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Finale Warnung.

3. April 2013 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in MedienWelt

Die Mediatheken von ARD und ZDF gehören zu meinen Lieblings-Downloadstationen. Alles schön legal (weil tatsächlich von mir sogar bezahlt) und mit dem Programm MediathekView ist das Herunterladen auch superbequem, auch wenn MediathekView leider in Java programmiert und der einzige Grund ist, dass Java noch auf meinem Rechner installiert ist.

Beim Herunterladen heute wurde ich allerdings in einer Art und Weise um Bestätigung gefragt, die mir dann doch kurz Sorgen bereitete:

Warnmeldung im Programm "MediathekView" - "Warnung: Das ZDF kann tödlich sein"

Die Lösung war dann relativ einfach: Die Sendung, die ich herunterlud, hieß “Warnung: Das ZDF kann tödlich sein”. Darauf muss man erst einmal kommen, so oder so. ;-)

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Lösung zur dritten Staffel von Kommissarin Lund.

12. März 2013 | 2 Kommentare | Veröffentlicht in MovieWelt

Mit einem Tag Verzögerung habe ich nun auch die letzte Folge der dritten und letzten Staffel von Kommissarin Lund – im dänischen Original Forbrydelsen genannt – angeschaut. Und wie vermutlich die meisten Zuschauer hat mich das Ende ebenfalls etwas verstört zurückgelassen. Es gibt nicht viele Krimis, die das zumindest bei mir schaffen. Aber weil ich ja schon mal die komplette Lösung für die erste Staffel hier im Blog aufzeichnete und entsprechende Suchanfragen am gestrigen Montag so gewaltig hoch waren, hier eine Schnellzusammenfassung und die Conclusion der dritten Staffel. Wie üblich wurde der eigentliche Mörder zwar schon in der letzten Folge aufgelöst, die ganzen verwobenen Geschichtsstränge sind allerdings nicht ganz einfach zu entwirren.

Achtung, SPOILER! Der folgende Text ist in weißer Schrift auf weißem Grund, bitte einfach den folgenden Text markieren, um ihn lesen zu können. Wer diesen Artikel als Feed liest, schnell wegblenden, wenn er die Lösung nicht wissen will.

  1. Der Mörder des 13-jährigen Mädchens Louise Jelby aus dem Kinderheim war Niels Reinhardt, der Sicherheitsberater von Zeeland-Chef Robert Zeuthen und der Chef der Kinderstiftung von Zeeland. Offenkundig scheint dieser eine pädophile Vergangenheit zu haben, die sich andeutet, allerdings nicht beweisen lässt (zur Schuldfrage weiter unten noch eine Anmerkung).
  2. Im Rahmen des Mordes wurden damals Untersuchungen unter der Führung von Obertaatsanwalt Peter Schultz durchgeführt. Diese Untersuchungen waren zumindest so weit fortgeschritten, dass schon damals Niels Reinhardt in Verdacht geriet. Zeeland sorgte jedoch über den Finanzminister Mogens Rank, der wiederum Druck auf die Sondereinheit und den Staatsanwalt Schultz ausübte, dafür, dass die Beweise so gefälscht wurden, dass Reinhardt ein Alibi zugeschoben wurde. Das gelang vor allem dadurch, dass das Hotel, in dem Reinhardt während des Tatzeitpunktes gewohnt haben soll, ein Unternehmen der Zeeland-Gruppe war und Manipulationen dementsprechend einfach.
  3. Der Sohn von Premierminister Kristian Kamper hat, offensichtlich als rebellischer Sohn, Recherchen gegen die Partei seines Vaters und Zeeland geführt und darunter auch Niels Reinhardt beschattet und fotografiert. Das fiel damals schon dem Bruder von Kristian Kamper, Kristoffer, auf (der gleichzeitig auch der Wahlkampfleiter von Kristian Kamper ist), der seiner Aussage nach seinen Neffen warnte, weiterhin Recherchen gegen seinen Vater durchzuführen. Während den Recherchen machte sein Sohn auch Fotos, darunter unter anderem auch das Foto, auf dem Reinhardt am Straßenrand parkend fotografiert wurde, wie er offensichtlich kurz vorher Louise Jelby auf ihrem Fahrrad angefahren hatte. Weil dies einschlägigen Kreisen bekannt war, wurde das Versteck von Kristian Kamper durchsucht und er dabei zufälligerweise angetroffen. Aus Panik ist er wohl weggelaufen, dabei auf die Bahngleise der naheliegenden Bahnstrecke geraten und wurde von einem Zug überfahren. Der bis dato eigentlich als Suizid geltende Tod ist demnach eigentlich aus einem ganz anderen Hintergrund zu sehen, den sein Vater offenbar nicht kannte.
  4. Der lange Zeit als Täter geltende Entführer von Zeuthens Tochter Emilie namens “GM” ist der leibliche Vater von Louise Jelby und will mit der Entführung Zeeland und die Ermittlungsbehörden erpressen, den wahren Mörder von Jelby – Niels Reinhardt – zu ermitteln. Darum führt er während den gesamten Folgen die Ermittler quer durch alle Handlungsstränge und Protagonisten der Verschwörung. Emilie wiederum hatte er gar nicht per Container nach Norwegen verschifft, sondern wohl kurz nach der ersten missglückten Übergabe nicht erschossen und auf die Medea verfrachtet, das schrottreife Schiff aus der 1. Folge. Die Tochter diente die ganze Zeit über als Faustpfand des Entführers und als Druckmittel gegenüber Lund, die Ermittlungen im Fall Louise Jelbys nochmal aufzurollen.

So, und warum hat nun Sarah Lund ganz am Ende das Verstörenste getan und Reinhardt auf eigene Faust auf dem Flughafen erschossen? Die Antwort dazu liefert der letzte Dialog zwischen Lund und Reinhardt im Auto, kurz vor der Exekution von Reinhardt:

Lund: Sie müssen sich gewundert haben, als Sie plötzlich dieses Alibi hatten. Jemand von Zeeland hat dafür gesorgt, dass es so aussieht, als hätten Sie im Zimmer 108 gewohnt. Die Daten des Schließsystems dienten dann als Ihr Alibi. Sie haben noch nie in Zimmer 108 gewohnt, Sie wohnten immer in 312. Sie haben Louise Jelby umgebracht. Und sie war nicht die erste, habe ich Recht? Sie können es ruhig zugeben! Geben Sie’s zu, ich werde es sowieso beweisen!

Reinhardt: Ich glaube nicht, dass Sie das können. Sonst würden wir dieses Gespräch nicht führen. Aber ich bewundere Hartnäckigkeit, Sorgfalt und ordentliches Arbeiten. Das ist etwas, das ich sehr schätze. Danke, dass Sie mich daran erinnert haben. Sie haben mich viel gelehrt. Ich werde das selbstverständlich mit in die Zukunft nehmen. Aber jetzt müssen wir zusehen, dass wir weiterkommen.

Kurzum: Lund weiß, dass Reinhardt das 13-jährige Mädchen Louise Jelby umgebracht hat und hat auch Indizien dafür, dass Reinhardts Alibi nicht stimmt. Allerdings ist dies nicht zu beweisen, zumal der Spur mit der Zimmernummer schon einmal nachgegangen wurde und das Alibi bei der ersten Untersuchung hielt. Reinhardt wiederum weiß auch, dass Lund nicht in der Lage ist, den Mord nachzuweisen (auch das besagte Foto ist letztendlich nur ein Indiz). Allerdings lässt er mit dem Hinweis auf seine Bewunderung für Lunds Hartnäckigkeit hervorblicken, dass er mit der Lösung seines Alibis möglicherweise aus moralischen Gründen nicht wirklich leben kann und sich deshalb damit abfindet, dass Lund die Schuldfrage auf eigene Faust mit der Exekution löst.

Diese weitgehend verzweifelte Haltung von Lund wird auch noch mal dadurch unterstrichen, in dem die Reaktionen aus Politik und Wirtschaft auf das glückliche Auffinden von Zeuthens Tochter dargestellt werden. Premierminister Kamper hat die Wahlen gewonnen und unmittelbar nach der Wahl sind ihm die Nachforschungen zum Fall Reinhardt herzlich egal und auch der Aufsichtsratvorsitzende von Zeeland blockt im Gespräch mit dem aufgebrachten Robert Zeuthen jegliche Vorwürfe ab und empfiehlt Zeuthen lieber einen eigenen Ausstieg aus dem Unternehmen, um dessen Image nicht zu gefährden. Sprich: Um die Wahrheit schert sich keiner, wenn das eigentliche Problem nicht mehr existent ist.

Das war’s. Wieder einmal zehn Stunden Kommissarin Lund durch und keine Minute davon war vergeudet. Mit dem sehr deutlichen Ende und der Flucht von Lund aus Dänemark/Norwegen endet auch sehr offensichtlich die Lund’sche Serie nach drei Staffeln. Hochverdient, auch wenn die dritte Staffel an die Komplexität und Dramatik der ersten Staffel meiner Meinung nach nicht ankommt. Aber das sind reine Detailfragen.

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Kommissarin Lund: Die Chefin ist wieder da.

9. Februar 2013 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in MedienWelt

Wenn ich hier im Blog von Kommissarin Lund bzw. von Forbrydelsen, wie die Krimiserie im dänischen Original heißt, schreibe, dann schreibe ich von einem Quotenbringer. Im Fernsehen und hier im Blog. Dass sich die dritte Staffel ab dem 10. März im ZDF ankündigt, dieses Mal immerhin nur fünf Monate nach dem Start in Dänemark, habe ich schon längst am Anwachsen der Suchanfragen bemerkt. Dabei geht es hier ja nur um die Lösung der ersten Staffel.

Immerhin, die dritte Staffel zeigt vor allem mal eines: Die Dänen sind offensichtlich dabei, ihren Kampfeinsatz in Afghanistan vollständig zu verarbeiten. Zu viele Krimiserien hatten in den vergangenen Jahren mehr oder weniger verkrampfte und mitunter fast schon haarscharf rassistisch anmutende Verzweigungen in Vorurteile, die man dann auch noch gern mit der – ich sage es jetzt mal möglicherweise offensiv – implizierten terroristischen Leichtfüßigkeit in arabischen Ländern verortete. Dazu zählte Forbrydelsen, aber auch und vor allem die Serie “Protectors”, im dänischen Original “Livvagterne”. Zweifellos allesamt moderne Krimiserien mit enormer Erzählgeschwindigkeit und mindestens drei gleichzeitig laufenden Erzählsträngen, allerdings stößt eben die ziemlich einseitige Einbeziehung von hochkomplexen internationalen politischen Bewegungen schnell an seine erzählerischen Grenzen. Vieles kann man nicht gut in einem Krimi erklären, der ja in erster Linie unterhaltsam sein soll, und dann bleiben am Ende Sachlichkeit, Wahrheit und Zusammenhänge auf der Strecke. Das war so ein grundsätzliches Ding, warum mir die zweite Staffel von Forbrydelsen recht schnell zum Halse herauskam, die als Basis mehrere Morde hatte, die zunächst in einem islamistischen Hintergrund vernordet wurden, später dann aber im dänischen Militär. Sicher, man bekam die erzählerische Kurve, aber die ersten Folgen waren schon am Rande des Erträglichen. Don’t mix serious entertainment with politics.

Und das bei einer Protagonistin, die eigentlich gar nicht so recht in die Welt des Krimis passt. Wohnt in keiner hippen Wohnung, fährt kein kultiges Auto, setzt sich nicht übermäßig in Szene. Sondern ist durch und durch ein Traum eines jeden Vorgesetzten. Schafft bis zum Umfallen, sieht sich als absoluter Teamplayer und überlässt den Ruhm den Schreibtischtätern der mittleren Führungsebene. Da kann man Lund auch problemlos für die wirklich harten Fälle einsetzen, ohne jegliche Gefahr, dass da jemand ermittelt, der irgendwann den Höhenflug bekommt.

So hat man sich bei der dritten Staffel, die gleichzeitig auch die letzte der Serie werden soll, wieder auf “Bewährtes” zurückgefunden und bleibt im Land. Das Dänemark in der Zeit der globalen Finanzkrise. Die hat unter anderem dazu geführt, dass die Dienststelle von Sarah Lund Einsparungsmaßnahmen durchführen muss und Lund überlegt, in die Verwaltung überzuwechseln. Das wird allerdings zunächst dadurch schwierig, dass ein mysteriöser Mordfall aufgeklärt werden muss, zu dem sich schon in der ersten Staffel gleich noch ein paar weitere Tote dazugesellen, deren gesellschaftliche Zugehörigkeit und deren Art des Ablebens so gar nicht zusammenpassen wollen. Von Verwicklungen bis in die höchsten gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Zonen darf ausgegangen werden, so dass die gewaltigen 10 Stunden dieser Staffel, die in der deutschen Fassung wieder auf fünf jeweils zweistündige Folgen portioniert sind, sehr spannend sein dürften.

Die nächsten fünf Sonntage bin ich also jeweils zwischen 22 und 24 Uhr telefonisch nicht zu sprechen, auch nicht in Notfällen.

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Das “bisschen” Schleichwerbung im ZDF.

13. Januar 2013 | 1 Kommentar | Veröffentlicht in MedienWelt

Man darf getrost sagen: Der morgige SPIEGEL offenbart mit ziemlicher Sicherheit einen deftigen Skandal im ZDF, wenn nicht gar den größten, den man da fabriziert hat in der 50jährigen Geschichte des Senders. Es geht dabei und niemanden geringeren als den jahrelangen Quotengarant Thomas Gottschalk, längst in den Annalen der Fernsehgeschichte eingebrannt.

Eine kleine Kurzfassung der höchst lesenswerten Titelgeschichte: Ein Unternehmen namens “Dolce Media”, das Thomas Gottschalks Bruder Christoph gehört, hat offenkundig jahrelang emsig dafür gesorgt, dass Großunternehmen ihre Produkte in einem höchst interessanten Werbeumfeld – nämlich der Wetten-dass-Sendung – platzieren konnten, nebst passender und sekundengenauer Moderation von Thomas Gottschalk. Entsprechende Verträge lägen dem SPIEGEL vor, aus dem dann auch munter zitiert wurde, teilweise mit erschreckenden Details. Unter anderem dem Hinweis, dass die Art der Produktplatzierung den staatsvertraglichen Regelungen des ZDF entsprechen würden, das ZDF aber nun behauptet, von alldem nichts gewusst zu haben. Und das obwohl das ZDF bis 2003 über seine Tochter ZDF Enterprises mit 15 % an der Dolce Media beteiligt war. Man nehme erstaunt zur Kenntnis, dass der SPIEGEL in seinem Artikel mit Begriffen wie “krumme Geschäfte”, “dubios” etc. nicht spart.

Richtig brutal wird der Skandal dann nach dem Artikel mit dem nächsten. Denn dort wird die Frage aufgeworfen, wie der Audi A8 in die Sendung kam, über den im Dezember 2010 Samuel Koch in seiner spektakulären Wette mit Stelzen sprang und sich dabei schwer verletzte. Denn dieses Auto – man ahnt es – war anfangs nicht von Samuel Koch als Übersprungobjekt vorgesehen … genügend Raum für schwerwiegende Fragen. Und vor allem erscheint der Abgang Thomas Gottschalks nun in einem ganz anderen, sehr bösen Licht.

Wie gesagt: Lesenswerter, diskussionswürdiger Artikel. Dringende Kaufempfehlung, für die Sonntagabendlektüre auch schon jetzt als ePaper.

Und ich finde mich jetzt tatsächlich wieder als immer stärkerer Befürworter eines totalen Werbeverbotes in allen öffentlich-rechtlichen Radio- und Fernsehsendern. Kommerzielle Werbung und Sponsoring tun Unternehmen, die größtenteils von Gebührengeldern leben, einfach nicht gut.

Update: Inzwischen hat SPIEGEL Online auch einen Artikel online, der mal im Groben erklärt, um was es geht.

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Sind wir in Deutschland zu “krimigeil”?

22. Juni 2012 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in MedienWelt

Ich hatte einmal eine recht interessante Diskussion in einer Kneipe am Start, bei der es um das Fernsehprogramm ging. Und zwar im Detail darum, warum US-amerikanische Serien in Deutschland (und nicht nur dort) so gut funktionieren und deutsche Serien so gar nicht – außer Krimis. So Serien wie Derrick, die vor allem dadurch glänzen, dass sie im Prinzip furchtbar langweilig sind und vollkommen ohne Action und und Glamour daherkommen, sind in der Welt überaus begehrt. Und wenn man sich die Physiognomie näher anschaut, bekommt man auch die passende Antwort.

Krimis im Fernsehen – eine Nahbetrachtung des Fernsehprogramms

Der subjektive Eindruck, das Fernsehen sei voll mit Krimiserien und “krimiähnlichen” Programmen wollte einmal mit verlässlichen Zahlen untermauert werden. Also habe ich mir mal das Fernsehprogramm einer Woche im September (von Samstag bis Freitag) geschnappt und ausgewertet. Und der subjektive Eindruck wird plötzlich sehr objektiv. In den Zahlen eingerechnet sind Polizeiserien wie das “Großstadtrevier” und als Spezialfall auch die Fahndungssendung “Aktenzeichen XY”:

  • ARD: 5 Stunden, 45 Minuten
  • ZDF: 14 Stunden, 15 Minuten
  • RTL: 1 Stunde
  • Sat 1: 0 Stunden
  • Pro Sieben: 0 Stunden

Tatsächlich ist das ZDF absoluter Krimikanal. Neben den Freitags-, Samstags- und Sonntagskrimis gibt es eine ganze Phalanx an SOKO-Serien im Vorabendprogramm, so dass das ZDF pro Tag durchschnittlich auf über zwei Stunden Kriminalität kommt. Und betrachtet sind hier nur Krimiserien, also keine Spielfilme. Das ist eine ganze Menge Elend.

Warum Krimiserien?

Man sollte nun einmal hinterfragen, warum wir eigentlich so viele Krimiserien am Start haben. Zuerst käme man vielleicht auf die These, dass wir in Deutschland einfach gern Krimis anschauen. Gegenfrage: Tun wir das wirklich? Denn wenn wir allein nur einmal anschauen, dass die oben gezählten 21 Stunden Kriminalität auf gerade einmal drei Programme verteilt sind und von diesen drei Programmen das eine Programm nur 1 Stunde zählt, dann ist das nicht sehr homogen. Noch inhomogener wird das, wenn man berücksichtigt, dass ARD und ZDF in der so genannte “werberelevanten Zielgruppe” deutlich auf verlorenem Posten steht. Und dazu kommt dann auch noch, dass eine ganze Latte dieser Krimiserien nicht in der Primetime laufen, wie beispielsweise ein Teil der SOKO-Serien und auch “Großstadtrevier” der ARD, die allesamt im Vorabendprogramm gesendet werden und eher zur seichten Kost gehört.

Vielmehr gehören Krimis zu einer der ersten Unterhaltungsformen des Fernsehens und prägen das Fernsehen von Anfang an. Während in den USA das klassische Crime-TV in den 1970ern sein All-Time-High hatte und seitdem – mit Ausnahmen – auf dem absteigenden Ast ist, ist im deutschen Fernsehen von einem absteigenden Ast kaum etwas zu sehen, zumindest in Sachen Quantität.

Das liegt mitunter an zwei zentralen Eigenschaften von Krimiserien, zählen wir sie mal zu “Fernsehen 1.0″:

  • Vergleichsweise einfach strukturierte Drehbücher
  • Keine aufwendigen Studioproduktionen
  • Keine Spezialeffekte und damit günstige Postproduktion
  • In der Regel streng episodisch abgeschlossene Erzählformen
  • Krimis sind “ernste”, internationale und überparteiliche Kost, ohne die Gefahr, irgendwo größer anzuecken, wenn man es nicht darauf ankommen lässt

Fernsehen im Zeitalter des Multikanals

Das Ende des Fernsehens ist demnächst sicherlich nicht zu erwarten. Sehr wohl aber eine grundlegende Änderung des Sehverhaltens der Fernsehzuschauer. Fernsehen ist immer weniger eine Geschichte, die man jeden Abend einschaltet, um dann x Stunden bis zum Einschlafen darin in ein Programm hineinzuschauen. Es ist schon heute so, dass Fernsehen eine selektive und immer selektiver werdende Geschichte ist. Fiktionale Unterhaltung muss daher extrem professionell daherkommen, um überhaupt als unterhaltend erkannt und akzeptiert zu werden.

Das ist der Grund, weshalb amerikanische Produzenten von hochklassigen Fernsehserien schallend über die Kosten von 1 bis 1,5 Millionen Euro einer mittelmäßigen Tatort-Folge lachen können. Eine aktuelle Folge der Simpsons wird beispielsweise mit 1 Million US-Dollar veranschlagt, wobei zu berücksichtigen ist, dass es Trickfilm ist und die Trickarbeiten in Billiglohnländern produziert werden. Eine Folge “Dr. House” gibt es, wenn man diversen Quellen glauben darf, gar erst ab 3 Millionen US-Dollar pro Folge und das ist für eine Serie, die quasi komplett in einem Studio produziert wird, nur 45 Minuten dauert und pro Staffel mindestens 20 Folgen aufweist, eine gewaltige Zahl.

Die Budgets allein sind es aber nicht, denn das würde beispielsweise nicht den Erfolg der vielen Sitcoms erklären, die in den USA produziert werden und es hier in Deutschland teilweise noch nicht mal auf die Programmtafeln schaffen. Hier gilt immer noch der Gedanke, dass Sitcoms eigentlich im “ernstne”, deutschen Fernsehen nichts zu tun haben und eher zu Klamauk gezählt werden. Ein grober Kardinalfehler, denn auch wenn Sitcoms oftmals eher unterhaltenden Charakter haben, haben Sie einen großen Vorteil: In ihnen lässt sich das normale Leben (soweit man davon sprechen mag) immer noch am besten verarbeiten.

Ein weiterer Punkt betrifft praktisch die gesamte Unterhaltung: Sie wird nicht von einem Drehbuchautor geschrieben, sondern von einer ganzen Batterie von gleichberechtigten Autoren, in der Regel auch mit mehreren Autoren pro Folge. Das gibt schon allein dadurch, dass mehrere Augenpaare mehr sehen, als nur eines, den großen Vorteil, dass eine Serie deutlich vielfältiger ist, als z.B. 20 Jahre Derrick. In vielen Ländern wird die fast schon maschinell wirkende Konstanz von Derrick hochgelobt und als “typisch deutsch” eingeschätzt, aber das ist eigentlich kein Vorteil, das ist ein großes Dilemma, das man auflösen müsste.

Neue Formen, Formate, Experimente

Eigentlich mangelt es im deutschen Fernsehbetrieb an nichts: Es gibt eine gut entwickelte öffentlich-rechtliche Senderstruktur, es gibt große Privatsenderketten, es gibt etabliertes Pay-TV und es gibt eine umfangreiche Landschaft von privaten Produktionsgesellschaften, die Auftragsarbeit verrichten können, wenn der Etat stimmt. Man könnte loslegen – wenn man wollte.

Aber will man? Wenn man sich gerade das öffentlich-rechtliche Fernsehmilieu anschaut, darf man getrost daran zweifeln. Experimentielle Formate finden keinen Platz, bei der ARD zudem keine echte Geduld mit der Intendantenriege. Das ZDF probiert sich wenigstens mit dem Digitalkanal ZDF Neo, hier fehlt es aber meiner Meinung nach am richtigen “Tritt”, auch mal etwas größeres zu produzieren und auszuprobieren. Der Raum dazu wäre da und noch nie gab es wirksamere Möglichkeiten der Begleitberichterstattung, wie im Internet- und Facebook-Zeitalter.

Man müsste wollen. Mut zur Lücke haben. Leuten die Luft zum Experimentieren lassen. Mal das Publikum fragen, was es sehen möchte und vielleicht das Publikum auch einmal mitarbeiten lassen an der Entwicklung eines neuen Formates. Man will nicht. Und versteht nicht, dass auf die “klassische” Weise das moderne Fernsehen von morgen nicht funktionieren wird.

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Eine Analyse des Wetten-dass-Deals aus einer anderen Sicht.

12. März 2012 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in MedienWelt

Wie muss man eigentlich den Deal zwischen dem ZDF und Markus Lanz, der nun auch offiziell der nächste Moderator von “Wetten, dass…?” bewerten? Ob er ein guter oder schlechter Moderator ist, ist kaum bewertbar, gute Moderatoren moderieren alles weg und brauchen in der Regel ein paar Grundbedingungen, um wirklich gut zu sein. Das beste Beispiel ist da Thomas Gottschalk, der in seiner neuen Talkshow nicht wirklich anders moderiert, als früher, aber eben ein paar Dinge fehlen, die ihn bei “Wetten, dass…?” unverwechselbar machten, an erster Stelle die direkte Interaktion mit dem Studiopublikum, das ironischerweise ja jetzt auch in “Gottschalk live” wieder eingeführt werden soll.

Nein, Markus Lanz kann man nur unterschätzen, wenn man versucht, ihn aus seiner bisherigen Arbeit als Gute-Nacht-Moderator zu bewerten. Auch wenn er seine Zuschauer gern mal dadurch peinigt, sehr belanglose Fragen an seine Gäste zu stellen: Man kann ihm kaum nachsagen, dass er sich nicht gut vorbereitet und dass er nicht schlagfertig sei. Der Rest ist eine Sache der Vorbereitung und der Selbstdarstellung. Markus Lanz hält sich da, wo er gerade ist, also wird es an beidem nicht mangeln.

Spannender ist das, was hinter den Kulissen passiert. Denn “Wetten, dass…?” ist nicht ohne Grund einer der letzten großen Unterhaltungsdampfer in deutschen Fernsehen geblieben: Es ist eine der letzten Samstagabend-Unterhaltungsshows, die noch vollständig vom Sender produziert wurden, also vom ZDF. So eine Eigenproduktion bedeutet, dass der Sender die Produktionsleitung hat und Redaktion und Produktion aus eigenem Hause kommen.

Der Handschlagdeal zwischen Markus Lanz und der neuen ZDF-Verwaltungsspitze um Thomas Bellut beinhaltet offenbar eine Vereinbarung, dass Lanz’ Produktionsfirma “mhoch2″ einen Teil mitproduzieren darf. Darüber kann man jetzt vortrefflich diskutieren, welcher Teil das ist, aber ich tippe darauf, dass es vor allem der redaktionelle Teil ist, denn das ist bei allen Produktionsfirmen der große “Kreativposten”, während die eigentliche Produktion (also Kulisse, Studio, Technikpersonal) als Dienstleistungen dazugekauft werden. Zu dieser Vermutung passt auch eine andere Personalie, nämlich der Ausstieg von Michelle Hunziker vor einigen Wochen. Bei diesem Job des Co-Moderators wird sich sicherlich die Frage gestellt hat, ob zum einen ein neuer Moderator damit klarkommt, eine sehr gut vorbereitete Hunziker an der Seite zu haben und zum anderen auch, bei wem sie eigentlich dann genau arbeitet.

Die Frage der Zukunft wird aber genau da weitergehen, im Spannungsfeld zwischen externer Redaktion und eigener Produktion. Einen Vorgeschmack dazu gab es schon mit dem Eurovision Song Contest letztes Jahr, den ja eigentlich die ARD ausrichtete, aber von Stefan Raabs Produktionsfirma Brainpool produziert wurde. ARD-Mitarbeiter beschwerten sich im Vorfeld der Contest dann darüber, dass sie zwar Pressekonferenzen filmen durften, bei der eigentlichen Produktion der Show jedoch außen vor blieben. Die sehr gut gewerkschaftlich organisierten Stammbelegschaften öffentlich-rechtlicher Sender reagieren auf solche Wetterlagen.

In der eh schon angeheizten Stimmung auf dem Mainzer Lerchenberg dürfte die Transformation der jahrzehntelang selbstproduzierten, größten Unterhaltungsshow Europas zu einer teilweise privatwirtschaftlich produzierten Sendung für Misstöne sorgen, bei der ich gespannt darüber bin, wie das ZDF-Management das in den Griff bekommt, ohne dass “Wetten, dass…?” inhaltlich so ausblutet wie andere ehemalige Samstagabend-Unterhaltungsdampfer.

Das wird ein hartes Geschäft für alle Beteiligten.

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ZDF-Mitarbeiter, Protest bitte!

28. Februar 2012 | 2 Kommentare | Veröffentlicht in MedienWelt

Und weil immer noch ein steter Durchlauf an Zugriffen vom ZDF-Netzwerk (hierzu gibt es noch ein Addendum am Ende dieses Artikels) auf mein Blog vorherrscht, hier ein kleiner Aufruf an ZDF-Mitarbeiter, sozusagen vom engagierten Zuschauer. Ich darf das.

Hey, ZDF-Mitarbeiter!

Bekommt euren Hintern hoch! CARTA hat heute ein kleines Interview mit der Gruppe “Freiheit für das Zweite” geführt, in dem herauszulesen ist, dass sich der Mut von Mitarbeitern, einen sichtbaren Protest gegen den schleichenden Programmabbau und der immer noch extrem stark parteilich durchgefärbten Personalpolitik in den höheren Stockwerken des Verwaltungsbaus anzuzetteln, in bescheidenen Grenzen hält. Das ist von mir als Außenstehender nicht zu bewerten.

Was jedoch von mir als Zuschauer durchaus zu bewerten ist: Ich zahle Rundfunkgebühren und ich zahle sie, im Gegensatz zu vielen anderen Menschen, ohne größeres Murren. Ich zahle Rundfunkgebühren für ein umfassendes Programmangebot und ich zahle auch dafür, Meinungsvielfalt zu bekommen, die möglicherweise nicht jedem Verantwortlichen gefällt. Ich zahle aber nicht dafür, dass Meinungsvielfalt produziert und am Ende nicht abgesegnet und gesendet wird, weil es Partei X oder Y nicht so ganz gefällt.

Das ZDF ist eine Anstalt des öffentlichen Rechts und keine Parteiveranstaltung. Ihr seid nicht der Bundes- oder einer Landesregierung unterstellt und bezieht auch von diesen Gruppierungen kein Geld. Ihr bekommt das Geld von der Gesellschaft und nur dieser Gesellschaft seid ihr verpflichtet. Und ich hätte es sehr gern, wenn sich eine Anstalt des öffentlichen Rechts und deren Mitarbeiter dieser Verpflichtung (!) bewusst sind und sie diese auch selbstbewusst vertreten. Und das zählt doppelt, wenn es eine Anstalt ist, für die Meinungsfreiheit zum allerwichtigsten Gut überhaupt gehört.

Eure Kollegen vom österreichischen ORF machen es vor und mucken auf. Sichtbar im Internet. Das ist gut und wichtig und das funktioniert genauso gut auch in Deutschland und beim ZDF. Und zwar unabhängig davon, ob es Festangestellte sind, “Feste Freie” oder freie Mitarbeiter. Denn wenn es hart auf hart kommt und sich Medien und Politik darauf einschießen, das ZDF zu privatisieren (das böse, böse P-Wort darf ich ja als Nicht-ZDF-Mitarbeiter problemlos sagen), dann verlieren alle: Mitarbeiter, Produktionen, Programm, Gesellschaft. Niemand kann dies wollen und niemand darf dies wollen.

Damit Protest funktioniert, sind Protestierer gefordert. Protestierer stehen immer in der Gefahr, für ihren Protest bestraft zu werden. Protest ist aber wichtig, um Änderung herbeizuführen. Und wenn es viele Protestierer gibt, die kreativ und sachlich ihren Protest darlegen, dann droht keine Gefahr, sondern es gibt Akzeptanz. Es gibt auch eine Welt jenseits des Boulevards und der Bild-Zeitung und es gibt Menschen in diesem Land, die den Wert des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und des ZDF schätzen. Und sich einem Protest auch anschließen und Solidarität bekunden, wenn es notwendig ist.

Es darf nicht sein, dass eine sehr kleine Führungsriege im ZDF, der ich ausdrücklich keine Parteilichkeit unterstellen mag, deren Jobs jedoch mit realistisch beurteilbarer Sicherheit von Parteien-Goodwill abgesichert sind, die mediale Zukunft auf dem Verhandlungstisch mit privaten Medienunternehmen verschachert, nur damit es keinen Krawall gibt. Das geht so nicht und es darf nicht sein.

Dialogfähigkeit ist das, was ich von einer modernen Anstalt des öffentlichen Rechts erwarte und erst recht von einer Unternehmung wie dem ZDF, in dem überproportional viele Menschen zusammenkommen, die wissen, wie Medien und Meinung funktionieren. Gelegentlich muss man auch für seine eigene Meinung einstehen und auch kämpfen.

Diese Zeit ist nun gekommen. Es gibt Dinge zu sagen, die jetzt gesagt werden müssen. Wie stellen wir uns Fernsehen in Zukunft vor? Wie stellen wir uns Fernsehen im Internet vor? Wie stellen wir uns Journalismus im Internet und im Fernsehen vor? Fragen, die private Unternehmen nur beantworten, wenn sie sich ordentlich vermarkten lassen, jederzeit auf Kosten der Meinungsfreiheit, wenn es unbequem wird. Die öffentlich-rechtlichen Medien dürfen und müssen sich solchen Diktaten widersetzen.

Ein Addendum wg. einer berechtigten Rückfrage: In der Einleitung schreibe ich, dass ich die Zugriffe vom ZDF-Netzwerk sehe. Das ist erklärungsbedürftig. Natürlich sehe ich diese Zugriffe nur in der Form, dass sie über einen Proxyserver laufen, die zum IP-Adressnetzwerk des ZDF gehören. Dieses Netzwerk beschränkt sich auf öffentliche IP-Adressen von 91.197.28.0 bis 91.197.31.255 (alles recherchierbar beim RIPE). Alles, was aus dem ZDF-Netzwerk nach außen muss, bekommt irgendwann von einem Proxyserver eine öffentliche IP-Adresse aus dem obigen Netzbereich und lässt keine Rückschlüsse auf den tatsächlichen Rechner innerhalb des ZDF-Netzwerkes zu. Um es vereinfacht zu sagen: Ich sehe nicht, wer genau aus dem ZDF-Netzwerk diesen Artikel gelesen hat und kann demzufolge auch solche nicht vorhandenen Informationen auch nicht speichern.

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Elmar Theveßens Hilferuf an die ZDF-Belegschaft.

29. Januar 2012 | 1 Kommentar | Veröffentlicht in MedienWelt

Beim sonntagmittäglichen Überblick über den neuen SPIEGEL musste ich in der Medienrubrik staunen. Die Medienrubrik lese ich im SPIEGEL immer zuerst und da fiel mir in Medien-Panorama eine Mitteilung auf, die sich mit einer Mail von ZDF-Vizechef Elmar Theveßen beschäftigt, die Theveßen intern an Mitarbeiter versendet haben soll. Ich mag den SPIEGEL-Artikel nicht sezieren und Zitate zitieren, aber es müssen schon ganz erstaunliche Dinge in diesem Pamphlet stecken. Kurz gefasst beklagt Elmar Theveßen eine fehlende Motivation der ZDF-Belegschaft, den Kampf gegen Stimmungsmacher außerhalb des ZDF aufzunehmen. Sehr kurz gefasst, zumal mir die betreffende E-Mail auch nicht vorliegt.

Zum Thema ZDF habe ich im Laufe der Jahre einige teilweise wirklich gewaltige Textwüsten geschrieben, die allesamt zu den leider am wenigsten gelesenen Artikeln in diesem Blog gehören und eigentlich fast ausschließlich nur von den IP-Adressen aus dem ZDF-Netzwerk gelesen werden. Das hat vermutlich einen sehr triftigen Grund: Die meisten Menschen interessieren sich nicht nur herzlich wenig für diese Artikel – sie interessieren sich auch herzlich wenig für das ZDF. Und hier wird es arg spannend:

Wann ist denn eigentlich ein Fernsehsender gut? Wenn er gute Einschaltquoten hat? Wohl kaum. RTL gehört in Deutschland zu den Sendern, die in Sachen Einschaltquoten ganz oben mitspielen und niemand, der halbwegs bei Trost ist, würde behaupten, dass RTL auch nur ansatzweise so etwas wie Qualitätsfernsehen produziert. Das interessante dabei ist: Selbst RTL macht dies nicht und es wäre schon eher merkwürdig, wenn ein privatwirtschaftlich organisiertes Unternehmen nicht zuvörderst die Quote (und damit die Werbepreise) im Blickfeld hätte, sondern ein echtes Qualitätsfernsehen, möglicherweise auch für höhere Bildungsschichten.

Die Quote kann es also nicht sein. Ist es vielleicht das Programm, was es ausmacht? Ja, würde man sofort sagen, sogar vielleicht ich. Das Problem an einem guten Programm ist jedoch, dass dieses gute Programm erst einmal jemand machen muss. Man braucht Ideen und man braucht Leute, die diese Ideen produzieren und dann erst hat man Voraussetzungen dafür, überhaupt erst einmal ein gutes Programm zu erstellen.

Sprich: Ein gutes Programm braucht von Anfang bis Ende einen Haufen Menschen, die das Programm entwickeln, produzieren und verkaufen. Und wenn dies alles passiert, dann beginnt sich etwas zu bilden, was der Markenexperte Hermann H. Wala sehr treffend als “WIR-Marke” bezeichnet. Eine funktionierende Marke ist nicht einfach nur eine teuer gezeichnete und beworbene Marke, sondern eine Marke muss gelebt werden und bildet sich, wenn man es wirklich richtig machen, aus diesen Grundfundamenten. Menschen arbeiten an einer Stelle, Menschen arbeiten engagiert an gemeinsamen Themen, Menschen haben überhaupt die Möglichkeiten, dies zu tun.

Das ZDF hat dies alles, denn das ZDF ist öffentlich-rechtlich und hat eine vergleichsweise exzellente Finanzierung. Exzellente Mitarbeiter. Exzellente Technik. Einen exzellenten Ruf. Und zwar weltweit.

Das ZDF hat nicht: Visionen. Und das nicht erst seit einigen Monaten, sondern seit vielen Jahren. Denn das wirklich erstaunliche an Elmar Theveßens Rundmail ist, dass er diese Worte problemlos auch schon 1995 hätte wählen und an die Mitarbeiter schreiben können. So richtig viel ist seitdem nämlich nicht mehr passiert. Ich rede hierbei nicht von der ZDF-Mitarbeiterseite heraus – das bin ich seit 1998 nicht mehr und als freier Mitarbeiter und einfacher Kameraassistent habe ich selten das Gefühl erfahren, tatsächlich dazu zugehören – sondern ich rede hier primär als Zuschauer und jemand, der sich ganz gut daran erinnern kann, wie gut die Verwaltung damals funktionierte und wie fast schon erbärmlich schlimm der Apparat so weit lief, dass jeder sein ihm übertragenes Ding machte und danach nichts mehr passierte. Für alles eine Norm. Für jeden Vorgang ein Formular. Jede Straße auf dem ZDF-Gelände mit eigenem Straßennamen, die tatsächlich jedoch niemand kannte (mit Ausnahme wohl ich, der sich noch an die Rudolf-Crisolli-Straße erinnern kann, die nach einem Mitarbeiter benannt wurde, der 1970 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam).

Gelebt wurde das ZDF von seinen Mitarbeitern vor allem deshalb, weil man beim ZDF beschäftigt war. Schon ganz gut, wenn man als freier Mitarbeiter dabei ist. Noch besser, wenn ein Zeitvertrag in der Tasche lag. Super natürlich, wer festangestellt ist und wer zum alten Kader gehörte, der hatte auch noch Zugang zur Pensionskasse, wenn es dann in Richtung Ruhestand geht. Und das goldene Los gab es für den, der dann schon Jahre vorab “in Ratio” gehen durfte.

Und wer machte (und macht) Fernsehen? Immer mehr sind das fremde Produktionen, freie Mitarbeiter oder die unsägliche Unkultur der “festen freien Mitarbeiter”, also letztendlich einem immer größer gewordenen Mitarbeiterstamm, den man eigentlich zwingend brauchte, aber nicht als Personalkosten haben wollte. Und freie Mitarbeiter lassen sich hervorragend einfach als “Produktionskosten” abbilden und belasten die Personalkosten nicht. Und so lange “Wetten dass” läuft, läuft es ja! Dass die großen Publikumsdampfer, die auch schon damals rar gesät waren, irgendwann einmal auch enden, damit beschäftigt man sich nun mal eben sehr ungern. Es fehlt der Quotendruck. Einerseits gut, andererseits aber eben auch nicht so gut.

Diese Themen waren in den drei Jahren, in denen ich meinen kleinen Job verrichtete, schon die Themen Nr. 1, zumindest unten an der Basis. Von einer Programmqualität gab es da noch lange nichts und wenn, dann vor allem in dem Zusammenhang, dass die “anderen” ja so ein ganz furchtbares Programm machen, dass es ja eigentlich supergut ist, dass es das ZDF gibt. Und man eigentlich als Angestellter auch einen gar nicht so schlechten Deal hatte, für das ZDF zu arbeiten.

Summieren wir es mal so: Der Eindruck, dass die ZDF-Programmqualität damit zusammenhängt, dass man selbst beim ZDF beschäftigt ist, der hört sich zwar sehr seltsam an, aber der herrscht vor. Mit diesem Eindruck kann man sicher leben und es gibt auch gar nicht so viele Firmen und Mitarbeiter, die allein mit diesem Gedanken im Job überleben. Dieser Eindruck ist jedoch extrem subjektiv und vor allem dann nicht mehr besonders tragfähig, wenn der Laden mal unter Beschuss steht. Und das ZDF ist, als öffentlich-rechtliches Unternehmen, schon immer unter Beschuss gewesen, ob nun vom Gebührenzahler, von der privatwirtschaftlichen Konkurrenz oder von der Politik. Allerdings alles Beschüsse, die es schon seit Jahren gibt. Und auch seit Jahren ihr verletzliches Potential am ZDF hinterlassen haben. Nur hat das damals offensichtlich niemanden gestört.

Aus diesem Grund verstehe ich Elmar Theveßen erstaunlich gut und ich bin so frei und schätze ihn als jemanden ein, dem seine Feststellung der aktuellen Situation im ZDF tatsächlich so richtig an die Nieren geht.

Nur, frage ich mich: Das alles fällt euch erst jetzt ein? Darüber hätte man sehr bequem schon vor 15 Jahren diskutieren können. Und sollen. Und vor allem müssen. Und vermutlich sind es genau die Leute, deren ZDF-Personalstammnummer schon längst nicht mehr existiert, diejenigen, die Theveßens Worte am ehesten nachvollziehen können.

Anschaulich zum Thema auch folgendes auf Carta: ZDF-Mitarbeiter fordern “Freiheit für das Zweite!”

Update vom 30.01.2012: In der Zwischenzeit hat Carta die gesamte Mail von Elmar Theveßen an die ZDF-Belegschaft veröffentlicht. Und auch wenn es ironischerweise einige Formulierungen in meinem Artikel gibt, die einigen Äußerung Theveßens ähneln – ich lese die Mail in vollständiger Länge in Carta ebenfalls zum ersten Mal.

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Danke, Thommy!

4. Dezember 2011 | Keine Kommentare | Veröffentlicht in MedienWelt

Ich muss schon wirklich sehr lange zurückdenken, wenn ich mich daran erinnern will, wann ich “Wetten, dass..?” das letzte Mal wirklich in voller Länge angeschaut habe. Das muss irgendwann in den Neunzigern gewesen sein. Heute war eine Ausnahme, ich habe kurzfristig tatsächlich Termine sausen lassen, die das überschnitten hätten. Aber es musste sein, mein “interner Besim” sagte mir, dass “Wetten, dass..?” heute anzuschauen sei. Weil ein guter Freund heute Abschied feiert.

Vor einem Jahr habe ich einmal über das “Thomas-Gottschalk-Syndrom” gebloggt. Dieses von mir frei so benannte Syndrom, das eigentlich ja gar keine Krankheit ist, habe ich als Überbegriff für ein Phänomen genommen, das in unserer Medienwelt auftritt: Als Zuschauer entwickelt man zu einem Prominenten – wenn man ihn gut leiden mag – ein seltsames Gefühl der Zuneigung und Freundschaft. Man hat das Gefühl, den Menschen gut zu kennen, er ist pünktlich, immer freundlich, gut zur Familie, unterhaltsam, spannend und doch etwas durchtrieben. Und obwohl wir fast schon glauben, ihn so gut zu kennen zu, kennt er uns nicht. Er unterhält uns nach dem One-to-many-Prinzip, absolut anonym. Vor der Kamera ist er, hinter der Kamera zig Millionen Menschen und die allerwenigsten dieser Menschen kennen ihn persönlich. Dennoch, für die meisten Menschen ist es “der Thommy”. Ein guter Freund des Hauses, der bei vielen Menschen einmal im Monat eintreten darf und zwei, drei Stunden Frohsinn mitbringt. Dem aber sicherlich auch genügend Menschen sofort und selbstlos bei einer Autopanne helfen würde.

Das besondere am Menschen Thomas Gottschalk ist, dass er nur bedingt ein guter Schauspieler ist. Gottschalk ist Gottschalk und “Wetten, dass..?” lebte immer davon, dass es eine sehr authentische Show um die Idee des Kräftemessens ist. Sehr schwer vorstellbar, dass in so einer Show jemand persönlich verulkt, wissentlich um seinen Sieg gebracht, denunziert, betrogen oder gedemütigt wird. Diese Grundregeln des Anstandes verkörpert Thomas Gottschalk wie kein anderer und arbeitet auch genau so. Das Verstellen ist nicht sein Ding und wenn schon verstellt werden muss, dann bitteschön so überzeichnet, dass es als Klamauk ausdrücklichst gekennzeichnet ist. Eine Art und Weise der Unterhaltung, wie ich es nur von so Menschen wie Hans Rosenthal, Peter Alexander, Frank Elstner, Carmen Nebel und auch vom einst leider viel gescholtenen Wolfgang Lippert nachhaltig kenne.

Wenn ein Freund einen Abschied feiert, geht man hin und verabschiedet ihn. Und wenn man so einen Abschied einer Person feiert, feiert man gleichzeitig auch immer einen eigenen Abschied von dieser Person. Jeder hat da seine eigenen Erinnerungen, nach 23 Jahren Gottschalksche “Wetten, dass..?”-Fernsehunterhaltung ist bei mir als 36 Jahre alter Mensch natürlich das Gefühl präsent, dass ein Stück Kindheit endet, denn auch ich habe in meiner Schulzeit montags an Gesprächen über unglaubliche Wetten teilgenommen. Später auch in der Berufsschule, auch bei der Arbeit (und ironischerweise am kontroversesten in meiner Fernsehzeit). Alles so wie der Rest der Republik ebenfalls.

Der größere Schmerz, den ich bei diesem Abschied jedoch empfinde, ist ein Verlust meiner Fernsehwelt, wie ich sie mal beruflich kennenlernte. Die drei Jahre Fernsehen zwischen 1995 und 1998, die ich als Kameraassistent begehen durfte, waren noch “alte” Fernsehwelt, die sich schon damals nach und nach verabschiedete. Ich gebe zu, dass ich nach dieser Fernsehzeit meinen Spaß an Fernsehunterhaltung immer stärker verlor und so Juwelen wie “Wetten, dass..?” eine Zeitlang kaum ertragen konnte, weil sie mich so an meine unbeschwerte Fernsehzeit in meiner Kindheit und an meine Fernsehzeit selbst so erinnerten. Das kann man kaum erklären, so abstrus muss sich das anhören: Kein Fernsehen schauen wollen, weil es nicht unterhält, sondern unangenehm belastet. Und ich rede da gar nicht von den wirklich verabscheuungswürdigen Formaten aus dem Privatfernsehen, das ich gänzlich nicht schaue.

Wenn man einmal beim Fernsehen gearbeitet hat und gesehen hat, wie Show produziert wird, geht viel Illusion kaputt, die man vorher noch hatte. Ich glaube, dass ein Großteil meines gepflegten Zynismus auch da herrührt. Show ist Kampf, kostet irrsinnig viel Aufwand, Geld und Nerven und dieser Kampf muss geführt werden, gelegentlich auch ohne klare Zeilführung. Wenn dann ein Thomas Gottschalk das dennoch so gut und freundlich verpackt, dass man ihn eigentlich auch gern mal persönlich im Wohnzimmer empfangen würde, dann weiß man, was echte Fernsehunterhaltung ist. Und wenn so einer sein fast schon angestammtes Boot verlässt, dann verstehe ich sehr, sehr gut, was für Klöße viele Menschen gestern um kurz nach 23 Uhr im Hals und Tränen in den Augen hatten.

Das war pure Magie im Fernsehen. Davon wird es nicht mehr viel geben.

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“Dieser Content ist in deinem Land nicht verfügbar, da er aufgrund einer Regierungsanfrage entfernt wurde.”

5. Oktober 2011 | 1 Kommentar | Veröffentlicht in MedienWelt

Ich habe heute morgen zuerst gedacht, da macht sich irgendjemand lustig über unsere Bundesregierung. Völlig verständlich, weil ohne bissigem Sarkasmus selbst die SPIEGEL-Redaktion die aktuelle Legislaturperiode nicht mehr erträgt. Was aber hinter dieser Aktion steckt, dürfte sehr spannend werden und die Frage klären, ob wir inzwischen schon so weit sind, dass unser Staat sich nicht mehr zu schade ist, für alle sichtbar Zensur zu betreiben:

Der Beitrag findet sich bei YouTube genau hier: http://www.youtube.com/watch?v=ZcEdfgTynCs

Auf Twitter liest man, dass das ZDF sich um die Geschichte mit der “Regierungsanfrage” bereits kümmert. Abwarten, Tee trinken.

Update 1: Die WISO-Redaktion hat relativ schnell um halb zwölf reagiert und in ihrem Blog einen Artikel hierzu geschrieben. Dabei wird erwähnt, dass die obige Sendung nicht im offiziellen ZDF-YouTube-Kanal veröffentlicht wurde, das ZDF aber nicht der Auslöser der Sperrung sei. Von anderer Stelle im Web wird davon gesprochen, dass die Sendung, die in der ZDF-Mediathek zu finden ist, an einer Stelle geschnitten ist, da das ZDF aktuell in einem Rechtsstreit mit der Sparkasse Bremen sei, die in diesem Teil der Sendung erwähnt wird. Wie es allerdings zur obigen Meldung kommt, dass die Sendung “aufgrund einer Regierungsanfrage entfernt wurde”, entschließe sich beim ZDF. In der Zwischenzeit ist die Meldung auf YouTube in die englischsprachige Standardmeldung geändert worden, dass der Content aufgrund “legal complaint” entfernt wurde.

Update 2: Das ZDF hat sich nun einem noch längeren Artikel unter heute.de mit dem Thema beschäftigt und auch ein Feedback von Google eingeholt. Dort wird die obige Vermutung bestätigt, dass der Beitrag wegen einem Rechtsstreit gesperrt wurde, bestätigt. Es handelt sich dabei um die Sparkasse Bremen, die wegen einer Darstellung in der Sendung eine einstweilige Verfügung gegen das ZDF erwirkt hat und das ZDF daraufhin den Beitrag in der eigenen Mediathek entsprechend geschnitten hat. Google hat die Sendung dann aufgrund Beschwerde, wohl dann ebenfalls von der Sparkasse Bremen, entsprechend gesperrt, aber eine falsche Begründung für die Sperrung angegeben.

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