Schöne Buchhaltung.

Es gibt Lob in dieser Welt, das sogar mich überrascht. Dazu gehört die gestrige Aussage einer Sachbearbeiterin, die meine Einnahmen meiner Nebentätigkeit prüfen musste und ich deshalb mit meiner Einnahmenüberschussrechnung und meinem Rechnungsordner kurzerhand in die Arbeitsagentur wackelte und das alles zur Einsichtnahme vorlegte: „Sie haben aber eine schöne Buchhaltung.“

Ansichtssache, die vermutlich eine Frage der Perspektive ist, wie sich dann auch so herausstellte. Es kommen wohl im Rahmen einer vorübergehenden Arbeitslosigkeit tatsächlich Leute mit Schuhkartons voll Quittungen und wollen damit ihren Freibetrag für Nebentätigkeiten nach oben geschoben haben. Gut, jedem seine Sache, wie sie/er ihre/seine Buchhaltung nachvollziehbar für das Finanzamt hält, aber eine Zettelwirtschaft ist gegen die Verpflichtung, eine ordentliche Buchführung an den Tag zulegen, führt bei einer früher oder später kommenden Steuerprüfungen zu möglicherweise unschönen Szenen und überhaupt ist es so eine höchst käsige Angelegenheit, ein jährliches Geschäftsergebnis zu ermitteln.

Aber dennoch – wenn mich jetzt wenigstens auch mal das Finanzamt loben würde, würde ich eine spontane Polonaise durch die Stadt organisieren. 🙂

Andere Dinge tun.

Der geneigte Blog-Leser wird erkannt haben, dass es in den letzten Tagen etwas ruhiger hier zuging und ich nur die üblichen “Artikelserien” losgelassen habe. Das hat auch seinen Grund, denn zum 30. April 2010 endet nach über zehn Jahren mein Angestelltenverhältnis mit der Netmanufacture GmbH.

Die Gründe hierzu sind mehrschichtig, die ich auch nicht weiter hier auswalzen möchte; hier spielen eigene Überlegungen eine große Rolle und eine sich ergebene Chance. Wichtig ist mir die Feststellung, dass ich mich nicht im Streit mit meinem Arbeitgeber trenne und wir an der Trennung auch schon ein paar Monate arbeiten. Das als Beweis dafür, dass ich durchaus auch einige einschneidende Dinge in meinem Leben nicht sofort blogge oder twittere. Die Reihenfolge war deshalb auch so, dass die ersten, die das erfahren haben, mein engster Freundeskreis (mit der Option, darüber nicht zu bloggen) und die Kunden waren, mit denen ich regelmäßig zu tun hatte.

Was wird nun passieren? Ich mache wieder einmal das, was mir bisher ganz gut gelungen ist: Ein Hobby zum Beruf. So war es mit dem Hobby des Fotografierens und der Kameraassistenz und dann mit dem Hobby des Internets. Dem Internet bleibe ich selbstverständlich treu und werde mich zukünftig nun auf dem Feld der Web-Beratung und –Entwicklung versuchen, mit einem Schwerpunkt auf Web 2.0 im Corporate-Umfeld. Das ist jetzt eine gewollt schwammige Umschreibung, weil ich noch in der Phase der genauen Definierung bin. Ein noch nicht ganz konkretes, aber hochspannendes Projekt gibt es bereits.

Verbunden ist das jetzt alles mit einem Haufen Nachdenken, Arbeit und Zettelwirtschaft, immerhin gehöre ich auch zur der Fraktion, die mit der Arbeitsagentur zum letzten Mal zu tun hatte, als es noch Arbeitsamt hieß. Und ja, was die Arbeitsagentur mit der Existenzgründung einem Existenzgründer in die Hand gibt, ist erstaunlich fair und praxisbezogen. Ich bin positiv überrascht.