so umzusetzen wären, dass sie auch funktionieren, wird man schnell feststellen, dass es gar nicht darum geht. Es geht rein um die Kriminalisierung von Dingen, die die Leute verbocken, die zu dumm dazu sind, sich neue Businessmodelle auszudenken.

An Dreistigkeit gibt es da inzwischen keine ausgemachte Schweinerei mehr, die nicht denkbar wäre. Lobbyisten, die diese Tätigkeit stolz herumtragen, werden in Enquete-Kommissionen berufen und verstecken ihre Lobbyarbeit gar nicht mehr. Gewerkschaften wie Verdi werden knallhart mit Argumenten in die Leistungsschutzrechtsdebatte eingebunden, so dass man im Gespräch mit eher ahnungslosen Gewerkschaftlern teilweise so Aussagen zu hören bekommt, dass der ganze Berufsstand “wegen diesem Kostenlos-Internet” kurz davor stünde, in die Pleite zu rutschen. Und dem Politikbetrieb wird das alles damit verkauft, dass das Ende von Kunst, Kultur und Meinungsfreiheit grundsätzlich davon abhängen würde. Dass all die netzregulatorischen Maßnahmen, die sich Inhaltsanbieter wünschen, nichts anderes wie das teure Erkaufen von Zensurmaßnahmen sind, da hört man halt einfach weg. Da schreiben wir dann halt – bewährte Vorgehensweise – einfach nicht drüber und die paar Blogger und andere Schmutzfinken, die werden dann halt einfach kriminalisiert.

Hanebüchen. Es haut inzwischen niemanden mehr vom Hocker über die unfassbaren Umstände, wie freie Medien mehr oder weniger und vor allem immer weniger genieren, nach staatlicher Protektion zu rufen. Die vierte Gewalt im Staat, eine Begrifflichkeit, die auch heute noch bei gestandenen Zeitungsleuten zu einer langanhaltenden Erektion führt, verkommt zu einem Haufen armseliger Tropfempfänger und keinen scheint es wirklich zu stören.

Ich habe inzwischen aufgehört, davon zu reden, wie schlimm China, Iran, die Türkei und viele andere Länder das Internet reglementieren, regulieren und zensieren. Ich bin inzwischen fest davon überzeugt, dass die Europäische Union und auch Deutschland auf dem genau gleichen Weg sind. Schweinereien sind schließlich keine Schweinereien im ursprünglichen Sinne mehr, wenn alle Schweine geworden sind.

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Fiktive Redaktionskonferenz einer Lokalzeitung.

30. Januar 2010 | 2 Kommentare | Veröffentlicht in MedienWelt

Wir schalten uns mal live in eine fiktive Redaktionskonferenz einer x-beliebigen Lokalzeitung hinein, die gerade dabei ist, die Tageslosung auszugeben. Die einstündige Konferenz ist schon weit fortgeschritten, wir sind in den letzten fünf Minuten, die prinzipiell für die Online-Strategie reserviert ist.

Chefredakteur: “So, Zeitung haben wir durch, was machen wir denn online?”

Online-Chef: “So mal grob überflogen – das übliche. Den Aufmacher des Lokalteiles und des Sports, zweite Nachrichtenschiene mit dem gesamten Inhalt des Presseverteilers der hiesigen Polizei.”

Chefredakteur: “Sehr gut, sehr gut, sehr gut. Ihr wisst ja – weniger ist mehr, das Gute ins Töpfchen, das Schlechte ins Kröpfchen. Gibt es einen Kommentar, so für die Interaktivität?”

Online-Chef: “Ja, für den Aufmacher schreibt der Lokalredakteur noch einen Kommentar, wir haben ihm schon eine Seite reserviert und das auch schon auf der Homepage freigeschaltet.”

Lokalredakteur: “Hach, schön, dann steht das ja auch schon im RSS-Feed, beim letzten Mal stand da schon ‘Kommentar von Franz Biebelfratz muss hier hinein!‘, bevor ich den Kommentar fertiggeschrieben habe.”

Online-Chef: “Ja, Franz, dieses RSS-Ding macht ja auch einfach Spaß, besser als gelbe Klebezettel.”

Chefredakteur: “Wie sieht’s aus mit Bildern, Bilderchef?”

Bilderchef: “Für den Aufmacher fährt unser Fotofrontmann vor, der macht eh ein Bild für den Zeitungsartikel. Er bleibt mit dem Finger einfach etwas länger auf dem Auslöser als sonst und den ganzen Verschnitt blasen wir dann hoch.”

Chefredakteur: “Toll, diese moderne Technik. Früher mussten wir noch Filmmaterial kalkulieren und entwickeln, heute kann der Fotomann einfach den Finger auf dem Auslöser lassen.”

Online-Chef: “In Sachen Aktuelles pappen wir überregional den DPA-Ticker ein und schauen mal, was die Blaulichtkameraleute so an Unfällen auflesen und anbieten, das klopfen wir dann heute nachmittag noch rein.”

Chefredakteur: “Und was macht unser Filmteam mit seiner Handycam?”

Online-Chef: “Die gehen später noch raus und sammeln ein paar O-Töne von der Bevölkerung vor der Türe.”

Chefredakteur: “Cool. Zu welchem Thema?”

Online-Chef: “Keine Ahnung, ist aber auch unwichtig, wir können ja die Leute direkt fragen, was sie bewegt, die interessanteste Frage stellen wir dann gleich dem nächsten Passanten und frickeln da dann einen Beitrag bis Feierabend.”

Chefredakteur: “Wahnsinnsleute sind wir! Und was machen wir mit diesem Twitter-Dings und diesem Facebook?”

Online-Chef: “Da machen wir nix, das macht der Kollege Computer, denn das Redaktionssystem hämmert die neuen Artikel automatisch rüber.”

Chefredakteur: “Müssen wir da nicht noch etwas dazuschreiben oder etwas Community machen?”

Online-Chef: “Nein, nein, nicht erforderlich. Wir twittern ja schon in die Zeitung und wenn die Leute reden wollen, dann sollen sie unsere Polizeiticker-Artikel in unserem Forum kommentieren.”

Chefredakteur: “Hm, ist das nicht etwas schlechtgemacht? Die Leute könnten doch glauben, dass alles so furchtbar in unserer Stadt ist, weil wir nur die schlechten Sachen auf der Homepage haben?”

Online-Chef: “Nö, da passiert nichts. Und wenn die Leute in unserem Forum hitziger diskutieren, ist das doch egal, steigert doch unsere Zugriffsraten.”

Chefredakteur: “Sauber! Meinungsmache, wie in alten Zeiten. Los, Leute, gehen wir Meinung machen. Kaffee für alle!”

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Der WISO-Praxistest: Dicke Hose machen.

20. Oktober 2008 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in MedienWelt

Ich schau gerade einigermaßen entsetzt das WISO-Magazin im ZDF. Immerhin stand “WISO” einmal für “Wirtschaft und Soziales” und war ein fachlich fundiertes Magazin über eben Wirtschaft, Soziales und Arbeit. Der heutige WISO-Praxistest steht genau in dieser Tradition, wenngleich auch mit negativem Vorzeichen.

Man wollte nämlich einmal testen, ob das Äußere tatsächlich Menschen dazu bringt, Vertrauen zu schöpfen, ohne wirklich zu wissen, ob bei der Person auch die inneren Werte zum Äußeren passen. Da hätte ich doch jetzt erwartet, dass man einem Banker einen Schlabberlook verpasst oder ähnliches.

Nein, man hat den Redaktionspraktikanten genommen und ihn zu einem Hip-Hop-Star gemacht. Dazu hat man von einem “aufstrebenden”, echten Hip-Hop-Star eine Demo-CD eingespielt, für den Praktikanten eine hippe Autogrammkarte gebastelt und ihn unter anderem mit einer Strechlimo, einer Horde Leibwächter, einem Manager und zwei ZDF-Kamerateams in Einkaufszentren, Supermärkte, einem fetten Hotel und einem Friseur gebracht.

Ergebnis: Beim Bäcker gabs Schweineöhren und Kuchen aufs Haus, im Hotel die Suite zum Preis eines normalen Hotelzimmers, beim Friseur den (blutigen) Haarschnitt kostenlos. Und dazu noch ein paar Kids und Hausfrauen aufgenommen, die sich um die Autogrammkarten und CDs gerissen haben, als ob Rex Gildo eine Autogrammstunde gibt.

Coole Sache, da hatten bestimmt genug Leute turboaffengeilen Spaß, einmal auf dicke Hose zu machen, auf Kosten des Hauses und natürlich im Namen der Gerechtigkeit und des knallhart fundierten Praxistests. Der normale Mensch fasst sich allerdings (hoffentlich) an den Kopf und fragt sich, was Marcel Reich-Ranicki eigentlich gemeint hat. Ich meine: Der Alte hat sich geirrt, das Fernsehen ist nicht nur “fast” komplett hinüber, es ist schon längst verloren.

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