Wie Online-Bilderalben verbinden.

Während der Arbeit für das Gerstelblog, das Weblog des Autohaus Gerstel, fallen immer wieder Fotos an. Ein inzwischen gut eingespielter Workflow sorgt dafür, dass wir immer Zugriff auf einen großen Pool an Fotos haben. Neben Fotos, die im Rahmen vom Tagesgeschäft entstehen, sind vor allem Symbolfotos von Modellreihen wichtig. Die braucht man immer wieder und tatsächlich kommen immer wieder einmal ältere Opel-Modelle und richtige Oldtimer auf den Autohaushof und da ist das Fotos-davon-machen buchstäblich naheliegend.

Tatsächlich nur ein Bruchteil der inzwischen 1.200 Fotos landen später tatsächlich einmal im Weblog des Autohauses. Die Bilder vom Tagesgeschäft sind kaum anderweitig zu gebrauchen, bei den Fotos von Oldtimern habe ich jedoch irgendwann einmal angefangen, die in meinem eigenen flickr-Account „drittzuverwerten“, also einfach mit der entsprechenden Modellbezeichnung hochzuladen. Das führte schon nach kurzer Zeit dazu, dass diese Bilder jenseits des Weblogs ein echtes Eigenleben entwickelten. Viele Nutzer suchen offensichtlich genau solche Bilder.

Eine Einladung in die Opel-Bildergruppe auf flickr ließ dann auch nicht lange auf sich warten und das ist dann tatsächlich eine ganz dankbare Truppe, die komplett verstreut auf dem ganzen Globus sitzt und ein inzwischen riesiges Bilderalbum von fast 9.000 Fotos pflegt. In dieser Phalanx entstehen Gespräche, Mails, Diskussionen in anderen Foren und sogar richtige „Bestellungen“. Bei den Fotos zum Opel Kapitän, Baujahr 1956, kommen immer wieder einmal Anfragen mit der Bitte um Fotos von ganz bestimmten Blickwinkeln, weil hier und da ein Bastler etwas an seinem Kapitän reparieren muss und ein Foto vom Originalzustand gut wäre.

Es entsteht also nicht unbedingt nur mit einer „schriftlichen“ Kommunikation, lustig wackelnden Videos oder Podcasts eine gut funktionierende Kommunikationsebene, sondern auch mit so einfachen Dingen wie Fotos, wenn sie auf einer funktionierenden Fotoplattform stehen und dort eine passende Themengruppe existiert. Und dass das Autohaus noch nicht einmal so richtig viel zu tun hat mit dem Bildererstellen und ich (noch) die Bilder über meinen eigenen flickr-Account ins Web einspeise, zeigt einen weiteren, kleinen, aber hochinteressanten Aspekt, über den wir gar nicht diskutieren: Bildung von weitgehend automatisiert erzeugten und „sprachlosen“ Informationsräumen, die jedoch an Authentizität einem Weblog in nichts nachstehen und völlig losgelöst vom zeitlichen und quantitativen Faktor ihre „Empfänger“ finden.

Vodafone, Vodafail und so weiter.

Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, die aktuelle Werbekampagne von Vodafone nicht mehr weiter zu kommentieren. In der derzeitigen Art und Weise, wie allesamt alle Mobilfunkbetreiber Kasse machen und sich nur da preislich anpassen lassen, wo sie knallhart reguliert werden, halte ich diesen Wirtschaftszweig für eine moderne Fassung von unfassbar skrupellosen Halsabschneidern, die problemlos junge Menschen mit einem Berg Schulden in die Zukunft entlassen.

So kam es, wie es kommen musste, als Vodafone auf der Suche nach neuen Käuferschichten irgendwann auf die Idee kam, dass man da mit dem Web 2.0 etwas machen könnte. Also flugs eine Kampagne mit dem Titel “Generation Upload” gezimmert und gestandene Blogger vor den Karren gespannt.

Werbung ist Verkauf. Verkauft wird in der Werbung eine Ware, eine Dienstleistung oder eine Vision. Und damit das funktioniert, nimmt man die Ware, Dienstleistung oder Vision direkt als Werbeträger oder einen Protagonisten. Für letztere bedeutet dies, dass sie das tun, was jeder Arbeitnehmer tut: Eine Eigenleistung für Geld zu verkaufen. Das ist alles kein Problem, wenn man beispielsweise weitgehend unbekannt ist, eine markante Nase hat und für eine Nudelsuppe werben soll. Ein Job.

Es wird allerdings spätestens dann ein Problem, wenn der Protagonist als Werbeträger nichts anderes zu verkaufen hat, als seine Authentizität. Das kann man natürlich auch machen, wenn man nichts anderes hat und mit dem Folgen leben kann. So hat es mich ehrlich gesagt nicht gewundert, dass Robert Basic in der Kampagne auftaucht und es hätte mich schwer gewundert, wenn bei so einem Spektakel Sascha Lobo in der Kampagne nicht im Bus herumfahrend plakativ auf ein Mobilgerät schaut und staunt. Robert Basic kann mit jeder Art von Publicity umgehen und Sascha Lobo ist ein Werbemann, der dafür bezahlt wird, mit jeder Art von Publicity umzugehen und den Großen Zampano zu spielen.

Ja, ist hart. Vor allem für Menschen, die sich plötzlich in einer stark polarisierenden Werbekampagne wiederfinden und harten Worten ausgesetzt sind. Und man muss tatsächlich nicht alle Kommentare gut finden, die Schnutinger im unsäglichen Vodafone-Kampagnenblog da verpasst bekommen hat. Aber man spielt mit seiner Authentizität nicht einfach mal so eben herum und lässt sich auf einen wirklich atemberaubend schlechten PR-Gag herab, wenn man das nicht mittragen kann.

Vom Verkauf seiner Authentizität sollte man eher lieber Abstand nehmen, wenn man mit den möglichen Folgen eher nicht leben kann. Die Notbremse, die Schnutinger alias Ute Hamelmann nun auch in ihrem Blog gezogen hat, ist vermutlich tatsächlich eine authentische Notbremse – aber es hätte ja ruhig jemand mal vorher darüber intern sprechen können, was man für einem Gegenwind ausgesetzt sein könnte. Gagen sind auch immer ein Stück Schmerzensgeld und das hängt nicht immer nur von der eigenen Leistung ab, sondern möglicherweise auch von so Umständen wie einem schlechten Haus, in dem man spielt.

Andererseits: In ein paar Wochen, wenn Vodafone den Kampagnenetat verpulvert hat und die Mobilfunkkonzerne weiterhin alles dafür tun, die Kundschaft abzuzocken, wo es nur geht, spricht keiner mehr davon. Auch in der Blogosphäre wächst das Gras zwar langsam, dafür jedoch ebenso in bewährter Qualität, wie draußen.

Kulturkampf 2.0.

Ich beobachte ja nun schon seit einer ganzen Weile die Schritte der hiesigen Parteien im Internet. Das fing, so viel darf man zugeben, mit den frühen Internet-Aktivitäten von Barack Obama an, als noch jeder fest davon überzeugt war, dass der schwarze Senator aus Illinois nicht einen Hauch von Chance haben könnte, jemals US-Präsident zu werden. Das, war er mal eben so als „Impact“ ausgelöst hat, ist nichts anderes gewesen als ein moderner Kulturkampf, der so ziemlich alle elementaren Fronten hatte, die es nur gibt: Jung gegen Alt, Moderne gegen Vergangenheit, Konservatismus gegen demokratischen Sozialismus, mündiger Wähler gegen klassischen Wähler, zentral organisierte und dezentral strukturierte Wahlkampfführung gegen herkömmliche Wahlkampfführung, aufstrebende Politiker gegen alteingesessenes Politestablishment. Letztendlich auch Demokraten gegen Republikaner, was am Ende auch das anvisierte und erreichte Ziel war.

Nun kann man sagen, was man will – die USA sind weit entfernt und viele Aspekte, die in den USA für die Parteienlandschaft und für Wahlen gelten, gelten hier in Deutschland nicht. Beispielsweise ist die Organisationsstruktur der Demokratischen Partei der USA derartig darniederliegend gewesen, dass die dezentrale Strukturierung über das Internet nicht nur ein großer Erfolg war, sondern eine unumgängliche Entwicklung, wenn man nicht vollens auf eine kaum noch funktionierende Partei bauen wollte. So weit sind wir in Deutschland nicht. Ebenso weit sind wir nicht bei den rechtlichen Möglichkeiten, potentielle Wähler nach einer Registrierung sofort auf ihre Vorlieben auszuhorchen und deren Daten aus anderen, verfügbaren Datenbanken zu sammeln und zu migrieren.

Das ist aber auch nicht der Punkt, den ich hochspannend finde, denn so tief greifen muss man offenbar nicht. Der moderne Kulturkampf spielt sich nämlich schon viel tiefer und lapidarer ab: Jede Partei redet davon, dass sie gern mit dem Wähler in Diskussion treten will, besonders gern vor Wahlen. Was aber passiert, wenn es tatsächlich so weit ist? Wie kommt eine Partei und eine politische Bewegung plötzlich damit klar, wenn sie nicht nur weitgehend one-way kommuniziert, sondern plötzlich die Diskussion auch einen echten Rückkanal bekommt und dieser genutzt wird?

Und genau hier spielen sich in meinen Augen inzwischen atemberaubende Entwicklungen ab. Weniger positive – so ehrlich muss man sein, dass noch keine deutsche Partei wirklich den goldenen Mittelweg gefunden hat, perfekt im Internet zu diskutieren – sondern eher negative. Das Paradebeispiel hierbei ist die CDU und ihr Auftreten in StudiVZ, denn hier prallen Welten aufeinander.

Es ist inzwischen kein Geheimnis, dass die Macher von StudiVZ und MeinVZ durchaus in Zusammenarbeit mit Parteien ihre Pforten gegenüber der Politik geöffnet haben. Darüber kann man unterschiedlicher Meinung sein, allerdings finde ich, dass eine gute Diskussionsplattform nicht nur davon lebt, dass über Politik geredet wird, sondern dass sie auch Raum für offizielle Darstellungen bieten sollte.

Das Problem der CDU: Ihre politischen Ansichten kollidieren offenbar immer wieder diametral mit den Ansichten der meist jungen Klientel und führt zu harschen Reaktionen auf politische Traktate und klassischen Wahlkampfargumentationen und dann schaukelt sich das alles auch noch ordentlich auf, wenn die Wahlkampfführung mit den harschen Reaktionen offensichtlich nicht klarkommt. So kommt es, dass es zu außergewöhnlichen Kommunikationspannen kommt, beispielsweise so Dingen wie Diskussionsthemen auf dem Diskussionsforum der CDU, in denen Homosexualität als heilbare Krankheit beschrieben wird oder sich die CDU in Foren dazu herablässt, Kritiker an der Thematik von Online-Sperren als Befürworter von skrupellosen Geschäftemacher dargestellt werden.

Authentizität lebt vor allem von ehrlicher Argumentation und davon, Kritik anzuerkennen und zu verarbeiten. Gerade letzteres ist der große, heiße Punkt des Kulturkampfes 2.0 und dieser Punkt kann nicht mit Mitteln aus dem bisherigen Wahlkampfwerkzeugkoffer pariert werden. Aber vermutlich kann ich mir dazu die Finger wundschreiben, wir werden dazu in naher Zukunft höchstwahrscheinlich noch einige weitere Tiefschläge erleben.

„Ich“ oder „Wir“ im Wahlkampf?

Eine sehr beliebte Frage im Umfeld von Politik 2.0 ist die Frage, wie man eigentlich als Wahlkampfteam online auftritt. Dazu gebe ich eine Analogie aus dem klassischen Wahlkampf als Argument zur Diskussion: Ein Infostand in der Fußgängerzone einer x-beliebigen Stadt. Dort steht der zu wählende Kandidat, nennen wir ihn einfach mal Jakob Maria Mierscheid, und, sagen wir, zehn Menschen aus seinem Wahlkampfteam, die Gespräche mit Passanten suchen, Material verteilen. Stehen da nun elf Jakob Mierscheids, um mal die klassische Vorgehensweise in der politischen Kommunikation zu beschreiben, oder ein Jakob Maria Mierscheid und zehn weitere Individuen mit eigenem Namen, eigenen Ansichten, eigenen Verbindungen zum Kandidaten, aber alle mit der Gemeinsamkeit, dass sie sich mit dem Kandidaten identifizieren?

Ich halte diese große Portion Authentizität (wenn man nicht gerade ein bezahltes Team für sich laufen lässt) für ein großes Kapital und hohes Gut in einem jeden Wahlkampf und aus diesem Grund steht es außer Frage, dass man dieses Humankapital praktisch zwingend auch im Online-Wahlkampf einsetzen muss – weil es schon da ist. Nichts ist wertvoller als die „Front Runner“, die Menschen, die an der Wahlkampffront stehen.

Wie das funktioniert, machte der Online-Campaigning-Altmeister Barack Obama vor. Und es war deshalb so gut, weil es kaum auffiel, denn es schrieb beispielsweise „David Plouffe, BarackObama.com“. Und genauso kann man es auch im Online-Wahlkampf halten, da ist es dann eben „Thomas Gottschalk, Team Jakob Maria Mierscheid 2009“ oder ähnlich und genau damit werden in der Kampagne E-Mails absenderadressiert oder das Wahlkampf-Weblog bestückt.

Wenn man nicht gerade jeden Tag einen neuen Namen einführt und die Leute des Wahlkampfteams auch einmal im Bild hat, leidet darunter keinesfalls die Glaubwürdigkeit. Genau das Gegenteil wird der Fall sein.