Zeitunfall auf N24.

Da lief doch tatsächlich am 5. Mai im so genannten Nachrichtensender N24 in der damals laufenden Berichterstattung über die Tötung von Osama Bin Laden ein denkwürdige Geschichte ab. Moderator Mike Locher wollte offenbar in seiner Hintergrundberichterstattung über die Navy Seals sprechen und ließ das Signet der Truppe auf die Großbildleinwand einblenden. Nur dumm, dass es nicht das Signet der Navy Seals war:

Das „Maquis Special Operations Seals Team VI“ hat zwar ein relativ ähnliches Signet, ist aber zur Gänze eine fiktive Truppe – aus der Fernsehserie Star Trek Voyager. Hätte, so stelle ich mir das sehr bildlich vor, der arme Praktikant, der mal eben im Internet nach einem passenden Signet suchen musste, eine Ahnung von Star Trek, wäre ihm der Phaser aufgefallen, auf dem der Adler im obigen Bildteil steht, und die drei Bat’leths, die im unteren Teil um den Totenkopf angeordnet sind.

Immerhin, so das Magazin Stern, nimmt man bei N24 den Vorfall angeblich mit Humor. Bei dem nachrichtensenderähnlichen Himmelfahrtskommando, das N24 und auch der RTL-Ableger n-tv in meinen Augen N24 darstellen, vermutlich das einzig wirklich sinnvolle. Don’t call it news – it’s a desaster.

„Gag Alert.“

Einem Moderator können selten so schlimme Dinge passieren, wie Lachanfälle:

Was bei dem Moderator im folgenden Moment passiert, ist auch rätselhaft, vermutlich eine Art Reflex:

Man höre beim folgenden Schnipsel mal darauf, warum der Kollege des CBS-Moderators nicht mitmoderieren kann:

Der vermutlich einfach unbezwingbare Evergreen an Moderator, den die folgenden drei Minuten übrigens die Karriere gekostet haben, gibt es ebenfalls in YouTube. Bei dieser niederländischen Talkshow kommt es gar nicht auf die Inhalte an (noch nicht mal, wenn man die Sprache versteht), sondern darauf, wie der Moderator reagiert:

Es geht wohl hier um Behandlungsfehler und der Gesprächspartner mit der hohen Stimme hat bei einer Operation Verletzungen an den Stimmbändern erlitten. Und dann redet er auch noch über sein verpfuschtes Liebesleben…

Sind keine Nachrichten gute Nachrichten?

Es gibt ja in der Web-2.0-Welt durchaus die Verfechter der These, dass Blogging der Journalismus von morgen sei. Diese These beschäftigt mich innerlich mehr oder weniger schon seit Jahren und während ich ganz zu Anfang diese These komplett verneinte, zwischendurch dann schon mal das Gefühl hatte, dass an der These etwas sein könnte, hat sich meine Meinung in den letzten Monaten wieder gewandelt. Nicht, weil das Bloggen selbst nicht journalistischen Ansprüchen genügen würde (das Gegenteil ist der Fall), sondern weil die meisten Blogger eben keine Journalisten sind.

Das beste Beispiel heute ist Rivva.de, das wunderbare Werkzeug von Frank Westphal, das einen Überblick über Schlagzeilen in der Blog- und Online-Welt liefert, in dem es dem Kommentierungs- und Verlinkungsgrad bewertet. Von der Idee her eine tolle Sache, allerdings in der Praxis ein Werkzeug, das schonungslos aufzeigt, dass in den Leitmedien der Blogosphäre Quantität vor Qualität steht. Ein gefühltes Drittel der Blogs, die in Rivva.de als Reaktionen auf einen Artikel erscheinen, erscheinen dort nur aus einem Grund: Weil die Autoren der betreffenden Blogs nichts anderes machen, als Reaktionen auf in Rivva.de erscheinende Artikel zu geben. Damit machen sie natürlich in erster Linie auf ihr Blog aufmerksam, ranken dafür aber die betreffenden Artikel in Rivva.de hoch. Was das jetzt mit Weihnachten zu tun hat? Nun, wenn eben diese ganzen Trittbrettfahrer im Weihnachtsurlaub sind, läuft Rivva.de quasi leer. Und das tut es nämlich gerade.

Gibt es deshalb jetzt gar keine Nachrichten? Ein Blick auf die gängigen Nachrichten-Websites, die unter anderem über ein Ultimatum Israels gegen die Hamas schreiben, über Truppenverschiebungen pakistanischer Militärs an der pakistanisch-indischen Grenze, über den Vorschlag vom  Banken zum Verschieben von Risikopapieren an den Staat und über die Reaktionen zur Weihnachtsansprache des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad an die britische Bevölkerung, spricht dabei eine andere Sprache.

Die viel besungene Schwarmintelligenz hat sicherlich seinen eigene Charme, dessen Wirkung in vielen Spezialfällen noch gar nicht wirklich erforscht sein dürfte. Wenn jedoch die Schwarmintelligenz das Problem hat, dass ein paar schlafende Schwarmteilnehmer dem gesamten Schwarm eine trügerische Ruhe unfreiwillig vorgaukeln können, dann haben wir ein Problem.