Die Sermone der Linkbettler (Episode 4).

Mal etwas Neues: SEO-Bettelei aus Österreich. Anscheinend ist das Internet auch in Österreich angekommen. (Sorry für den Kalauer, der musste auch einfach mal gebloggt werden! Haha!)

Weil die Anfrage derartig schlecht war, gibt es in dieser Episode nur meine Antwort mit den Zitaten aus der Anfrage der Linkbettlerin. Das reicht auch schon:

Hallo Frau [Blafasel],

Am 23.03.2013 18:54, schrieb Nina [Blafasel]:

> Liebes energie-blog Team!

Das fängt schon mal gut an… leider haben Sie in Ihrem kopierten Text schon mal nicht die Einleitungszeile angepasst, hier ist „blog@netplanet“.

> Ich bin sehr interessiert an der Gestaltung von Räumen oder auch von
> Gärten und lege auch oft selbst Hand an.

Das freut mich doch sehr!

> Durch meine regelmäßige Recherche bin ich auf Ihren Blog aufmerksam
> geworden. Mir gefällt Ihre Seite sehr, weil Sie so viele verschiedene
> Informationen bereistellen. Ich habe mich mit großem Interesse durch
> die Artikel geklickt, da diese sehr abwechslungsreich gestaltet
> sind.

Stimmt nur fast. Laut meiner Piwik-Webstatistik haben Sie nach dem Begriff „Kaminofen“ gesucht, sind via Google auf die entsprechende Seite in meinem Blog geraten und von dort direkt auf das Kontaktformular gesprungen. Unter „mit großem Interesse durch die Artikel geklickt“ stelle ich mir anderes vor, aber nun gut.

> Ich habe mich gefragt, ob es bei Ihnen möglich ist, einen Gastartikel
> über Kaminöfen anzubieten, da Ihre Seite gut besucht zu sein scheint.
> Im Gegenzug kann ich auch einen Artikel von Ihnen auf einer Seite von
> mir veröffentlichen, falls Sie das wollen.

Ihr Gegenzug ist vielleicht nett gemeint, vielleicht ist es auch nur ein eher schlapper Versuch, mich ordentlich über den Tisch ziehen zu wollen und einen Textlink von einem gutsituierten Blog abzugreifen. Kann man ja mal versuchen.

Wenn Sie einen Gastbeitrag auf meinem Blog veröffentlichen wollen, beginnt der Preisrahmen hierzu ab EUR 250,- zuzüglich Mehrwertsteuer. Wenn das Ihr „Businessmodell“ sprengt, sind Sie hier fehl am Platze.

> Falls ich Ihr Interesse geweckt habe, melden Sie sich alsbald bei
> mir. Ich würde mich über eine kurze Zusammenarbeit freuen.

Ich hoffe, die „kurze Zusammenarbeit“ war kurz genug.

Beste Grüße nach Österreich,
Besim Karadeniz

Mir fällt auf, dass ich mal die genannten Preise vereinheitlichen sollte. Man verliert ja doch ganz schnell den Überblick und irgendwann kommt ein Durchgeknallter und will tatsächlich noch einen Artikelplatz kaufen.

Die Sermone der Linkbettler (Episode 3).

Eine Textlinkdrohne, heute mal auf die kumpelhafte Tour. Soll ja angeblich wirken. Man beachte aber mal die Selbsterkenntnis im zweiten Absatz, Fettdruck stammt von mir:

Hallo Besim,

ich hoffe es ist OK, wenn ich dich duze. Ich bin [TutnixzurSache] und ich betreue mehrere Webseiten im Internet.

Ich weiß (habe ich gelesen), dass du ungern andere auf deinem Blog schreiben lässt. Ich habe privat auch einen Blog und weiß wie zeitaufwendig es ist neue Inhalte zu erstellen. Daher dachte ich mir, fragen kostet nichts. Wir können gerne für dich einen Gastbeitrag zum Thema Internet und Mobile-Internet auf deiner Webseite blog.netplanet.org veröffentlichen. Diesen Beitrag würden wir exklusiv für deine Seite verfassen und auf Wunsch auch mit Bildmaterial von uns anreichern, welches auf keinen anderen Seiten zu finden ist. Die Texte werden von unserer hausinternen Redaktion geschrieben. Daher sind wir was die Themen angeht, sehr flexibel und auch spezielle Themenwünsche sind möglich.

Als kleine Gegenleistung würden wir in diesem Gastbeitrag einen dezenten, nicht werbenden Verweis zu einer passenden Seite einbauen.

Wir würden uns sehr freuen von Dir ein positives Feedback zu erhalten.

Bei Rückfragen stehe ich Dir gerne per E-Mail oder Telefon zur Verfügung.

Viele Grüße
[TutnixzurSache]

Das ist schon eine schwierige Sache, das mit dem Lesen. Einige können es nicht, andere können es. Und darauf sind dann wiederum einige so stolz, dass sie es extra noch betonen müssen, es zu können. Nur dumm, dass dann nach den ersten Sätzen klar wird, dass sie eigentlich ja doch nicht lesen können, denn sonst hätten sie ja, wenn sie das Gelesene auch verstanden hätten, sich die Anfrage ja eigentlich sparen können. Aber fragen kostet ja nichts, da kann die Frage auch einfach mal völlig dumm sein.

Meine Antwort, eher freundlich. Ist ja Montag, da sollte man freundlich bleiben, wenn es sich so ergibt:

Am 11.03.2013 10:03, schrieb [TutnixzurSache]:

> Ich weiß (habe ich gelesen), dass du ungern andere auf deinem Blog
> schreiben lässt.

Genau.

Grüße,
Besim

Habe eigentlich nur ich die völlig Unbegabten in der Mailbox?

Die Sermone der Linkbettler (Episode 2).

Gegen eine Anfrage, ob sich ein Gastartikel in diesem bescheidenen Weblog unterbringen lässt, ist nichts einzuwenden, denn weitgehend alle Anfragen werden abgelehnt, wenn sie darauf zielen, für einen einmaligen Betrag einen Text unterzubringen oder auch schlicht für gar kein Geld. Letztere „Search Engine Optimizers“ gehören zu meiner Lieblingsgruppe, denn diese Art von Leute sind nichts anderes als bedauernswert blöde Linkbettler. Und deren Märchen, die hier wöchentlich aufschlagen, führen wir uns ab und an mal jetzt zu Gemüte.

Jüngst trudelt eine Anfrage ein. Sogar richtig umfangreich, nach der offensichtlichen Devise „Auf diese Textbausteine können Sie bauen!“. Man beachte, dass tatsächlich im ersten Satz noch der Link einer Website stand, deren Besitzer der Herr Linkbettler wohl vor mir angeschrieben hat:

Sehr geehrter Herr Karadeniz,

ich betreue die Seite schxxx.de und schreibe Sie an, weil Ihr Blog (http://blog.netplanet.org/ <http://www.[deleted].de/>) mir bei meinen Recherche Arbeiten positiv aufgefallen ist. Sie informieren auf Ihrer Seite über Themen rund um das Internet, liefern dabei interessante Tipps und beziehen auch Stellung dazu.

*Mein Anliegen ist folgendes:*

Die Absicht von schxxx.de ist es, die Menschen besser über die TV, Internet und Telefon Angebote zu informieren. Mit diversen Filtermöglichkeiten kann man so leicht das optimale Angebot für sich ausfindig machen.

Ich möchte Sie fragen, ob man auf Ihrer Seite auch über schxxx.de berichten könnte? Ich könnte den Text auch schreiben, wenn Sie möchten (einen Gastbeitrag sozusagen). Das wäre wirklich toll. Die Seite ist für Ihre Leser womöglich nicht ganz uninteressant, da es ja zum Thema passt.

*Mehr über schxxx…*

Die Seite ist quasi als eine Art unabhängiges Vergleichsportal anzusehen, mit zusätzlichen Hilfestellungen und dem eindeutigen Fokus auf TV, Internet und Telefon. Bei der Menge an Anbietern und Angeboten kann die richtige Wahl schon mal kompliziert werden. Es gibt hier neben den Vergleichsdarstellungen auch noch Ratgeber, bei denen relevante Begriffe erklärt werden und wo hingewiesen wird, auf was man achten sollte. Die Seite ist übrigens erst vor kurzem online gegangen und ist natürlich kostenlos.

Weitere Informationen können Sie auch aus der Pressemitteilung entnehmen:
http://www.schxxx.de/blablub

Hier wurde eine Studie im Auftrag gegeben und heraus kam unter anderem, dass mehr als die Hälfte der Deutschen zu viel für Ihren Internetanschluss zahlt.

Wenn Sie es so wünschen, würden wir Sie auch gerne weiter über neueste Studien und interessante Beiträge aus den Themenbereichen Internet, Telefon und TV auf dem Laufenden halten, sofern diese für die Zielgruppe Ihrer Seite relevant sein könnten.

*Ich würde mich über eine Rückmeldung freuen!*

Falls Sie noch offene Fragen haben sollten, so beantworte ich diese natürlich gerne.

Mit freundlichen Grüßen aus Bremen,
D. H.
___

*D. H.*
blablub Bremen

*blabla GmbH*
10115 Berlin, Blastraße
28357 Bremen, Blastraße
_
__www.blafirma1.de_
_www.blafirma2.de_

Also, klarer Fall: Projektdrohne eines Unternehmens, zwei Firmensitze, möchte ein Portal beworben haben. Mit dem üblichen Geschwätz von wegen „Hey, du profitierst! Unser Portal ist zwar sterbenslangweilig, aber da promoten wir unsere Kunden, die dafür vermutlich richtig Geld auf den Tisch legen und davon bleibt für uns umso mehr, je mehr wir solche vermeintlichen Deppen wie dich finden, die in ihrem uniquen Content-Umfeld die Drecksarbeit machen, die wir eigentlich machen müssten, wenn wir ehrbare Geschäftsleute wären. Hey, du profitierst!“

Antwort Besim:

Hallo Herr H.,

der Rubel zählt. Was zahlen Sie pro Artikel?

Grüße,
Besim Karadeniz

Da wird D. dann plötzlich bemitleidenswert, hat plötzlich auch noch einen Sprung in der Schallplatte und wiederholt sich:

Hallo Herr Karadeniz,

leider fehlen mir die Möglichkeiten, Geld auszugeben. Ich kann halt auch anbieten, individuellen Content für Sie zu verfassen (also den Text über schxxx könnte ich schreiben, so objektiv wie möglich). Das kann eine Seite ja auch aufwerten.

Falls Sie trotzdem Interesse haben sollten oder eben nicht, würde ich mich über eine Rückmeldung freuen.

Viele Grüße,
D. H.

Blöd, wenn man vorgeben muss, kein Geld zu haben und betteln muss. Da wird dann sogar der eh schon halbherzige Schreibstil eines Siebtklässlers plötzlich zu einem Aufwertungskriterium, ausgerechnet in meinem Blog. Moment, ich helfe dem jungen Mann etwas, so nach der Devise „Junge, warum hast du nichts gelernt?“:

Hallo Herr H.,

wenn Ihnen als SEO-Linkverchecker die Mittel fehlen, Links zu bezahlen, anstatt zu erbetteln, dann sollten Sie vielleicht mal etwas arbeiten gehen. Wenn Sie doch Mittel haben, aber es absichtlich einfach mal auf die einfache Tour versuchen, dann fühlen Sie sich dabei ertappt von mir.

Bitte seien Sie so gut und verzichten auf eine Antwort. Ich stelle Ihnen ansonsten jede weitere Schreibarbeit in Rechnung.

Beste Grüße aus Pforzheim,
Besim Karadeniz