Elektronische Gesundheitskarte – ja bitte!

Der Idee der Elektronischen Gesundheitskarte stand ich noch nie sehr ablehnend gegenüber. Jeder Unternehmer führt eine vernünftige Kundendokumentation, jeder Arzt ist gemäß seiner Standesrichtlinien dazu verpflichtet, eine Patientenakte zu führen. Die Frage dabei ist immer: Wem gehört diese Patientenakte eigentlich? Der Arzt kann im Urlaub sein, vielleicht unpässlich, verärgert oder auch einfach tot. Dann ist meine vielleicht jahrelang aufopfernd gepflegte Patientenakte ernsthaft in Gefahr. Und damit vom Prinzip her meine gesamte Krankheitsgeschichte. Niemand ist ein unbeschriebenes Blatt.

Wie wichtig eine zugängliche Patientenakte ist, habe ich letztendlich bei meinem Krankenhausbesuch gemerkt und da ganz deutlich. Ich hatte ja den „Luxus“, noch mit vollem Bewusstsein in die Notaufnahme eingeliefert worden zu sein und konnte dort mitteilen, dass ich aus ärztlicher Sicht ein noch weitgehend unbeschriebenes Blatt bin. Unauffällige Blutwerte, mäßiges Übergewicht, noch nie erlittene Brüche. Vieles sicherlich Dinge, die man sehr schnell auch auf klassische Weise herausfinden könnte.

Bei einem Punkt wurden die Ärzte jedoch hellhörig, nämlich bei meiner 2005 entdeckten und erfolgreich behandelten Lyme-Borreliose. Allerdings konnte ich dazu auch nicht wirklich mehr sagen, als dass ich daran einst einmal litt und diese mit Antibiotika behandelt wurde. Ist das nicht schlimm? Man war krank, man wurde behandelt, sogar erfolgreich und dann hat man irgendwann einmal eine andere Krankheit und genau dieses frühere Krankheitsbild könnte zumindest theoretisch auch für die aktuelle Krankheit verantwortlich sein (was sie glücklicherweise nicht ist).

Wir brauchen die Elektronische Gesundheitskarte so dringend, wie die Medizin immer moderner und ausgefeilter wird. Kein Patient kann sich seine gesamte Krankheitsgeschichte merken und niemand hat seine gesamte Patientenakte dabei (wenn er sie denn überhaupt von seinem Arzt bekommt). Es sind jedoch meine Daten, die ich im Zweifel in einem Notfall dringend zur Hand haben muss, damit anhand eventueller Vorgeschichten richtige Diagnosen und schnelle Behandlungen angestoßen werden können. Es wäre eine sehr große Errungenschaft eines modernen Gesundheitswesens, wenn dies eines Tages tatsächlich schaffbar ist.

Dass man bei der Entwicklung und Evaluierungen Datenschutzbestimmungen einhalten muss – geschenkt. Das ist nicht wirklich das Problem und ist steuerbar. Es wäre jedoch ein großer Kardinalfehler, die Elektronische Gesundheitskarte nur aus dem Blickwinkel eines gesunden Menschen zu betrachten und sie aus der Warte heraus voreilig zu verteufeln. Denn in Wirklichkeit bedeutet Gesundheit immer, nur relativ wenig krank zu sein.