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Etwas Krieg geht immer!

22. April 2013 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in PolitikWelt

Es kommt in den letzten Wochen immer wieder vor, dass ich meine SPD-Gesinnung und Parteimitgliedschaft verstecke. In Gesprächen war ich normalerweise immer jemand, der sehr klar dazu stand, ein SPD-Parteibuch zu besitzen. Aktuell schäme ich nicht zwar immer noch nicht dafür, aber ich bin es leid, dass so ein Gespräch sofort zum SPD-Generalthema umspringt: “Na, euer Kanzlerkandidat ist aber nicht so der Burner, oder?”

Nee, ist er nicht, war er nie und wird auch nie werden. Habe ich auch schon mal im Dezember gebloggt und leider hat sich seitdem nichts, aber auch rein gar nichts gebessert. Die Zahl der Fettnäpfchen, in die Peer Steinbrück hineintritt, ist zwar kleiner geworden, was aber daran liegt, dass man ihn von vielen Fettnäpfchen erfolgreich fernhalten kann. In die, die er dann doch noch erreicht, tritt er dennoch mit unnachahmlicher Präzision und Getöse und erzeugt “Shitstorms” von gewaltiger Größe, die nur deshalb nicht mehr ganz so saftig aufschlagen, weil auch genügend Journalisten “einfach keine Lust mehr darauf haben, den Steinbrückschen Dreck zu dokumentieren” (O-Ton eines befreundeten Journalisten).

Das, was heute auf seiner Facebook-Seite von ihm erschien – er schreibt ja dort, auch wenn eben nur handschriftlich – war wieder so eine Peer-Nummer, die sicherlich irgendwie gemeint war und vielleicht sogar ironisch, aber leider nichts von alledem trug (Anklicken zur Großansicht):

Peer Steinbrück Zitat "Manchmal ist Kavallerie besser als Diplomatie"

Dass die SPD das verlogene Steuerabkommen der schwarz-gelben Bundesregierung mit der Schweiz mit absägte und im Bundesrat verhinderte, ist grundsätzlich eine gute Sache. Das Abkommen in der ursprünglichen Form ist unbrauchbar, weil es Steuerstraftaten nicht sinnvoll ahndet, sondern Steuersündern eine elegante Chance bietet, weitgehend anonym einen Teil ihres Geldes sauberzuwaschen. So kann Steuergerechtigkeit in der Tat nicht funktionieren.

Steinbrück wäre nicht Steinbrück, wenn er es nur mit Tatsachenpolitik und langweiligen Forderungen belassen würde. So einen Staatsmann ohne heißatmigem Witz und bräsigem Humor kann es mit ihm nicht geben. Und so griff er noch in die reichhaltigst bestückte Schatulle mit peinlichen Steinbrück-Zoten und nahm Bezug auf seine frühere Drohung, dass man in die Schweiz auch mit der Kavallerie einlaufen können, wenn die Eidgenossen nicht spuren:

“Manchmal ist Kavallerie besser als Diplomatie.”

Ganz klar: Das ist ironisch gemeint, darauf komme sogar ich. Allerdings: Will ich einen Bundeskanzler, der so einen Satz loslässt und für den Krieg irgendwo doch tauglich ist, wenn auch nur als fauliger Witz? Oder, wenn man das alles mit gutem Willen und rosaroter Brille auf den ironischen Kern herunterbügelt: Ein Kanzler, der für sich die Meinung aufrechthält, dass Poltern manchmal besser ist als Diplomatie? Und das macht dann im Endergebnis Steuergerechtigkeit?

Peer Steinbrück ist ein Undiplomat, so viel wissen wir nach fünf Monaten Spitzenkandidatur inzwischen. Wenn man das schon ist und wenn man auch schon das Glück hat, dass einem die halbe Partei blindlings in den Untergang folgt, dann sollte man das vielleicht einfach mal nicht so deutlich schreiben und meinen.

Krieg ist niemals besser als Diplomatie. Selbst im Spiel nicht, denn da ist die Diplomatie immer künstlich ausgeblendet. Was aber Krieg immer bedeutet, ist der Umstand, dass es immer auch Unbeteiligte trifft, egal was für ein Krieg auch immer das ist.

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Warum Lebensmittelbetrug nicht zu Geschenken führen darf.

24. Februar 2013 | 2 Kommentare | Veröffentlicht in PolitikWelt

Zur Zeit wabert ja die Diskussion durch das Land und durch das Web, ob man Lebensmittel, die aufgrund von falschen Deklarierungen unverkäuflich sind, anstatt vernichtet nicht lieber an Bedürftige verschenkt werden sollten. Eine, wie ich finde, unsägliche Pseudodiskussion, die durch so Demagogen wie Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel auf fast schon sträflich dumme Weise befeuert wird. Aber fangen wir von vorn an.

Sind falsch deklarierte Produkte denn schlimm?

Es gibt bei der Diskussion um Nahrungsmittel, die anstatt reinem Rindfleisch auch noch signifikante Mengen von nicht deklariertem Pferdefleisch, zwei Komponenten: Die Nahrung selbst und das Versprechen über den Inhalt.

Logischerweise ist für den Konsumenten eines Tiefkühlproduktes nicht ohne weiteres nachprüfbar, was wirklich in einem Nahrungsmittel steckt, geschweige denn zuverlässig kontrollierbar. Er muss also dem glauben, was auf der Produktbeschreibung steht. Steht da, dass Rindfleisch verarbeitet wurde und steht da nicht, dass Pferdefleisch drin ist, dann darf und muss der Konsument davon ausgehen können, dass eben Rindfleisch drin ist und kein Pferdefleisch. Stimmen diese Angaben nicht, dann ist das Produkt falsch deklariert.

Nun könnte man sagen, gut, deklarieren wir es einfach um und gut ist. Nein, es ist nicht gut. Die ursprüngliche Falschdeklarierung erfolgte irgendwo auf dem Weg zwischen Tier und Tiefkühltruhe wissentlich und nicht versehentlich. Es wurde nicht aus Versehen an irgendeiner Stelle der Produktionskette Pferdefleisch beigemischt, sondern mindestens eine Person muss davon gewusst haben, dass hier gelogen wird. Und damit ist Vorsatz im Spiel und das macht die ganze Geschichte besonders verwerflich.

Denn das große Problem bei diesen Produkten ist nun, dass eigentlich keiner so recht weiß, was für eine Art Pferdefleisch darin ist. Fakt ist, dass in Rumänien bis vor kurzem eine Überkapazität an Pferdefleisch existierte, da durch das Verbot von Kutschen im Straßenverkehr (!) eine offensichtlich größere Menge von Pferden, Gäulen und Kleppern mangels Notwendigkeit ihren letzten Weg in Richtung Schlachthof antreten mussten. Niemand kann und konnte wissen, was für Pferde da im Wolf landeten, was auch letztendlich dadurch bewiesen wurde, dass die einkassierte Tiefkühlkost schnellstmöglich nach bestimmten Medikamenten untersucht wurde, um nicht noch das Problem zu haben, dass Menschen, die entsprechende Nahrungsmittel bereits gegessen hatten, vielleicht krank davon werden konnten. Das alles unterstreicht keinesfalls das Vertrauen auf uneingeschränkt zuverlässige Zutaten und daraus hergestellte Produkte.

Sprich: Die einkassierte Tiefkühlkost ist unverkäuflich und unverschenkbar, weil sie Produkt eines Betruges sind, der gefährlicher, verwerflicher und strafbarer nicht sein kann. Bedenken wir immer: Die, sagen wir es deutlich, Scheiße, die da verschenkt werden soll, sollte eigentlich in Ihrem Magen landen und dafür sollten Sie sogar noch Geld bezahlen.

Die Frage nach der Moral.

Das, was Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel und andere Politiker in den eher dunkleren Hinterbänken des Deutschen Bundestages in den Raum werfen, ist die Frage nach der Moral. Darf man an sich gute Lebensmittel wegwerfen und sollte man sie nicht lieber an Bedürftige verschenken? Nun: Im Prinzip sollte man das nicht, aber im Prinzip muss man das. Und zwar aus mehreren Gründen:

Wir sind ein Sozialstaat und kein Almosenstaat. In einem Sozialstaat ist die Grundregel die, dass jeder, der in diesem Staat lebt, das so tun kann, dass es würdig der menschlichen Existenz ist. Dazu gehört, dass jeder arbeiten kann, jeder ein Dach über dem Kopf hat, etwas zu essen hat und bei Krankheit zum Arzt gehen darf. Dafür sorgt man in einem modernen Staat in der Form, dass jeder, der Bedürftig ist, weil er für eine der obigen Punkte nicht sorgen kann, dass er entweder Geld oder geldwerte Leistungen bekommt, die es ihm ermöglichen, auf einem Mindestmaß eine würdige Existenz zu sichern.

De facto bedeutet es für einen Sozialstaat, dass dieser Staat planen soll (und kann), wie viele Bedürftige es gibt und was diese Bedürftigen dann für entsprechende Mittel benötigen. Das kostet unterm Strich dann eine bestimmte Menge Geld und die bringen wir, die von alldem, was Menschenwürde bedeutet, genügend haben, auf und unterhalten diesen Staat.

Der Almosenstaat im Gegenzug ist ein Staat basierend auf Mitleid und Bettelei. Hier gibt es naturgemäß keine Menschenwürde, sondern Prostitution. Nur wer bettelt, bekommt was in den Topf und wer geschickter bettelt, bekommt seinen Hunger vielleicht eher gestillt als jemand, der noch nicht einmal mehr betteln kann. Auf der anderen Seite ist für die Geber ein Almosenstaat auch ganz praktisch, denn hier “kann geholfen werden, wo geholfen werden muss”, was natürlich in der Realität immer nur heißt, dass da geholfen wird, wo es für den Spender am schönsten, am schaurigsten, am wärmsten ist).

Im Falle der Pferdefleisch-Lasangnen-Phalanx und der Forderung nach Schenkens dieser Lebensmittel an Bedürftige ist das genau so eine Frage. Was sollen bitte die paar tausend Kilo Pferdefleisch-Lasagne in einem Sozialstaat bezwecken, außer als einmalige Almosen fungieren, die vielleicht gerade mal ein paar Tage die hungrigen und bedürftigen Mäuler im Lande versorgt? Nichts.

Was Hinterbänkler und ausgerechnet Superhirn Dirk Niebel fordern, ist nichts anderes wie Umdeklarierung von Betrugsware in Almosen. Und ich tue mich sehr schwer damit, Dirk Niebel nicht zu unterstellen, dass er diese Diskussion aus rein demagogischen Gründen angezettelt hat. Zumal Dirk Niebel als Bundesentwicklungsminister noch in der delikaten Situation ist, dass er ja eigentlich Mitglied der Regierungstruppe in Berlin ist, die eigentlich mit einem funktionierenden Regelwerk dafür sorgen sollte, dass solch großangelegten Straftaten wie eben falsch deklarierte Lebensmittel, nicht passieren.

Was kann nur die richtige Strafe sein?

Die richtige Strafe im Falle von Lebensmittelbetrug kann nur lauten, dass bei der “Verwertung” der Lebensmittel gezielt unmoralisch gehandelt wird, nämlich zunächst mit einer ersatzlosen Vernichtung der entsprechenden Lebensmittel. Vernichtung von an sich genießbaren Lebensmitteln ist selbstverständlich zu verachten und unmoralisch, doch die entsprechenden Schuldgefühle sind nicht bei der Gesellschaft anzusiedeln, die eigentlich mit dem Fraß betrogen werden sollte, sondern bei den Herstellern der entsprechenden Produkte. Die haben die Scheiße produziert, nicht ich oder Sie.

Und es gibt auch keinen Grund für Schuldgefühle bei der Frage, ob man denn für so wenig Geld überhaupt gute Produkte erwarten könnte. Wer Essen nicht für jeden billigen Preis produzieren kann, muss es schlicht bleiben lassen und darf nicht aus Wettbewerbsgründen einfach unbezeichnete Scheiße ins Essen rühren, damit es wenigstens so aussieht, wie Essen.

Nein, Produkte aus Betrügen und organisiertem Verbrechen haben nach einer Beschlagnahmung nichts, aber auch rein gar nichts mehr auf irgendeinem Markt zu suchen. Weder bezahlt noch geschenkt. Die Fragen der Moral sind an die Absender des Betruges zu richten und die Urheber der Straftaten müssen mit empfindlichen Strafen bedacht werden, die im übrigen – wenn die Strafen in Form von Geld gebüßt werden müssen – unmittelbar auch dem Staat und damit der Gesellschaft an sich zugute kommen.

Was wird passieren?

Natürlich werden die beschlagnahmten Lebensmittel keinesfalls mehr den Weg aus den Lagern finden, außer über einen Brennofen. Denn die betroffenen Discounter, deren Ware und Namen hier zur Disposition stehen, wissen sehr genau, was es bedeutet, ein Versprechen nach authentischen Produkten zu geben und dann auch halten zu müssen.

Würde ein Discounter auch nur eine einzige Packung der betroffenen Ware verkaufen oder verschenken, wäre dieses eh schon arg strapazierte Versprechen wissentlich gebrochen und das wäre kaum mehr kommunikativ abzufangen oder zu argumentieren. Glücklicherweise funktioniert hier die Moral, auch wenn man sich wünschen würde, dass das auch am Anfang der Lieferkette funktioniert hätte.

Und, Dirk Niebel?

Dirk Niebel ist ein Würmchen an Politiker, dem für die kleine Show zwischendurch, eindrucksvoll bewiesen, nichts zu schade ist. Auch wenn die FDP ja grundsätzlich dafür steht, so wenig Staat wie möglich zu haben (und damit auch so wenig Sozialstaat wie möglich) und eine Almosenkultur zumindest programmatisch anstrebt, so kann ich mir nicht vorstellen, dass die Haltung von Dirk Niebel in großen Teilen der FDP eine Zustimmung findet. So schreiend furchtbar und entsetzlich unsozial sind nur die wenigsten. Es ist schlimm genug, dass so ein Mensch Politiker ist, noch schlimmer, dass so ein Mensch Minister ist und eigentlich unhaltbar, dass so ein Mensch ausgerechnet Bundesentwicklungsminister ist – zuständig für Entwicklungsarbeit im Ausland.

Und nein, selbst wenn Dirk Niebel sich jetzt öffentlichkeitswirksam an den Küchentisch setzen würde und sich dabei filmen ließe, wie er herzhaft und lächelnd in ein frisches Stück Pferdefleisch-Lasagne beißt (was er kaum tun wird) – von der Gesellschaft zu fordern, nicht verkäufliche und beschlagnahmte Lebensmittel an Arme zu verteilen, die kaum das Essen ablehnen werden, obwohl es eigentlich unappetitlich ist, das ist unsäglich schlimm. “Esst doch Kuchen, wenn ihr kein Brot kaufen könnt.”

Gut, dass im Ausland Niebels Worte nicht sonderlich auffallen und seine Forderung hoffentlich nur als Randnotiz der obszönen Treppenwitzkultur eines halbbegabten Politikers, der sehr anschaulich auch ganz gern isst, in Erinnerung bleibt.

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Lieber Peer Steinbrück, …

6. Dezember 2012 | 4 Kommentare | Veröffentlicht in PolitikWelt

… einleitend: Ich mag dich nicht. Weder als Mensch mit deiner polternden Art, noch als Politiker. Das dürfte dich nicht weiter stören – mich auch nicht.

Dass ich deine designierte Spitzenkandidatur in der SPD zur Bundestagswahl 2013 für falsch halte, habe ich an benachbarter Stelle schon mal geschrieben. Ein neoliberaler, bankenfreundlicher, polternder Ex-Finanzminister, der neben seinem eigentlichen Hauptjob als Bundestagsabgeordneter noch munter Millionen scheffelnd über die Sprecherbühnen des Landes klettert und Genossen, Menschen und Journalisten gleichermaßen regelmäßig vor den Kopf stößt, ist keine wirklich innovative Personalentscheidung einer Partei, die sich anschickt (ja anschicken muss), eine Bundesregierung vom Thron zu heben, bei der das Wort “Unfähigkeit” auf den Ministerstirnen steht.

Anyway … egal. Es ist nicht mein Problem. Ich bin nicht in der Verlegenheit, dich am nächsten Sonntag auf dem Bundesparteitag als Delegierter wählen zu müssen, denn da hätte ich es nicht getan. Einem Mitgliederentscheid geht unsere Parteiführung trotz ständigen Befürwortungen ja wieder einmal aus dem Weg. Sie wird wissen, warum.

Was mich jedoch maßlos entsetzt und ärgert, ist deine Instinktlosigkeit, auch nach der Verkündung deiner Kandidatur zum Spitzenposten, die ja eigentlich mangels Gegenkandidat keine richtige Kandidatur ist, sondern ein einfaches Schaulaufen. Und man sollte meinen, dass ein erfahrener Politiker dieses Schaulaufen eigentlich nicht wirklich versemmeln kann. Man könnte prima die jetzige Bundesregierung unter Feuer nehmen und innerparteilich die große Runde durch die Kreisverbände und Ortsvereine des Landes drehen, um sich dann am nächsten Sonntag als Quasi-Erlöser auf das Podest heben und dann als Spitzenkandidat durchs Land tragen zu lassen.

Nein, du verstörst weiterhin auf höchstem Niveau. Am Dienstag mit der fast schon unglaublichen Nachricht deines Sprechers, der verkündete, dass du für heute, Donnerstag, einen Vortragstermin bei einem schweizerischen Bankhaus hast. Das könne man nicht absagen, weil sonst eine Konventionalstrafe von 15.000 Euro drohe. Da wiederum hat am gestrigen Mittwoch die Süddeutsche Zeitung herausgefunden, dass diese Bank offenbar im Visier von Ermittlungen wegen Steuerbetruges steht. Das wiederum führte dann dazu, dass du jetzt dann endlich verstanden hattest und die Tour absagtest.

Okay, so viel zu den Fakten. Meine Frage: Wer soll den Mist eigentlich ohne Schaden verdauen? Ein Politiker soll per se nicht käuflich sein. Das schon gar nicht, wenn er Abgeordneter des Deutschen Bundestages ist. Das ist eine Sache. Die andere Sache ist, dass ein Politiker, der öffentlich sichtbar ein Spitzenamt anstrebt, nicht nur nicht käuflich sein sollte, sondern auch jeglichen, implizierbaren Eindruck einer Käuflichkeit entschieden ablehnen muss.

Sprich: Wie soll man einen bisher bankenfreundlichen Politiker, der plötzlich zum Revoluzzer stilisiert werden will, abnehmen, dass er nun bankenkritisch geworden ist, wenn er weiterhin bei Banken für Zaster ein- und ausgeht und dann auch noch tatsächlich um Entschuldigung bittet, dass er wegen einer drohenden Konventionalstrafe von 15.000 Euro lieber das Geld abholt, anstatt halbwegs staatsmännisch abzusagen?

Direkter gefragt: Was glaubst du eigentlich, wer du bist? Kein Gemeinderat und kein Bürgermeister könnte sich so ein Ding auf Dauer ungestraft erlauben, wie du sie ständig bringst und wir haben hier unten in der Basis damit zu kämpfen, dass die Leute nicht einfach nur der Politik überdrüssig geworden sind, sondern ernsthaft anfangen zu glauben, dass die Politik sie zielgerichtet in jeden großen Ärger auch noch absichtlich hineinreitet und dabei vor allem “die da Oben” besonders schont. Da braucht die SPD gerade auch noch so einen, der nicht einfach nur in jedes Fettnäpfchen tritt, sondern jeden Morgen ein ausgiebiges Bad in einem Fettbecken nimmt und offensichtlich jedes Mal verwundert die Augen reibt, wenn sich jemand daran stört.

Entschuldige, Peer, du bist es nicht. Du bist (nicht nur in meinen Augen) ein Verlegenheitskandidat einer weitgehend unglücklich hantierenden SPD-Führung und wenn du dich wenigstens etwas in Demut üben würdest, wäre es nicht ganz so furchtbar peinlich, wie es ständig wird, wenn in den Nachrichtentickern dein Name läuft. Hoffnung auf Besserung habe ich allerdings keine.

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Artikel von mir zu Obama 2012 bei der Heinrich-Böll-Stiftung.

18. November 2012 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in PolitikWelt

Der Vollständigkeit halber: Zum Thema Obama 2012 habe ich für die Heinrich-Böll-Stiftung einen Artikel namens “Dabei sein ist alles” geschrieben, der vor einigen Tagen online auf der Website der Böll-Stiftung veröffentlicht wurde. Im großen und ganzen enthält der Artikel eine von mir stark eingekochte Fassung von dem, was ich hier im Laufe der letzten Monate zusammengetragen habe.

Das Dossier der Böll-Stiftung zur US-Präsidentschaftswahl (auf der obigen Seite ganz unten) ist übrigens sehr lesenswert und enthält Analysen zur Wahl aus verschiedensten Perspektiven.

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Obama 2012 – Mission erledigt.

10. November 2012 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in PolitikWelt
Kampagnenlogo Barack Obama 2012

Ich glaube, einfacher und treffender kann man es kaum sagen, wie es am Mittwoch nach der US-Präsidentschaftswahl auf Twitter getan wurde:

Solche Momente gehören zu den Sternstunden eines jeden Politikers und Wahlkampfteams. Und dass die Last des Wahlkampfes nun abgefallen ist, hat man sowohl Barack Obama bei seiner Rede am Wahlabend angesehen, also auch seinem Konkurrenten Mitt Romney. Eine tiefergehende politische Analyse erspare ich mir an dieser Stelle. Das machen andere Leute besser und auch schlechter, als ich. Bemitleidenswert sind da lediglich die Leute, die sich die Nacht mit ARD & ZDF angetan haben, denn eine so unglaublich schlechte und alberne Berichterstattung war im deutschen Fernsehen bisher selten.

Die letzten Wochen und Tage.

Im einem Wahlkampf ist erwartungsgemäß die Zeit kurz vor der Wahl die intensivste und mitunter auch die übelste. Die Wahlkampfteams rotieren, es kommen unzählige Meldungen und Beobachtungen herein, es müssen in sehr kurzer Zeit Entscheidungen und schnelle Strategien getroffen werden und in die laufende Kampagne eingespeist werden. Den Kandidaten geht es kaum besser, denn sie sind nicht einfach nur unterwegs, sondern sie sind in diesen heißen Wochen quasi nicht zu Hause.

Im Falle des US-Präsidentschaftswahlkampfes war es absehbar, dass er in den letzten Wochen besonders schmutzig werden würde. Dass es beiden Kandidaten an vielen Stellen schwerfiel, die richtigen Argumente zu finden und man sich im Zweifelsfall dann darauf einschießt, den anderen Kandidaten in möglichst schlechtem Licht stehenzulassen, gehört zum Handwerkszeug von Wahlkämpfen und das ist sicherlich keine Erfindung der Neuzeit. Wahlkämpfe sind Showveranstaltungen und Prügeleien mit Worten. Man kann als Politiker darüber schimpfen und es kritisieren – wenn man der Gegenkandidat ist, bleibt kaum eine andere Wahl, als zu kontern.

Tatsächlich war auch bei diesem Wahlkampf im Jahre 2012 absehbar, dass er gegen Ende des Wahlkampfes vornehmlich im Fernsehen in Werbespots geführt wurde. Das hat damit zu tun, dass die USA das Fernsehland schlechthin darstellen und Werbefernsehen eine sehr hohe Reichweite hat. Dazu kommt, dass Werbefernsehen ein recht effizientes und preisgünstiges Werbemedium darstellt. Dass es in diesem Wahlkampf wieder zu Rekorden in Sachen Quantität von Werbespots und in teilweise unterirdischer inhaltlicher Qualität, darüber diskutieren wir an dieser Stelle lieber mal nicht. Werbefernsehen ist ein sehr länderspezifisches Phänomen und was hier in Deutschland gutes Werbefernsehen ist, ist in anderen Ländern mitunter nicht lauffähig – und umgekehrt. US-Werbefernsehen ist mitunter derartig öde, dass es uns Europäern dabei die Füße einschlafen lässt. Bis auf einige, wenige Ausnahmen, die wir dann mitunter in YouTube sehen. Der Rest ist wirklich unanschaubar.

Der Endspurt eines Wahlkampfes ist gekennzeichnet von zwei Motivationen: Die eigene Wählerschaft zur Wahl motivieren und die letzten Unentschlossenen überzeugen. Der letztere Punkt wird dabei gern überschätzt, denn tatsächlich entwickeln die meisten Wähler schon Wochen vorher eine Tendenz für einen Kandidaten bzw. eine Partei, die dann im Laufe der letzten Tage hin zur Wahl gefestigt wird (hierzu ist das Ann-Arbor-Modell eine sehr interessante Lektüre).

Die Online-Kampagne kann beide Motivationen unterstützen: Zum einen ist die Wählermotivierung mit den bestehenden Partybuilder-Werkzeugen von Obama 2012 eine Sache, die sowieso schon seit Anfang an des Wahlkampfes zentral eingesetzt wird. Der Rest der Online-Kampagne wird dann, ich sage es mal plastisch, in den immer stärker aufkommenden Wind gedreht und ab einer gewissen Windgeschwindigkeit fährt die Flotte dann eben durch.

Steuern lässt sich in den letzten Tagen kaum noch etwas – wohl aber können genau jetzt die Früchte geerntet werden, die im Laufe der letzten Monate gesät wurden. Eine komplette Übersicht über das Programm, eine vernünftige Auseinandersetzung mit dem Programm des Gegners und die Berichterstattung der letzten Wochen und Monate geben dem möglicherweise noch unentschlossenen Wähler das richtige Argumentationsmaterial mit – direkt, jederzeit und ohne verfälschende Meinungsbilder von Medien.

Der Rückbau nach der Wahl.

Zu einer guten Online-Strategie gehört auch das Danach und zwar unmittelbar nach der Wahl. In der Regel enden die meisten temporären Verträge mit bezahlten Wahlkampfmannschaften aus Kostengründen ziemlich zügig nach der Wahl, so dass nach der Wahl nur wenig Leute die Zeit haben, sich eine neue Strategie auszudenken. Also muss man diese Arbeit schon während dem Wahlkampf einplanen und das ist ein zwiespältiges Geschäft, weil eigentlich nur etwas für Wahlkampfleute mit harten Nerven.

Unüblich ist diese Arbeit in der traditionellen Wahlkampfarbeit nicht. Beispielsweise müssen Zeitungsanzeigen mit dem Dank an die Wähler auch schon einige Tage vorher geplant, erstellt und an die Anzeigenabteilung des jeweiligen Verlages übergeben werden, damit sie pünktlich erscheinen können.

Im Falle von Obama 2012 war der Rückbau relativ einfach und wirkungsvoll, denn auf der Website wurden einfach alle interaktiven Elemente weitgehend entfernt, während die Artikel des Wahlkampf-Blogs alle (soweit ich das sehen kann) online geblieben sind. Die Links auf die Frontalkampagnen wie das Truth Team sind verschwunden und nur noch in der Fußleiste zu finden. Man hat den Eindruck, dass man jetzt einmal tief durchatmet und zur Wahlkampfnachlese übergeht. Dankesschreiben, Dankesvideo (siehe unten), “warum das alles passiert ist” – eher seichte Unterhaltung aus dem Abklingbecken.

Ebenso bei Mitt Romney, bei dem der Rückbau aber weniger auffällt, weil seine Kampagnen-Website, plump gesagt, auch nicht ansatzweise je so aufgebaut wurde, wie die von Barack Obama. Mit Ausnahme eines groben Fehlers:

Bizarres am Rande: Die Mitt-Romney-Gewinnerseite.

Auch das Team Romney hatte offensichtlich eine Version der Kampagnen-Website für den Fall geplant, dass Mitt Romney die Wahl gewinnt. Und fatalerweise hat man den Fehler begangen, dass diese Website für einen kurzen Zeitraum von etwa fünf Minuten online gegangen ist. Man hat zwar schnell reagiert, aber fünf Minuten sind lange genug für Leute, die das sehen, schnell reagieren und Screenshots machen.

Und deshalb gibt es von dieser Website einzigartige Screenshots, die einen – aus der Sicht des Verlierers – sehr bizarre Einblicke liefern: “Romney’s Transition Site” im Blog Political Wire

Da hat wirklich jemand eigentlich großartige Arbeit abgeliefert, nur dummerweise hat Mitt Romney die Wahl verloren und jemand hat für einen kurzen Moment nicht aufgepasst …

Die Bedeutung des Online-Campaignings in der Nachbetrachtung.

Um es in einfachen Worten zu sagen: Online-Campaigning ist wichtiger denn je, allerdings immer noch nicht so wichtig, als dass man mit einer Web-Kampagne problemlos jede Wahl gewinnt. Online-Campaigning ist allerdings, wie wir eben beim Partybuilder gesehen haben, auch keine Angelegenheit, die nur auf die öffentliche Kampagnen-Website oder die Facebook-Fanseite beschränkt ist. Hat man die notwendigen Geldmittel und ein eingespieltes bzw. einspielbares Wahlkampfteam, dann lassen sich hier sicherlich sehr anschauliche Online-Werkzeuge programmieren, mit denen eine Wähleransprache noch genauer kanalisiert werden kann (sofern der strenge, bundesdeutsche Datenschutz einem da kein Strich durch die Rechnung macht und man sich nicht hacken lässt).

Ein paar Lehren lassen sich jedoch ohne weiteres auf jeden Online-Wahlkampf ziehen:

  • Eine fließende Kampagnen-Website lebt von drei Säulen: Programmatik, Kandiatenvorstellung, Berichterstattung. Alle drei Säulen sind miteinander verwoben, aber alle drei Säulen sind zwingend notwendig.
  • Eine Kampagnen-Website ist, ebenso wie der Wahlkampf selbst, keine One-Man-Show. Gibt es nur einen Maintainer, wird dieser in der Regel nicht mit Namen auftreten und dann schreiben die Inhalte “irgendjemand” und schon ist der Kommunikationsweg von der Website zum Leser weitgehend unpersönlich. Die persönliche Ansprache von echten Menschen ist ein wichtiger Schlüssel im Internet.
  • Je näher die laufende Berichterstattung am Kandidaten ist, desto eher wird seine Kampagnen-Website zu einem regelmäßig besuchten Medium. Nicht der Prospekt und der Flyer sind die zentralen Werkzeuge mehr, sondern die Kampagnen-Website ist es. Die ist den ganzen Wahlkampf über da, jederzeit zu erreichen, immer viel aktueller (wenn denn gepflegt) und ohne Papier und Druckfarbe billiger in der Verteilung. Also folgt: Zwar immer noch Papier bedrucken, aber die Kampagnen-Website deutlicher, viel deutlicher auf dem Schild führen. In jeder Zeitungsanzeige, in jedem Werbespot, in jedem Flyer, auf jedem Plakat, bei jedem Gespräch: Der URL der Kampagnen-Website muss so geläufig sein, wie der Name des Kandidaten und in der persönlichen Kommunikation muss zum Abschluss immer der Hinweis erfolgen, dass man, wenn man nähere Informationen sucht, einfach die Kampagnen-Website anschauen muss. Und wenn die einladend ist und informiert, dann kommt der Interessent und potentielle Wähler wieder.
  • Experimentieren, authentisch sein, Dinge ausprobieren, optimistisch blicken, freundlich schreiben, Aufmerksamkeit bekunden, auf Meinung reagieren und Kommentare annehmen. Man kann so viel in einer lebendigen Online-Kommunikation machen, wenn man sich für einen Moment auf das Medium einstellt und darauf hört, was man dort liest. Das Web ist ein Zug, den man am besten dann versteht, wenn man in ihn einsteigt und sich dort mit den Passagieren unterhält. Steht man nur am Bahnhof, ist man für die Passagiere eines vorbeifahrenden Zuges nur eine Sammlung von Zinnsoldaten.

Der Rausschmeißer.

Für ein Wahlkampfteam ist das Wahlkampfende eine harte Erfahrung. Du machst wochen- und monatelang Kampagne, bist von morgens bis abends in Gedanken im Wahlkampfmodus und auf den Kandidaten fixiert. Dann kommt die Wahl, dann kommen das Bangen beim Warten auf das Ergebnis und dann wird gefeiert oder die Wunden geleckt. Und dann kommt – nichts. Von Hundert auf Null in praktisch null Sekunden. Eine schwer beschreibliche Erfahrung, die man gemacht haben muss, um zu verstehen, was die Psychologie dahinter ist.

Das habe ich in einigen Wahlkämpfen ebenso erlebt und erlebe das in einem sehr kleinen Maße auch gerade in Sachen Barack Obama. Die letzten Wochen war ich ja ständig in irgendeiner Form bei der Obama-2012-Kampagne als ganz weit entfernter Beobachter und tatsächlich haben mich viele Aktivitäten und Minikampagnen mitreißen lassen, zumindest mal die Dinge so zu verstehen, wie sie vor Ort wohl auch wirken.

Eines sei an dieser Stelle deshalb erwähnt: Der Dank von Barack Obama an sein Wahlkampfteam. Dieses Stückchen Video sollte wohl den Eindruck machen, es sei spontan aufgezeichnet worden, ist es aber sicher nicht, da es aus mehreren Perspektiven aufgenommen wurde und Barack Obama auch sehr sorgsam vor zwei seiner Kampagnenplakate positioniert wurde. Dennoch sind seine Emotionen sehr sicher nicht gespielt und ein schöner Abschluss:

Das war es auch weitgehend mit meinem Obama-2012-Dossier. Die bisherigen Artikel bleiben natürlich alle online und ich werde mir in Zukunft immer wieder einmal ein paar Aspekte aus dem Online-Campaigning des US-Präsidenten Barack Obama herausnehmen und darüber schreiben.


Alle Teile meines Dossiers zu Obama 2012 unter dem Stichwort “Obama 2012″.

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Obama 2012 – Emotionen im Wahlkampf.

29. Oktober 2012 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in PolitikWelt
Kampagnenlogo Barack Obama 2012

Wer auf der Website der Obama-2012-Campagne ganz nach unten scrollt, findet am Ende jeder Seite eine Widmung:

Die Widmung ist zwar mit einem Link unterlegt, die auf eine eigene Seite der Obama-Kampagnenwebsite führt und auf der offensichtlich wird, dass dieser Alex Okrent offensichtlich verstorben ist und in Absprache mit der Familie von Okrent Spenden für die Obama-Kampagne gesammelt werden sollen, anstatt dass mit diesem Geld Blumen und/oder ähnliche Beleidsbezeugungen gekauft würden. Nähere Informationen zu Alex Okrent finden sich hier (leider) nicht, sondern finden sich an anderen Stellen, zum Beispiel auf der Online-Nachrichtenplattform Huffington Post (übrigens die Nachrichtenplattform, die 2008 mit der Obama-Kampagne stark kooperierte) und auf der Website der Zeitung USA Today.

Alex Okrent war Mitarbeiter diverser Obama-Kampagnen. Im Jahre 2004 zu Obamas Senatskandidatur, 2008 und 2012 bei seiner ersten US-Präsidentschaftskandidatur. Der 29 Jahre alte Okrent starb am 13. Juli 2012 im Krankenhaus, nachdem er im Headquarter der Obama-Kampagne in Chicago kollabierte und nicht mehr wiederbelebt werden konnte.

Nun gehören Tode zum Leben dazu und die Frage ist immer, wie man damit umgeht. Es einfach zu verschweigen, ist verhältnismäßig einfach, allerdings nicht sehr angemessen, gerade nicht in Wahlkämpfen, die immer von vielen Menschen gemacht werden und jeder einzelne hierbei wichtig ist. Zwar war Okrent als Medienmanager ein eher kleines Rädchen in der großen Maschinerie, aber das zählt in so einer Situation nicht.

Der Weg der Kampagnenleitung war daher ein sehr direkter, nämlich zunächst eine offizielle Pressemitteilung über die offiziellen Kanäle und Presseverteiler. Diese Nachrichten führten an einer ganz anderen Stelle ebenfalls zu einer Kondolenz, nämlich ausgerechnet bei Obamas Gegenkandidaten Mitt Romney, über dessen Twitter-Stream kurz darauf ein Tweet geschrieben wurde:

Die Reaktion auf diesen Tweet folgte sogleich, immerhin auf dem Twitter-Stream von Obamas Kampagnenleiter David Axelrod:

Schöne Geste. Ist zwar alles Wahlkampf, aber man kann, wie man sieht, auch in einem sehr harten Wahlkampf einen kurzen Moment Zeit finden und sehr menschliche Gesten sehr öffentlich austauschen.


Alle Teile meines Dossiers zu Obama 2012 unter dem Stichwort “Obama 2012″.

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Obama 2012 – Ein paar externe Links.

24. Oktober 2012 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in PolitikWelt
Kampagnenlogo Barack Obama 2012

Den Obama-2012- bzw. den US-Präsidentschaftswahlkampf im Internet beobachte nicht nur ich, sondern auch andere Leute. Auf drei interessante Links möchte ich an dieser Stelle verweisen, die andere Aspekte im Online-Campaigning sehr detailiert beleuchten:

Eigene Links gefunden? Her damit und reinschreiben als Kommentar zu diesem Artikel!


Alle Teile meines Dossiers zu Obama 2012 unter dem Stichwort “Obama 2012″.

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Obama 2012 – Der Wandel von der App zur Web-App.

23. Oktober 2012 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in PolitikWelt
Kampagnenlogo Barack Obama 2012

Eigentlich sollte dieser Artikel eine Fragestellung erörtern. Nämlich die, ob es in einem Wahlkampf sinnvoll ist, eine eigene Smartphone-App zu haben oder ob man lieber auf eine Web-App setzt, also eine Website, die funktional und optisch auf Smartphones so aussieht, als ob sie eine App wäre. Die Wahlkampf-Website so eine Web-App-fähige Website, die in einem responsive Webdesign erstellt ist und deren Ansicht sich der Bildschirmgröße des anzeigenden Gerätes anpasst.

Begonnen wurde die Obama-2012-Kampagne 2011 auch mit einer eigenen App für Smartphones, genauer gesagt für das iOS-Betriebssystem von iPhone und iPad. Als ich nun darüber bloggen wollte, stellte sich heraus, dass diese App schon seit längerer Zeit nicht mehr zur Verfügung steht. Und der Grund dazu ist herzlich einfach: Es gibt keine Notwendigkeit dafür.

Historische Ansichten in die Obama-2012-App.

Die Obama-2012-App als besonderes Highlight zu bezeichnen, wäre vermessen. Vom Prinzip her ist das Konzept das eines betriebseigenen Kiosks und keine der Inhalte, die in dieser App abgerufen werden können, sind wirklich exklusiv, da sie auch auf der Wahlkampf-Website zu finden sind. Die Startseite der App verweist schon auf alle Bereiche in der App:

“Latest News” führt auf einen Nachrichtenbereich, der exakt dieselben Nachrichten enthält, wie auf dem offiziellen Wahlkampf-Weblog. Mit einem Tippser auf eine Nachricht lässt sich diese dann lesen:

Die Rubrik “Photos & Videos” stellt auf einem Bildschirm eine Übersicht über Bilder und Videos im Wahlkampf zusammen:

Während die Videos recht anschaubar sind, sind die Fotos reine Makulator und eigentlich unansehnlich, weil völlig pixelig. Zudem fehlt jegliche Sortierung, so dass diese Bilderwand nicht viel mehr als Show ist:

Interessanter, aber auch nicht wirklich weltbewegend neu ist die Rubrik “Events”, die, wenn man der App in den Einstellungen den aktuellen Standort in Form des US-ZIP-Codes spendiert hat, passend zum aktuellen Ort die nächsten Events anzeigt. In meinem Beispiel wohnte ich z.B. im beschaulichen Honolulu auf Hawaii. Mit einem Tippser auf die Stecknadel lassen sich nähere Informationen zum jeweiligen Event anzeigen:

Dinge, die gegen und für eine App sprechen.

Tatsächlich war es eine gute Entscheidung, diese App nicht wirklich in den Wahlkampf mitzunehmen und schon nach wenigen Monaten einzustampfen, bevor wirklich Befürworter und Wähler mit dieser App enttäuscht werden könnten. Denn der Mehrwert gegenüber einer mobil gut erreichbaren Seite ist nahe Null. Mit einer Ausnahme, weshalb diese App vermutlich einst auch entwickelt wurde: Der Push-Service von iOS, der für die Verteilung der Nachrichten eingesetzt wurde. Mit dem Push-Service wurde wohl die Idee verfolgt, bei Neuigkeiten direkt über den Push-Service den Besitzer des iOS-Gerätes zu informieren.

Rein faktisch gesehen ist das aber nicht notwendig, weil neue Nachrichten im Wahlkampf-Weblog auch über die Twitter-Kanäle von Barack Obama angekündigt werden und hier mit vielen Twitter-Clients und dem Konfigurieren von bestimmten Regeln ein Push-Service einsetzen lässt. Oder auch über Facebook oder über gutes, altes Syndizieren via RSS-Feed.

Dass bei Barack Obama dennoch nicht auf ein Home-Symbol verzichtet werden muss, lässt sich anschaulich beobachten, wenn die Wahlkampf-Website mit Safari unter iOS (iPad und iPhone) aufgerufen wird. Tippt man dort (iOS 6) auf das Weiterleiten-Symbol, erscheint folgendes Menü und da ist der mittlere Button genau die gewünschte Ansage:

Bei solchen Apps darf man einen Punkt nicht verheimlichen: Wo App draufsteht, ist meist nicht viel mehr drin, als ein Webbrowser. Das gilt auch für die einstige Obama-2012-App und für viele andere Apps für SmartPhones, die lediglich aus Prestigegründen in Form einer App daherkommen, hinter den Kulissen aber die meisten Inhalte online aus dem Web beziehen.

Eine Web-App bzw. ein Widget ist die einzig konsequente Antwort für solche Informationsdienste, da so mit gängigen Technologien wie HTML 5, JavaScript und dem Document Object Model (DOM) ein wirklich plattformübergreifendes Angebot geschaffen werden kann, das auf allen gängigen Smartphone-Umgebungen von Hause aus läuft.

Mitt Romney geht App.

Das Team um Mitt Romney fährt nach wie vor eine App-Strategie und ist sogar mit zwei eigenen Apps im iOS-AppStore vertreten:

Die App “Romney-Ryan”.

Diese App ist die offizielle App und stellt sich wohl als Antwort auf die einstige “Obama-2012-App” dar. Und leidet genau unter den Krankheiten, die funktionsarme Apps von Hause aus haben – außer Prestige liefert die Apps nur Inhalte, die auf der Wahlkampf-Website von Mitt Romney sowieso zu finden sind:

Die Frage, warum das Team Romney auf Apps setzt, hat wohl mehrere Gründe und zeigt sehr schön, dass auch beim Verständnis in Sachen Mobile Computing das Team Romney nicht ansatzweise die gängigen Möglichkeiten ausschöpft:

  • Eine App gilt als schick und modern, während eine Website als “zu normal” gilt – zumindest bei Menschen, die Smartphones und Mobile Computing vornehmlich als Statussymbol ansehen und weniger für echte Kommunikation. Das Herunterladen einer App aus dem AppStore und das Erscheinen eines eigenen App-Symbols auf dem iPhone-Home-Bildschirm ist nun einmal auch eine Art von Marketing.
  • Zur Informationsvermittlung sind zwar Web-Apps gegenüber echten Apps weitgehend ebenbürtig, allerdings nur bei kommunikativen Anwendungen. Spiele und Anwendungen, die auf besondere Hardware eines Smartphones setzen wie z.B. die Kamera sind (derzeit zumindest) nur als App realisierbar. So hat ausgerechnet die ansonsten sinnfreie “With Mitt”-App durchaus ihre Berechtigung, weil die Kamera- und Bildbearbeitungsfunktion derzeit nur in einer App zu realisieren ist.

Die Nachteile der App-Strategie finden sich im Team Romney auch gleich und zwar alle zusammen:

  • Die Wahlkampf-Website ist nicht mit einem responsive Webdesign erstellt und kennt nur eine Bildschirmgröße. Für mobile Webbrowser ist daher eine Weiche im HTML-Code eingebaut, die diese dann auf einen Server namens m.mittromney.com” schickt, auf der explizit eine mobile Website gehostet wird, die allerdings reichlich umständlich zu bedienen ist.
  • Eine App funktioniert natürlich nur auf der Plattform, für die sie entwickelt wurde. Im Falle der Romney-Apps gibt es nur Versionen für iOS-Betriebssysteme und z.B. nicht für Android. Zwar können andere Betriebssysteme über dort installierte Webbrowser dennoch auf die mobilen Websites zugreifen, allerdings ist eine App-Strategie, die nur auf einzelne Plattformen zielt, eben nur eine unvollständige App-Strategie.

Die App “With Romney”.

Diese App ist nicht sonderlich ernstgemeint (hoffentlich zumindest!) und dient zur Erzeugung von “Unterstützerplakaten” aus eigenen Fotos. So kann der iPhone-Besitzer oder auch das zum Besitzer korrespondierende Haustier seine innige Zuneigung zu Mitt Romney mitteilen:

Ob so eine Nonsens-App, die sehr an die Idee mit dem “Hope”-Plakaten im Wahlkampf von Barack Obama im Jahr 2008 erinnert, tatsächlich neue Wählerschichten erschließt, darf bezweifelt werden. Eine eh schon schlechte Smartphone-Strategie wird dadurch jedenfalls nicht automatisch besser.


Alle Teile meines Dossiers zu Obama 2012 unter dem Stichwort “Obama 2012″.

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Obama 2012 – Eine echte Twitter-Erfolgsstory.

22. Oktober 2012 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in PolitikWelt
Kampagnenlogo Barack Obama 2012

Auch wenn die Obama-2012-Kampagne auf vielen Social-Media-Kanälen geführt wird – die Hauptkanäle sind seit Anfang an der Obama-Kampagnen 2008 und 2012 das Wahlkampfblog und die regelrechte Armee von Twitter-Kanälen. Fangen wir zuerst einmal an mit den nackten Zahlen der wichtigsten Twitter-Kanäle von Barack Obama und seinem republikanischen Herausforderer Mitt Romney (Zahlen vom 21. Oktober 2012, 22 Uhr):

Twitter-Accounts um Barack Obama:

  • Barack Obama (@BarackObama): 21.166.565 Follower, 671.476 Gefolgte, 7.113 Tweets
  • Michelle Obama (@MichelleObama): 1.914.954 Follower, 8 Gefolgte, 652 Tweets
  • Joe Biden (@JoeBiden): 273.397 Follower, 15 Gefolgte, 831 Tweets

Twitter-Accounts um das Team Obama mit einigen ausgewählten Bundesstaaten-Wahlkampfteams:

  • Team Obama 2012 (@Obama2012): 212.005 Follower, 60 Gefolgte, 3.991 Tweets
  • Truth Team (@TruthTeam2012): 90.412 Follower, 69 Gefolgte, 2.578 Tweets
  • Latinos for Obama (@LatinosforObama): 23.988 Follower, 154 Gefolgte, 1.030 Tweets
  • Students for Obama (@Students4Obama): 19.639 Follower, 94 Gefolgte, 433 Tweets
  • Obama for America Florida (@OFA_FL): 32.663 Follower, 31.572 Gefolgte, 9.152 Tweets
  • Obama for America New York (@OFA_NY): 22.029 Follower, 24.180 Gefolgte, 4.225 Tweets
  • Obama for America California (@OFA_CA): 16.261 Follower, 15.649 Gefolgte, 7.808 Tweets
  • Obama for America Illinois (@OFA_Illinois): 11.002 Follower, 8.708 Gefolgte, 5.400 Tweets
  • Obama for America Texas (@OFA_TX): 10.208 Follower, 1.850 Gefolgte, 2.933 Tweets
  • Obama for America Alaska (@OFA_AK): 5.637 Follower, 2.008 Gefolgte, 2.877 Tweets

Twitter-Accounts um Mitt Romney:

  • Mitt Romney (@MittRomney): 1.503.491 Follower, 274 Gefolgte, 1.276 Tweets
  • Ann Romney (@AnnDRomney): 143.406 Follower, 411 Gefolgte, 61 Tweets
  • Paul Ryan (@PaulRyanVP): 465.392 Follower, 208 Gefolgte, 185 Tweets
  • Team Romney (@TeamRomney): 83.941 Follower, 1.042 Gefolgte, 2.047 Tweets

Zahlentechnisch kann man da schon mal einige interessante Vergleiche ableiten, die die gewaltigen Dimensionen allein der Twitter-Kanäle unterstreichen:

  • Die Kampagne von Barack Obama verteilt sich auf insgesamt 58 Twitter-Accounts (7 zentrale Accounts und 51 Accounts der bundesstaatlichen Kampagnenableger), die von Mitt Romney auf genau 4 Accounts.
  • Barack Obama hat auf Twitter schlappe 14 mal mehr Follower, als sein Herausforderer Mitt Romney.
  • Michelle Obama, die Präsidentengattin, hat praktisch so viele Follower, wie Mitt Romney und sein Vizepräsidentschaftskandidat Paul Ryan zusammen.
  • Detail am Rande: Der Twitter-Account von Paul Ryan sticht im Verhältnis zu allen anderen Twitter-Accounts deutlich heraus. Mit gerade einmal 185 Tweets hat er, der bis vor einigen Monaten noch weitgehend unbekannt in der Öffentlichkeit war, über 465.000 Follower, während der amtierende Vizepräsident Joe Biden auf rund 270.000 Follower kommt.
  • Die (meisten) Twitter-Accounts aus dem Umfeld von Barack Obama verfolgen die Strategie, Followern auch weitgehend selbst zu folgen, um auf diese Weise eine Wählerbindung zu erreichen.

In Sachen Quantität habe ich ebenfalls ein paar Zahlen zusammengetragen, die einen interessanten Blick auf die Twitter-Intensität im jetzigen heißen Stadium des Wahlkampfes geben. Die Basiszahlen für die folgenden Zahlenänderungen stammen von Donnerstagabend, ebenfalls 22 Uhr. Es liegen also rund 72 Stunden dazwischen (Vollständige Tabelle bei Google Docs.)

  • Der Twitter-Account von Barack Obama hat im Gegensatz zu dem von Mitt Romney vier mal mehr Follower gewonnen.
  • Im Twitter-Kanal von Barack Obama werden pro Tag durchschnittlich 33 Tweets veröffentlicht, im Kanal von Mitt Romney etwa 5.
  • Das Team um Barack Obama verwendet als hauptsächlichen Twitter-Kanal den direkten Kanal von Barack Obama, während das Team um Mitt Romney den Team-Kanal, erreicht aber auch bei diesem Team-Kanal mit durchschnittlich 11 Tweets pro Tag nicht ansatzweise die Tweet-Anzahl von Barack Obama.
  • Die bundesstaatlichen Unterorganisationen von Obama 2012 haben eine unerwartet hohe Tweet-Schlagzahl und selbst das Tweet-Aufkommen von kleinen Organisationseinheiten wie OFA Alaska (“Obama for America Alaska”) senden pro Tag im Durchschnitt 16 Tweets.

Twitter als schneller Informationskanal.

Mit einer Follower-Zahl von über 21 Millionen Follower ist Barack Obama zwar nicht Rekordhalter – das schafft die Musikerin Lady Gaga mit etwas über 30 Millionen Follower – aber immerhin ist er der Rekordhalter als Politiker und hat 2008 bei seinem ersten Wahlkampf zur US-Präsidentschaftskandidatur einen großen Beitrag dazu beigetragen, Twitter zu dem zu machen, was es heute ist. Twitter und die US-Präsidentschaft von Barack Obama haben, das kann man so sagen, ein gemeinsames Kapitel.

Und tatsächlich hat Twitter sehr viel von dem, worauf es in der Kommunikation im Rahmen eines Wahlkampfes ankommt. Authentische Meinungen müssen schnell verbreitet werden, ein Rückkanal muss vorhanden sein (wenn auch nicht zwangsläufig bequem), Links und multimediale Inhalte sollten verteilt werden können und all das muss mit gebotener Kürze funktionieren. All das kann Twitter – ist Twitter. Das zentrale Motto von Twitter ist Programm: Was machst du gerade?

In einem Wahlkampf wird dieses Motto selbstverständlich argumentativ weiter aufgebohrt, um auf diese Weise Meinungen zu verteilen, aber auch Links auf Themen zu verbreiten, gegnerische Positionen zu kontern, Wahlkampfveranstaltungen live zu begleiten und in Twitter in Echtzeit zu “übertragen”. Dabei ist es in den meisten Fällen tatsächlich unerheblich, ob Barack Obama tatsächlich selbst twittert oder nicht. Dieses Dilemma, das beim letzten Wahlkampf tatsächlich immer wieder ein Diskussionsthema war und später von Obama aufgelöst wurde (er twitterte nach eigenen Aussagen bis dato nicht), wird heutzutage elegant dadurch gelöst, in dem im Begrüßungstext seines Twitter-Accounts darauf verwiesen wird, dass hier weitgehend sein Team twittert und Obamas tatsächlich eigene Tweets am Textende mit “-bo” gekennzeichnet sind. Freilich sind das in der heißen Wahlkampfzeit nur die allerwenigsten Tweets, die dann auch auf nur sehr wenige Themen wie z.B. Kondolenzen beschränkt sind.

Zentralisiertes Posten versus Distributiertes Posten.

Die Twitter-Strategien der beiden Wahlkampfteams können kaum unterschiedlicher sein und zeigen sehr deutlich, wo die Teams den Stellenwert des Online-Campaigning sehen.

Das Team um Mitt Romney fährt eine absolute Minimalstrategie in Sachen Twitter und unterhält tatsächlich nur vier eigene Twitter-Accounts. Das mag auf den ersten Blick sehr übersichtlich wirken, ist jedoch am Ende einfallslos und vor allem realitätsfremd. Für die meisten US-Amerikaner ist die Wahlkampfzentrale weit entfernt und auch wenn Entfernungen von vielen Tausend Kilometern im Internet nichts zählen, ist eine zentralisierte Kommunikationsstrategie etwas, was Distanzen erzeugt.

Das Team um Barack Obama hat dies schon 2008 erkannt, was vor allem damit zusammenhing, dass die Demokratische Partei, der Barack Obama angehört, im Laufe der Jahre landläufig ihre Parteistrukturen aufgegeben hat bzw. aus Kostengründen aufgeben musste. Dieses Problem hat zwar auch die Republikanische Partei, allerdings hat es damals Barack Obama bzw. haben die Verantwortlichen der Demokratischen Partei zuerst erkannt, dass eine vernünftige Kommunikationsstrategie im Internet, die die bundesstaatlichen Wahlkampf-Unterorganisationen aktiv in die Kommunikation einbindet bzw. ihnen eigene Kommunikationskanäle zur Verfügung stellt, einiges von diesem Verlust wettmachen kann.

Und das gelingt gleich auf mehrfacher Weise: Jede bundesstaatliche Unterorganisation hat tatsächlich eigene Inhalte auf Twitter und veröffentlicht neben einigen wenigen zentral verteilten Inhalten vor allem regional relevante Nachrichten wie z.B. Veranstaltungseinladungen im Bundesstaat und regional stark relevante Themen. Die Unterorganisationen übernehmen in ihren Twitter-Kanälen vor allem auch den Dialog zu Wählern und Interessierten und machen damit letztendlich nichts anderes, wie auch im realen Wahlkampf. Dort hat es der Wähler selten mit der obersten Wahlkampfführung zu tun, sondern mit Teams vor Ort im “Nahkampf”.

Und das macht selbst die kleinen bundesstaatlichen Organisationseinheiten der Obama-Kampagne höchst wirkungsvoll. Zum einen wird hier die “patriotische Ader” der Wähler versorgt und zum anderen wird hier die “Sprache des Bundesstaates” gesprochen. Und das führt dann dazu, dass selbst so kleine Obama-Unterorganisationen wie die für den Bundesstaat Alaska, die auf Twitter gerade einmal etwas über 5.600 Follower hat, mehr als doppelt so viele Tweets veröffentlicht, wie die offiziellen Twitter-Accounts von Mitt Romney und Paul Ryan zusammen. Und wenn der obersten Wahlkampfleitung Tweets von den Unterorganisationen gefällt oder sie einzelne Tweets für wichtig halten, werden diese einfach über den zentralen Twitter-Account von Barack Obama retweetet. Ein Knopfdruck genügt, um so vielleicht eine kleine Nachricht von einem Wahlkampfteam auf kleinen Siedlung einer Aleuten-Insel in Alaska auf einen Schlag an 21 Millionen Twitter-Follower im gesamten Land und rund um den Globus zu senden. Innerhalb von Sekunden.

Im Gegensatz zur Romney Online-Kampagnenstrategie versucht das Team Obama erst gar nicht, dem Wähler vorzugaukeln, dass auf einigen wenigen Twitter-Kanälen die Protagonisten sprechen (bzw. möglicherweise vorgegaukelt wird, dass diese dort sprechen), sondern verteilt die Kampagne auch im Internet und über Twitter sehr breit und mit viel eingeräumten Freiheiten auf die bestehenden Unterorganisationen und sorgt neben dem Teamgefühl auch für eine sehr gute und authentische “Greifbarkeit” der Obama-Kampagne im Internet.


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Obama 2012 – Wohlfühlen auf Pinterest und Tumblr.

10. Oktober 2012 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in PolitikWelt
Kampagnenlogo Barack Obama 2012

Neben den hauptsächlichen Online-Schlachtfeldern Blog, Twitter und Facebook und den “Inhalts-Stützpunkten” YouTube und flickr geht es bei anderen Web-2.0-Diensten eher um den Wohlfühlfaktor, also mehr oder weniger um Unterhaltung. Zu diesen Unterhaltungszonen gehört Instagram, hier hatte ich es zu Obamas Instagram-Kanal schon vor einigen Wochen. Es gibt aber noch zwei weitere, die gar nicht so schlecht eingesetzt werden und die Möglichkeiten der jeweiligen Dienste sehr anschaulich ausschöpfen.

Obama 2012 auf Pinterest – Schauen und staunen.

Pinterest ist, vom Prinzip her, eine Art Online-Pinnwandverwaltung für Bilder, ähnlich wie Bookmark-Verwaltungen für eben Bookmarks. Während es aber bei Bookmark-Verwaltungen immerhin um die Organisation von Bookmarks geht und die Veröffentlichung der eigenen Sammlung auch zu einem Wissenstransfer beiträgt, ist es bei Pinterest nicht ganz so logisch.

Tatsächlich ist Pinterest extrem einfach gestrickt. Ein Benutzer verwaltet selbst definierbare Pinnwände und fügt diesen dann Bilder hinzu, auf die er im Web stößt. Diese erscheinen dann auf der Pinnwand, wenn andere Benutzer diese Pinnwand besuchen. Auf die rechtliche Thematik will ich hier gar nicht verweisen, auf den Ansatz der Wissensvermittlung auch nicht. Pinterest ist Unterhaltung auf recht einfach gestricktem Niveau, erlebt zur Zeit einen recht starken Hype und taugt eigentlich zu nichts anderem.

In der Obama-Kampagne wird der Pinterest-Hype voll ausgespielt:

Grob einteilen lässt sich die Bilderschar auf den Obamaschen Pinterest-Pinnwänden in vier Kategorien:

  1. Eigene Kampagnenbilder aus dem Wahlkampf
  2. Fotos aus den einzelnen Teams im Land
  3. Sammlungen von Infografiken
  4. Sammlungen von “Fanfotos” und “Fanbildern”

Prinzipiell ließen sich alle diese Inhalte auch auf dem Wahlkampfblog pinnen, Pinterest ist da jedoch eben die “hippere” Plattform. Und ein großes Plus ist auch hier die direkte Kommentierbarkeit von Pins.

Obama 2012 auf Tumblr – Come fly with me.

Der Titel eines Klassikers von Frank Sinatra ist für die Präsenz von Barack Obama auf Tumblr (und für Tumblr generell) eine feste Ansage. Denn hier geht es nicht um Vermittlung von knallharter Information, sondern auch um den Wohlfühlfaktor, ähnlich wie bei Obamas Instagr.am-Feed. Nur noch eine Stufe mehr.

Tumblr gehört, so wie ehemals auch Posterous, zu den Web-2.0-Diensten, die eine Grätsche zwischen Microblogging-Plattformen wie Twitter und echtem Bloggen machen. Eigentlich wird auch Tumblr zu Microblogging-Plattformen gezählt, ich präferiere aber da eher “Miniblogging”. Ich nenne es ketzerisch gern auch “Bloggen für Faule”, auch wenn das natürlich etwas zu grobgeschnitten ist.

Dennoch ist die Medienform des Minibloggens eine durchaus eigene Disziplin. Während Microblogging wie Twitter sehr enge Regeln hat – nämlich 140 Zeichen und kein einziges mehr – ist Miniblogging in der Zeichenzahl technisch unbegrenzt; der Schreiber entscheidet, wie viel oder wenig er veröffentlicht. Zudem leben Miniblogging-Plattformen auch davon, dass das Veröffentlichen von Text und medialen Inhalten extrem einfach ist und so gar nichts mit der mitunter komplexen Verwaltung von großen Medienbibliotheken in “großen” Blog-Systemen zu tun hat.

Tumblr und Minibloggen allgemein läuft subtiler ab und kann, wenn es wirklich sehr “wortlos” gemacht wird, ein “großes” Wahlkampfblog ergänzen und eine Art “Spaßbereich” bilden. Und exakt nicht mehr. Jeder Versuch, hier argumentative Inhalte zu präsentieren, werden verpuffen und den Charme der Tumblr-Site zerstören.

Interessant auf der Tumblr-Site ist, dass das Obama-Team hier explizit aufruft, eigene Inhalte und Bilder zu übersenden, damit sie hier veröffentlicht werden können. Das führt zu zu einem bunten Sammelsurium aus Fotos, Zeichnungen, Animationen mit Fotoabfolgen im Comic-Stil, nicht ganz ernstgemeinten Infografiken und so weiter. Ziemlich gut gemachte und flott wirkende Kommunikation, die so wirkt, als ob sie wirklich hinter den Kulissen entsteht. Eine Tumblr-Site in so einem Stil kann ich mir durchaus für alle Arten von Wahlkämpfen vorstellen, denn an Geschichten hinter den Kulissen fehlt es dort nie.


Alle Teile meines Dossiers zu Obama 2012 unter dem Stichwort “Obama 2012″.

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