Das langsame Ende von Blackberry.

Von etwas einem Monat philosophierte ich unter anderem über das Unternehmen RIM und der Blackberry-Technologie und dem Umstand, dass Blackberry in einem immer größer werdenden Markt von Mobilgeräten ein Nischendasein fristen wird. Und tatsächlich gab es letzte Woche die ersten richtig greifbaren Vorboten in Form von schleppenden Verkaufszahlen von neuen Blackberry-Gerätschaften. Das zweite Geschäftsquartal brachte einen Umsatzrückgang von 11 Prozent bei einem Verkauf von 10,6 Millionen Gerätschaften, im Vorjahreszeitraum immerhin noch 12,1 Millionen.

Man könnte es nun einfach bei den Zahlen belassen und glauben, dass es einfach ein schlechtes Quartal war. Aber das ist es auf dem zweiten Blick nicht. Denn Smartphones boomen wie nie zuvor. Allerdings machen den Deal in erster Linie Hersteller von Smartphones mit Android-Betriebssystemen und Apple mit dem iPhone. Beides Mobilplattformen, die prinzipiell nomadisch funktionieren, was Blackberry-Gerätschaften auch heute noch nicht können. Ohne Blackberry-Server kein funktionsfähiges Blackberry-Gerät. Mit diesem Zwangs-Bundle konnte RIM lange Jahre gut fahren, die Zeiten sind jedoch definitiv vorbei.

Vorbei auch deshalb, weil selbst die Kernkompetenz von Blackberry, das Enterprise Messaging, inzwischen alle anderen Betriebssysteme via ActiveSync und Exchange-Server mehr oder weniger perfekt beherrschen und darüberhinaus ActiveSync flexibler ist und keine sonderlich große Administration und Anschaffung von Spezialsoftware und -gerätschaften erfordert. Ein Exchange-Server ist von Hause aus auch ein Server für alle Arten von Mobiltelefonen, die per ActiveSync synchronisieren können.

Blackberry war einmal State of the Art und diktierte einst mit ziemlich würzigen Preisen den Markt nach Belieben. Das hat sich in den letzten Jahren erheblich gewandelt und während andere Smartphone-Hersteller erfolgreich versucht haben, das Segment der Firmenkunden zu erreichen, hat Blackberry diese nach und nach verloren und versucht, mit einer Horde von Billiggeräten für Vielschreiber zu kontern, die sich kein iPhone leisten konnten oder wollten und dafür ein Gerät in Kauf nahmen, dass keinen Touchscreen, aber eine Tastatur mitbrachte. Zu holen ist im Billigsegment freilich nur wenig. Und wer dachte, dass RIM wenigstens im aufkommenden Tablet-Markt aufwacht, durfte auch hier erfahren, dass RIM nichts gelernt hat, denn ohne blackberry-fähigem Mailaccount ist auch jeder Blackberry-Tablet kaum funktionaler, als ein Käsebrettchen.

Als ehemaliger Systemadministrator sehe ich den langsamen Abgang von Blackberry, da muss ich ehrlich sein, ziemlich emotionslos. Viel zu wenig Spaß hat das ganze Blackberry-Zeugs gemacht und die andauernde Ansprache direkt an die Geschäftsleitung und nicht über die EDV-Abteilungen vieler Unternehmen war eine Sache, die jeder Systemadministrator einmal übelnimmt. Früher oder später. Nun ist es doch später geworden, aber irgendwann trifft es jeden, der die Realität verkennt.

Warum es egal ist, ob Android oder iOS mainstream oder premium sind.

Da sind wir wieder, bei der immer gleichen Sau, die regelmäßig durchs Dorf getrieben wird und sich um das Thema dreht, ob nun Android oder iOS das bessere Betriebssystem ist. Aktuell sind wir bei der unglaublichen Feststellung von „Digital-Pionier“ Christoph Kappes im D&W-Magazin, der sinniert, dass Android „mainstream“ sei und iOS „premium“. Wollte ich mir eine Antwort sehr einfach machen, würde ich einfach mit einem Link auf einen x-beliebigen Handyshop antworten, denn diese Feststellung lässt sich dort schon allein mit den Preisen für iOS- bzw. Android-Gerätschaften darlegen. Mal so am Rande: Die Säue, die man durchs Dorf treibt und Aufregung verursachen, waren auch mal besser.

Anyway: Die Frage, ob ein Premiumprodukt, das das bessere ist, auch tatsächlich funktioniert, ist eine, die nichts, aber auch wirklich nichts mit Qualität zu tun hat. Gerade in der Unterhaltungselektronik überlebt selten das beste System, sondern allenfalls das, was die meiste Marktdurchdringung gewinnt. Solche Marktdurchdringungen werden dabei auf verschiedenste Weisen erkauft, in der Regel durch knallharte Subventionierungen. Entweder ist das Produkt gänzlich kostenlos oder es wird ordentlich günstig verscherbelt. Es wird aber gepusht und das ist das zentrale Kennzeichen.

iOS kann man allein schon dadurch zu einem Premium-Produkt zählen, dass es nur ein Hersteller für seine Geräte verbaut und der diese Monokultur auch kräftig ausnutzt. So kräftig, dass iOS bzw. iPhone und iPad letztendlich nur für einen verhältnismäßig kleinen Kreis von weltweiten Nutzern erschwinglich ist. In den meisten Staaten dieser Erde wird der Otto Normalverbraucher sich ein iOS-Gerät schlicht nicht leisten können, weil es zum einen keine „Billigversionen“ von iPhone und iPad gibt und Apple auch überhaupt kein Interesse daran hat, zumindest so lange die Märkte in der „Ersten Welt“ nicht gesättigt sind. Android geht den Weg über die Breite, baut also, schematisch gesehen, ein Framework, das dann Hersteller für ihre eigene Hardware adaptieren können, mit all den damit verbundenen Vor- und Nachteilen.

Ironischerweise erheblich unwichtig ist die Frage, ob nun Android oder iOS das bessere Betriebssystem ist. Grundsätzlich haben beide Betriebssysteme einen relativ hohen Grad an Benutzerfreundlichkeit erreicht und es geht in der Entwicklung von zukünftigen Versionen weitgehend nur noch um Detailfragen und um Kompatibilität zur Hardware, was Android naturgemäß vor deutlich höhere Hürden stellt, als iOS. Was Android mit diversen Bedienelementen wettmacht, die iOS (noch) nicht hat, macht iOS wiederum mit weitgehender Idiotensicherheit wieder wett und umgekehrt. Das wichtigste Ziel der Attraktivität ihrer Betriebssysteme haben beide erreicht: Eine verhältnismäßig große Softwarevielfalt in Sachen Apps.

Das wird erheblich deutlicher, wenn man sich mal die Mühen macht, die echten Kriegsschauplätze in Sachen Mobilbetriebssysteme anzuschauen, nämlich jenseits des angeblichen Kampfes zwischen Android und iOS. WebOS/Palm hat sich durch die (in meinen Augen krasse) Abkehr Hewlett-Packards von der Consumerelektronik erledigt, RIM kämpft mit seinem extrem abgeschirmten und in Consumerbereich quasi kaum sinnvoll nutzbaren Blackberry um jeden Kunden. Microsoft versucht mit Windows Mobile mit extremem Aufwand, an alte Zeiten anzuknüpfen und kann relativ bequem Blackberry-Anwender abschöpfen, die mit Windows Mobile zur „Mutterplattform“ in Sachen Exchange- bzw. Active-Sync-Synchronisierung kommen. Was dann noch hinter Blackberry und Windows Mobile kommt, hat ganz schlechte Karten und kaum über homöopathisch wirkende Reichweiten kommen.

Den vielbesungenen Krieg der Mobilbetriebssysteme Android und iOS – ich bin mal so frei und behaupte, dass das vor allem ein Krieg ist, der bei den Kleingeistern dieser Welt, die schon damit überfordert sind, zwischen App, Webapp und Widget zu unterscheiden, am stärksten gekämpft wird. Und diesen Krieg, den interessiert, mit Verlaub, kein Schwein.