Long Tail in Sachen Krimiauflösung im Fernsehen.

Hier im Blog gibt es einige Evergreen-Artikel. Dazu gehören die Artikel, in denen beschrieben ist, wie dem iPhone die Synchronisation mit dem Google Kalender und Adressbuch beizubringen ist, die allein weit über 50 % der Suchanfragen für sich beanspruchen. Gleich danach kommt aber ein Artikel, der anfangs praktisch gar keine Relevanz hatte: Der Artikel mit der Lösung der ersten Staffel der dänischen Krimiserie Forbrydelsen, in Deutschland bekannt unter dem Namen „Kommissarin Lund“. Das liegt vor allem daran, dass Forbrydelsen zu den skandinavischen Krimiserien gehört, die sehr komplex daherkommen. Immerhin dauert die erste Staffel, die im Original aus 20 Folgen besteht, schlappe 1.100 Minuten. Wohlgemerkt: Die Staffel ist ein einziger Fall mit mehreren, ineinander verwobenen Geschichtssträngen. Die komplexe Geschichte führt dazu, dass die Auflösung ebenfalls komplex ist. Zudem überschlagen sich in der letzten Folge die Ereignisse dermaßen, dass ich damals nach der Erstausstrahlung im ZDF die Auflösung nochmal komplett gebloggt habe.

So ein Artikel, der ein sehr spezifisches Thema behandelt aber prinzipiell dauerhaft interessant ist, ist ein klassischer Fall für das Long-Tail-Phänomen. Kurze, relativ hohe Peaks umrahmen ein Thema, das die meiste Zeit jedoch kaum von Interesse ist. Und die kurzen Peaks sehen aus Sicht des Webstatistikprogramms Piwik, das mein Weblog permanent untersucht, folgendermaßen aus (Klick für die Großansicht):

Beachtet werden muss zunächst, dass die Statistikauswertung erst ab dem 1. April 2012 beginnt. Das normale, tägliche Grundrauschen bewegt sich zwischen 0 und 8 Seitenabrufen, die auf diesem Blog-Artikel landen, allesamt mit Begrifflichkeiten um „kommissarin lund“ etc. Auffallend sind zwei dicke Ausreißer, genau am 17. August 2012 mit 89 Abrufen und am 1. September 2012 mit 125 Abrufen. Ferner noch der 24. September mit 21 und der 21. Oktober mit 16 Seitenabrufen.

Und das hat seine genau definierbaren Gründe, denn in diesen Zeiträumen wurde die erste Staffel von Forbrydelsen laut fernsehserien.de im deutschsprachigen Raum im Fernsehen auf arte wiederholt:

  • Am Donnerstag, 16. und Freitag, 17. August die Folgen 1 bis 6
  • Am Donnerstag, 23. und Freitag, 24. August die Folgen 7 bis 13
  • Am Donnerstag, 30. und Freitag, 31. August die Folgen 14 bis 20

Und mit diesen Informationen passen die Peaks nun auch. Die Anfragenspitze am 17. August passt zum ersten Block der Folgen 1 bis 6, weil die letzte Folge noch am 17. August um 23:10 Uhr endete und sich dann genügend Zuschauer im Web auf die Suche nach der Lösung machten. Der zweite Block der Folgen 7 bis 13 fällt nicht besonders groß auf, dafür jedoch der dritte Block der Folgen 14 bis 20. Und dass der Peak dieses dritten Blocks erst am 1. September zu messen ist, liegt daran, dass das Ende der letzten Folge an diesem Tag um 0:10 Uhr lag und damit im nächsten Tag.

Von den Besuchern, die in den Peak-Zeiten aufgrund der Suche nach der Lösung auf das Blog kamen, habe ich allerdings verhältnismäßig wenig, was in der folgenden Auswertung, ebenfalls aus Piwik, ersichtlich ist:

Dort ist auf der linken Seite eingeblendet, mit welchen hauptsächlichen Begrifflichkeiten in dem gesamten Zeitraum der vergangenen Monate die Besucher von Suchmaschinen aus auf den Artikel gekommen sind. Auf der rechten Seite eingeblendet ist der Weg, den die Besucher auf meinem Blog dann danach gegangen sind. In der Mitte der Grafik findet sich die eigentliche Auswertung.

Im Klartext interpretiert bedeutet das, dass die insgesamt 1.347 Seitenabrufe von 993 Suchmaschinenanfragen initiiert wurden und 1.193 dieser Seitenabrufe auch direkt nach dem Lesen des Artikels wieder zum Ausstieg führten. Nur 35 Anfragen führten zu weiteren Seitenabrufen im Blog – eine Ausstiegsrate von fast 89 %, das allerdings bei diesem sehr spezifischen Spezialthema so auch zu erwarten ist.

Wie Online-Bilderalben verbinden.

Während der Arbeit für das Gerstelblog, das Weblog des Autohaus Gerstel, fallen immer wieder Fotos an. Ein inzwischen gut eingespielter Workflow sorgt dafür, dass wir immer Zugriff auf einen großen Pool an Fotos haben. Neben Fotos, die im Rahmen vom Tagesgeschäft entstehen, sind vor allem Symbolfotos von Modellreihen wichtig. Die braucht man immer wieder und tatsächlich kommen immer wieder einmal ältere Opel-Modelle und richtige Oldtimer auf den Autohaushof und da ist das Fotos-davon-machen buchstäblich naheliegend.

Tatsächlich nur ein Bruchteil der inzwischen 1.200 Fotos landen später tatsächlich einmal im Weblog des Autohauses. Die Bilder vom Tagesgeschäft sind kaum anderweitig zu gebrauchen, bei den Fotos von Oldtimern habe ich jedoch irgendwann einmal angefangen, die in meinem eigenen flickr-Account „drittzuverwerten“, also einfach mit der entsprechenden Modellbezeichnung hochzuladen. Das führte schon nach kurzer Zeit dazu, dass diese Bilder jenseits des Weblogs ein echtes Eigenleben entwickelten. Viele Nutzer suchen offensichtlich genau solche Bilder.

Eine Einladung in die Opel-Bildergruppe auf flickr ließ dann auch nicht lange auf sich warten und das ist dann tatsächlich eine ganz dankbare Truppe, die komplett verstreut auf dem ganzen Globus sitzt und ein inzwischen riesiges Bilderalbum von fast 9.000 Fotos pflegt. In dieser Phalanx entstehen Gespräche, Mails, Diskussionen in anderen Foren und sogar richtige „Bestellungen“. Bei den Fotos zum Opel Kapitän, Baujahr 1956, kommen immer wieder einmal Anfragen mit der Bitte um Fotos von ganz bestimmten Blickwinkeln, weil hier und da ein Bastler etwas an seinem Kapitän reparieren muss und ein Foto vom Originalzustand gut wäre.

Es entsteht also nicht unbedingt nur mit einer „schriftlichen“ Kommunikation, lustig wackelnden Videos oder Podcasts eine gut funktionierende Kommunikationsebene, sondern auch mit so einfachen Dingen wie Fotos, wenn sie auf einer funktionierenden Fotoplattform stehen und dort eine passende Themengruppe existiert. Und dass das Autohaus noch nicht einmal so richtig viel zu tun hat mit dem Bildererstellen und ich (noch) die Bilder über meinen eigenen flickr-Account ins Web einspeise, zeigt einen weiteren, kleinen, aber hochinteressanten Aspekt, über den wir gar nicht diskutieren: Bildung von weitgehend automatisiert erzeugten und „sprachlosen“ Informationsräumen, die jedoch an Authentizität einem Weblog in nichts nachstehen und völlig losgelöst vom zeitlichen und quantitativen Faktor ihre „Empfänger“ finden.