Warum am Flughafen eben nicht selektiert werden darf.

Im „Thilo-Sarrazin-Jahr“ vergeht ja inzwischen kaum noch ein Tag, an dem ich schon morgens bei der Nachrichtenerstlektüre auf dem iPhone eine ziemlich miese Laune bekomme, die dafür sorgt, dass der erste Morgenkaffee eher zum Blutdrucksenken beiträgt als umgekehrt. Mir geht dieses ewige „Darüber-müssen-wir-mal-reden-dürfen“ des Prekariates (und der Meinungsführer der intellektuelleren Bevölkerungsschichten, die die Debatten des Prekariates aus purem Eigennutz ordentlich befeuern) ziemlich auf den Zeiger, denn hier wird nur das mehr oder weniger hübsch verpackt, was wir in klarer Sprache so nennen sollten, wie es ist: Geschürte Ängste vor dem Blick über den eigenen Kleinsthorizont, purer Ausländerhass, vorurteilsbedingte Diskriminierung von Minderheiten. Um das Erarbeiten von Lösungsansätzen für nachhaltige Migrationspolitik geht es dabei kaum, denn schon im Buch des selbsternannten Erlösers Sarrazin sucht man was vergeblich? Genau, Lösungen. Als ob es einem nachweislich begnadet ungeschickten Politiker Thilo Sarrazin und anderen Populisten tatsächlich jemals um gesellschaftliche Lösungen im Konsens gehen würde.

Wenn ein „Flughafenverband“, der also nichts anderes wie eine Interessensvereinigung von wirtschaftlich denkenden, teilweise börsennotierten Flughäfen darstellt, eine Selektion von potentiellen Gefährdern fordert, um diese dann besonders gründlich zu filzen, dann hat das vielleicht auf den ersten Blick etwas mit Sicherheit zu tun. Bei jeder weiteren Betrachtung wird jedoch sehr schnell klar, dass man sich hier auf eine Scheindebatte einlässt. Schon der zweite Blick lässt die Frage aufwerfen, welcher Sicherheitsanspruch denn noch mehr Sicherheit bringen soll, wenn heutzutage ausnahmslos alle Passagiere gleich stark gefilzt werden und es nachweislich extrem wenige Sicherheitsverstöße gibt – dafür aber genügend Unmut gegenüber teilweise fragliche Sicherheitskonzepte.

Die Argumentation, dass man „potentielle Gefährder“ bei einer Selektion noch besser filzen könne, kann man daher kaum gelten lassen, eine „noch intensivere“ Kontrolle hieße, dass noch stärker in die Persönlichkeitsrechte des Einzelnen eingegriffen werden müsse, wie es heute ohnehin schon der Fall ist und das ist auch heute schon gang und gäbe – aber eben im konkreten Verdachtsfall, der vor Ort von echten Sicherheitsbeamten zumindest noch argumentiert werden kann. Viel übler ist bei so einer Argumentation jedoch der Unterton, der entsteht bzw. schon entstanden ist: Der „Araber“, der „Türke“, generell der „Moslem“, auf den müssen wir genauer hinschauen. „Falscher“ Nachname? „Terroristennase?“ Na dann ab in den „Spezialtunnel“. Und wenn das Flugzeug dann mal etwas länger zum Abdocken braucht, weil wieder genügend Hakennasen dabei sind, die durch den Tunnel müssen, dann wissen die restlichen Passagiere ja auch gleich, bei wem sie sich zu bedanken haben.

Glaubst du nicht? Dann schaue bei der nächsten Sicherheitskontrolle mal, wie du andere Mitreisende anschaust, die bereits heute stärker kontrolliert werden. Der arabisch aussehende Mitbürger mit möglicherweise deutschem Pass, der dank seines Bartes aber dann doch noch zusätzlich seine Schuhe ausziehen und durch den Röntgenapparat schieben soll. Die Frau im Schleier, die gesondert in den Nebenraum geführt wird, obwohl der Metalldetektor nicht anschlägt. Stimmt nicht? Na dann werde ich vermutlich einfach nicht korrekt gesehen haben, während viele andere dabei einfach nur weggeschaut haben.

So ist das schon heute. Vor dem Hass kommt der Unmut, davor die Angst und davor der geschürte Unmut. Funktioniert im Kleinen hervorragend und geht im Extremfall in vielen fein differenzierten Abstufungen bis zur „Endlösung“. Man muss es nur laufen lassen. Wenn nur noch der Name den Ausschlag für eine „Sonderbehandlung“ gibt oder gar ein nicht für die Öffentlichkeit nachvollziehbarer Algorithmus, der x-beliebige Daten aus aller Welt zusammenaddiert und daraus zufälligerweise eine gerade Zahl zieht, die das Lämpchen aufleuchten lässt, dann ist das in einer Gesellschaft, die Diskriminierungen dieser Art zu Recht verabscheut, völlig inakzeptabel.

Der im übrigen gar nicht dezente Hinweis auf Israel hinkt übrigens gleich an mehreren Stellen. Tatsächlich gibt es an israelischen Flughäfen die „Tunnellösung“ für unterschiedlich intensive Sicherheitskontrollen, allerdings obliegt die Entscheidungsgewalt darüber, wer durch welchen Tunnel muss, in den meisten Fällen den Sicherheitsmitarbeitern vor Ort, die vorab in den Warteschlangen die zu checkenden Passagiere ansprechen und anhand des Gesprächsverlaufs entscheiden, wer wie intensiv kontrolliert werden muss. Dies ist ein extrem personalintensiver Vorgang, der allerdings auch gar nicht anders geführt werden kann, wenn man wirklich aus menschlichen Regungen herauslesen möchte, ob jemand möglicherweise etwas Übles im Schilde führt oder nicht. Dass israelische Sicherheitskontrollen besonders billig seien, wäre mir zumindest neu. Dass sie allerdings effektiv und verhältnismäßig kurz und schmerzlos sind, man dabei sogar noch freundlich und gesittet ist und für all dies noch nicht mal irgendwelche Nacktscanner benötigt werden, bezweifelt kaum jemand.

So am Rande: Irgendwie ja ein toller Zufall, dass sich bundesdeutsche Flughäfen plötzlich so öffentlichkeitswirksam um die Sicherheit und den Komfort der Passagiere kümmert, obwohl sie vor einigen Tagen quasi reihenweise von noch nicht mal sehr schweren Schneefällen teilweise kläglich kapitulieren mussten. Ein Schelm, wer hinter dieser PR-Kampagne Böses wittert. Die Welt des Kapitals ist bisweilen recht einfach strukturiert, gern auch mal auf Kosten von gesellschaftlichen Grundrechten.

Wenn das alles denn mal so lustig wäre. Wer schamlos PR auf Kosten von Minderheiten macht, um von anderen, hausgemachten Problemen abzulenken. der hat Verachtung verdient. Nicht mehr und nicht weniger.

Wo bist du, Flugzeug?

Die Website radarvirtuel.com ist nicht erst, aber erst so richtig, durch die Aschewolke des isländischen Vulkanes Eyjafjallajökull bekannt geworden: Eine Website, die auf Basis von Google Maps eigene Layer mit offensichtlich genauen Positionen von Flugzeugen präsentiert. Wie funktioniert das aber?

Wir suchen dich nicht, sondern du sagst uns, wo du bist!

Die Überschrift sagt eigentlich schon fast alles. Jahrzehntelang war Flugüberwachung eine Geschichte, die ausschließlich per Funk und manueller Positionsangabe funktionierte. Der Pilot flog, schätzte in etwa, wo er war und gab das per Funk durch. Zur damaligen Zeit, als man noch nicht sonderlich hoch flog und im Himmel (und auf den Flugplätzen) nicht sehr viel passierte, war diese Methode recht brauchbar.

Die Erfindung des Radars verbesserte diese Situation dann schon gewaltig, denn nun konnten Flugsicherungen und Flughäfen tatsächlich schauen, was da oben im Himmel und unten auf dem Vorfeld tatsächlich passiert und das eben auch bei schlechtem Wetter oder nachts. Eine Radaranlage strahlte ein Radarsignal aus und anhand des Echos ließ sich dann alles beobachten, was sich oben im Himmel befand. Freilich brauchte man immer noch zwingend den Sprechfunk, um das fliegende Fluggerät zu identifizieren, aber das drohende Chaos im Himmel verbesserte sich deutlich.

Moderne Flugsicherung funktioniert immer noch per Radar und Sprechfunk, ist aber in den vergangenen Jahrzehnten erheblich verbessert worden. Selbst Kleinflugzeuge senden mit einem Transponder ihre Flugkennung aus, so dass auch die Identifizierung vollautomatisch passiert. Der Sprechfunk freilich ist immer noch die absolute Autorität.

Die Schwierigkeit dieses Verfahrens: Die Flugsicherungskapazitäten per Sprechfunk kommen an ihre Grenzen. Moderne Flughäfen wickeln Starts und Landungen im Minutentakt auf mehreren Bahnen gleichzeitig ab und die dazu erforderliche Koordinierung zwischen Flugsicherung und Flugzeug muss derzeit ausschließlich per Sprechfunk abgewickelt werden. Einfach jedes Flugzeug auf einem eigenen Kanal abzuwickeln, wäre zwar theoretisch denkbar, fällt aber schon deshalb aus, weil es ja nicht ganz unwichtig für parallel fliegende oder nachfolgende Flugzeuge ist, was da so nebenbei passiert. Der Trend führt also unweigerlich dazu, dass immer mehr Automatismen tatsächlich elektronisch kommuniziert werden müssen. Das muss nicht bedeuten, dass nur noch Maschinen untereinander kommunizieren, aber so Ansagen wie das Sinken einer Maschine auf eine niedrigere Höhe oder ein Kurswechsel lassen sich auch elektronisch mit Codes übermitteln und bestätigen.

Ein erster Schritt in diese zukünftige Entwicklung nennt sich Automatic Dependent Surveillance (ADS), mit dem die Positionsangabe des Flugzeuges automatisiert wird. Ein entsprechend ausgestattetes Flugzeug ermittelt dazu seine Position anhand eines GPS-Empfängers und stellt diese Information zusammen mit Fluginformationen bereit. Mit drei verschiedenen Übertragungsmodi wird dann sichergestellt, dass die Flugsicherung davon erfährt.

Ein Übertragungsmodus nennt sich ADS-B, wobei das „B“ für Broadcast steht. Ein Flugzeug, dass einen ADS-B-Sender an Bord hat, strahlt sekündlich seine Position und seine Fluginformationen aus, die dann von Flugsicherungen empfangen und ausgewertet werden können – aber eben auch von Funkamateuren.

radarvirtuel.com macht nichts anderes als die Visualisierung der Positionsdaten, die Datenlieferanten in verschiedenen Regionen der Erde per ADS-B empfangen und an radarvirtuel.com übermitteln und das alles weitgehend in Echtzeit.

Flughäfen – großes Kino!

Ich gehe gern auf Flughäfen. Seltener, um echte Flugdienstleistungen in Anspruch zu nehmen, sondern meist um Freunde, Be- und Verwandte dort abzuladen oder aufzupicken. Da ich aber ein gewisses Faible fürs Fliegen habe und diese bestimmte Aufregung liebe, die Menschen offenbar auf Flughäfen empfinden, kann ich mich da durchaus auch noch etwas länger aufhalten, ohne wirklich Langeweile zu verspüren.

Immer wieder großes Kino: Der Check-In-Schalter. Heute war es dann ein Pärchen, es gut bepackt mit Muskelmasse, sie die Diva. Beide fallen gar nicht so sehr auf, wenn Er nicht laut schimpfend durch die Halle stampfen würde:

„Schon geht’s los mit dir! Das kann ja ein schöner Urlaub werden! Mann, mann, mann!“

So laut, dass die Stimmenschar im Terminal 3 des Flughafen Stuttgart, der heute Nachmittag wirklich nicht leer war, hörbar leiser wurde. Sowas nennt man dann wohl auch „Auftritt!“

Das Dumme hierbei: Die beiden kommen aus Pforzheim und ich kenne die auch noch. Wir waren dann wenigstens alle so professionell und haben alle gemeinsam weggeschaut und auf die üblichen Hallo-du-auch-hier?-Zeremonien verzichtet. Diese hohe Kunst der Diplomatie rechne ich ihnen hoch an.

Im übrigen: Ein Kaffee am Flughafen Stuttgart = 3,80 Euro.

We’re watching you… maybe.

Was für einen effektiven Stellenwert hat die lückenlose Überwachung mit Kameras in sicherheitsrelevanten Umgebungen genau? Offensichtlich gar keinen. Das offenbart die Nachuntersuchung des Vorfalles am Münchner Flughafen und dem Passagier mit dem angeblich sprengstoffverseuchten Laptop. Der ist nämlich am Ende gar nicht geflüchtet, sondern laut der Auswertung der Überwachungskameras danach in einen Duty-Free-Shop und in ein Restaurant gewandert, unmittelbar in der Nähe der Sicherheitskontrollen.

Mit dem Skandal – denn nichts anderes ist die Sicherheitspanne wirklich – am Münchner Flughafen hat sich genau das gezeigt. An Orten, in denen die Präsenz von Sicherheitspersonal immer weiter aufgelöst wird und durch die Illusion einer angeblich funktionierenden, technischen Überwachung ersetzt wird, geht die Sicherheit so flöten, dass am Ende vermutlich jeder Halbaffe hineinspazieren kann. Abschrecken lassen sich nur noch die Idioten, der echte Terrorist pinkelt sich vor Glück in sein Höschen. Oder sprengt es gegebenenfalls dann später im Flugzeug.

Bis jetzt wackelt noch kein Posten eines Verantwortlichen. Es wird Zeit und sei es nur zur Abschreckung. Das macht man ja immerhin vortrefflich mit den Überwachungskameras vor.

Die Un-Security am Flughafen.

Als ich die ersten Meldungen über den Vorfall am Münchner Flughafen gehört habe, in denen stand, dass die Flughafen-Security am Münchner Flughafen möglicherweise einen Sprengstoffanschlag verhindern konnte, las sich das noch überraschend. Nun liest es sich eher schlapp, wenn man sich das mal anschaut, was für eine peinliche Nummer das war.

Es spaziert ein Flugpassagier in den Check-In am Flughafen. Er hat offensichtlich sein Ticket und seinen Personalausweis am Eingang gezeigt, denn sonst wäre er nicht bis zum zweiten Schritt gekommen, der Personen- und Handgepäckkontrolle. Der Passagier hatte ein Notebook dabei, das nochmal gesondert kontrolliert werden sollte.

An vielen Flughäfen ist die Kontrolle eines Notebooks relativ simpel – Notebook auspacken und gesondert aufs Röntgenband legen. Ist das Sicherheitspersonal nicht ganz so gelangweilt, hat man das Notebook einmal zu starten, so als ob ein Windows-Startschirm ein perfekter Indikator dafür wäre, dass in einem Notebook nicht noch zusätzlich ein kleines Päckchen Plastiksprengstoff eingepackt wäre (beispielsweise bei größeren Notebooks im Slot für eine eventuell zweite Festplatte oder einfach im Slot eines ausgedockten CD-ROM-Laufwerks).

Die einzig korrekte Prüfmethode ist tatsächlich ein Test nach eventuellen Sprengstoffpartikeln. Dazu wird mit einer Art Staubsauger das Notebook abgesaugt, die eingesogene Luft durch ein Filterpapier geleitet und dieser Filter in einem Analysegerät getestet. Ein Vorgang, der ca. 3 bis 5 Minuten dauert und der darüber hinaus auch noch zusätzlich Geld kostet und vom Sicherheitsunternehmen, das dies vornimmt, in Rechnung gestellt wird.

Offenbar kam man beim betreffenden Passagier mit seinem Notebook auch schon soweit und die Analyse schlug an. Das muss erst einmal noch nichts heißen, da solche Analysen verhältnismäßig breit greifen und beispielsweise schon Probleme anzeigen, wenn jemand nach einem Feuerwerk mit schwarzpulverkontaminierten Händen am Notebook arbeitet und diese Rückstände einige Tage und Wochen am Gerät verbleiben können. Im Prinzip sagt so eine Analyse auch nur aus, dass das betreffende Gerät und dessen Besitzer nochmal genauer unter die Lupe genommen werden müssen.

Und genau hier hat man in München kläglich versagt, denn der Passagier ist hastig weitergegangen. Ursprünglich hat er in den ersten Meldungen die Flucht ergriffen, inzwischen ist man sich gar nicht mehr ganz so sicher, ob der Passagier nicht eventuell aufgrund eines kurz bevorstehenden Fluges die Nase voll hatte und die Sicherheitsprüfung einfach auf seine eigene Faust hin beendet hat. Dann wäre das tatsächlich ein Skandal, denn was nützt eine Sicherheitsüberprüfung, wenn jeder, der möglicherweise verdächtig ist, einfach so weitergehen kann?

Vor allem zeigt es eine Sache: Die immer stärkere Dezentralität der Flughafen-Security erzeugt immer bizarrere Blüten. Der Staat vergibt seine eigentlich von ihm auszuführende Arbeiten immer weiter an Unternehmer und Subunternehmer, der Sicherheitsvorgang ist eine Frage der Preisklasse geworden und dann passieren eben auch mal so Dinge, dass keiner so recht weiß, was da eigentlich passiert. Die eigentliche, höchst spannende Frage wird sein, wer die Zeche  zahlt, wenn am Ende doch noch der betreffende Passagier gefunden wird.

Absurdistan ist gar nicht so weit weg, es beginnt überall da, wo der Staat anfängt, sich zurückzuziehen und mit angeheuerten Sicherheitsunternehmen, deren Mitarbeiter Hunderlöhne verdienen und Stundenzeiten ansammeln, die kein Beamter jemals ansammeln würde, versucht, die entstehende Sicherheitslücke auszufüllen. Auf der Strecke bleibt: Die Sicherheit. Aber immerhin wissen wir immer häufiger dann später, wenn möglicherweise dann tatsächlich der Sprengstoff hochgeht, anhand einer der tausendfach installierten Kameras und deren Aufzeichnungen, welche Krawatte der Terrorist hatte.

Mit dem USB-Stick am Flughafen.

Bei meinem Kurzbesuch in Berlin vor drei Wochen ist mir an den Flughäfen Stuttgart und Berlin-Tegel bei der Personenkontrolle mit ziemlicher Überraschung aufgefallen, dass sich niemand der Sicherheitsleute für meinen aluminiumummantelten, inzwischen nicht mehr beschrifteten und im Durchleuchtungsapparat nicht durchleuchtbaren USB-Stick interessiert hat. Könnte man problemlos ein paar Gramm Plastiksprengstoffmasse drin verbauen oder gar ein kleines Taschenmesser zum Aufklappen.

Wie die Jungs am Bildschirm im übrigen erkennen wollen, ob sich in den Zellen eines Notebookakkus tatsächlich die stromspeichernde Masse befindet oder Plastiksprengstoff, wird mir weiterhin ein klaffendes Rätsel bleiben. Wirklich sicher fühle ich mich deshalb nach wie vor nicht.

Flughafereien.

Ich bin ja beim Autofahren keiner, der es besonders hektisch nimmt. Meine Fahrweise ist streng pazifistisch-defensiv, ich behalte gern den Überblick, lasse andere Leute einscheren und fahre deshalb auch nicht unbedingt daneben. Deshalb war das Abholen eines Bekannten vom Frankfurter Flughafen eher eine kleinere Mission.

Allerdings wird – wie immer – am Frankfurter Flughafen wieder kräftig gebaut. Ich bin also sicherheitshalber in einer der vorderen Parkhäuser hinein, bis ganz nach oben, habe ein Ticket gezogen und bin streng den Schildern nach, um eine geeignete Parkbucht zu finden. Einmal sechs Stockwerke hinauf, seltsamerweise dann plötzlich wieder sechs Stockwerke hinunter, etwas Slalomfahren zwischen den Häusern und plötzlich stand ich an der Parkhausausfahrt, dummerweise mit einem unbezahlten Parkticket.

Überraschenderweise – und das werde ich mir sehr gut merken – hat der Automat an der Schranke dieses unbezahlte Stück Parkausweis anstandslos angenommen. Und also einmal rund um den Bottich und einen zweiten Anflug genommen. Und es gibt tatsächlich an einer Stelle eine richtige Fehlleitung von ankommenden Autos und der nicht vollständig aufmerksame Autofahrer kommt tatsächlich in die Exit-Lane, die kilometerlang ist und auf der er dummerweise ohne Wendemöglichkeit bis zur Ausfahrt geleitet wird. Finde ich schon sehr interessant, dass das den Verkehrsplaner ausgerechnet am Frankfurter Flughafen passiert, denn gerade den Flughafen mag ich von der Verkehrsanbindung wirklich sehr. Wer jemals am Terminal 2 jemand abholen musste, hat in fünf Minuten einen Parkplatz und ist in fünf Minuten auch wieder draußen.

Im Übrigen bin ich heute Panzer in Form eines Opel Zafira gefahren. Eigentlich eine hübsche Familienkarre mit Stauraum, in dem wir zu viert mit sicherlich 60 Kilo Gepäck, einem Kinderwagen und einem Snowboard Platz fanden, ohne dass es jemandem zu eng wurde.

Der Baden-Airpark.

Ich habe heute morgen meine Mutter und meine Schwester zum Baden-Airpark gefahren, da sie einen Kurztrip nach London unternehmen möchten. Gut, wenn Leute viel Zeit haben, können sie gern von Provinzflughafen zu Provinzflughafen fahren, immerhin hat man so genügend Zeit tiefe Freundschaften mit Mitfliegern/-fahrern aufzubauen.

Was Provinzflughafen bedeutet, dämmerte mir, als ich versuchte, heute morgen im Navi den Flughafen zu finden. Die Kombination „Karlsruhe“ und „Flughafen“ passte nämlich nicht. „Baden-Baden“ und „Flughafen“ übrigens auch nicht. Der Versuch, mit der Kartenansicht zum Flughafen zu blättern, scheiterte daran, dass ich ihn auf der Karte nicht finden konnte. Also Blindflug bzw. -fahrt.

Von der Autobahn geht es bei der Ausfahrt Baden-Baden ab, rechts nach Hügelsheim. Einem Dorf mit Blitzer, Bäcker, vor dem bei meiner Vorbeifahrt eine Schülerin spontan erbrechen musste, einer Kreissparkasse, einer Kirche und ein paar Häusern. Und nach dem Dorf geht es dann links ab zum ehemaligen Gelände des kanadischen Militärflugplatzes, der nun eben der Baden-Airpark ist. Der übrigens aus gutem Grund nicht „Flughafen“ heißt, denn das wäre der Gipfel der Unterhaltung – ich finde den Baden-Airpark nämlich ungemein unterhaltsam.

Als erstes sieht man während der Hinfahrt auf dem Flughafengelände eine Eishalle, ein Tauchergeschäft, einen Lettershop, ein Express-Paketversender und einen Spezialisten für Geländefahrzeuge. Auf dem Gelände sieht man noch die Hangare der früher hier stationierten Kampfflieger und dann geht es rechts und wieder links und dann steht man schon vor dem Terminal. Das gefühlte 100 Meter lang ist und damit so groß ist wie zwei Parkdecks des Frankfurter Flughafens. Und – es gibt keine Abflug-Ankunft-Klackertafel, wie auf jedem Flughafen, der sich als Flughafen sehen lassen will.

Tritt man in das Terminal, sieht man zur Linken erst einmal die Warteschlange für das Einchecken, heute morgen schlappe 20 Meter lang. Weil es nur einen Eingang gibt, zwei Röntenapparate und Passagiere für zwei Flugzeuge mit ryanairartig-typisch viel Handgepäck. Zur Rechten ist die Flughafenbäckerei, mit einer Scheibe durchtrennt, für die Leute die eingecheckt sind und der Rest der Außenwelt. Nebendran ist übrigens eine offen stehende Tür zu den Räumen hinter der Bäckerei und auf der anderen Seite steht auch die Türe auf. So viel zum Thema Sicherheitsbereiche.

Man kann aber, wenn man Lust und Zeit für die Verhöre danach hat, auch direkt aufs Vorfeld fahren, denn neben dem Terminal ist offensichtlich eine Baustelle, die Baustelleneinfahrt offen. (Nachträglich korrigiert, die getane Aussage ist definitiv nicht korrekt.) An anderen Flughäfen stehen da gern mal Polizisten mit Maschinengewehren.

30 Minuten Parken ist übrigens umsonst und das selbst bei den Parkplätzen direkt vor dem Terminal. In Stuttgart löhnt man da schon 3 Euro für die erste Stunde. Dafür kostet beim Bäcker drei Milchkaffee und ein Schokocroissant schlappe 11 Euro. Wenigstens da ist man mit anderen Flughäfen auf einer Linie.

Und für alle diejenigen, die per Navi zum Baden-Airpark müssen: „Rheinmünster, Airport Boulevard“ 🙂