ProSiebenSat.1 scheint zu verzweifeln.

Selten so gelacht, wie heute: Die heute lancierte Meldung, dass man bei ProSiebenSat.1 überlegt, mittelfristig die eigenen Programme zu Bezahlprogramme umzubauen, ist ein weiterer Höhepunkt der Niederlagen des Hauses und ein hübsches Zeugnis dafür, dass man eigentlich keine Ahnung hat, wie man jemals wieder in die halbwegs schwarzen Zahlen kommen will bei einem Schuldenberg von derzeit rund 3.000.000.000 Euro.

Denn man muss den SPIEGEL-Artikel gar nicht so sehr zwischen den Zeilen lesen, um zu merken, dass bei ProSiebenSat.1 nach wie vor jegliches, sinnvolles Konzept fehlt. Denn den einfach mal dahergeplapperten Plan eines Bezahlfernsehens, also der Idee, die Programme aus dem eigenen Hause mittelfristig zu Pay-TV umzuwandeln, bringt selbstverständlich nur auf einer Seite Geld in Haus, nämlich bei Abonnenten. Allein die zu aquirieren, ist in Deutschland nachweislich – sagen wir es freundlich – nicht ganz so einfach. Da haben sich schon genügend andere Programmanbieter die Finger dabei verbrannt, ob sie nun Premiere heißen, „Premiere, zweite Version“ oder DF1.

Nein, auf der anderen Seite ist die Umstellung eines bis dato freien Vollprogrammes zu einem Pay-TV-Programm mit Verlusten verbunden, denn Werbetreibende bezahlen die gesendeten Werbespots auf Basis der Reichweite und der Zuschauerquote. Was würde also passieren, wenn Pro Sieben oder Sat.1 zu Pay-TV würden? Die Werbeeinnahmen würden schlagartig zusammenbrechen und dabei ist noch kein einziger Abonnent gewonnen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass tatsächlich jemand so bei ProSiebenSat.1 denkt.

Also bleiben nur die Nischen und da gibt es zwei: Entweder ein Programmbouquet mit zusätzlichen Programmen, für die man potentielle Abonnenten begeistern könnte oder kostenpflichtige Angebote für Technik-Junkies, beispielsweise dem geplanten „HD+“. Mit diesem Angebot des Satellitenbetreibers Astra möchte man HD-Enthusiasten dazu überreden, Geld für HD-Versionen von bestehenden Programmen zu begeistern, mit dem dann die Sender die notwendige Bandbreite auf den Astra-Satelliten bezahlen wollen.

Das bleibt abzuwarten, ob das funktioniert. Denn HD-Enthusiasten haben sich HD-Equipment ja nicht unbedingt deshalb gekauft, weil Astra irgendwann mal ein entsprechendes Bouquet kostenpflichtig auf den Satelliten stellt, sondern sie haben sich die teuren Glotzen meist mit einem HD-Camcorder, einer PS3, einem Bluray-Player oder einem SKY-HD-Abo gekauft und bekommen schon auf diese Weise genügend HD-Material ins Haus, und das eben heute schon. Ob da noch Platz für Bezahlprogramme ist, die man unverschlüsselt schon in brauchbarer Normalauflösung empfangen kann? HD ist zweifellos eine grandiose Geschichte und wirklich ein Meilenstein in der Fernsehtechnik, aber ich ertappe mich ja selbst dabei, dass ich eine Bluray-Disc eines Filmes eigentlich nur dann der günstigeren DVD vorziehe, wenn ich den Film auch unbedingt in HD sehen will. Und da sehe ich mich in meinem Bekanntenkreis als die große Ausnahme an, denn nach wie vor stöpseln die meisten meiner Bekannte ihren Sat-Receiver per Scart an ihre HD-Ready-Glotze an. Und ob sie für 720 Linien (normales HD) anstatt 576 (PAL) dann tatsächlich nochmal extra Geld auf den Tisch legen? Ich würde meinen Freundeskreis nicht wiedererkennen, wenn das so wäre.

Und diese Gewohnheiten will ProSiebenSat.1 ändern? Bei dem Programm? Mit dem Schuldenberg? Da habe ich schon bessere Geschichten vom Pferd gehört.

ZDF trennt sich von Giftpapieren: Kerner geht.

Ich wusste gar nicht, dass es die Idee mit den so genannten Bad Banks, in die notleidende Banken ihre Zeitbomben in Form von notleidende Kredite zur Endlagerung abgeben können, schon für das öffentlich-rechtliche Fernsehen gibt. Scheinbar aber doch, denn diese Bad Bank scheint Sat 1 zu heißen und dort wird ab dem Jahr 2010 Johannes Baptist Kerner endgelagert. Als Moderator und Kommentator für die Champions League – was er kann, ist Fußball – und unvermeidlicherweise auch als Moderator für ein wöchentliches Live-Magazin. Nennen wir es mal Talkshow. Das kann er zwar nach wie vor nicht, aber das macht er zumindest schon lange.

Das ist das beste, was dem ZDF passieren konnte. Zwar kann man davon ausgehen, dass die Mainzelmännchen nach dem Weggang von Kerner die Sendeplätze seiner Talkshow mit einem anderen Moderator stopfen werden, aber wenigstens sind wir jetzt “Mr. Betroffenheit” auf den vorderen Sendeplätzen los und finden ihn zukünftig da, wo seit den letzten Jahren jede seichte Unterhaltung ihr sanfte Ruhe findet.

Wenn das ZDF gut wäre und sich auf Qualität besinnen würde – wozu es jedoch leider keine Anzeichen gibt – würden sie die nun freiwerdenden Sendeplätze zumindest teilweise dazu nutzen, neue Magazinformate zu entwickeln und auszuprobieren. Man könnte ruhig etwas fürs Geld tun, was man vom Gebührenzahler LKW-weise geliefert bekommt. Schlimmer und seichter als mit Kerner kann es kaum mehr kommen.