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Yahoo (vermeintlich im) Iran.

30. Oktober 2011 | 5 Kommentare | Veröffentlicht in Netztechnik

Als ich gerade im Webbrowser die Website von Yahoo Finances besuchen wollte, musste ich staunen. Zeigte doch tatsächlich das Plugin “Flagfox”, das dem Firefox die nützliche Funktion des automatischen IP-Lookups beibringt, plötzlich eine recht seltene Flagge im IP-Adressraum an. Die Vermutung bestätigte sich – der Iran. Man achte in diesem Screenshot auf die Infobox unterhalb der Suchbox, die anzeigt, dass für den Hostnamen “de.finance.yahoo.com” die IP-Adresse 188.125.65.211 aufgelöst wurde (was definitiv stimmt und mit nslookup nachprüfbar ist) und diese IP-Adresse offenkundig mit dem Ländercode für den Iran registriert ist:

Yahoo und Iran – das passt ungefähr so gut zusammen wie Audi und der Planet Mars, nämlich gar nicht. Allein dieser Anachronismus, dass mit dieser obigen Auskunft Yahoo irgendetwas im Iran hosten könnte, weckte meine netzwerkdetektivische Leidenschaft.

Erste Auskunftei in Sachen IP-Adressen sind die RIR, die Regional Internet Registries. Diese international tätigen Vergabestellen sind dafür zuständig, in ihrer jeweiligen Region die Zuteilung von IP-Adressen an Internet Service Provider sicherzustellen. Im Falle der Adresspräfix 188 ist hier das RIPE zuständig, also die RIR, die für Europa und Vorderasien zuständig ist.

In Sachen Auskunft ist es im Internet üblich, die Registrierungsinformationen des IP-Adressraumes öffentlich zu dokumentieren und über ein so genanntes WhoIs durchsuchbar zu halten. Internet Service Provider wiederum, die vom RIPE IP-Adressräume zugeteilt bekommen haben, sind vertraglich verpflichtet, diese Registrierungsinformationen für weiterdelegierte Adressräume zeitnah in die RIPE-Datenbank einzupflegen und aktuell zu halten.

Über das WhoIs des RIPE ist also problemlos eine Recherche für die obige IP-Adresse möglich, was folgendes Ergebnis lieferte:

inetnum:        188.125.64.0 - 188.125.71.255
netname:        IR-YAHOO
descr:          Yahoo! Europe
country:        IR
admin-c:        YEU-RIPE
tech-c:         YEU-RIPE
status:         ASSIGNED PA
mnt-by:         YAHOO-MNT
source:         RIPE #Filtered

role:           Yahoo Europe Operations Department
address:        Yahoo Europe Operations
address:        125 Shaftesbury Avenue
address:        London
address:        WC2H 8AD
remarks:        trouble:      uk-abuse@cc.yahoo-inc.com
admin-c:        NA1231-RIPE
tech-c:         SCY3-RIPE
tech-c:         NA1231-RIPE
tech-c:         IG1154-RIPE
tech-c:         DR2790-RIPE
tech-c:         CJO3-RIPE
nic-hdl:        YEU-RIPE
mnt-by:         YAHOO-MNT
source:         RIPE #Filtered
abuse-mailbox:  uk-abuse@cc.yahoo-inc.com

Der obere Block der Auskunft ist das so genannte “inetnum”-Objekt, das enthält die grundlegende Information darüber, in welchen IP-Adressblock die IP-Adresse gehört. Die IP-Adresse 188.125.65.211 gehört also in einen Adressblock, der von 188.125.64.0 bis 188.125.71.255 reicht. Spannend dabei ist der Ländercode, der im Feld “country” angegeben ist, das ist tatsächlich der Code “IR”, der in der ISO-Ländertabelle für den Iran steht. Dass dieser Adressblock tatsächlich zu Yahoo gehört (genau genommen zu Yahoo Europe), wird über das Feld “admin-c” angezeigt. Die Abkürzung “YEU-RIPE” ist wiederum ein Verweis auf ein “role”-Objekt, das Informationen über den Besitzer erhält. Die Auskunft über “YEU-RIPE” ist der untere Block der obigen Auskunft. Es handelt sich also hier mit maximaler Sicherheit tatsächlich um Yahoo Europe, auf jeden Fall aber über eine offizielle Yahoo-Einrichtung.

Zuerst dachte ich an einen Fehler in der Registrierung. Vielleicht ist dem zuständigen Systemadministrator, der die obigen Informationen in die RIPE-Datenbank eingetragen hat, ein Fehler bei der Eingabe des Ländercodes unterlaufen und das “IR” steht fälschlicherweise dort. Tatsächlich kann nämlich der Verwalter eines IP-Adressblocks diese Länderinformation selbst eintragen.

Dass es dann doch kein Fehler sein kann, merkte ich schnell an der zweiten Zeile, dem “netname”-Feld. Hier gibt nämlich der Verwalter des IP-Blocks einen frei wählbaren Netznamen an, der rein zur internen Dokumentation dient. Dort findet sich explizit der Eintrag “IR-YAHOO”. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass der Autor dieses Eintrages einen falschen Ländercode einträgt und diesen Fehler dann auch nochmal im Netznamen begeht.

Also, der Ländercode “IR” ist für diesen Netzwerkblock offensichtlich gewollt und beabsichtigt. Warum das so ist, lässt sich erklären, wenn man näher auf die Eigenheiten dieser Ländercodierung eingeht. Denn tatsächlich ist dieser Ländercode, den zwingend jeder Empfänger von IP-Adressblöcken in der Netzwerkdokumentation setzen muss, nicht einfach nur informell, sondern elementar – mit dieser Ländercodierung arbeiten quasi alle Dienste, die eine Recherche von IP-Adressen nach Ländern ermöglichen, so zum Beispiel Statistikdienste wie Google Analytics oder Piwik oder aber auch Dienste, die IP-Adressen nach Ländern sperren müssen.

Und da sind wir dann beim Iran und hier bei einem vermutlich genau umgekehrten Fall. Damit Yahoo seine Dienste in den Iran durchbekommt und seine Netze nicht einfach so gesperrt bekommt, hat Yahoo vermutlich den obigen IP-Adressblock explizit für die Nutzung im Iran vorgesehen und das obige Netz entsprechend mit dem Ländercode “IR” versehen. Hier will sich Yahoo also offensichtlich in irgendeiner Form fügen und es den iranischen Zensoren, die da mit ziemlicher Sicherheit eine mehr oder weniger umfangreiche Sperrliste pflegen, möglicht unbürokratisch einfach machen, Yahoo nicht zu übersehen und “versehentlich” zu sperren.

Und dabei vergessen die Jungs von Yahoo Europe eine Sache: Was sie da machen, ist genau genommen nicht erlaubt. Der Ländercode für einen Netzblock ist nicht dazu da, anzugeben, wo vermutlich die Besucher sitzen, die auf Dienste zugreifen, die in diesem Netzblock laufen könnten, sondern er ist dazu da, kennzuzeichnen, wo dieser Netzblock tatsächlich eingesetzt wird, also der Server physikalisch steht. Wenn ich ein traceroute auf die IP-Adresse 188.125.65.211 mache, löst sich das folgendermaßen auf und da ist relativ wenig “Iran” zu sehen:

tracert 188.125.65.211

Routenverfolgung zu proxy1.stage.finance.vip.ird.yahoo.net
[188.125.65.211] über maximal 30 Abschnitte:

  1. besimox [192.168.124.1]
  2. 217.0.118.47
  3. 87.186.241.42
  4. l-eb2-i.L.DE.NET.DTAG.DE [62.154.89.46]
  5. 217.243.216.202
  6. vlan60.csw1.Frankfurt1.Level3.net [4.69.154.62]
  7. ae-62-62.ebr2.Frankfurt1.Level3.net [4.69.140.17]
  8. ae-21-21.ebr2.London1.Level3.net [4.69.148.185]
  9. vlan104.ebr1.London1.Level3.net [4.69.143.97]
 10. ae-5-5.car1.Dublin1.Level3.net [4.69.136.89]
 11. YAHOO-INC.car1.Dublin.Level3.net [212.73.251.2]
 12. ae-1.msr2.ird.yahoo.com [66.196.67.233]
 13. te-8-4.bas-b1.ird.yahoo.com [87.248.101.107]
 14. proxy1.stage.finance.vip.ird.yahoo.net [188.125.65.211]

Ablaufverfolgung beendet.

Das ist also der Weg von meinem Rechner (“besimox”) bis zum Zielserver, ingesamt also 14 Knoten im Internet. Interessant hierbei sind die Knoten ab dem 8. Knoten, die der Provider “Level3″ schön nach der Örtlichkeit, in die der Knoten steht, benannt hat. Der Weg geht also von Frankfurt, nach London und dort nach Dublin, also nach Irland. Was auch so stimmt, denn Yahoo hostet seine Dienste in Europa (unter anderem) in Irland. Und nicht Iran.

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Angst statt Freiheit.

28. Oktober 2011 | 2 Kommentare | Veröffentlicht in PolitikWelt

Ganz großes Kino derzeit bei Jörg Tauss auf der Website: Tauss, vor einigen Monaten freiwillig aus der Piratenpartei ausgetreten, um die Partei nicht mit seiner Gerichtsverhandlung zu belasten, möchte wieder in die Piratenpartei eintreten und nun will die Piratenpartei ihn nicht. Die ach so freiheitliche und offene Piratenpartei. Und man beachte in den Kommentaren, wie deftig es mitunter zugeht und mit welchen fadenscheinigen Gründen sich naive Parteisoldaten und auch Parteioffizielle dagegen wehren, Tauss wieder aufzunehmen. Ein Lehrstück einer Partei, die nicht merkt, wie sie auf dem besten Wege ist, in einen dicken Shitstorm zu reisen, wenn die Geschichte in die Medien hochkocht, was nur eine Frage der Zeit sein dürfte.

Und wer diese grandiose Unterhaltung im Abo haben will, sehr empfehlenswerte, belustigende und entlarvende Wochenendlektüre:

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Web 2.0 meets schwäbischen Oberbürgermeisterwahlkampf.

24. Oktober 2011 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in PolitikWelt

Im beschaulichen schwäbischen Städtchen Nürtingen hat sich gestern ein bemerkenswertes Schauspiel ereignet. Der dortige zweite Wahlgang zur Oberbürgermeisterwahl, der vermutlich ursprünglich zu einer stinklangweiligen Veranstaltung verkommen sollte, wurde auf einmal höchst spannend, weil nach Amtsinhaber Otmar Heirich, der mit 49,57 % wiedergewählt wurde, eine Dame namens Claudia Grau mit 32 % das zweitbeste Ergebnis einfuhr – eine Kandidatin, die sich gar nicht hat aufstellen lassen. Aber mal von vorn:

Zahlen und Fakten

In Oberbürgermeisterwahlkämpfen in Baden-Württemberg muss ein Kandidat die durchaus anspruchsvolle Hürde der absoluten Mehrheit (also mindestens 50 % der Stimmen) reißen, um gewählt zu werden. Erreicht in einer solchen Oberbürgermeisterwahl kein Kandidat die absolute Mehrheit, kommt es zu einem zweiten Wahlgang zwei Wochen später, bei dem dann die einfache Mehrheit ausreicht.

Der erste Wahlgang

Der erste Wahlgang am 9. Oktober 2011 sah folgendermaßen aus:

  1. Otmar Heirich (SPD) – 40,3 % (4.902 Stimmen)
  2. Sebastian Kurz (CDU) – 25,5 % (3.124 Stimmen)
  3. Friedrich Buck (Grüne) – 10,2 % (1.242 Stimmen)
  4. Petra Geier-Baumann (parteilos) – 7,1 % (864 Stimmen)
  5. Andreas Deuschle – 5,7 % (697 Stimmen)
  6. Raimund Bihn – 2,5 % (318 Stimmen)

Wie zu sehen: Niemand hat die absolute Mehrheit. Und wie auch zu sehen ist, wenn man rechnet: Die sechs Kandidaten, die sich offiziell haben aufstellen lassen, vereinen nur 91,3 % aller abgegebenen Stimmen. Der Rest von 8,7 % der Stimmen verteilt sich auf eine Reihe von weiteren Menschen, was auf eine Spezialität in Kommunalwahlen zurückzuführen ist: Wähler dürfen auf ihrem Stimmzettel auch einen eigenen Kandidaten vorschlagen und ihm die Stimme geben.

Und hier genau gab es am 9. Oktober einen Hallo-Effekt, denn mit 5,8 % und 709 Stimmen errang Claudia Grau, Kulturbürgermeisterin der Stadt Nürtingen und eben nicht selbst aufgestellt, tatsächlich auf Anhieb den 5. Platz in der Wählergunst.

Nicht außer Betracht lassen darf man übrigens die granatenschlechte Wahlbeteiligung von 42,9 %. Von 29.396 Wahlberechtigten beteiligten sich gerade einmal 12.596 Wähler an der Wahl.

Der zweite Wahlgang

Der zweite Wahlgang fand zwei Wochen später statt, also am 23. Oktober 2011. Um am zweiten Wahlgang offiziell auf dem Wahlzettel zu stehen, müssen die Kandidaten bis zu einer Frist bekunden, ob sie für einen zweiten Wahlgang zur Verfügung stehen oder nicht. Erwartungsgemäß ziehen einige Kandidaten ihre Kandidatur zurück, so auch in diesem Fall unter anderem der Kandidat der Grünen. Mit solchen Rückziehern werden auf einen Schlag Stimmenpotentiale frei, die der ehemalige Kandidat dann an einen anderen Kandidaten weiterempfiehlt. Der Grünen-Kandidat hat seine Empfehlung für Claudia Grau abgegeben. Also für die Kandidatin, die eigentlich gar keine Kandidatin sein wollte.

Und so kam es dann im zweiten Wahlgang so, wie es kommen kann:

  • Otmar Heirich – 49,6 % (6.065 Stimmen)
  • Claudia Grau – 32 % (3.916 Stimmen)
  • Sebastian Kurz – 12,3 % (1.510 Stimmen)
  • Andreas Deuschle – 4 % (483 Stimmen)

Immerhin – die Wahlbeteiligung litt nicht noch weiter, sondern blieb mit 42.7 % und 12.511 Stimmen knapp an der Zahl des ersten Wahlganges. Normalerweise sind zu einem zweiten Wahlgang deutlich weniger Wähler zu begeistern, was vermutlich auch am überraschenden Wahlerfolg von Claudia Grau liegen dürfte. Was war hier eigentlich passiert?

“Plötzlich Bürgermeisterin”

WELT ONLINE hat es am vergangenen Mittwoch mit der obigen Überschrift über einen Zeitungsartikel schon ziemlich genau getroffen. Ja, so kann es kommen. Und warum es genau hier so gekommen ist, hat der Reutlinger General-Anzeiger schön in seinem Artikel “OB-Kandidaten wider Willen in Nürtingen” recherchiert.

Kurzfassung: Amtsinhaber Otmar Heirich hat in Nürtingen offenkundig einen schweren Stand, was am Ergebnis im ersten Wahlgang auch so abzulesen war. Schon vor der Wahl wurden Stimmen laut, dass Kulturbürgermeisterin Claudia Grau ebenfalls ihren Hut in den Ring werfen und kandidieren möge. Das lehnte sie mit dem Hinweis, dass sie nicht gegen ihren Chef antreten wolle, ab und das ist ein berechtigter Einwand.

Bisher war das in Dörfern und kleinen Städten so, dass man sich an solche Äußerungen gehalten hat. Sozusagen ein ungeschriebenes Gesetz, denn tatsächlich kann, wie oben bereits angeklungen, jeder Wähler auf seinen Stimmzettel einen eigenen Kandidaten notieren und ihm die Stimme geben. Jeder Wahlberechtigte in seiner Kommune, der zum Zeitpunkt der Wahl zwischen 18 und 65 Jahren alt ist, kann auf diese Weise zum Oberbürgermeister gewählt werden – wenn er denn die Stimmen zusammenbekommt.

Bis zur Vor-Web-2.0-Zeit war dies meist kaum möglich, weil nicht erreichbar. So viele Klinken kann man selbst in einer Kleinstadt wie Nürtingen nicht geputzt bekommen und selbst wenn es zu größeren Wähleransammlungen für einen Kandidaten kommt, so sind das meist Gaudi-Aktionen von Stammtischen oder Vereinen, die mal eben mehr oder weniger geschlossen ihren Vereinsvorstand wählen. Prominente wie Thomas Gottschalk oder Dieter Bohlen sind auch immer wieder gern gewählt. Viel passieren kann einem solchen Wider-Willen-Kandidaten übrigens nicht: Er wird nach einer eventuell gewonnenen Wahl ja gefragt, ob er die Wahl annehmen möchte oder nicht. Tut er das nicht, geht es dann halt wieder los mit Oberbürgermeisterwahlkampf …

Der Web-2.0-Effekt?

Im Falle der Oberbürgermeisterwahl in Nürtingen hat wohl Raimund Popp, Programmierer und engagierter Nürtinger Bürger, diese Spezialität der Kommunalwahl mit den Vernetzungsmöglichkeiten des Web 2.0 zusammengebracht. Und zwar zunächst gar nicht in Facebook, wie die meisten Medien kolportieren, sondern in Google+. Ironischerweise, muss man da sagen, denn eigentlich unterstützt Google+ derzeit keine Gruppen oder “Fanseiten”, so dass hier ein Benutzerprofil zweckentfremdet wurde. Die Facebook-Seite kam nach eigenen Angaben erst einige Wochen später, nachdem der Hype wohl Überhand genommen hatte.

Auch wenn ich die Idee sehr gut finde und sie nichts anderes darstellt wie echte und gelebte Demokratie, so hat sie doch einen Haken: Es ist beileibe kein Web-2.0-Effekt, sondern vielmehr das Ergebnis der klassischen Berichterstattung über diesen Web-2.0-Effekt. Schaut man sich nämlich die Befürworterzahlen (am 24. Oktober 2011, 12:15 Uhr) der beiden Seiten an, wird das sehr schnell klar:

  • Google+: 44 mal in Kreisen von anderen Benutzern
  • Facebook: 26 Befürworter

Mit 70 Wählern gewinnt man keine Wahl, selbst wenn man davon ausginge, dass alle 70 Befürworter auch Wahlberechtigte in Nürtingen gewesen wären. Aber immerhin reicht dieser Web-2.0-Effekt und die Berichterstattung darüber für erstaunliche Reaktionen.

Die vermeintliche Undemokratie aus Sicht von Demokraten

Amtsinhaber Otmar Heirich verstieg sich nach dem ersten Wahlgang auf Nachfrage eines Journalisten zu der Vermutung, dass Leute “aus der links-alternativen Ecke” ihren Spaß haben wollten und er dahinter eine “undemoratische” und für ihn “höchst fremdliche” Internet-Aktion sehe. So kann man es sehen. Muss man aber nicht. Denn die Aussage, dass es hier “undemokratisch” zugegangen sein könnte, ist vor allem einmal Unsinn eines Amtsinhabers, dem möglicherweise, um es mal salopp zu sagen, nach dem ersten Wahlgang und dem Pressehype um die verselbstständigenden Web-2.0-Aktivitäten plötzlich mächtig das Zäpfchen gegangen ist.

Tatsächlich jedoch war diese “undemokratische” Internet-Aktion im besten Sinne demokratisch. Jeder darf sich an der Wahl eines Amtes beteiligen, jeder darf sich aufstellen und jeder darf sich auch wählen lassen. Und wenn der/die Kandidat(in) nach der Wahl die formalen Kriterien erfüllt und die Wahl annimmt, dann ist des Volkes Wille geschehen, ob das nun einem bisherigen Amtsinhaber oder Parteifunktionären so passt oder nicht.

Das Internet, das Web 2.0 und deren Benutzer sind keine “Antidemokraten” und auch keine Gesetzesbrecher – sie tun mitunter das, was die Politik in der Realität derzeit manchmal nicht mehr schafft: Vernetzen und fördern.

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Die gepfefferten IVW-Auflagezahlen der Regionalpresse.

21. Oktober 2011 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in MedienWelt

Zu meiner quartalsweisen Lieblingslektüre gehören eine Reihe von trockenen Zahlen: Die IVW-Auflagezahlen für die Lokalpresse im und um Pforzheim herum. Und die haben es für den 3. Quartal in sich. Es geht nämlich konsequent abwärts.

Pforzheimer Zeitung

  • Auflagezahl von 42.418 auf 41.424 Exemplare (ein Minus von 2,34 Prozent)
  • Abonnentenzahl von 35.872 auf 35.303 (ein Minus von 1,59 Prozent)

Pforzheimer Kurier (Regionalausgabe der Badischen Neuesten Nachrichten)

  • Auflagezahl von 5,920 auf 5,747 Exemplare (ein Minus von 2,92 Prozent)
  • Abonnentenzahl von 4.004 auf 3.937 (ein Minus von 1,67 Prozent)

Und wer jetzt glaubt, dass hier vielleicht die elektronischen Abos die Zahlen verfälschen könnten – nada. Das E-Paper der Pforzheimer Zeitung hat ebenfalls verloren, nämlich einen Abonnent: Von 124 Abonnenten im zweiten Quartal blieben im dritten Quartal genau 123 (ein Minus von 0,81 Prozent).

Macht sich noch jemand anderes da draußen die quartalsweise Arbeit, seine Lokalblätter in Sachen Auflagezahlen zu messen? Ruhig mal schauen.

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Der Todeswalzer.

19. Oktober 2011 | 3 Kommentare | Veröffentlicht in HumorWelt

Meine heimliche Liebe sind ja Warteschleifenmelodien, die noch richtig “handmade” sind und in Zweikanal-Piezo-Gepiepse daherkommen. Technisch unzerstörbar, ingenieursmäßig genau durchprogrammierter Ablauf und mangels künstlerischer Tragweite jenseits von einer GEMA-Abgabepflicht. Beispiel:

Das ist so gräßlich, so dass es wieder kultig genug ist, es mit der Mitschneidefunktion meines Telefons aufzuzeichnen, es in eine MP3-Datei zu konvertieren und dem geneigten Leser in die Tagesration Blogs hineinzupressen. Schaut halt zu, wie ihr den Ohrwurm wieder loswerdet.

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