Zum abgesagten Faschingsumzug in Pforzheim.

Es folgt eine Polemik, vom ersten bis zum letzten Wort.

Fasching in unserer Region ist eine sehr ambivalente Angelegenheit. Zentrale Regel: Fasching hat nichts, aber auch rein gar nichts mit Spaß zu tun. Fasching ist harte Arbeit. Die Organisation eines Faschingsumzuges ist richtig viel Arbeit und kostet auch genügend Schotter. Da wird von den Organisatoren deshalb auch erwartet, dass der Zuschauer sich bitteschön auf industrielle Weise darüber zu freuen hat. Also stundenlang Freude vorgaukeln, die Hälfte der Büttenreden nicht verstehen und auch bei den Umzugswagen selten auf den Trichter kommen, um was es eigentlich geht. Und wehe dem, der Fasching nicht als Arbeit versteht und versucht, sich tatsächlich zu freuen …

Der Fasching.

2006 war meine erstmalige Teilnahme am Dillsteiner Faschingsumzug in Pforzheim, der traditionell am Dienstagnachmittag stattfindet. Also zu einer Zeit, wo viele Väter entweder noch arbeiten, gerade zurückfahren oder schlicht keinen Bock auf den Umzug im zugigen Stadtteil Dillweißenstein haben und lieber den Tag vor der Glotze bei den echten Fasnachtsveranstaltungen verbringen. 2006 fand mein erster Umzug (von insgesamt dreien) für die SPD statt, was in unserer schwarzen Region ein unglaublicher Skandal zu sein schien. Es war Wahlkampf, es war dummerweise meine Idee.

Nun erträgt man Fasching im nüchternen Zustand nicht ohne gesundheitliche Spätschäden. Als Organisator hielt ich meinen Alkoholkonsum in sehr engen Grenzen und das war nicht gut. Zu sehen, wie praktisch wirklich jeder der Umzugsteilnehmer und -organisatoren betrunken ist, ist unschön. Keine Sau interessierte unsere vorherige Anmeldung, das Einschreiben in die Teilnehmerliste vor Ort geschah unter Beobachtung von drei uralten und ebenfalls schon auf Pegel stehenden Verantwortlichen und unsere mühevoll gezimmerten Sicherheitsaufbauten auf dem Faschingswagen interessierte letztendlich keine Sau.

Den Umzug stellen wir uns selbst so vor: 2,5 Kilometer Zufahrt, 200 Meter „heiße Zone“ mit 25 Meter Ehrentribüne der politischen VIP. Dort und auch nur dort findet Beschallung und Kommentierung statt, dementsprechend dort finden sich auf dem Ludwigsplatz auch mehrere tausend Menschen ein. Die 2,5 Kilometer lange Zufahrt ist dann der Umzug, wo das gesamte restliche Publikum herumsteht, zuschaut, auf die Bonbons wartet.

Nun ist es so, dass in den vergangenen Jahren die Beschaulichkeit des Umzuges verschütt‘ gegangen ist. Es kamen immer mehr so genannte „alkoholisierte Jugendliche“, eine nette Umschreibung für das eigentlich gemeinte Wort „Ausländerkinder“. Die waren zwar oftmals gar nicht betrunken, aber deutlich lauter als die Jugendlichen, die gar nicht mehr zum Umzug kommen. Nennen wir das alles einfach mal „Gendering“, was es eigentlich auch ist. Geschäftsmäßig organisierte Freude, traditionell zu wenig Sicherheitspersonal, eine völlig inhomogene Umzugsstrecke, eine immer kleiner und älter werdende Faschingskultur, die eine Öffentlichkeitsarbeit betreibt, die, nun ja, lassen wir das.

Die Absage.

Auf die Pauke hauten die Organisatoren dann im Herbst, als sie verkündeten, dass der Faschingsumzug in 2015 auf der Kippe stehen und kurz vor der Absage stehen würde. Zu wenig Gruppen hätten sich angemeldet und, ja natürlich, die randalierenden und betrunkenen Jugendlichen… ganz großes Problem. Das zog natürlich dann seine großen Kreise durch den Teil der Lokalpresse, der vornehmlich mit dem Bauch und weniger mit dem Kopf geschrieben wird, mit den entsprechenden Nachwirkungen aus dem hobbypolitischen Teil der Bevölkerung. Na klar, die Ausländerkinder sind natürlich schuld. Schlicht rassistische Äußerungen auf hohem Niveau, angetrieben von lokaler Berichterstattung, die die Diskussion in einschlägigen Gruppen und Foren aus Facebook verlinkt und selbst noch befeuert. „Meinung vom Volk“.

Immerhin, die Organisatoren dachten sich, okay, geben wir dem allem noch eine Chance und warten auf Zusagen von Teilnehmern des Faschingsumzuges. Dann war wieder einige Wochen Ruhe, aber natürlich war das Kinde schon längst ins Wasser gefallen. Auf welche Teilnahmen will man denn warten, wenn man schon vorzeitig angekündigt hat, dass der Umzug aller Voraussicht nach ausfallen wird? Und was will man gegen konservative Lokalpolitiker tun, die diese Steilvorlage dankbar dazu nutzen, um das „Gesamtkonzept des Umzuges mit Streetworkern zu beleuchten“. Also die konservativen Lokalpolitiker, die üblicherweise auf der VIP-Tribüne dann meist die rotesten Nasen haben und das ohne aufgesetzte Knubbelnase.

Und so kam es dann auch: Es kamen nach Aussage der Lokalpresse nur rund ein Viertel Zusagen gegenüber dem diesjährigen Faschingsumzug und mit unter 20 Gruppen bekommt man auch so einen skurrilen Faschingsumzug wie in Pforzheim nicht zustande. Der Umzug wurde nun endgültig für 2015 gecancelt und schon schwappt wieder eine erstklassig braune und, pardon, frisch gekackte Rassistenscheiße durch die Zeitung und vor allem durch deren Foren und Facebook-Gruppen. Die ach so bösen Ausländerkinder versauen uns hier den guten, alten Faschingsumzug!

Kann es das sein?

Nun wissen wir ja schon zu Genüge: Rassismus schürt man nicht durch Hochpolitik, sondern durch das Hinstellen und Rühren von Fäkalieneimern. Dass sich das Publikum bei Faschingsumzügen ändert, ist keine neue Entwicklung, sondern mindestens seit zehn Jahren der Fall. Und selbst wenn man das so feststellt, bleibt immer die Frage, wie man das löst, denn schließlich kann man „Ausländerkinder“ nicht von der Teilnahme an öffentlichen Veranstaltungen ausschließen, was sich dennoch gar nicht so wenige Hobbypolitiker so wünschen dürften.

Dass die Faschingskultur in unserer Zeit und überhaupt in urbanen Milieus immer schlechter funktioniert, ist ein anderes, größeres Thema. Mit Ideen, wie man auch in heutigen Zeiten diese Kultur zeitgemäß unterbringen könnte, müsste man sich beschäftigen, so wie es alle Sport- und Kulturvereine, die länger als eine Generation überleben wollen, ebenso tun müssen.

Hier in Pforzheim ist nun wohl eher kaum noch etwas zu holen. Die Diskussion ist schon in die am meisten stinkende Ecke abgedriftet, Pforzheimer Fasching war schon traditionell immer der unwitzigste in der Region und nach einem ausgefallenen Umzugsjahr dürfte es schwierig werden, überhaupt noch einen auf die Beine gestellt zu bekommen.

Mir vom Prinzip her auch alles wirklich völlig wurst, nur: Es sind nicht die „Ausländerkinder“, die euren Fasching da angeblich kaputtgemacht haben. Es sind Leute wie du und ich, die ein gemeinsames Hobby haben und irgendwie das Problem verkannt haben, dass sich die Zeit schneller dreht, als man dachte. Das passiert den besten Leuten, aber sucht diese Schuld nicht bei anderen.

Ungerecht.

Ich habe es nicht so mit Reichtum. Reichtum ist abstrakt und bringt viele Leute nur auf viele Dummheiten. Wenn Reichtum ungerecht verteilt ist – und ungezügelter Kapitalismus verteilt Reichtum grundsätzlich ungerecht – schafft das Unfrieden und irgendwann Hass und Krieg. Nicht immer unbedingt angezettelt von den wirklich Reichen, sondern eher von den Leuten, die mit dem Ungleichgewicht ordentlich Stimmung machen. Ist nicht so? Dann empfehle ich die Lektüre von Dokumentationen praktisch aller Kriege der letzten 300 Jahre.

Ich bin auch nicht reich, sondern hatte in den vergangenen Jahren vielleicht Glück, oft auch schlicht durch reinen Zufall. Das hat in Sachen Finanzen zum Phänomen geführt, dass ich dieses Jahr fast 40 % meines Einkommens durch mein Wertpapierdepot erzielt habe. Und ich bin in Sachen Wertpapiere keiner, der auf Derivate, Hebel oder Optionspapiere setzt und auch nicht gegen Staaten und Währungen wettet. Ich habe zwei Drittel meines Wertpapierdepots in Aktienfonds, bei denen ich schon sehr genau schaue, wo die investieren und ein Drittel in reinen Aktien. Mitunter spekulativ, aber Glück und Pech gehen da immerhin rein auf meine Kosten, das ist das Betriebsrisiko.

So, und nun wird es ungerecht: Ich bin ledig und werde für mein reguläres Einkommen aus meiner selbstständigen Tätigkeit voraussichtlich um die 30 % Einkommensteuer abführen. Auf der anderen Seite arbeitet auch das Vermögen und wirft Zinsen, Dividenden und realisierten Gewinne durch Wertpapierverkäufe ab und die – obwohl sie nichts andere wie Einkünfte sind – werden pauschal nur mit 25 % durch die Abgeltungssteuer besteuert.

Ist das gerecht? Nein, ist es nicht. Es ist eine hässliche Sache, die mir nicht gefällt, auch wenn ich aus dem Bauch heraus natürlich auch kein Freund des Steuerzahlens bin. Ich habe zwar mein Spendenaufkommen dieses Jahr ebenfalls erhöht, aber das ist nicht die Lösung, denn wenn ich für Rettungshubschrauber, Notärzte, Umweltorganisationen, kommunale Kinos und karitative Organisationen spende, wird dadurch die kaputte Straße auch nicht schneller ausgebessert. Charity und – sehr böse gesagt – Almosen ersetzen keine Staatsaufgaben. Dürfen es niemals. Almosen retten mitunter Menschen, zerstören aber Menschenwürde.

Nun bin ich ein kleines Licht und man muss auch berücksichtigen, dass ich mit meinem bescheidenen Vermögen nebenher eine Altersvorsorge aufbauen muss. Andere, richtig reiche Menschen, arbeiten oft auch noch und das vielleicht auch recht viel. Sie verdienen dann auch mehr und zahlen den Höchstsatz von 42 % Einkommensteuer auf ihr Einkommen. Auf das, was ihr Vermögen erwirtschaftet: Ebenfalls nur 25 %. Wenn sie so reich sind, dass sie nicht mehr arbeiten müssen und rein von ihrem Vermögen leben, dann zahlen sie auf die realisierten Gewinne – also das, was sie tatsächlich dann aus ihrem Vermögen entnehmen – ebenfalls nur 25 %.

Ist das gerecht? Nein, das ist himmelschreiend ungerecht. Wer viel, viel mehr Geld hat, nicht mehr arbeiten muss (was keine Schande ist) und nur noch vom Ersparten lebt, kommt ganz billig weg und zahlt einen Steuersatz wie jemand, der ein sehr niedriges Einkommen bezieht. Er zahlt natürlich mehr Steuern, als ein Niedrigverdiener, aber eben nur einen Bruchteil von dem, was er eigentlich leisten sollte und könnte, wenn seine Vermögenseinnahmen ebenfalls als normales Einkommen zu versteuern wären.

Wenn wir uns wirklich eine Sache in Deutschland nicht erlauben dürfen, sind es solche obszönen Steuer-Ungerechtigkeiten, wie sie die Abgeltungssteuer darstellt.

Kampf dem latenten Rassenhass in Online-Medien.

Ein schöner Kommentar und Aufruf der Publizistin Mely Kiyak zum Thema Rassismus in Leserforen von Online-Medien findet sich auf der Website des Deutschlandradio Kultur. In Ihrem Text „Verachtung am Morgen“ beschreibt sie das, was mich schon vor zwei Jahren hier im Weblog schwer anstinken ließ – der mehr oder weniger latente, gut gepflegte und kaum reglementierte Rassismus in Online-Foren von vielen Tageszeitungen, vornehmlich hyperpotenten Lokalblättern mit überforderten Online-Redaktionen.

Geändert hat sich seitdem wenig. Zwar haben einige Lokalblätter inzwischen leidlich erkannt, dass allzu reißerische Artikel teilweise erschreckende verbale Ausfälle in der Leserschaft erzeugen und sich das nicht einfach so unter den Tisch kehren lässt. Gegen tatsächlich veröffentlichte Ausfälligkeiten in Leserforen wird jedoch landläufig extrem selten und erstaunlich zäh reagiert. Das ach so hochgehaltene Gut der Meinungsfreiheit, das vielen Lokalzeitungen zwar nicht fremd, aber „auslegungsfähig“ im Rahmen ihrer eigenen Arbeit ist, ist da gern die Pauschalentschuldigung, gern auch in schlampig formatierten Serien-Mails.

Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen: Journalisten lassen sich herab, auf rassistische Äußerungen, pauschale Verleumdungen, unterschwellige Volksverhetzungen etc. auf ihrer Website einfach nicht zu reagieren und sie als gangbare Art der Meinungsäußerung gelten zu lassen. Als ob Rassismus nicht schon von Hause aus eine verwerfliche und völlig indiskutable Haltung wäre! Der ganze Scheiß steht aber, im Gegensatz zu den wöchentlich abgedruckten Leserbriefen, nicht nur ein Tag in der Zeitung, sondern wochen-, monate-, jahrelang im Web. Unkommentiert von den Leuten, die eigentlich die Zeitung bzw. das Online-Medium schreiben.

Und das sind sich die Leute, die solchen Rassenhass bewusst befeuern, vollkommen bewusst. Der Informationsraum solcher schlechtmoderierten Online-Medien verkommt so zu Orten mit mehreren Publikationsebenen: Oben der mehr oder weniger gute, „offizielle“ Zeitungsinhalt – unten die so genannten Lesermeinungen inklusive Diffamierungen, Beleidigungen, Verhetzungen. Eine hier ständig proletende Schar von Kommentatoren erzeugt so auf Dauer ein hochbrisantes Milieu. Das Attentat von Anders B. in Norwegen hat sehr deutlich gezeigt, was latent geschürter und geduldeter Rassenhass bei gestörten Menschen so befeuern kann, dass sie in kaum vorstellbaren und nicht ansatzweise nachvollziehbaren Tragödien enden. Nicht eine bestimmte Haltung gefährdet die andere, sondern die geschürte Angst davor. Das lernen wir, gerade in Deutschland, nun wirklich jeder in der Schule in einer solchen epischen Breite, dass man es eigentlich kaum überhören kann.

Es wäre an der Zeit, liebe Online-Medien, sich der eigenen Verantwortung bewusst zu werden. Eure Auflagenzahlen sinken auch ohne rassistische Leserkommentare, so könnte man es wenigstens noch schnell nochmal mit gesellschaftlicher Verantwortung probieren, bevor das Papier alle ist.

Warum am Flughafen eben nicht selektiert werden darf.

Im „Thilo-Sarrazin-Jahr“ vergeht ja inzwischen kaum noch ein Tag, an dem ich schon morgens bei der Nachrichtenerstlektüre auf dem iPhone eine ziemlich miese Laune bekomme, die dafür sorgt, dass der erste Morgenkaffee eher zum Blutdrucksenken beiträgt als umgekehrt. Mir geht dieses ewige „Darüber-müssen-wir-mal-reden-dürfen“ des Prekariates (und der Meinungsführer der intellektuelleren Bevölkerungsschichten, die die Debatten des Prekariates aus purem Eigennutz ordentlich befeuern) ziemlich auf den Zeiger, denn hier wird nur das mehr oder weniger hübsch verpackt, was wir in klarer Sprache so nennen sollten, wie es ist: Geschürte Ängste vor dem Blick über den eigenen Kleinsthorizont, purer Ausländerhass, vorurteilsbedingte Diskriminierung von Minderheiten. Um das Erarbeiten von Lösungsansätzen für nachhaltige Migrationspolitik geht es dabei kaum, denn schon im Buch des selbsternannten Erlösers Sarrazin sucht man was vergeblich? Genau, Lösungen. Als ob es einem nachweislich begnadet ungeschickten Politiker Thilo Sarrazin und anderen Populisten tatsächlich jemals um gesellschaftliche Lösungen im Konsens gehen würde.

Wenn ein „Flughafenverband“, der also nichts anderes wie eine Interessensvereinigung von wirtschaftlich denkenden, teilweise börsennotierten Flughäfen darstellt, eine Selektion von potentiellen Gefährdern fordert, um diese dann besonders gründlich zu filzen, dann hat das vielleicht auf den ersten Blick etwas mit Sicherheit zu tun. Bei jeder weiteren Betrachtung wird jedoch sehr schnell klar, dass man sich hier auf eine Scheindebatte einlässt. Schon der zweite Blick lässt die Frage aufwerfen, welcher Sicherheitsanspruch denn noch mehr Sicherheit bringen soll, wenn heutzutage ausnahmslos alle Passagiere gleich stark gefilzt werden und es nachweislich extrem wenige Sicherheitsverstöße gibt – dafür aber genügend Unmut gegenüber teilweise fragliche Sicherheitskonzepte.

Die Argumentation, dass man „potentielle Gefährder“ bei einer Selektion noch besser filzen könne, kann man daher kaum gelten lassen, eine „noch intensivere“ Kontrolle hieße, dass noch stärker in die Persönlichkeitsrechte des Einzelnen eingegriffen werden müsse, wie es heute ohnehin schon der Fall ist und das ist auch heute schon gang und gäbe – aber eben im konkreten Verdachtsfall, der vor Ort von echten Sicherheitsbeamten zumindest noch argumentiert werden kann. Viel übler ist bei so einer Argumentation jedoch der Unterton, der entsteht bzw. schon entstanden ist: Der „Araber“, der „Türke“, generell der „Moslem“, auf den müssen wir genauer hinschauen. „Falscher“ Nachname? „Terroristennase?“ Na dann ab in den „Spezialtunnel“. Und wenn das Flugzeug dann mal etwas länger zum Abdocken braucht, weil wieder genügend Hakennasen dabei sind, die durch den Tunnel müssen, dann wissen die restlichen Passagiere ja auch gleich, bei wem sie sich zu bedanken haben.

Glaubst du nicht? Dann schaue bei der nächsten Sicherheitskontrolle mal, wie du andere Mitreisende anschaust, die bereits heute stärker kontrolliert werden. Der arabisch aussehende Mitbürger mit möglicherweise deutschem Pass, der dank seines Bartes aber dann doch noch zusätzlich seine Schuhe ausziehen und durch den Röntgenapparat schieben soll. Die Frau im Schleier, die gesondert in den Nebenraum geführt wird, obwohl der Metalldetektor nicht anschlägt. Stimmt nicht? Na dann werde ich vermutlich einfach nicht korrekt gesehen haben, während viele andere dabei einfach nur weggeschaut haben.

So ist das schon heute. Vor dem Hass kommt der Unmut, davor die Angst und davor der geschürte Unmut. Funktioniert im Kleinen hervorragend und geht im Extremfall in vielen fein differenzierten Abstufungen bis zur „Endlösung“. Man muss es nur laufen lassen. Wenn nur noch der Name den Ausschlag für eine „Sonderbehandlung“ gibt oder gar ein nicht für die Öffentlichkeit nachvollziehbarer Algorithmus, der x-beliebige Daten aus aller Welt zusammenaddiert und daraus zufälligerweise eine gerade Zahl zieht, die das Lämpchen aufleuchten lässt, dann ist das in einer Gesellschaft, die Diskriminierungen dieser Art zu Recht verabscheut, völlig inakzeptabel.

Der im übrigen gar nicht dezente Hinweis auf Israel hinkt übrigens gleich an mehreren Stellen. Tatsächlich gibt es an israelischen Flughäfen die „Tunnellösung“ für unterschiedlich intensive Sicherheitskontrollen, allerdings obliegt die Entscheidungsgewalt darüber, wer durch welchen Tunnel muss, in den meisten Fällen den Sicherheitsmitarbeitern vor Ort, die vorab in den Warteschlangen die zu checkenden Passagiere ansprechen und anhand des Gesprächsverlaufs entscheiden, wer wie intensiv kontrolliert werden muss. Dies ist ein extrem personalintensiver Vorgang, der allerdings auch gar nicht anders geführt werden kann, wenn man wirklich aus menschlichen Regungen herauslesen möchte, ob jemand möglicherweise etwas Übles im Schilde führt oder nicht. Dass israelische Sicherheitskontrollen besonders billig seien, wäre mir zumindest neu. Dass sie allerdings effektiv und verhältnismäßig kurz und schmerzlos sind, man dabei sogar noch freundlich und gesittet ist und für all dies noch nicht mal irgendwelche Nacktscanner benötigt werden, bezweifelt kaum jemand.

So am Rande: Irgendwie ja ein toller Zufall, dass sich bundesdeutsche Flughäfen plötzlich so öffentlichkeitswirksam um die Sicherheit und den Komfort der Passagiere kümmert, obwohl sie vor einigen Tagen quasi reihenweise von noch nicht mal sehr schweren Schneefällen teilweise kläglich kapitulieren mussten. Ein Schelm, wer hinter dieser PR-Kampagne Böses wittert. Die Welt des Kapitals ist bisweilen recht einfach strukturiert, gern auch mal auf Kosten von gesellschaftlichen Grundrechten.

Wenn das alles denn mal so lustig wäre. Wer schamlos PR auf Kosten von Minderheiten macht, um von anderen, hausgemachten Problemen abzulenken. der hat Verachtung verdient. Nicht mehr und nicht weniger.

Mäzenatentum als Ersatz für den Staat?

Ich sehe jetzt mal als klassisches Sommerlochthema an, dass sich ausgerechnet Politiker der Grünen und der SPD auf das Eis begeben und „deutsche Reiche“ dazu auffordern wollen, ein Teil ihres Vermögens ebenfalls so zu spenden, wie die US-Amerikaner Warren Buffett (der das immerhin erst einmal ankündigte) und Bill Gates (der schon eifrig stiftet, was das Zeug hält). Ich hätte tatsächlich so eine Aufforderung am ehesten von der FDP erwartet, die mit so einer Äußerung wieder einmal ein Zeichen für hervorragende Klientelpolitik setzen könnte. Haben sie aber nicht. Während die FDP offensichtlich gut beraten ist, die Klappe zu halten, bei den Grünen mir jegliches Verständnis für deren moderne Politik im Dunklen bleibt, frage ich mich aber doch, was der SPD respektive den Genossen Joachim Poß, immerhin stellvertretender SPD-Fraktionsvorsitzender im Bundestag, und Carsten Schneider, haushaltspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, da wohl eingefallen ist. Reine Sozialdemokratie kann es ja wohl kaum sein.

Ich halte gar nichts davon. Ich unterstelle hier reichen Menschen, die einen Teil und meinetwegen auch einen Großteil ihres Vermögens spenden wollen, keineswegs eine nur gespielte Barmherzigkeit oder ähnliches. Tatsächlich ist der Mensch lernfähig und es wird sicherlich viele reiche Menschen geben, die irgendwann in ihrem Leben das Gefühl entdecken, dass Geld nicht alles ist. Vielmehr: Dass Geld eigentlich nichts ist, wenn man es elementar betrachtet. Der Herzinfarkt kommt zu Reich und Arm gleichermaßen und dank eines noch funktionierenden Gesundheitssystems sind die Überlebenschancen für Reich und Arm weitgehend gleich, weil im Ernstfall in Deutschland an der Notaufnahme keiner nach der Kreditkarte fragt.

Dass das aber so bleibt, das ist die große Kunst. Und genau deshalb müssen wir aufpassen, wie Vermögensströme laufen. Ich sage auch hier nicht, dass Reichtum böse ist und abgeschafft gehört (was mich jetzt vermutlich viel Sympathie bei Linken kostet), aber ich sage, dass Reichtum verpflichtet und zwar von Anfang an. Und zwar nicht in Form von Barmherzigkeit – das macht jeder mit sich selbst aus – sondern in Form von etwas ganz einfachem: Dem Steuerzahlen und der Beteiligung an den sozialen Sicherungssystemen. Jeder hat etwas von seinem Verdienst abzugeben. Wer wenig verdient, eben weniger und wer viel verdient, eben mehr. Genau dieses von allen entrichtete Geld aber ist das, was frei von Barmherzigkeit und Gutmenschentum ist, auch jeden von entsprechendem Verdacht freispricht und vor allem aber nicht zweckgebunden ist.

Wir als Gemeinschaft, die diesen Staat bilden, müssen es selbst schaffen, die Probleme dieses Landes und des Planeten in die Hand zu nehmen. Hier im Zweifelsfall einfach die Reichen anzubetteln, das ist unwürdig. Den Reichen gegenüber, den Empfängern und auch den Bettlern. Gute und notwendige Taten dürfen nicht zu Hobbyprojekten von Milliardären werden, die sich mal eben einen Sportverein kaufen. „Tue gutes und rede darüber“, das ist schon richtig. Aber ich hätte gern, dass wir globale Probleme gemeinsam lösen und nicht Dinge offensichtlich so überteuert kaufen müssen, dass einige wenige Menschen einen beträchtlichen Teil des Kapitals an sich binden und dann denen geben, von denen sie glauben, dass denen möglicherweise die Nase besser im Gesicht hängt, als anderen. Geld wird nicht dadurch besser, dass es durch möglicherweise gute Hände gegangen ist. Geld wird dadurch gut, in dem es den Menschen in den Taschen gelassen wird, sie dazu die korrespondierenden Steuern und Abgaben zahlen und sie dann frei darüber verfügen können. Stecken sie es dann verstärkt in den Konsum, haben wir alle etwas davon.

Shareholder-Value: Ja, gern. Es darf aber nicht sein, dass Shareholder-Value über alles geht und der Rest danach kommt. Auch nicht dann, wenn das angehäufte Kapital irgendwann für „gute Zwecke“ eingesetzt werden soll. Bis dahin zahlt die Gesellschaft drauf.

Warum Nichtbetroffene auch was sagen dürfen müssen.

Eigentlich habe ich es mir abgewöhnt, Sascha Lobo zu kommentieren. Ich mag die Art und Weise dieses Menschen nicht, was möglicherweise daran liegt, dass ich mit der Art von Werbeleuten und Politikern nicht zurechtkomme, die sich alles so hinbiegen, wie es ihnen passt, gern einen auf gemeinnützig tun, dann aber so herumlaufen, dass man sie unbedingt erkennen muss und sie auch gesteigerten Wert darauf legen, sie zu erkennen. Pardon, nicht meine Wellenlänge. Gockel haben ihre Berechtigung auf dem Bauernhof (Querverweise auf Lobos Frisur sind unbeabsichtigt, aber dank der Umstände unvermeidlich).

Ein erstaunliches Machwerk hat Sascha Lobo am Sonntag gebloggt, im Nachgang zur Katastrophe auf der Loveparade in Duisburg. In diesem Pamphlet leitet Lobo satzgewaltig etwa neun Zehntel des Artikel mit der Argumentation ein, dass er über die Vorgänge, die zur Katastrophe geführt haben, nichts weiß und beendet den Artikel im letzten Zehntel mit dem Rückschluss, dass er deswegen still wäre und nur sein Mitgefühl ausdrücken täte.

Natürlich ist dieser Sermon professionell geschrieben. Denn man kann sich darin winden und ihn auslegen, wie man möchte. Ich nehme mir mal den gesellschaftlich relevanten Teil heraus, zu dem ich mit dem geschätzten Steffen Siegrist heute morgen in Facebook schon einen Dialog führte. Man siehe es nach, dass ich einige Teile meiner Texte übernehme.

Maul halten, wenn man nix weiß?

Jeder, der zufällig Zeuge einer erschreckenden Situation war, weiß, dass es unterschiedliche Art und Weisen gibt, diese Situationen zu verarbeiten. Das gehört zur urmenschlichen Art, aus Gefahrensituationen zu lernen. Früher war das logischerweise darauf beschränkt, dass man nur das sehen konnte, was unmittelbar vor einem passierte. Heutzutage ist es jedoch üblich, dass “Großschadensereignisse” innerhalb von Minuten live bis in den letzten Winkel der Erde übertragen werden. Wir sind “live” dabei, wir “nehmen teil”. Und wir nehmen Anteil, selbst wenn es keinen unmittelbaren Zweck hat. In der sibirischen Taiga mögen Diskussionen darüber, wie man sich im Falle von einstürzenden Hochhäusern nach Flugzeugeinschlägen zu verhalten hat, reichlich sinnlos erscheinen. Wobei – darf man erst dann betroffen sein, wenn einem tatsächlich die Antenne des World Trade Centers auf den Kopf gefallen ist?

Hinzu kommt in unserer modernen Welt, dass wir Verantwortlichkeiten delegieren. Niemand muss in unseren Breiten- und Längengraden nachts sein Haus mit dem Schwert beschützen, dafür haben wir die Polizei, die nach einem Notruf vor der Türe steht, egal ob man arm oder reich ist. Wir sind auch nicht verantwortlich für die Polizei, das ist (im Falle der Landespolizei) der Landesinnenminister oder (im Falle der Bundespolizei) der Bundesinnenminister. Und auch für den sind wir nicht verantwortlich, denn das ist der jeweilige Ministerpräsident bzw. der Bundeskanzler (die allesamt auch weiblich sein können, bitte die Personenbezüge auf die Amtsbezeichnungen gedanklich hinzufügen bei Bedarf).

Zur Inhaberschaft von Verantwortlichkeiten gehört, dass man die Aufgaben, die einem gestellt werden, löst. Das können einige Verantwortliche ausgesprochen gut, andere wiederum ausgesprochen schlecht. Einige Verantwortliche müssen sich regelmäßig dem Wähler stellen, andere – Beamte – müssen dies nicht. Einige Verantwortliche sind offen und gestehen ihre möglichen Fehlleistungen ein, andere tun dies nur unter öffentlichem Druck.

Der öffentliche Druck.

Und genau hier sind wir: Beim öffentlichen Druck. Öffentlicher Druck entsteht durch gesellschaftliche Partizipation und dazu gehört die Anteilnahme, die es in verschiedensten Ausprägungen geben kann. Menschen reagieren mit akuten und mitunter bedrohlichen Schockreaktionen (unvermitteltes Stehenbleiben, Zusammenbrüche etc.), panikartigen Reaktionen, “nicht rationalen Aktivitäten” (Singen, Lachen) und vielem mehr.

Laienhafte Erklärungsversuche von Katastrophen durch Unbeteiligte gehören auch zu Ausdrucksweisen von Betroffenheit und auch das ist in der Tat eine menschliche Eigenschaft. Idioten und Geheimnisträger stufen diese Art von Schockbewältigung als emotionalen Vorgang ab, das ist aber nur ein Teil der Wahrheit. Tatsächlich ist eine Schockreaktion ein emotionaler, nur schwer rational steuerbarer Vorgang, die Ergebnisse von Schockreaktionen in Form von Erklärungsversuchen können jedoch hoch rational sein. Hilfskräfte können sich beispielsweise emotionalen Momenten auch nicht entschließen, haben aber gelernt, dass sie, um helfen zu können, in den Pulk hinein müssen. Das ist eine rationale Aktion.

Und all diese Vorgänge erzeugen öffentlichen Druck. Druck auf die unmittelbar in einer Katastrophe beteiligten Menschen, Acht zu geben und abzuhauen. Druck auf die Hilfskräfte, zu erkennen, dass nun ihre rationalen Fähigkeiten gefragt sind. Druck auf Verantwortliche, sich ihrer Verantwortung zu stellen.

Gerade der letzte Punkt mag obszön klingen, wenn man darüber im unmittelbaren Umfeld einer Katastrophe spricht. “Ja hast du denn keine anderen Sorgen, als darüber nachzudenken, wer das hier zu verantworten hat?” Doch, hätte ich, wenn ich im unmittelbaren Umfeld der Katastrophe wäre. Bin ich aber glücklicherweise nicht. Also kann (und muss) man anderweitig dazu beitragen, öffentlichen Druck aufzubauen.

Dass es öffentlichen Druck braucht, hat man gestern auf der denkwürdigen Pressekonferenz der Verantwortlichen in Duisburg gesehen. Der eine Dezernent spricht unfassbarerweise von rund 100.000 Teilnehmern, weil das die einzig belastbare Zahl sei. Der andere erklärt die Katastrophe als Vorgang, der nicht durch die Sicherheitskonzepte abgedeckt werden könne, sondern das Werk von Einzelnen sei. Auf Fragen von Journalisten reagiert keiner, sondern es wird flüsternd, ohne dabei zu denken, dass die Mikrofone das alles aufnehmen, darüber gestritten, wer denn eigentlich für die Frage zuständig sei. Und so weiter.

Hier ist ein gewaltiger Misthaufen am Dampfen und er stinkt schon jetzt, wenige Stunden und Tage nach der Katastrophe, in den Himmel. Nach den ersten Erkenntnissen wurden Teilnehmerzahlen in unglaublicher Weise nach unten gerechnet, um überhaupt eine genehmigungsfähige Veranstaltung hinzubekommen. Und dann passiert etwas, Menschen kommen unter furchtbaren Umständen zu Tode und auf der Hühnerleiter der Pressekonferenz sitzen vier Politiker, Chefs und Sprecher, die ihre Mäuler, die sonst zu funktionieren scheinen, nicht aufbekommen. “Ist doch nicht mein Problem, Kollege ist zuständig.”

Hier, liebe Freunde, ist öffentlicher Druck notwendig. Nur öffentlicher Druck sorgt dafür, dass Verantwortliche merken, dass sie an ihren Schreibtischen nicht Mensch-ärgere-dich-nicht-Treffen planen, sondern Veranstaltungen, in denen innerhalb weniger Stunden Millionen von Menschen “umgeschlagen” werden müssen und wenn möglich keiner von diesen Menschen verletzt oder gar getötet wird, auch wenn, wie dann doch ein Twitterer kolportierte, im Straßenverkehr täglich 11 Menschen sterben. Ach so. Dann kann man auf der Loveparade dann auch einige Tote verschmerzen. Sind ja noch genügend lebende Menschen da. Oder wie?

Wer wegschaut, riskiert das Vergessen. Das gilt für historische Staatsfehlleistungen ebenso, wie für solche „Großschadensereignisse“. Niemand von uns muss Verantwortliche selbst jagen. Aber wir dürfen uns darüber auslassen, ob Verantwortliche ihren Job gut getan haben oder möglicherweise nicht. Das gehört zum Deal unserer Öffentlichkeit und niemand soll wirklich glauben, dass es ohne diesen Deal besser gehen würde.

Vom derzeitigen Stimmungsbild in der Gesellschaft.

Ich habe eine ganze Weile überlegt, ob ich mich zum Volksentscheid der Schweizer äußern soll, die nun beschlossen haben, dass der Bau von Minaretten von Seiten der schweizerischen Bundesverfassung verboten werden soll. Das vor allem deshalb, weil ich befürchte, dass meine Meinung da dank meiner Herkunft als einseitig angesehen werden könnte. Meine Freunde, Bekannte, vielleicht auch die meisten Leser dieses Blogs wissen, dass das nicht stimmt, da ich zum Thema Religion eine durchaus sehr ambivalente, eher kritische Haltung habe und das gilt für alle Religionen bzw. der Grundhaltung des Glaubens an Mächte, die ihre Macht vor allem daraus schöpfen, aktiv diese Macht ausüben zu können und dies auch zu tun.

Nun gut, lassen wir diese philosophischen Einleitungen, darauf will ich nicht hinaus.

Worauf ich auch nicht hinaus will, ist ein Bashing auf die ach so rückständigen Schweizer. Okay, ich habe mich nach der Kenntnis über die ersten Ergebnisse auch auf diese Weise darüber in Twitter geäußert, das gehört jedoch zum üblichen Sarkasmus, den ich bisweilen aufbiete. Auch das ist im Kreise meines Publikums eine bekannte Eigenschaft.

Okay, worauf will ich eigentlich hinaus?

Der Kern ist der, dass die Entscheidung der schweizerischen Bevölkerung eine ist, die ich prinzipiell auch in vielen anderen Teilen Europas so erwarten würde, da sie vor allem durch Vorurteile gespeist werden. Der Islam ist seit Jahren vornehmlich eine Religion, die mit Terrorismus, Rückständigkeit und Ungerechtigkeit in Verbindung gebracht wird und es ist für radikale Kräfte inzwischen eine der leichtesten Übungen geworden, diese hoch subjektiven Eindrücke mit angeblichen Fakten zu vermengen und daraus hochgiftige Gebräue zu kochen, die dann zu solchen Ergebnissen führen können. Heute ist es das Minarettverbot, das uns aufhorchen lässt, in den Niederlanden ist aber ein ganz anderer Mann unterwegs, der beispielsweise so wahnhafte Dinge wie eine “Kopftuchsteuer” fordert. Da sind wir vom gelben Judenstern gar nicht mehr so weit entfernt.

Und das muss uns aufhorchen lassen, Mensch! Merken wir nicht, was da läuft? Das, was da Rechtspopulisten auffahren, sind Argumentationen, die vor allem auf Vorurteile aufbauen und weit davon entfernt sind, sich sinnvoll mit Migration und Integration zu beschäftigen. Hier wird Hass gesät und zwar von der schärfsten Sorte – der Sorte, die man nicht sofort schmeckt.

Eine aufgeklärte Gesellschaft muss es aushalten können, dass es Menschen in ihr gibt, die eine andere Religion haben und die ihre Religion – sofern sie nicht gegen menschliche Grundsätze verstößt – frei ausüben dürfen soll, dazu gehört dann auch das Gotteshaus. Dass dies in anderen Teilen dieser Erde nicht so ist (dieses Argument ist das gern verwendete Hauptargument), darf keine Entschuldigung, sondern muss unser Ansporn sein, es zu ändern und das macht man, in dem man selbst die Toleranz ausübt, die man von anderen erwartet. Die Weltoffenheit, die wir Deutschen im Ausland genießen, die kommt nicht dadurch, dass wir in Hawaiihemd und kurzer Hose im Thailand umherspazieren. Wir können doch tatsächlich nicht in das Fettnäpfchen der Sektierer treten, die doch tatsächlich fordern, dass man dem Schlechten am ehesten dadurch entgegentritt, in dem man genauso schlecht sein soll. Hallo?

Es stellt sich daher gar nicht die von Skeptikern/Gestrigen/Populisten gern in den Raum gestellte Suggestivfrage, ob wir Deutschen denn noch toleranter sein müssen. Diese Frage ist gefährlich und falsch gestellt, denn es gibt nicht ein “noch toleranter sein müssen”, sondern ein “weiterhin tolerant bleiben” und davon dürfen wir uns nicht durch Pseudodiskussionen und Angstmachereien abbringen lassen, da diese nämlich zu genau diesen bedenklichen Entwicklungen führen.

Verrückte, Sektierer, Geisteskranke, Radikale und Populisten gibt es in jeder Religion und jeder Nationalität, aber wenn wir uns von solchen Menschen leiten lassen oder vor ihnen zusammenbrechen, dann verlieren wir.