Die neue Vene

Ein Kunde von mir aus alten Systemadministrator-Zeiten hat für sein kleines Rechenzentrum als Zugangskontrolle einen Venen-Handscanner installiert. Das mehr als Spielzeug und zum Beeindrucken von Kundschaft, denn so richtig spektakulär ist das Gerätchen in der Wand (das ich leider nicht fotografieren durfte) nicht, denn es funktioniert eben. Einmal eine Hand eingescannt und mit einem Benutzer verknüpft und das Ding funktioniert ewig. Zumindest so lange die Hand des Benutzers durchblutet wird.

Und da kommen wir tatsächlich zum Thema. Es tat nämlich heute bei einem Besuch nicht mehr. Gerät funktioniert, alle anderen, getesteten Benutzer können die Türe öffnen, ich aber nicht mehr. Das Venenmuster meines rechten Handrückens wird nicht mehr akzeptiert. Bitte, was?

Eine Analyse des Scans und der Vergleich mit dem hinterlegten Venenmuster ergab, dass ich auf dem Handrücken auf der linken Seite unterhalb des Mittel- und des Zeigefingers eine neue Vene habe. Meinen staunenden Gesichtsausdruck dürft ihr euch plastisch vorstellen, als ich die beiden Bilder im Vergleich gesehen hatte. Rechts die „alte“ Hand ohne neue Vene, „links“ die gleiche Hand mit einer neuen, zusätzlichen Vene.

Nach etwas Nachdenken habe ich aber des Rätsels Lösung gefunden. Es ist tatsächlich eine neue Vene. Die ist offenbar als Nachwirkung meines Krankenhausbesuchs im Mai 2020 entstanden, als ich über den rechten Handrücken eine Infusion bekam. Und zwar nicht mit irgendwelchem harmlosen Zeug, sondern mit dem Rhythmusmedikament Amiodaron. Und da gleich mal die volle Packung mit schlappen 1 Gramm auf 500 ml Kochsalzlösung. Das macht man, wenn man möglichst zügig einem vor sich hinstolperndem Herzen nach einer Kardioversion beibringen möchte, das Ergebnis der Kardioversion auch beizubehalten.

Nicht so wirklich toller Nebeneffekt von Amiodaron in so hoher Dosierung ist die Reizung von Blutgefäßen, vor allem nahe des Venenkatheters. Daher gibt man größere Mengen von diesem Medikament eigentlich auch am liebsten in Blutgefäße mit großem Kaliber wie beispielsweise einer Halsvene, aber so ein Zugang ist dann halt auch gleich eine größere Show. Im Notfall tut es eine Vene am Handrücken.

Die hatte sich dann allerdings in den Wochen und Monaten danach munter entzündet und wurde dick. Nichts, was wirklich wehtat oder gefährlich war. Und auch die „alte“ Vene ist wieder gesund und lässt Blut fließen. Bis dahin hatte aber mein Körper offenbar beschlossen, eine „Umleitung“ zu legen, die jetzt eben auch da ist.

Wie gesagt, es funktioniert alles prima an der rechten Hand, nur eben der Venenscanner, der musste jetzt neu eingelernt werden. Mensch trifft auf Technik.