Die Polizei aus Sicht der ARD.

Wer die ARD-Vorabendserie „Großstadtrevier“ nicht kennt, könnte über die vermittelnden Botschaften des eindringlich dafür propagierenden Werbebanner glatt irritiert sein. So habe ich mir Polizisten eigentlich schon immer vorgestellt:

Szenen eines Werbebanners für die ARD-Vorabendserie "Großstadtrevier"

Dummerweise ist die Serie auch genau so, wie das Klischee zu vermitteln versucht. Willkommen in der ARD und willkommen bei der deutschen Polizei. „Bärendienst erweisen“ nennt man so etwas dann auch.

Vodafone, Vodafail und so weiter.

Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, die aktuelle Werbekampagne von Vodafone nicht mehr weiter zu kommentieren. In der derzeitigen Art und Weise, wie allesamt alle Mobilfunkbetreiber Kasse machen und sich nur da preislich anpassen lassen, wo sie knallhart reguliert werden, halte ich diesen Wirtschaftszweig für eine moderne Fassung von unfassbar skrupellosen Halsabschneidern, die problemlos junge Menschen mit einem Berg Schulden in die Zukunft entlassen.

So kam es, wie es kommen musste, als Vodafone auf der Suche nach neuen Käuferschichten irgendwann auf die Idee kam, dass man da mit dem Web 2.0 etwas machen könnte. Also flugs eine Kampagne mit dem Titel “Generation Upload” gezimmert und gestandene Blogger vor den Karren gespannt.

Werbung ist Verkauf. Verkauft wird in der Werbung eine Ware, eine Dienstleistung oder eine Vision. Und damit das funktioniert, nimmt man die Ware, Dienstleistung oder Vision direkt als Werbeträger oder einen Protagonisten. Für letztere bedeutet dies, dass sie das tun, was jeder Arbeitnehmer tut: Eine Eigenleistung für Geld zu verkaufen. Das ist alles kein Problem, wenn man beispielsweise weitgehend unbekannt ist, eine markante Nase hat und für eine Nudelsuppe werben soll. Ein Job.

Es wird allerdings spätestens dann ein Problem, wenn der Protagonist als Werbeträger nichts anderes zu verkaufen hat, als seine Authentizität. Das kann man natürlich auch machen, wenn man nichts anderes hat und mit dem Folgen leben kann. So hat es mich ehrlich gesagt nicht gewundert, dass Robert Basic in der Kampagne auftaucht und es hätte mich schwer gewundert, wenn bei so einem Spektakel Sascha Lobo in der Kampagne nicht im Bus herumfahrend plakativ auf ein Mobilgerät schaut und staunt. Robert Basic kann mit jeder Art von Publicity umgehen und Sascha Lobo ist ein Werbemann, der dafür bezahlt wird, mit jeder Art von Publicity umzugehen und den Großen Zampano zu spielen.

Ja, ist hart. Vor allem für Menschen, die sich plötzlich in einer stark polarisierenden Werbekampagne wiederfinden und harten Worten ausgesetzt sind. Und man muss tatsächlich nicht alle Kommentare gut finden, die Schnutinger im unsäglichen Vodafone-Kampagnenblog da verpasst bekommen hat. Aber man spielt mit seiner Authentizität nicht einfach mal so eben herum und lässt sich auf einen wirklich atemberaubend schlechten PR-Gag herab, wenn man das nicht mittragen kann.

Vom Verkauf seiner Authentizität sollte man eher lieber Abstand nehmen, wenn man mit den möglichen Folgen eher nicht leben kann. Die Notbremse, die Schnutinger alias Ute Hamelmann nun auch in ihrem Blog gezogen hat, ist vermutlich tatsächlich eine authentische Notbremse – aber es hätte ja ruhig jemand mal vorher darüber intern sprechen können, was man für einem Gegenwind ausgesetzt sein könnte. Gagen sind auch immer ein Stück Schmerzensgeld und das hängt nicht immer nur von der eigenen Leistung ab, sondern möglicherweise auch von so Umständen wie einem schlechten Haus, in dem man spielt.

Andererseits: In ein paar Wochen, wenn Vodafone den Kampagnenetat verpulvert hat und die Mobilfunkkonzerne weiterhin alles dafür tun, die Kundschaft abzuzocken, wo es nur geht, spricht keiner mehr davon. Auch in der Blogosphäre wächst das Gras zwar langsam, dafür jedoch ebenso in bewährter Qualität, wie draußen.

Vodafone, kauft euch erst mal einen Duden!

Dass sich Vodafone früher oder später auch mal an die “Generation Internet” wendet und es mit User-Generated-Content Werbung versucht, war absehbar. Dass sie das machen und zum Start der Kampagne weder interessante Geräte, noch interessante Tarife propagieren, mag amüsieren. Weniger amüsant und schon eher tragisch ist, dass die üblichen Verdächtigen wie Sascha Lobo, Robert Basic und weitere Blogger wieder an die Front rangelassen werden, die offenbar inzwischen für jede Peinlichkeit zu haben sind.

Juckt mich allerdings auch keinen Meter. Was mich dann eher entsetzt, ist eine grauenhafte Rechtschreibung in den Claims. Bestes Beispiel:

“Befrei Deine Ideen.”

Das muss man dann auch erst einmal schaffen: Zwei Fehler in einem Satz mit drei Wörtern. Für so eine Häufung von Fehlern auf kleinstem Raum gab es von meiner Deutschlehrerin in meiner Grundschulzeit immer noch einen Extra-Anschiss.

Bei “Befrei” fehlt entweder der abschließende Buchstabe “e” oder ein Apostroph, der ein umgangssprachliches Weglassen eines Vokals markieren würde. Und das Wort “deine” großzuschreiben, ist zugegebenermaßen ein “weicher” (und leider dennoch schmerzhafter und sehr häufig begangener) Fehler, denn vertrauliche (!) Anredepronomen und deren Pluralformen sollte man (muss man aber auch dort nicht) nur in Briefen großschreiben.

“Gehüpft wie gesprungen” sollte man da wohl eher sagen. Dennoch stört mich das. User-Generated-Content hat nur in den seltensten Fällen etwas mit übereifernden Emotionen, omnipräsenten Self-Made-Protagonisten und schrecklicher Rechtschreibung, die wohl irgendwie “nerdig” aussehen soll, zu tun. User-generated-Content ist einfach da und könnte noch viel besser da sein, wenn solche Unternehmen wie Vodafone beim Ausnehmen der “Generation Internet” nicht ganz so schamlos daherkommen würden. Für die Anschaffung eines Firmen-Dudens sollte es immer noch allemal reichen.

Spam von Quelle Türkei.

Auch drollig. Nicht, dass ich jemals beim Versandhaus Quelle etwas bestellt hätte und in nüchternem Zustand zukünftig etwas bestellen werde, nein, jetzt kommt der Spam gar von der türkischen Niederlassung von Quelle. “Nette Bikinimode” wird da angepriesen, in der türkischen Landeswährung und natürlich online zu bestellen.

Das zeigt mir vor allem eine Sache sehr deutlich: Die türkische Quelle-Niederlassung hat mal eben in der Türkei eine schicke E-Mail-Adressliste gekauft und ballert die Empfänger nun mit E-Mail-Müll zu oder lässt sich von einem Dienstleister die Warenanpreisungen ins Volks blasen. Opt-In oder Opt-Out? Wen stört sowas?

So funktioniert die Welt außerhalb Deutschlands, so von wegen “deutsche Maßstäbe”, die deutsche Unternehmen gern im Ausland nehmen. Immerhin glaubt man in der Türkei schon mal aus architektonischen Gründen nicht an den Weihnachtsmann.

Verkaufsförderung bei Facebook.

Facebook zeigt inzwischen recht hübsch, wie man die Benutzerprofile der eigenen Kunden monetarisiert bekommt. Bekundet man in Facebook für ein Produkt ein Fan-Sein, beispielsweise auf der Produktseite „O2 Surf Stick“, dann bekommen die eigenen Freunde in Facebook möglicherweise folgende Werbeanzeigen eingeblendet (Name und Foto des Kontaktes von mir verfremdet):

Profilsensitive Werbung in Facebook

Das hat gleich zwei hübsche G’schmäckle. Zum einen bekommt man logischerweise mit seinem eigenen Profil nie selbst diese Art von Werbung mit eigenem Namen eingeblendet und zum anderen weist weder Facebook noch der Werbepartner darauf hin, dass eine Fan-Bekundung möglicherweise nicht nur im eigenen Profil steht, sondern auch noch werblich zweitverwertet wird. Und spätestens hier wird es grauzönlich, denn wenn ich etwas grundsätzlich gut finde, heißt das noch lange nicht, dass ich damit auch automatisch und ungefragt eine Zustimmung zur Nutzung dieses Statements für werbliche Zwecke des Herstellers gebe.

Es geht dann aber noch weiter mit den Fragezeichen: Denn die obige Anzeige läßt ja durchaus den Rückschluß darauf ziehen, dass die beworbene Fanseite ja nicht wirklich eine Fanseite ist, sondern eher eine Produktseite des Herstellers. Und wenn das dann so ist, fehlt ein eindeutiger Hinweis darauf, dass es sich um Werbung handelt.

Da man sich also nicht sicher sein kann, mit einer Fan-Bekundung wirklich einer Gruppe von Fans beizutreten oder schlicht einer schnöden Werbeseite auf den Leim zu treten, kann man derzeit nur den Rat geben, diese Grauzone dadurch trockenzulegen, in dem man sich vorläufig in Facebook von allen Fan-Bekundungen zu Produkten aller Art verabschiedet und damit Facebook einen Strich durch den Rechnungsblock macht.

Wer schleichwirbt, stirbt.

Nicht sofort und auch nur in seiner Existenz in meinem Feedreader, dafür jedoch nachhaltig. Und damit meine ich vor allem so Blogger, die sich dafür hergeben, für vergleichsweise harmlose Kinkerlitzchen von Euro knallharte Werbung a la Trigami & Co. in den Content zu schmuggeln.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich habe absolut nichts gegen Leute, die ihr Blog monetarisieren. Die wenigsten können davon wirklich leben, aber selbst wenn es nur dazu reicht, die Hosting-Kosten zu decken, ist es schon sinnvoll. Wer sein Hobby finanziert bekommt, macht es zumindest nicht falsch. Wer sein Hobby allerdings damit finanziert, in dem er neben seinem Hobby noch Meinungen anderer für Geld platziert, dann loost er.

So aktuell die an sich bisher recht kompetent wirkenden Jungs vom GoogleWatchBlog, die es doch heute tatsächlich geschafft haben, eine eh schon peinliche Mitarbeiterwerbeaktion der Bausparkasse Schwäbisch Hall als Trigami-Werbeaktion in den eigenen Content und damit in mindestens 23.630 Feedreader (laut dem Feedburner-Counter) zu blasen.

Und das muss man sich erst einmal im Nachlauf auf der Zunge zergehen lassen: Trigami-Werbung, die von der Idee her darauf basiert, wertvolle Textlinks in den Content von Blogs einzukaufen, um von deren Google-Linkjuice zu profitieren und das ausgerechnet auf einer Website, die fast ausschließlich über Google schreibt. Besser kann man sich vermutlich auf keine andere Weise Feinde schaffen.

Teuer verdiente Euro. Und nun zumindest bei mir auf der Abschußliste im Feedreader.