Innereien einer Standuhr.

Mein Vater, inzwischen pensionierter Uhrmacher aus Passion, hat wieder ein neues Spielzeug am Start, wahrlich mit überirdischen Dimensionen. Hier geht es um eine Standuhr, die ein neues Werk benötigt und da ist er gerade dabei, das zu justieren. Das hört sich relativ einfach an, aber der riesige Pendel ist vor allem dazu da, in möglichst genau eingestelltem Gleichlauf den Takt vorzugeben. Wird so ein Takt gut eingestellt, läuft so ein Werk mit einer Genauigkeit von maximal nur ein, zwei Minuten Versatz im Monat. Vorausgesetzt man vergisst nicht, die Uhr regelmäßig aufzuziehen, läuft so eine Uhr im Jahr also kaum mehr als zehn Minuten vor oder nach. Die Uhr zu vergessen, aufzuziehen, ist da der häufigere Grund, dass die Uhr nicht durchgehend genau läuft.

Richtig toll sieht dieser Aufbau hier nicht aus und es ist schon Kunst genug, so ein „Testlabor“ in einer Uhrmacherei so aufzubauen, dass man auch wirklich einige Tage lang vernünftig testen kann, ohne über das ganze Ding zu stolpern. Der „Rest“ der Uhr, also Gehäuse und Klangstäbe, sind übrigens nicht hier, die stehen beim Kunden. Wollte man all das hertransportieren, bräuchte es einen Transporter und vier Mann zum Tragen.

Der Uhrenbeweger.

Wer sich für einen guten Uhrmacher hält, so wie es mein Vater tut, der hat allerlei Technik im Hause stehen. Was für andere eine Surroundanlage ist, ist für meinen Vater ein Uhrenbeweger. Und so sieht ein Profimodell in Aktion aus:

Wenn es einen technischen Bereich gibt, in dem sich in den letzten Jahrzehnten am meisten getan hat, dann ist es zweifellos die Uhrenindustrie. Und da rede ich gar nicht mal von Digitaluhren, sondern eben von Automatikuhren. Uhren, die keine Batterie brauchen. Uhren, die kinetisch geladen werden, nämlich durch den Träger, der beispielsweise beim Laufen ständig mit dem Armen herumschlenkert und dabei in seiner Uhr ein Gewicht bewegt, das wiederum eine Feder aufzieht. Nicht-digitale Hightech, die durchaus begeistern kann, weil sie einfach läuft und läuft und eine bemerkenswert gute Energiebilanz hat.

Diese technischen Entwicklungen führen übrigens dazu, dass Uhrmacher überproportional häufig glauben, sie könnten prinzipiell alles reparieren.. Kirchturmuhren, Autos, Computer, Blinddärme. Man muss sie dann gelegentlich einbremsen, bevor sie richtig etwas kaputtmachen. Das zumindest haben sie mit EDV-Leuten gemein. 😉

Und wie wir uns die Zeitumstellung dann mal endgültig merken.

Die geschätzte Yohtine fragte in Twitter die Frage der Fragen des modernen Menschen – wie herum stellen wir eigentlich Ende Oktober die Uhr wieder um? Ja, das kann man sich im Prinzip alle halbe Jahre wieder aufs neue fragen, wenn man sich nicht dafür eine Eselsbrücke parat legt. Und die ist eigentlich ganz einfach:

  • Im März wird die mitteleuropäische Uhr um eine Stunde nach vorn gestellt. Merken wir uns: Wir sind gesättigt vom Winter, wir wollen den Sommer und streben dorthin, also stellen wir einfach die Uhr schon mal um eine Stunde vor.
  • Im Oktober wird die mitteleuropäische Uhr dann wieder um eine Stunde nach hinten gestellt. Merken wir uns mit dem Gegenteil: Wir haben eigentlich keine Lust auf Winter und wollen im Sommer bleiben, also schieben wir die Uhr um eine Stunde nach hinten. Auch wenn es faktisch nichts hilft.

Für Zeitumstellungen in Sachen Reisen habe ich eine andere Eselsbrücke, die sich an die Wirtschaft anlehnt:

  • Gehst du in Richtung Osten, gehst du da hin, wo es gerade boomt, also China, Fernost usw. Da geht die Zeit nach vorn, die leben schon ein paar Stunden vor uns. Osten ist Zukunft.
  • Gehst du nach Westen, also nach Amerika, dann gehst du da hin, wo es mal geboomt hat und wo jetzt schwere Zeiten herrschen. Da geht die Zeit also nach hinten, die hängen uns hinterher. Westen ist Vergangenheit. Gilt natürlich weitgehend nur für Nordamerika, aber Eselsbrücke ist Eselsbrücke.

Der Trick funktioniert sogar, wenn man von Fernost aus weiter nach Osten geht, also irgendwann in Amerika landen würde. Zwar wird bei diesem Sprung auch die Uhr nach vorn gestellt, allerdings wird im Pazifik die Datumsgrenze überschritten. Fliegt man also von China nach Amerika, wird die Uhr zwar vorgestellt, durch das Überschreiten der Datumsgrenze verliert man aber gleich mal 24 Stunden und muss nach Gestern zurück.

Und umgekehrt funktioniert das dann logischerweise auch, von Amerika nach China verliert man zwar ein paar Stunden, bekommt aber dank der Datumsgrenze 24 Strafstunden aufgebrummt und landet trotz Zeitverlust im Morgen.