Google und seine dramatisch guten Bildverbesserungen.

Das Google Pixel 2 XL ist mein Haus- und Hof-Smartphone und mein tägliches Werkzeug für die Arbeit, die Organisation und letztlich auch für alle Redaktionsarbeiten, die ich mit meinem Stadtblog PF-BITS habe. Es kann Interviews in guter Sprachqualität aufzeichnen, ich kann alle Notizen auf dem 6 Zoll großen Bildschirm vernünftig tippen und die Kamera ist so gut, dass die dort gemachten Fotos in vielen Situationen mindestens so gleichwertig sind, wie wenn ich sie mit meiner etwas betagteren Nikon-SLR D700 mache (eine Kamera, die ich übrigens auch nach zehn Jahren immer noch sehr, sehr liebe).

In Sachen Smartphone-Fotos haut mich üblicherweise nicht mehr allzuviel vom Hocker, denn dazu sind die Kameras in Highend-Smartphones schon recht gut. Google hat das mit einem Update der Kamera-App auf dem Google Pixel 2 XL nun so getoppt, dass es mich dann doch umgehauen hat. Hier zwei Fotos, die zur gleichen Zeit gestern um 18:20 Uhr am gleichen Ort mit dem Google Pixel 2 XL gemacht wurden. Bitte auf die Bilder klicken, um sie in der Originalgröße anzuschauen.

Hier erst das Bild im normalen Kameramodus:

Und hier das Bild im neuen Nachtmodus:

Ganz ehrlich: Quantensprung. Der absolute Wahnsinn.

Google selbst schreibt, dass der Nachtmodus mit einer Reihe von hintereinander gemachten Bildern funktioniert, die dann von einer „künstlichen Intelligenz“ in Windeseile zusammengefügt und nachbearbeitet werden. Ergebnis sind Fotos, bei denen ich schon mächtig arbeiten müsste, um sie mit einer SLR der neuesten Generation zu fotografieren.

Sie ist da.

Meine Traumfrau. Blond, groß, intelligend, anspruchsvoll, unterhaltsam, witzig. Meine Nikon D700. Ich habe leider erst am Wochenende wirklich Zeit am Stück, so dass es heute, morgen und übermorgen bedauerlicherweise immer nur häppchenweise zum Ausprobieren reicht und das dann auch immer nur dann, wenn draußen die Große Lampe ausgeschaltet ist.

Kurzum: Es ist erstaunlich viel (analoge) F100 an der D700. Keine Motivprogramme, sondern Bedienung für Handwerker. Und erstaunlicherweise ist an der D700 praktisch alles dort, wo es bei der legendären F100 aufgehört hat. Ich habe jetzt nach eineinhalb Stunden Herumspielen noch nicht ein einziges Mal das Bedürftnis gehabt, das Handbuch auszupacken. Die Menüführung ist selbsterklärend, wenn man mal mit einer Digiknipse jeglicher Bauart längere Zeit in einem Zimmer verbracht hat. Der Rest ist nackte Fotografie und Blenden Arithmetik.

Das Display… mein lieber Scholli, das Display! 3,1 Zoll, ich komme mir vor, als ob das ein Fernseher wäre. In der Infoansicht gibt es die Informationen aus dem Systemdisplay, die bei mir schon so das Herz höher schlagen lassen. Die Bilderansicht ist jedoch so umwerfend, dass ich vor Staunen weglaufen und in der Heide Polka tanzen könnte. Es fehlt eigentlich nur noch ein eingebauter DVB-T-Empfänger und die obligatorische Google-Suchbox.

Was wirklich erfreut, ist die Systemtreue. Meine bisherigen Nikkor-Objektive – dank F-Bajonett und Formattreue zum Kleinbildformat kein Problem. Mein bisheriges Systemblitzgerät – passt wie angegossen und kommuniziert mit der Kamera, als ob nichts gewesen wäre. Selbst so Kleinzeug wie mein liebgewonnener Fernauslöser – passt und funktioniert. Und an einer ganz sensiblen Geschichte raunt vermutlich die halbe Welt der Nikon-Gemeinschaft auf: Der Deckel für den Objektivanschluß. Der ist nämlich von Hause aus tatsächlich „der stabile Schwarze zum Einschrauben“ und nicht mehr „der schlabberige Weiße zum Aufstülpen und leicht Verlieren“. Das war in der analogen Zeit immer der Gang nach Canossa für den Neubesitzer, denn „der Schwarze“ hat immer nochmal 12,50 DM extra gekostet, egal ob da ein Besitzer einer F90 oder einer superteuren F5 daherkam. Nach langen Jahren habe ich dann auch gelernt, dass der Besitz des richtigen Objektivdeckels (und das konsequente Nicht-Jammern darüber) der ultimative Proletentest ist. Dieses Unterscheidungsmerkmal gibt es nun wohl nicht mehr. Einen hochwertigen Schulterriemen gibt es auch hier, allerdings keine CompactFlash-Karte. So ganz hat man den Traditionen von Zuckerbrot und Peitsche dann wohl doch noch nicht abgeschworen.

Allerdings, man sollte es durchaus sagen: Man sollte schon wissen, wie Fotografie funktioniert. Das beste Mittel zur Abwägung ist da immer, dass man als Anfänger bzw. Wenigpeiler, der sich bisher eher an Motivprogramme hielt, sich mal zeitweise eine Kamera ohne dergleichen ausleiht und testet – wenn man denn jemanden findet, der freiwillig seine Kamera verleiht.

Nikon D700.

Auf Nikon war ja jahrelang in der Hinsicht Verlass, dass sie sich konsequent weigerten, in der Sparte der digitalen Spiegelreflexkameras bei der Größe des CMOS auf das Format 36 mal 24 Millimeter zu gehen, wie man es vom klassischen Kleinbildformat aus der Zeit des analogen Filmes noch kennt. Stattdessen wurde lange Zeit das DX-Format beworben, was deutlich kleiner ist und den unangenehmen Nebeneffekt hatte, dass sich bei vorhandenen Objektiven, die zwar über das F-Bajonett anschließbar waren, die Brennweite verlängerte. Mit der professionellen D3 und der semiprofessionellen D700 geht Nikon meiner Meinung nach wieder den korrekten Weg und nutzt für den CMOS das Kleinbildformat.

Ich gebe zu, es war wieder ein grober Fehler, die D700 getestet zu haben, denn sie ist eine überzeugende Kamera . Nikon-typisch gut durchdacht, einfach griffig, mit einem zusätzlichen Handgriff, der gleichzeitig als Akkupack dient, erweiterbar und da ist die D700 plötzlich dort, wo meine legendäre F100 ist: Nicht das allerschärfste Teil auf der Welt, allerdings mit nur wenigen Abstrichen auf einem hohen Level. Und meine F100 habe ich – obwohl ich aus Zeitgründen nicht sehr viel fotografieren konnte – in wirklich jede rotzige Pfütze reingehalten, die sich ergab: Keine Mucken. Ebenso die Nikkor-Objektive, die ja nun ein deutliches Stück teurer sind, als die Scherben der Dritthersteller, aber auch nach Jahren so funktionieren, wie am ersten Tag, ohne Wackeleien bei der Friktion.

Das wirklich Blöde an der Sache ist, dass ich als potentieller Käufer mit einer bestehenden Ausrüstung praktisch Null Verhandlungsbasis habe. Beim Kauf einer Kamerabodys und einem Markenobjektiv, das nicht gleich die letzte Scherbe ist, ist es üblich, dass man verhandeln kann. Beim Kauf meiner F100 waren damals zehn Prozent Rabatt drin, als ich den Body zusammen mit einem Nikkor 24-120 gekauft habe (einem übrigens wirklich universellen Zoom-Bereich).

Ich brauche aber weder ein Objektiv, noch brauche ich einen Blitz, noch brauche ich einen Trageriemen, noch brauche ich eine Tragetasche. Selbst mit dem allerletzten Notnagel, dem Schenken eines größeren Gutscheinpaketes für Film und Entwicklung, kommt man heutzutage im Zeitalter der digitalen Kameras nicht mehr sehr weit.

Mal abwarten und Tee trinken, es pressiert ja keinen Meter. 🙂