Ein Nachruf auf Magazinsendungen in ARD und ZDF

Dass die ARD gerade dabei ist, bei vielen Magazinsendungen harte Schnitte zu vollziehen, sie entweder zu kürzen oder in die „Todeszone“ des Programmschemas, Uhrzeiten nach 23 Uhr, zu verschieben, ist journalistisch für den zahlenden Fernsehzuschauer eigentlich ein echtes Drama. Bildung – dazu gehört auch die Meinungsbildung – ist die Kernkompetent des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und dazu gehören sicherlich auch Meinungen, die dem ein oder anderen nicht gefallen. Gerade politische Magazinsendungen müssen eine glaubwürdige Ausrichtung haben und es ist für einen Fernsehsender eigentlich eher wichtig, verschiedene Politmagazine zuzulassen, anstatt unbequeme abzusägen.

Generell ist es aber das Genre des Magazinsendungen selbst, was hier zu Grabe getragen wird und das ist äußerst bedauerlich. Eine – nämlich meine – Erfahrung dazu: Das ZDF hatte einst das „Gesundheitsmagazin Praxis“ am Start. Einmal die Woche für eine dreiviertel Stunde medizinische Themen in einer Sendung von 21 bis 21:45 Uhr, meist bestehend aus drei Themenblöcken und einem Kurzmitteilungsblock.

Als Kind habe ich „Praxis“ gehasst, weil es zu deutlich zeigte, was es für Krankheiten des Menschen gibt. Mit Krankheit, Elend, Alter will niemand konfrontiert sein, dennoch ist Bildung darüber unabdingbar. Man denke da beispielsweise an sehr aktuelle Geschehnisse wie beispielsweise die Corona-Pandemie, bei der es bei vielen Menschen schon an den grundsätzlichen Dingen wie der Funktionsweise einer Impfung scheitert.

„Praxis“ konnte solche Dinge erklären, die danach selbst für Kinder und Jugendliche zugänglich wurden. Einen Heidenrespekt bekam ich zu „Praxis“, als ich dann in meiner Zeit beim ZDF als Kameraassistent selbst mit der Produktion von „Praxis“-Themenblöcken und vor allem mit Redakteuren der „Praxis“-Redaktion zu tun hatte. Medizinjournalisten gehören zu den angenehmsten Leuten im Journalistikbetrieb, obwohl sie mitunter die unappetitlichsten Sachen zu vermitteln hatten. Genau das aber konnten sie auch und das war grandios. Zu meiner Zeit war die Creutzfeld-Jakob-Krankheit gerade stark in der öffentlichen Wahrnehmung und der Verdacht, dass Prionen dahinterstecken, brandaktuell. Es hat mir dann eben ein Redakteur des „Praxis“-Magazins auf einer längeren Autofahrt so im Detail erklärt, dass es Kameramann und Kameraassistent verstanden haben.

Gearbeitet haben wir mit dem gleichen Redakteur auch an einem 15-Minuten-Beitrag (heute undenkbar lange) zur Notfallmedizin und schon 1996 mit der Frage, wie Notaufnahmen von Patienten entlastet werden können, die schlicht keinen Hausarzt mehr haben und kleine Krankheiten nicht mehr von großen unterscheiden können. Eine Sache, die 1996 noch halbwegs theoretischer Natur war, heute aber für viele Krankenhäuser eine echte Bedrohung der Arbeitsabläufe geworden sind. Ein heutiges Konzept ist die im Krankenhaus integrierte Hausarztpraxis, die es so inzwischen in vielen Krankenhäusern im ganzen Land gibt. Damals gab es nur ein Pilotprojekt in Hagen und wir haben es gefilmt und uns erklären lassen.

Dinge zu erklären, die für den einfachen Menschen schwer verständlich sind. Oder Dinge zu erklären, die der einfache Mensch im Alltag – auch politisch – übersieht. Das können nur Magazinsendungen und davon gibt es leider inzwischen viel zu wenige. Und ja, Magazinsendungen sind nicht ganz billig (aber dennoch überraschend günstig) und oft genug Stimmungskiller, aber Magazinsendungen sind Programmauftrag für ARD und ZDF und daher unabdinglich. Und eigentlich bräuchten wir viele Magazinsendungen dringend wieder.

Neues Download-Magazin für Gamer.

Robert Bannert hat mir eine E-Mail geschrieben und mich gebeten, sein Magazin-Baby namens Elektrospieler näher anzuschauen. Eigentlich bin ich nicht so der Fan von Gamer-Magazinen (und auch kein Fan von den meisten, hippen Computermagazinen), weil sie mir teilweise so hipp vorkommen, dass ich mir manchmal vorkomme, wie ein stockkonservativer Schwarzparteienwähler, der hinter dem Mond lebt. 😉

Das Magazin von Robert Banner hat jedoch ein paar Dinge von Hause aus, die alle anderen Gamer-Magazine nicht haben:

  • Es kommt als in einer PDF-Datei fest gegossenes Download-Magazin daher.
  • Es kostet nicht einen Cent und soll das auch weiterhin bleiben, in dem die Finanzierung durch Werbeschaltungen im Magazin gedeckt werden soll.
  • Es ist dennoch äußerst professionell gemacht.

Das sind genügend Gründe, um Robert einmal näher zu befragen, was er da eigentlich mit dem Elektrospieler vorhat. Seine Antwort ist ambitioniert:

„Unter elektrospieler will ich jetzt zusammen mit langjährigen Kollegen genau die Plattform machen, die wir schon immer alle machen wollten – mit kreativen Freiheiten fernab des verlegerischen Diktats. In diesem Zuge wollen wir verstärkt kreative Nachwuchstalente vorstellen und Features bringen, die das Spiel z.B. aus kultureller sowie medienwissenschaftlicher Perspektive beleuchten. Momentan kommt das noch etwas kurz, weil zur Weihnachtszeit unendlich viele Spiele erscheinen – und unser kleines Team testmäßig dezent überlastet ist. Aber sobald die Release-Listen wieder etwas lichter werden und wir mehr Zeit haben, wird diese Komponente deutlich verstärkt werden. Genauso wichtig ist uns kompromisslose Transparenz bei den Wertungen: Es geht uns nicht darum, ein Spiel auf Biegen und Brechen als die ersten zu testen – und das dann womöglich auf den letzten Drücker… so wie wir es alle aus den unterschiedlichen Print-Publikationen gewöhnt sind, für die wir im Laufe der Jahre gearbeitet haben.

Daher auch unser Wertungssystem: Sind wir uns zu einem Zeitpunkt über die korrekte Wertung noch nicht auf den Punkt genau sicher, dann gibt’s erstmal nur die Schulnote – also z.B ein „gut“ oder „sehr gut“. Die Punktewertung (dem Oberstufen-System des Gymnasiums nachempfunden) wird in solchen Fällen nachgeliefert. Spiele, bei denen der Spielspaß mit einer Community steht bzw. fällt (MMOS oder aber ein „Little Big Planet“ für die PS3), die bewerten wir z.B. gar nicht, weil man eine Community nicht bewerten kann. In einem Print-Heft könnten wir uns solche Freiheiten nicht erlauben, weil Verleger da sehr konkrete Vorstellungen haben – in unserem eigenen PDF-Mag können wir das schon. Vielmehr ist es so, dass wir die Spiele in unseren Reviews nicht zwangsläufig aktuell testen, sondern vor allem noch mal Revue passieren lassen wollen – ohne zeitlichen Druck… und nachdem wir sie so genossen haben, wie man Games genießen sollte… nämlich ohne den Stress, der in einer Redaktion Alltag ist und einem den Spielspaß besonders bei schweren oder anspruchsvollen Spielen gründlich vermiesen kann.“

Das nehme ich ihm ungesehen ab. Robert Bannert ist mit seiner Agentur Ratz in der Spieleszene kein ungeschriebenes Blatt und kommt mit 15 Jahren Szeneerfahrung daher – genug, um die moderne Gamer- und Spielekonsolenwelt zu kennen und auch unaufgeregt über Spiele zu schreiben, die schon einige Wochen und Monate auf dem Markt sind, hinreichend tief durchgespielt wurden und auch preislich nicht mehr nur für „Early Adopter“ interessant sein dürften.

Und so kommt auch das Magazin daher: Ein paar sehr schöne und differenzierte Spielebewertungen, einige hintergründige Artikel und Interviews und schon kommt da etwas sehr Erstaunliches daher.

30 Jahre CHIP und ein Geschenk.

Das Computermagazin CHIP ist doch tatsächlich 30 Jahre alt geworden, man glaubt es als EDV-Insider kaum. Und tatsächlich war die CHIP auch bei mir das erste Computermagazin, das ich mit acht, neun Jahren das erste Mal in Händen hielt. Und natürlich nichts verstand, denn mein erster Computer kam erst mit 14 Jahren ins Haus. CHIP war einer der geheimnisvollen Magazine, die ultrageheimnisvolle und unglaublich interessante Artikel über Techniken und Gerätschaften schrieben und bestimmt nicht nur bei mir die Basis für das Interesse an EDV darstellten.

Die CHIP-Redaktion tut etwas wirklich nettes, in dem sie die erste Ausgabe als PDF-Datei kostenlos ins Netz stellt. Denn damit kann man sich sehr schön ein Bild darüber machen, wie es damals war – als man als Kind nur darüber staunen konnte.