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Eine Blog-Empfehlung und: Die Welt ist klein.

30. September 2011 | 1 Kommentar | Veröffentlicht in BlogWelt

Ich empfehle ja normalerweise keine Weblogs weiter, aber diese Empfehlung ist eine solche Verkettung von Zufällen und das Weblog auch noch so gut, dass es einfach eine Empfehlung wert ist. Es geht hier um das Weblog namens Not quite like Beethoven von Alexander Görsdorf. Ein interessantes Weblog eines Menschen, der “wie Beethoven ist – nämlich ertaubt und öfters am daran verzweifeln.”

Mit einem besonders guten Gehör bin ich dank einer Reihe von Mittelohrentzündungen auch nicht gesegnet, aber dass es noch eine gute Packung schlechter geht, hört man selbst ironischerweise kaum, sondern kann es nachlesen. Beispielsweise eben bei “Not quite like Beethoven”.

So, und wie komme ich nun zu diesem kleinen Weblog in meinem Google Reader? Vor einigen Tagen habe ich mit Christiane vom Behindertenparkplatz getwittert. Das tun wir immer wieder einmal, weil Christiane in London in der Medienbranche arbeitet, an vielen interessanten Dingen gleichzeitig. Und Christiane sitzt im Rollstuhl, was wiederum – so ungalant darf man sein – interessant ist, denn als Nicht-Rollstuhlfahrer macht man sich kaum eine Reihe von den Gedanken, die sich ein(e) Rollstuhlfahrer(in) tagtäglich machen muss.

Wie auch immer: Vor einigen Tagen hatten wir es, nachdem ich erwähnte, dass ich meine Kompetenzen beim Weichlöten (gell, das wolltet ihr doch auch alle wissen!) in meiner Fernsehzeit gelernt habe, kurz davon, dass ich auch mal bei den Mainzelmännchen auf dem Mainzer Lerchenberg gearbeitet habe, just in der Zeit herum, als auch Christiane beim ZDF ein Praktikum absolvierte. Die Sendungen, für die sie arbeitete, kenne ich alle und ihre Bemerkung, dass man sich vielleicht ja durchaus damals über den Weg gelaufen sein könnte, finde ich extrem faszinierend, weil absolut möglich. Über die so genannte “Schnitzelpiste”, den zentralen Übergängen vom Sendebetriebsgebäude zum ZDF-Kasino, wird gesagt, dass man sich mittags eine Stunde dort hinstellen muss, um 75 % aller ZDF-Mitarbeiter kennenzulernen.

In diesem 140-Zeichen-Dialog fragte sie dann, ob ich das Blog da oben kennen würde, das würde nämlich vom Sohn des damaligen Chefkameramannes geschrieben werden. Da ahnte ich schon, wer das sein könnte, denn genau diesen Alexander Görsdorf hatte ich schon vor einigen Jahren in Xing gefunden und in meiner Direktheit gefragt, ob er tatsächlich der Sohn des besagten Chefkameramannes sei, was er, sicherlich mit einigem Staunen über so eine Frage aus dem Netz von einem Fremden, bejahte. Dieser Chefkameramann ist mir nämlich auch heute noch deshalb im Gedächtnis, weil er der erste Mensch im ZDF war, der mich anno 1995 mal kurz in die Tiefen des Hauses einführte, als ich von heute auf morgen (Betonung auf “heute auf morgen”) die nachträgliche Praktikumszusage erhielt und da plötzlich aufschlug, ohne überhaupt ein vorübergehendes Dach über dem Kopf im Rhein-Main-Gebiet zu haben.

Die Welt ist klein. Und Alexander Görsdorfs Weblog ein ganz interessantes. Christiane ihr Weblog ja sowieso. :-)

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Obama 2012 – Fundraising-Rushes.

29. September 2011 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in PolitikWelt
Kampagnenlogo Barack Obama 2012

Den Begriff “Fundraising-Rushes” gibt es so nicht, ich nenne es aber mal so, weil ich einfach eine Begrifflichkeit für das Phänomen, das die Obama-Kampagne signifikant prägt, brauche. “Fundraising-Rush” bringt es am deutlichsten zu Tage, was da in Sachen Fundraising passiert.

Schon bei Obama 2008 war einer der Kernpunkte der, dass das Fundraising – also das Spendensammeln – sich in einem zentralen Punkt gegenüber der “klassischen” Spendensammlerei unterscheiden sollte: Dem Grassroots Fundraising. Also der Idee, dass es nicht einige wenige Großspender gibt, denen man möglicherweise in irgendeiner Form politisch dankbar sein müsste, sondern dass möglichst sehr viele Klein- und Kleinstspenden aus der Bevölkerung generiert werden sollten – eine Graswurzelkampagne in Sachen Spenden. Dazu muss man einleitend nochmal nachreichen, dass die Finanzierung von US-präsidialen Wahlkämpfen vornehmlich eine Geschichte ist, die der jeweilige Kandidat selbstständig regeln muss. Eine Parteienfinanzierung wie in Deutschland gibt es so nicht und politische Parteien finanzieren Kandidaten auch nur in einem verhältnismäßig geringen Maße bis überhaupt nicht. Das würden die meisten Parteien in den USA auch gar nicht stemmen können, denn neben den Republikanern und Demokraten gibt es tatsächlich noch eine ganze Reihe von weiteren Parteien, die in der politischen Öffentlichkeit der USA schlicht und einfach nicht existieren.

Ein US-Präsidentschaftskandidat muss sich also nicht nur als Person gut verkaufen und nebenbei ein sinnvoll klingendes, politisches Programm mitbringen, sondern er muss seinen Wahlkampf auch einfach mal selbst finanziert bekommen. Barack Obama hat 2008 schlappe 600 Millionen US-Dollar Spendeneinnahmen für seinen Wahlkampf generiert und das dürfte vier Jahre später eher die untere Messlatte sein, die es zu reißen gilt.

Graswurzelgeld

Spendensammeln ist, um es salopp und direkt zu sagen, ein echtes Drecksgeschäft, egal für was man sammelt. Politische Spenden stehen in der Welt der Spenden nochmal ganz unten. Aber warum eigentlich? Darüber habe ich mir schon seit längerem den Kopf zerbrochen und eine einfache Antwort gefunden: Spenden ist generell unsexy und politische Spenden nochmal ein großes Paket mehr. Denn: Wenn ich klassisch spende, wird mir in großen Worten und Bildern vor der Spende gezeigt, was alles mit meiner Spende passieren könnte, aber so bald ich mein Geld den Tisch herüberwachsen lasse, wird es still. Über Geld redet man nicht. Vor allem dann, wenn es meines war und nun bei jemand anderem ist. Bei politische Spendenarbeit kommt zu den üblichen Befürchtungen, dass das Geld nicht da ankommen könnte, wo es eigentlich gebraucht wird, noch hinzu, dass man es eigentlich nicht mit Bedürftigen zu tun hat, sondern mit Meinungsbildung. Meinungen zu kaufen, ist verbunden mit ziemlicher Verruchtheit, auch wenn selbstverständlich klar ist, dass Meinungsdistribution in unserer modernen Welt umso teurer sind, je schneller und offensiver sie verbreitet werden sollen. Klassische Werbung lebt von diesem Paradigma, dass Meinung Geld kostet.

Also, dachten sich die Macher von Obama 2008, packen wir das Thema Fundraising von der anderen Seite an und machen das Spenden “erlebbar”. Die gesamte Kampagne wird in unzählige einzelne Kampagnen mit eigenen Finanzierungstöpfen aufgeteilt und die gilt es projektweise zu füllen. Sinnigerweise hat man das irgendwann mit stilisierten Säulenthermometern symbolisiert, in denen die virtuelle Flüssigkeit nach und nach immer weiter steigt, je mehr das Projekt finanziert ist. Jeder, der sich an so einer Projektfinanzierung beteiligt, hat zwar mit seiner Spende nicht wirklich sichtbar die Flüssigkeit nach oben gedrückt, aber er hatte das Gefühl, unmittelbar an der Finanzierung eines sehr genau umschriebenen Projektes beteiligt zu sein. Der Wähler bekommt den stark wirkenden Eindruck, dass er nicht einfach nur der Wähler ist, auf den die Argumente einprasseln, sondern er kann seine Überzeugung direkt in politischer Mitarbeit zeigen und sei es nur die (weitgehend nur für ihn sichtbare) Mitfinanzierung des Wahlkampfes durch eine Geldspende. Und: Er sieht, wo sein Geld landet, zumindest bekommt er eine gut gemachte Illusion geboten.

Dass dies funktionierte und darüber hinaus auch viele Befürworter zu weiteren Spenden und/oder direkter Wahlkampfmitarbeit aufmunterte, bleibt unbestritten. Selbst Thomas Gottschalk, ein “Wahlamerikaner”, gab unumwunden einmal zu Protokoll, dass er während dem Besuch der Obama-Kampagnenwebsite am Ende tatsächlich die Kreditkarte zückte und einen Geldbetrag spendete und er eigentlich gar nicht so richtig erklären konnte, warum eigentlich.

Das ist der Weg des modernen Fundraisings:

  • Der potentielle Spender möchte direkt angesprochen werden, er möchte genau sehen, wofür er Geld locker machen soll. Nicht einfach nur “für den Wahlkampf”, sondern eben tatsächlich beispielsweise für eine Mailingaktion mit einem bestimmten Brief an bestimmte Personengruppen.
  • Die Kommunikation ist immer so ausgerichtet, dass es immer “pressiert” und zwar ganz gewaltig. Jede Kampagne hat eine (angebliche) Finanzierungs-Deadline und wenn bis zu diesem Zeitpunkt der Topf nicht voll ist, fällt die Kampagne aus (was vermutlich auch eine “Notlüge” ist).
  • Die Kommunikation erfolgt zentral per E-Mail an die Befürworter, die sich auf der Obama-2012-Kampagnenwebsite registriert haben. Das Pensum an E-Mails für eine Kampagne steigt dabei “dramatisch” bis zur Deadline an, sowohl kommunikativ (“Es ist sehr wichtig, dass Sie jetzt reagieren!”), als auch personell. Zu Beginn der Kampagne schreiben weitgehend namenlose Mitarbeiter der Kampagne, am Ende Barack Obama selbst mit einem eindringlich wirkenden Appell.
  • Der potentielle Spender möchte das Geld, das er überweist, “sehen”. Das kann man, wenn man es richtig macht, auch umdrehen und ihm in Aussicht stellen, dass man es sofort auf der Website sieht, wenn er 10 US-Dollar lockermacht und sei es nur mit einem Summenzähler, der tatsächlich um 10 US-Dollar nach oben wechselt, wenn er die 10 US-Dollar überwiesen hat. Die Spende ist auf diese Weise tatsächlich mit einer Art “Belohnung” verbunden. Für Cash gibt es Aufmerksamkeit, auch wenn die sehr beschränkt ist. Für ihn und seinen Freundeskreis reicht es allemal.
  • Der Spender möchte im Nachgang informiert werden, wie es mit der Kampagne weitergeht und ist so auch am ehesten Bereit, später vielleicht eine weitere Kampagne mitzufinanzieren.

Graswurzelgeld versus “richtigen” Spenden

Klar ist, dass Grassroots Funding kaum einen kompletten Wahlkampfetat vollständig finanzieren kann, dazu geht es schlicht um viel zu viel Geld und dem Umstand, dass man im heißen Wahlkampf einfach sehr viel Geld in sehr kurzer Zeit braucht und sich dann nicht ewig mit Grassroots Fundraising beschäftigen kann.

Grassroots Funding ist jedoch eine Geschichte, die man sehr anschaulich zur Motivation von Befürwortern und Wählern nutzen kann. “Schaut, wenn wir alle anpacken, dann geht was!” Und: “Schaut, liebe Wähler (und Mitbewerber), wir stemmen hier was!” Das sind sehr starke Signale, die sich so bis ganz nach unten bewegen, bis hin zum einzelnen Kleinstspender, der mit seiner Spende in seinem direkten Umfeld wirbt.

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Firefox 7 – und es geht doch!

27. September 2011 | 4 Kommentare | Veröffentlicht in SoftwareWelt

Eigentlich bin ich Firefox-Fanboy, seit der ersten Stunde und eigentlich auch noch weit davor. Angefangen mit dem Netscape Navigator 2.0, der eine Ausgeburt an wackeligem Surfen war, war Netscape, Mozilla, Firefox und Thunderbird immer meine allererste Wahl in Sachen Webbrowser.

So richtig blöd wurde Firefox ab der Version 4. Der Hunger nach Arbeitsspeicher wurde immer mehr und mehr und ich kann wirklich nicht akzeptieren, wenn ein Webbrowser mit maximal 10 geöffneten Tabs mal eben so ein halbes Gigabyte Arbeitsspeicher abgreift und dennoch nicht wirklich flott unterwegs ist. Arbeitsspeicher habe ich ja nicht extra für Firefox gekauft. Mit Firefox 5 und 6 wurde das alles auch nicht besser, aber der Hinweis, dass für Firefox 7 geplant ist, den Speicherhunger zu begrenzen und zudem in Sachen Geschwindigkeit einiges zu tun, ließ hoffen.

Heute nun ist Firefox 7 veröffentlicht worden und lässt sich über die normale Update-Funktion herunterladen und installieren. Und der erste Eindruck ist positiv. Der Arbeitsspeicherverbrauch pendelt sich bei fünf Tabs (Backend meines Weblogs, Facebook, Google Reader, Empire Avenue und SPIEGEL Online) gerade bei rund 150 MB ein, das ist akzeptabel. Das Tempo beim Rendering ist deutlich flotter, gefühlt bewegt es sich nun erheblich näher an Google Chrome, auch wenn letzteres immer noch in einer eigenen Liga spielt. Es geht aber deutlich etwas. In Sachen Stabilität und weitere Performance werde ich mal die nächsten Tage weitertesten und ggf. nochmal was darüber bloggen. Aber generell gilt für alle, die von Firefox in der letzten Zeit erheblich genervt wurden – Firefox 7 testen.

Kleiner Nachtrag: Auch Thunderbird hat ein Update verpasst bekommen und ist nun auch auf Version 7. Konnte ich aber noch nicht antesten, weil zwei wichtige Plugins, die ich einsetze, (noch) inkompatibel für Version 7 sind. Erfahrungsgemäß sind Thunderbird-Updates jedoch eher konservativ.

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WordCamp 2011 in Köln.

25. September 2011 | 6 Kommentare | Veröffentlicht in Netzleben

Hinweis: Es gibt am Ende dieses Artikels ein nachträglich hinzugefügtes Addendum.

Die deutsche WordPress-Community hat zu ihrem diesjährigen Barcamp gestern nach Köln an die Humanwissenschaftliche Fakultät (welch wunderbarer Wink mit dem Zaunpfahl) geladen. Der Einladung war zu folgen.

“WordPress sprachfähig machen – Lokalisierung Kür oder Krampf?” von David Decker

Die Session wählte ich, weil ich mit dem Übersetzen von Open Source ja schon die eine oder andere Erfahrung habe und die andere, interessante Session in diesem Zeitslot zum Thema E-Commerce vermutlich mächtig überlaufen sein würde (was sie auch war). Davids Session war jedoch dennoch eine sehr ordentliche Geschichte zum Einstieg, da neben seinen Erfahrungen aus der Übersetzungsarbeit eine Menge Verweise auf Plugins abfielen, die ich mir notierte und die näher angeschaut werden müssen.

Generell bleibt in Sachen Internationalisation zu sagen, dass in der WordPress-Entwicklung noch eine Menge Verbesserungspotential in Sachen Übersetzung liegt. Es fiel unter anderem eine Aussage, dass die Nutzung einer Übersetzungsdatei die WordPress-Installation bis zu 44 % verlangsamt. Ich habe das zwar nie gemessen, habe aber die generelle Verlangsamung ebenfalls beobachtet. Dazu kommen die vielen Unzulänglichkeiten, die bei der Plugin-Entwicklung entstehen, wenn Plugin-Entwickler schlicht nicht berücksichtigen, dass auf diesem Planeten nicht nur Englisch gesprochen wird. Dabei wäre es so einfach, einfach eine Schnittstelle für Übersetzungsdateien zu schaffen und tatsächlich finden sich auch immer wieder Menschen, die dann auch entsprechende Übersetzungen zur Verfügung stellen.

“Spaßbremse beim Bloggen – rechtliche Rahmenbedingungen” von Maximilian Brenner

Der Rechtsanwalt Maximilian Brenner veranstaltete vermutlich einer der erfrischensten Sessions des WordCamps – nämlich die aus Sicht eines Rechtsanwaltes. Und die ist selbst in der bunten Social-Media-Welt knochentrocken und formalistisch. Mit einem brillanten Zynismus zeigte er, wie man als Blogger ruckzuck die Basis dafür schaffen kann, in stürmischeres, juristisches Fahrwasser zu kommen, was für die meisten Blogger auch der sofortige Ruin bedeuten dürfte. Und das fängt alles bei der Definition an, ob ein Blog privater Natur ist oder geschäftlicher. Privat ist es tatsächlich nur, wenn es rein private Inhalte aus Familie etc. beinhaltet und keinerlei “regelmäßige, meinungsbildende Inhalte”. Letzteres durchzuhalten, dürfte für die meisten Blogger, die nicht einmal im Jahr aus dem Urlaub bloggen, schon gehörig schwierig werden.

Ist man aus der Definition des Privatbloggers draußen, geht es dann schon los: Impressumspflicht nach § 5 TMG wegen des Anbietens eines Dienstes, Angabe eines redaktionell Verantwortlichen nach § 55 RStV, Informationen über die Verarbeitung personenbezogener Daten. Und das alles dann nicht nur im Weblog, sondern auch auf den Microblogging-Kanälen. Hier immerhin gibt es die Möglichkeit der “Zwei-Klick-Lösung”, d.h. einem direkten Link zu einem Impressum im Weblog. Prinzipiell muss aber im geschäftlichen Verkehr tatsächlich auch der Twitter-Stream mit einem Impressum versehen sein.

Anhand der vielen Notizen, die die meisten Session-Teilnehmer machten und einiger recht hilflos wirkender Fragen, die Maximilian Brenner herzlich amüsant beantwortete, nehme ich an, dass in den nächsten Tagen einige Leute ihre Impressen sehr stark umbauen werden. Inklusive meiner Person.

“Genesis Theme-Framework” von Heinz Duschanek und “Xtreme One Theme-Framework” von Alex Frison und Michael Preuß

Die nächsten zwei Session-Blöcke waren dann Framework-Geschichten. Mit Frameworks habe ich bis jetzt noch recht wenig Erfahrungen, weshalb ich einmal sehen wollte, was da geht – und da geht was.

Heinz Duschanek von der österreichischen E-Werkstatt entschuldigte sich schon zu Beginn über seinen österreichischen Akzent und verwies darauf, dass er “die Fähigkeit, Hochdeutsch zu sprechen, nach und nach verlieren wird”. Die verlor er tatsächlich auch sehr schnell, dennoch war sein Überflug ins Genesis- Theme-Framework gut und umfassend.

Mit Theme-Frameworks wird die Web-Entwicklung gehörig vereinfacht. Mit Child-Theming ist es möglich, ein bestehendes Theme mit relativ wenig Einstellungen und dem Austausch von wenigen Grafikelementen an den Kundenbedarf anzupassen. Das Genesis-Framework geht da einen umfassenderen Ansatz mit Einstellungenmöglichkeiten in Sachen SEO und vielen anderen Bereichen, während das Xtreme One Theme-Framework, in das Alex Frison und Michael Preuß einen Einblick gaben, sich auf weniger Bereiche beschränkt, hier aber erschlagend viele Einstellungsmöglichkeiten bietet. Das, was die beiden in Sachen Widget-Design zeigten, ist an Konfigurationsmöglichkeiten kaum noch zu übertreffen.

Beide Frameworks, die wie viele andere Frameworks kostenpflichtig sind, zeigen sehr anschaulich eine Entwicklung: Websites von kleineren Firmen können gut aussehen, mit WordPress ein vernünftiges CMS an Bord haben und mit einem Framework kostengünstig und effizient entwickelt werden.

“Bestehende WordPress-Seiten auf Multisite umstellen” von Walter Ebert

Walter hielt einer der inhaltlich anspruchsvollsten Sessions, in die er auf die “Erwachsenenversion” von WordPress, der Multisite-Installation einging. Für mich ist WordPress Multisite immer noch “WordPress µ”, auch wenn das natürlich nicht mehr so ist – die Multisite-Version von WordPress wird nicht mehr als getrenntes Projekt geführt, sondern steckt in jedem WordPress drin und muss nur noch aktiviert werden.

Wie das grundsätzlich geschieht, hat Walter Ebert in einem Schnellkurs beschrieben und ist dann später auch die richtig spannenden Dinge eingegangen, nämlich wie man die Inhalte aus einem Einzelplatz-WordPress in eine Multisite-Installation übernimmt. Der Artikel-Ex-und-Import ist zwar der offizielle Weg, dauert jedoch bis in die Puppen und beinhaltet immer noch die gewaltige Arbeit, alle Plugins auf der neuen Instanz manuell konfigurieren zu müssen. Das hat mich von einigen größeren WordPress-Geschichten bei uns auf dem Server immer zurückschrecken lassen.

Der Weg über einen MySQL-Dump hat Walter beschrieben, mit einigen Insider-Tipps garniert und darauf gepocht, dass der Weg gar nicht so schlimm ist, wie er sich anhört. Für mich ein Ansporn, es tatsächlich mal auf diesem Weg zu probieren. Natürlich nur mit expliziten Backups. ;-)

Fazit zum WordCamp 2011 Köln

Überraschend gut, überasschend unaufgeregt, überraschend “barcampig”, überraschend gute, inhaltliche Qualität. Zwar variiert die inhaltliche Qualität in barcamp-artige Konferenzen mitunter gewaltig (keine weiteren Kommentare, die Sessions meines “Lieblingsschlagersängers” besuche ich nicht mehr), allerdings findet man echte inhaltliche Juwelen zu dem Preis nur auf einem Barcamp. Und während die großen Barcamps inzwischen immer mehr zu Schlipsveranstaltungen von ganz arg wichtigen und an sich inkompetenten Leuten verkommen, ist das WordCamp als “Nischen-Barcamp” schön außerhalb dieser unschönen Entwicklung. Und ein Barcamp an einer Universität und dort in normalen Klassenräumen abzuhalten, ist “back to the roots”. Die Organisation war gut, das spendierte T-Shirt kommt mit einem tollen Motiv daher, die Verpflegung war herausragend und das von Netcologne gesponserte WLAN funktionierte sogar und hätte sicherlich auch noch besser funktioniert, wenn nicht jeder immer gleich alle seine zehn Gadgets am WLAN anmelden müsste.

Blogger-Kollege Jens vom Pottblog war übrigens auch da. Das heißt: Nicht immer ganz vollständig mit Körper und Verstand, aber BVB-Fans haben samstags eigentlich besseres zu tun:

Ich habe tatsächlich schon um 17 Uhr zusammengepackt und bin mit Straßen- und U-Bahn zurück zum Hauptbahnhof gefahren, um nochmal schnell eine Runde um den Kölner Dom zu fahren und staunend zu sehen, wie tausende Touristen davor sitzen und ebenfalls staunen, allerdings eher über den Kölner Dom an sich. Und vielleicht auch über die davor sitzenden und liegenden Trunkenbolde, die ja wirklich überhaupt keine Scham kennen und ihren Rausch mitten auf der Domplatte ausschlafen. Bei uns im Ländle wird sowas weggekärchert, bevor sie überhaupt ihr erstes Bier im Leben trinken.

Auch ein Erlebnis: Ein praktisch leerer ICE-Großraumwagen, den wir uns zu dritt geteilt haben. Und das erste Mal bei 300 Stundenkilometern aufs Klo gegangen. Bei der Geräuschkulisse und der Schaukelei kommt man sich in dem glänzenden Toilettenabteil vor wie im Space Shuttle. Nur was für die Harten. ;-)

Addendum vom 26. September 2011

Zum WordCamp gibt es in der deutschen Blogosphäre inzwischen ein eher durchwachsenes Stimmungsbild. Bemängelt werden da vor allem die an sich üblichen und auf dem WordCamp teilweise fehlenden “Barcamp-Gepflogenheiten” wie die fehlende Vorstellungsrunde und die weitgehend schon vorab feststehende Sessionplanung.

Kurzum: Ja, kann man monieren. Und nein, muss man nicht unbedingt. Es könnte mich durchaus nerven (was es nicht tut), wenn ich mir anschaue, wie Fans von Barcamps, die vorgeben, die Offenheit und Ungezwungenheit von Barcamps so sehr schätzen, gerade hier auf Formalien pochen, die angeblich erst ein Barcamp zu einem Barcamp machen.

Mir ist es relativ egal, ob man am Anfang eine Vorstellungsrunde macht, in der man viele Namen und viele Hashtags hört, die man im gleichen Moment wieder vergisst. Mir ist es auch relativ egal, ob eine Sessionplanung schon vorgeplante Inhalte hat (und ausdrücklich noch Raum für Ideen vor Ort) oder völlig nackt daherkommt. Ich will vor allem Dinge lernen und mitnehmen und das gern in Sessions, die gut sind und mit Leuten gefüllt, die ähnliche Ideen oder zumindest Bedürfnisse haben und mit denen man dann in Kontakt treten kann. Das ist der Mehrwert in meinen Augen.

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Das langsame Ende von Blackberry.

22. September 2011 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in MobileWelt

Von etwas einem Monat philosophierte ich unter anderem über das Unternehmen RIM und der Blackberry-Technologie und dem Umstand, dass Blackberry in einem immer größer werdenden Markt von Mobilgeräten ein Nischendasein fristen wird. Und tatsächlich gab es letzte Woche die ersten richtig greifbaren Vorboten in Form von schleppenden Verkaufszahlen von neuen Blackberry-Gerätschaften. Das zweite Geschäftsquartal brachte einen Umsatzrückgang von 11 Prozent bei einem Verkauf von 10,6 Millionen Gerätschaften, im Vorjahreszeitraum immerhin noch 12,1 Millionen.

Man könnte es nun einfach bei den Zahlen belassen und glauben, dass es einfach ein schlechtes Quartal war. Aber das ist es auf dem zweiten Blick nicht. Denn Smartphones boomen wie nie zuvor. Allerdings machen den Deal in erster Linie Hersteller von Smartphones mit Android-Betriebssystemen und Apple mit dem iPhone. Beides Mobilplattformen, die prinzipiell nomadisch funktionieren, was Blackberry-Gerätschaften auch heute noch nicht können. Ohne Blackberry-Server kein funktionsfähiges Blackberry-Gerät. Mit diesem Zwangs-Bundle konnte RIM lange Jahre gut fahren, die Zeiten sind jedoch definitiv vorbei.

Vorbei auch deshalb, weil selbst die Kernkompetenz von Blackberry, das Enterprise Messaging, inzwischen alle anderen Betriebssysteme via ActiveSync und Exchange-Server mehr oder weniger perfekt beherrschen und darüberhinaus ActiveSync flexibler ist und keine sonderlich große Administration und Anschaffung von Spezialsoftware und -gerätschaften erfordert. Ein Exchange-Server ist von Hause aus auch ein Server für alle Arten von Mobiltelefonen, die per ActiveSync synchronisieren können.

Blackberry war einmal State of the Art und diktierte einst mit ziemlich würzigen Preisen den Markt nach Belieben. Das hat sich in den letzten Jahren erheblich gewandelt und während andere Smartphone-Hersteller erfolgreich versucht haben, das Segment der Firmenkunden zu erreichen, hat Blackberry diese nach und nach verloren und versucht, mit einer Horde von Billiggeräten für Vielschreiber zu kontern, die sich kein iPhone leisten konnten oder wollten und dafür ein Gerät in Kauf nahmen, dass keinen Touchscreen, aber eine Tastatur mitbrachte. Zu holen ist im Billigsegment freilich nur wenig. Und wer dachte, dass RIM wenigstens im aufkommenden Tablet-Markt aufwacht, durfte auch hier erfahren, dass RIM nichts gelernt hat, denn ohne blackberry-fähigem Mailaccount ist auch jeder Blackberry-Tablet kaum funktionaler, als ein Käsebrettchen.

Als ehemaliger Systemadministrator sehe ich den langsamen Abgang von Blackberry, da muss ich ehrlich sein, ziemlich emotionslos. Viel zu wenig Spaß hat das ganze Blackberry-Zeugs gemacht und die andauernde Ansprache direkt an die Geschäftsleitung und nicht über die EDV-Abteilungen vieler Unternehmen war eine Sache, die jeder Systemadministrator einmal übelnimmt. Früher oder später. Nun ist es doch später geworden, aber irgendwann trifft es jeden, der die Realität verkennt.

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