Traue niemandem, der in Arial schreibt.

Einer der ersten Dinge, die ich beim Anpassen von WordPress-Themes ausmerze, ist die Verwendung von Arial beziehungsweise so kranke Definitionen wie „Helvetica“ oder „Neue Helvetica“ (als ob die jemand auf seiner Windows-Kiste hätte) oder, von ganz konformen Webdesignern, „Sans-Serif“ die in normalen Browser-Konfigurationen unter Windows in der Regel bei Arial enden.

Arial ist wirklich eine Krankheit, die mit mit dem Betriebssystem Windows 3.1 in die moderne Welt eingeschleppt wurde, allerdings gar keine Microsoft-Geschichte ist, wie viele glauben. Denn in Wirklichkeit wurde Arial von zwei Designern im Auftrag des Unternehmens Monotype entwickelt, die eine Alternative zur Helvetica wollten, die dem Unternehmen Linotype gehört. Und Arial ist auch keine Kopie der Helvetica, sondern wurde von einer Schrift namens Grotesque 215 abgeleitet und mit Helvetica-Eigenschaften weiterentwickelt.

Das Ergebnis ist eine häßliche, lieblose Schrift, die ihren Zweck erfüllt – mehr aber auch nicht. Arial identifiziere ich inzwischen schon auf den ersten Blick mit einem Auge. Und entweder wurde sie von jemandem genutzt, der sie mit Bedacht als Schrift einsetzt, die nun mal jeder hat oder von jemandem, der von Typografie überhaupt keine Ahnung hat. Letzteres dominiert überwältigend.

Es fährt kaum ein geschäftliches Fahrzeug herum, auf dem nicht mit Arial gearbeitet wurde, was man besonders überdeutlich bei der schrecklichen Ziffer Eins sieht, mit dieser überdominanten Hakennase. Mit ziemlichen Entsetzen habe ich nun ein Thermostat für Heizkörper gefunden, dessen Ziffernreihe ebenfalls mit Arial abgedruckt wurde, und das auch noch in Fett, damit man das Elend noch besonders deutlich sieht.

Schrecklicherweise findet sich Arial auch regelmäßig in der Parteienkommunikation, und zwar in seltenem Schulterschluß bei allen Parteien. Das ist nun wirklich mehr als sträflich, denn praktisch alle Parteien haben eigene Hausschriften, für die sie teilweise sogar Rahmenverträge mit den Herstellern abgeschlossen haben, damit diese in allen Parteigliederungen eingesetzt werden können. Interessiert das jemanden? Leider genügend viele nicht die Bohne.

Dabei gibt es bei den neueren Windows-Versionen Alternativen, beispielsweise Verdana (nicht wirklich toll, aber deutlich besser), das daraus weiterentwickelte Tahoma oder, seit Windows Vista, die leichte Segoe UI, die immerhin auch Microsoft in der Unternehmenskommunikation einsetzt und das erste Mal eine „richtige“ Schrift ist, die von Monotype entwickelt wurde.