Wie Fleurop gute Werbung macht*

Du warst im Urlaub. Allein. Irgendwie ging vorher deine feste Beziehung mit deiner Freundin in die Brüche. Ihr wart ein Paar! Eigentlich hättet ihr, so die Meinung vieler, heiraten müssen. Aber es hat nicht sollen sein. Es ging kaputt. Du warst sehr enttäuscht. Deinen Urlaub in einem abgelegenen Hotel mit kristallklarem Meer und Sandstrand vor der Türe wolltest du eigentlich absagen, hast dich dann aber durchgerungen, das Doppelzimmer zum Einzelzimmer umzubuchen und bist dann doch geflogen. 12 Stunden Flug und plötzlich waren die Winterschuhe nicht mehr gefragt, sondern Flipflops.

Der Urlaub tat dir gut. Die ersten Tage waren für die einsamen Strände, dann aber hast du dich mit Hotelbewohnern anfreunden können. Der Mensch ist halt doch ein Herdentier. Du hast da eine Frau kennengelernt, abends beim Buffet. Sie machte Urlaub mit ihren Freundinnen, ziemlich laut. Sie aber war nicht so. Eigentlich wolltest du ja nicht, aber es hat dann doch gefunkt. Sie sonderte sich für den Rest ihres Urlaubs von ihren Freundinnen ab und ihr entdecktet das Land. Und euch.

Doch irgendwann endet der schönste Urlaub. Der strahlend blaue Himmel wechselt wieder zur grauen, kalten, nassen Welt und du findest dich wieder an deinem Schreibtisch in einem Großraumbüro und in einem Büroturm einer Bank. Der Alltag hat dich und irgendwie beleben dich die Gedanken an deinen Urlaub nicht so, wie sie sollen. Denn deine Bekanntschaft, die du in kürzester Zeit leben und lieben gelernt hast, wohnt nicht in der deutschen Stadt, in der du wohnst, sondern in London. 700 Kilometer weit weg.

Wie diese Fernbeziehung auf Dauer funktionieren soll, wisst ihr nicht. Aber die Emotionen aus dem Urlaub sind noch da. Ihr mögt euch so sehr und wenn ihr miteinander telefoniert, müsst ihr grinsen und giggeln wie zwei Teenager. Ich verabredet euch auf gleichzeitige Zigarettenpausen. Fünf Minuten Telefonieren oder Messenger, alles ganz, ganz albern, aber so aufregend! Deine Kollegen halten dich schon für bescheuert und ziehen dich ein kleinwenig auf, aber sie akzeptieren dich. Immerhin organisierst du das Tippspiel für die Bundesliga.

Eigentlich hattet ihr euch jeden Tag auf zehn Uhr auf die erste gemeinsame Zigarettenpause verständigt, aber gestern Abend hattest du ihr geschrieben, dass du um zehn Uhr ein Meeting haben würdest und dich erst danach melden wolltest. Kurz vor dem Meeting sortierst du noch deine Papiere, wirfst nochmal einen Blick auf dein Smartphone. Du holst nochmal kurz das Foto von euch auf den Bildschirm, als ich euch noch vor zehn Tagen in irgendeinem Dorf vor dem seltsamen Restaurant geknipst habt. Du musst lächeln, als plötzlich neben dir ein junger Mann steht. Ist es nicht gerade auffallend ruhiger im Büro geworden? Du schaust kurz zu deinem Kollegen dir gegenüber, der mit staunendem Gesicht dich und den Mann neben dir anschaut.

„Sind Sie Herr ABC?“, fragt der Mann in Jacke und Straßenschuhen freundlich.

„Ja, der bin ich“, antwortest du, ebenfalls perplex wie deine Kollegen rund um dich herum.

„Dann habe ich hier eine kleine Aufmerksamkeit für Sie“, sagt er und stellt einen eingewickelten Blumenstrauß nebst Vase auf deinen Schreibtisch und geht. Den Duft von Schnittblumen, den du als Kind so mochtest, liegt in der Luft.

Du wickelst den prächtigen, betörend bunten Blumenstrauß aus, öffnest den beiliegenden, kleinen Briefumschlag: „Bis später!“ Mit Herzchen. Dein Lächeln ist der Anlass für deine Kollegen, leise zu klatschen, mit ihren Fingerknöcheln auf den Tisch zu trommeln.

* Ein emotionaler Werbespot, wie man sich Fleurop am schönsten vorstellt. Aber das ist keine Beschreibung des aktuellen Fleurop-Werbespots, denn der sieht so aus:

Schade, Fleurop.

Der Opel Adam als Modellauto – im Maßstab 1:1.

Seit einiger Zeit mache ich ja die Werbung für das Autohaus Gerstel in Pforzheim. Sozusagen mein Opel-Autohaus, von dem ich nach und nach vom Kunden zum Dienstleister wurde, zunächst mit dem Gerstelblog, dem Weblog des Autohauses (und das erste echte Autohaus-Weblog in Deutschland überhaupt) und nun seit letztem Jahr eben auch mit der Werbung und der Kommunikation.

Nun könnte man meinen: „Uh, Opel.“ Kann man meinen. Und das kann man auch in die Kommunikation einbinden. Während andere Automarken tunlichst peinlich darauf achten müssen, möglichst schadlos durch die Kommunikationswelt zu kommen, darf man sich mit Opel einiges erlauben. Da ist sicherlich auch etwas Sarkasmus im Spiel (womit ich ja so ziemlich der beste Ansprechpartner weit und breit sein dürfte…), aber grundsätzlich kann man mit dem Opel-Brand vortrefflich wortspielen – das macht Opel ja meiner Meinung nach grandios vor. Und Opel baut übrigens auch wieder tolle Autos.

Der Opel Adam ist so ein tolles Auto, eingebettet im Kleinwagensegment der Lifestyle-Cars und damit in direkter Konkurrenz zum Fiat 500, dem Mini One und dem Volkswagen Up (der allerdings eher eine Blechbüchse als ein Lifestyle-Auto ist). Und gerade in diesem Segment darf man sich ebenfalls Dinge erlauben, die in anderen Fahrzeugklassen nicht gehen. Niemand will freiwillig ein schrill gefärbtes Auto in der Oberklasse haben – im Lifestyle-Segment ist das gewünscht und ein zentrales Merkmal. Ein gelber Adam ist ein gelber Adam, aber man kann ihn auch einen „gelben Kanarienvogel“ nennen, liegt damit zumindest farblich nicht sehr weit vom Kanarienvogel entfernt und bekommt dieses Auto auch ziemlich schnell verkauft – mit dem Kaufwunsch der Kundin, dass sie gern „den gelben Kanarienvogel aus dem Gerstelblog“ kaufen möchte. Emotionalisierung auf den Punkt gebracht.

Mission statement.

Für den Pforzheimer Automarkt, einer hiesigen Automesse, die jedes Frühjahr stattfindet, haben wir schon vor einigen Monaten im Dezember überlegt, was wir dort in Sachen Präsentation machen wollen. Nun kann man einfach seine Autos hinstellen, Preisschilder hineinhängen und warten, bis die Besucher kommen oder gehen oder man kann sich mit seinen Produkten näher beschäftigen und darstellen. Und wenn man ein Lifestyle-Auto hat, eine so vielfältige Marke wie Opel und ein Autohaus, das 102 Jahre alt ist, dann darf man sich auch mal etwas Schrilles erlauben. Das „Projekt AITB“ war geboren, wurde geplant, getestet und gebaut und ist das hier geworden:

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Ein legendäres „Matchbox-Auto“ im Maßstab 1:1, mit einer deutlich größeren Zielgruppe, nämlich allen zwischen 17 und 99 Jahren. Und im Gegensatz zu jedem Matchbox-Auto ist dieses hier echt und kann fahren, wenn man es auspackt.

Mission accomplished!

„Adam in the box“ steht auf dem Automarkt, ist eine echte Publikumsattraktion und emotionalisiert Jung und Alt. Die Jungen wissen sofort, um was es geht, während die Alten offenkundig einen Moment länger brauchen, um sich an das Vorbild der kleinen Nachbildungen zu erinnern und dann Eins und Eins miteinander zu verbinden. Dann aber sind wir genau da, wo der Opel Adam eigentlich ist: Ein lustiges, vielseitiges, flottes Auto. Und wir hatten alle unseren Spaß. 🙂

Voraussichtlich wird es noch ein paar Gelegenheiten während dem Sommer geben, sich „Adam in the box“ nochmal in Natura anzuschauen. Wir suchen derzeit noch nach passenden Veranstaltungen und werden dann auch noch rechtzeitig im Gerstelblog darüber berichten und ankündigen.

Das „bisschen“ Schleichwerbung im ZDF.

Man darf getrost sagen: Der morgige SPIEGEL offenbart mit ziemlicher Sicherheit einen deftigen Skandal im ZDF, wenn nicht gar den größten, den man da fabriziert hat in der 50jährigen Geschichte des Senders. Es geht dabei und niemanden geringeren als den jahrelangen Quotengarant Thomas Gottschalk, längst in den Annalen der Fernsehgeschichte eingebrannt.

Eine kleine Kurzfassung der höchst lesenswerten Titelgeschichte: Ein Unternehmen namens „Dolce Media“, das Thomas Gottschalks Bruder Christoph gehört, hat offenkundig jahrelang emsig dafür gesorgt, dass Großunternehmen ihre Produkte in einem höchst interessanten Werbeumfeld – nämlich der Wetten-dass-Sendung – platzieren konnten, nebst passender und sekundengenauer Moderation von Thomas Gottschalk. Entsprechende Verträge lägen dem SPIEGEL vor, aus dem dann auch munter zitiert wurde, teilweise mit erschreckenden Details. Unter anderem dem Hinweis, dass die Art der Produktplatzierung den staatsvertraglichen Regelungen des ZDF entsprechen würden, das ZDF aber nun behauptet, von alldem nichts gewusst zu haben. Und das obwohl das ZDF bis 2003 über seine Tochter ZDF Enterprises mit 15 % an der Dolce Media beteiligt war. Man nehme erstaunt zur Kenntnis, dass der SPIEGEL in seinem Artikel mit Begriffen wie „krumme Geschäfte“, „dubios“ etc. nicht spart.

Richtig brutal wird der Skandal dann nach dem Artikel mit dem nächsten. Denn dort wird die Frage aufgeworfen, wie der Audi A8 in die Sendung kam, über den im Dezember 2010 Samuel Koch in seiner spektakulären Wette mit Stelzen sprang und sich dabei schwer verletzte. Denn dieses Auto – man ahnt es – war anfangs nicht von Samuel Koch als Übersprungobjekt vorgesehen … genügend Raum für schwerwiegende Fragen. Und vor allem erscheint der Abgang Thomas Gottschalks nun in einem ganz anderen, sehr bösen Licht.

Wie gesagt: Lesenswerter, diskussionswürdiger Artikel. Dringende Kaufempfehlung, für die Sonntagabendlektüre auch schon jetzt als ePaper.

Und ich finde mich jetzt tatsächlich wieder als immer stärkerer Befürworter eines totalen Werbeverbotes in allen öffentlich-rechtlichen Radio- und Fernsehsendern. Kommerzielle Werbung und Sponsoring tun Unternehmen, die größtenteils von Gebührengeldern leben, einfach nicht gut.

Update: Inzwischen hat SPIEGEL Online auch einen Artikel online, der mal im Groben erklärt, um was es geht.

Zum Zweijährigen des Gerstelblog.

Lange habe ich nicht mehr über mein erstes Kundenprojekt in Sachen Corporate Blog geschrieben, dem Gerstelblog. Das ist das Weblog des Autohaus Gerstel in Pforzheim und obwohl mein letzter Blog-Artikel an dieser Stelle schon fast zwei Jahre alt ist (so wie das Gerstelblog eben selbst) – es ist viel darin und darum passiert.

Fangen wir von vorn an: Am 15. Mai wurde das Gerstelblog tatsächlich schon zwei Jahre alt. Bis dahin hatten wir rund 390 Artikel veröffentlicht, was eine durchschnittliche Artikelzahl von etwa 4 pro Woche ergibt. Das ist eine ganze Menge für ein Corporate Blog. Rein zahlentechnisch sind wir aktuell bei folgenden Parametern (die Zahlen stammen aus einer eher konservativen Piwik-Zählung für den April 2012):

  • 1938 Besuche von 1490 eindeutigen Besuchern (Zugriffe von mir und dem Autohaus explizit nicht mitgezählt)
  • 478 Besuche stammen von wiederkehrenden Besuchern
  • 15 % der wiederkehrenden Besuchern tun dies mindestens 10 mal im Monat
  • 3120 Pageviews
  • Durchschnittliche Verweildauer von Besuchern bei 1:16 min, 67 % Absprungrate
  • Besuche-Peaks aktuell zwischen 12 und 13 Uhr und zwischen 18 und 22 Uhr, also klassische Mittagspausen- und Feierabendlektüre)
  • 131 Besuche (47 %) von Facebook aus

Das mal als reines Zahlenmaterial. Die Analyse mache ich mal punktweise:

  • Die Besuchs-, Besucher- und Seitenabrufzahlen mögen sich relativ mager lesen, übertreffen jedoch die offizielle Website des kleinen Autohauses regelmäßig um den Faktor 10 bis 12, teilweise deutlich über 20. Kleine Autohäuser erreichen demzufolge mit einem Weblog sehr locker und bequem mindestens eine zehnfach höhere Reichweite, als mit einer eher statischen Website.
  • Rund 25 % aller Besuche erfolgen von wiederkehrenden Besuchern, von denen wiederum 15 % dies öfters als zehnmal im Monat tun. Diese Reconnects von Interessenten ist aus der klassischen Sicht des Kundenmanagements heraus traumhaft.
  • Die Verweildauer von 1:16 Minuten und die Absprungrate von 67 % klingen hoch und gefährlich, sind es aber nicht, da es ein Weblog ist. Die meisten Besucher schauen sich 1 bis 2 Seiten an und verlassen die Website danach auch wieder. Da dies aber vor allem wiederkehrende Besucher sind, die vor allem auf der Startseite nach dem Aktuellen schauen und dies voraussichtlich auch demnächst wieder tun, sind Verweildauer und Absprungrate absolut erträglich.
  • Schöne Ausnahmen bestätigen immer die Regel: Beim (anonymen) Tracking von einzelnen Viellesern gibt es immer wieder Menschen, die sich extrem ausführlich das gesamte Weblog antun und mitunter stundenlang von Seite zu Seite springen. Die Aufrufdauer von 1 bis 2 Minuten pro Artikel lassen hier sehr gut den Rückschluss darüber zu, dass es wirklich Menschen gibt, die den Inhalt konsumieren.
  • Die starken Besuchszeiten zeigen in die Richtung, wo ein Corporate Weblog hingehen muss: Hauptsächliches Lesen in der Mittagspause und nach Feierabend und damit ein starker Besucherfokus von der Geschäftswelt.
  • Die starken Zugriffe von Facebook kommen hauptsächlich von der Facebook-Seite des Autohaus Gerstel und zeigen den Trend: Von damals etwa 100 Facebook-Fans waren 131 Besuche (und damit Absprünge von Facebook zugunsten des Weblogs) enorm. Die Facebook-Seite führt damit kein verwaistes Leben, wie so häufig bei vielen Unternehmen, sondern ist direkt und vor allem bidirektional ins Weblog eingebunden. (Die Facebook-Tendenzen werde ich in der nächsten Zeit nochmal näher analysieren, da durch bezahlte Facebook-Werbung die Fanzahlen und -interaktionen inzwischen fast verdoppelt wurden.)

Kommunikativ gelten für das Weblog des Autohauses nach wie vor die Erfahrungen, die ich schon nach den ersten Wochen zusammengefasst hatte. Ergänzen kann man das mit vor allem subjektiven Eindrücken:

  • Die Authentizität geht von Anfang an und überspringt jegliche Hürden. Das erkläre ich mal näher: Einer Werbeanzeige wird in der Regel zwar eine gewisse Authentizität zugestanden, allerdings nur bis zu einem gewissen Maße. Authentischer ist da schon Werbung, die persönlich adressiert ist, beispielsweise in einem Kundenmailing. Im Weblog, in dem erkennbar ist, wer dort schreibt – namentlich erwähnter Mitarbeiter oder einer der Chefs – trägt die dort veröffentlichte Meinung eine ganz andere Tonalität.
  • Das Weblog ist für viele Kunden ein fester Anlaufpunkt und wird auch im Autohaus angesprochen.  Das merken wir immer dann, wenn die Artikel-Schlagzahl mal nicht ganz so hoch ist und sofort Nachfragen kommen, ob etwas passiert sei.
  • Der Leser nimmt einem selten etwas übel, selbst wenn Informationen definitiv fehlerhaft sind und nachbearbeitet werden müssen. Es gilt immer noch die Erfahrung, dass wo authentische Informationen landen, auch das Feedback weitgehend sachlich und konstruktiv bleibt. Das Problem also, dass man Kundenkommentare nicht steuern könnte, ist eine Sorge, die im Zweifelsfall eine Unternehmenskommunikation eher bremst, als fördert.
  • Themen sucht man nur am Anfang und findet nach der Anfangsphase genügend. Dafür sorgen allein schon Mitarbeiter, die ein erstaunlich gutes Gespür dafür entwickeln, über was man vielleicht bloggen kann. Eine griffbereite Digitalkamera, schnell gemachte Notizen und schon ist ein Thema gesammelt, über das sich später bloggen lässt. Das gesamte Autohaus übernimmt also fast schon Recherche- bzw. Redaktionsarbeit.

Die Daltons von Vodafone.

Werbung von Telekommunikationsanbietern gehört für gewöhnlich in die Kategorie Gehirnwäsche, ähnlich wie Waschmittel. Wo will man auch tatsächlich ein Profil schaffen, wo man doch gerade darauf Wert legen muss, dass man genau die technischen Normen verwendet, wie die Konkurrenz, damit das Telefonieren auch tatsächlich funktioniert? Also muss man Geschichten erzählen. Früher gab man sich verbal noch Mühen, die Telekom probiert sich gern an Web-Trends und der Rest macht es dann einfach hanebüchen. Laute Musik, seltsame Bildergeschichten. Und Vodafone jetzt mit Maskottchen (Achtung, das Filmchen ist extrem laut):

http://www.youtube.com/watch?v=nGiSAA04t60

Die vier in den billig wirkenden, roten Jogginganzügen, das sollen vermutlich die vier Daltons von Vodafone darstellen. Und auch wenn man über die Daltons bei Lucky Luke sogar lachen kann – die Wikipedia schreibt im Artikel zu Lucky Luke ernüchterndes zu den vier Herren Dalton:

„Die an Orgelpfeifen erinnernden Brüder Joe, William, Jack und Averell Dalton stellen Lukes größte Gegenspieler dar. Sie rauben meist Banken und Postkutschen aus und terrorisieren die Bürger.“

Übereinstimmungen der echten Daltons mit den Vodafone-Verschnitten sind vermutlich rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Werbeform „Twitter-Stream“.

Wenn ich nicht ganz genau hingeschaut hätte, wäre es mir gar nicht aufgefallen. Hier wirbt tatsächlich jemand für seinen Twitter-Stream via Google AdWords. Das Ding ist hierbei ein Flash-Applet, das via Google AdWords verteilt wird und das bei der Anzeige dann den aktuellen Inhalt des Twitter-Streams nachlädt und die letzten Tweets dann rotieren lässt (hier nur der Screenshot):

Gar nicht so dumm. Es hängt natürlich sehr von der Zielgruppe ab, ob verstanden wird, dass man hier einen Twitter-Stream abonnieren kann. Aber das ist bei Google AdWords nun wirklich kein Problem, denn die entsprechende Zielgruppe lässt sich per Keyword ja genau definieren. Und so stieß ich auf diese Anzeige dann auch bei TwitPic.

C&A-Werbung und -Musik der Neunziger.

C&A ist in Sachen Bekleidung nicht wirklich der Hort des Hippens – ist nicht, war noch nie und wird es vermutlich auch in Zukunft nicht. Mit dieser Feststellung kann die niederländische Familie Brenninkmeyer vermutlich dennoch bestens leben, da sie dank ihres Imperiums zu den reichsten niederländischen Familien gehören.

Dementsprechend dröge war C&A-Werbung auch – bis die Neunziger kamen. Denn da legte C&A plötzlich eine Reihe von Werbespots an den Tag, die sich in Sachen Dramaturgie, Produktion und Musik von alldem abhoben, was zu dieser Zeit an Werbung für vornehmlich junge Menschen im Äther spielte. Unvergessene Machwerke, die in unterschiedlichen Längen existierten und deren Langversionen teilweise sogar im normalen Fernsehprogramm (sofern man Privatfernsehen und Musiksender als „normales“ Fernsehen einordnen mag) liefen. Unvergessen beispielsweise Indian Spirit:

Alice in Fashionland war ein weiteres, episches Machwerk, das in der Kurzfassung von 60 Sekunden problemlos eine ganze Geschichte mit phantastischen Bildern erzählen konnte. Großes Kino!

Der Sport kam dann auch nicht zu knapp, in dem ein sehr hektisch geschnittenes Machwerk mit einem Song namens Anytime and Anywhere von Stephan Massimo unterlegt wurde. Allein die Lycra-Mode ist schon extreeem Neunziger, wobei ich hier „nur“ das offizielle Video des Songs gefunden habe, das ist jedoch nicht minder hektisch geschnitten und die Bilder stammen auch aus dem Dreh des C&A-Videos:

An einen weiteren, sehr geschmackvollen Werbespot kann ich mich noch erinnern, der musiktechnisch mit Dream A Little Dream of Me von The Mamas & The Papas untermalt war. Den finde ich aber leider nicht im Web.

Schrill war die Kampagne und die Spots allemal, denn wenn ich an die C&A-Filiale in Pforzheim denke, dann war die auch schon damals nicht ansatzweise so hipp, wie die Werbespots suggerierten. Zumindest an den Werbespots lag es nicht.

Ein Monat Gerstelblog.

Das Gerstelblog, das Weblog des Autohauses Heinrich Gerstel, das ich mit aus der Taufe gehoben habe und in erster Linie ein Corporate-Blog ist, auf den zweiten Blick jedoch ein Versuchsplatz, überzeugt mich immer mehr und bringt einige interessante Erkenntnisse, die ich hier mal darstellen möchte:

  1. Content hat Reichweite
    Man kann sagen, was man will: Content findet immer seine Reichweite. Davon bin ich zwar schon sehr lange fest überzeugt, das Gerstelblog beweist es jedoch. Nach vier Wochen pendeln sich die täglichen Besucher auf 40 bis 70 ein und das ist für ein Weblog, das eben erst angefangen hat und derzeit kaum etwas mehr als vier Hände voll Artikel hat, enorm.
  2. Ein Weblog ist ein wunderbarer Spielplatz
    Werbung und Homepage ist eine Sache, die man als Unternehmer in der Regel selten selbst macht, sondern von Agenturen (oder von Amateuren) erledigen lässt. Das bringt das Problem mit, dass man sehr schnell in die Situation kommen kann, dass man zwar ein tolles Unternehmen hat, aber keiner draußen davon etwas ahnt, wenn die Außendarstellung einfach nicht funktioniert und nicht das abbildet, was eigentlich tatsächlich Usus ist. Ein Weblog sprengt diese Grenze auf phantastische Weise und bietet den Weg, “Tacheles zu reden” und auch sofort hochauthentisch Feedback zu bekommen.
  3. Crossmedial – von Anfang an
    Wer hätte vor zwanzig Jahren gedacht, dass es irgendwann mal möglich sein wird, Videos drehen zu können, die man dann ins Internet stellen und damit schlagartig einen Haufen Menschen erreichen kann – ohne dass es gigantische Geldsummen kostet. Heute ist das alles kinderleicht und mit wenig Aufwand und Mühen noch nicht mal peinlich. Günstige Videokameras, leistungsstarke Computer und nicht zuletzt YouTube machen es möglich, crossmediale Inhalte in kürzester Zeit zu erzeugen und einzusetzen. Muss alles nicht sofort hollywood-tauglich sein, authentisch kann man das alles aber schon mit wenig Arbeit machen.
  4. Weblogs lesen schon lange nicht mehr nur Blogger
    Vergessen wir bloß schnell wieder, dass Weblogs vor allem nur von Bloggern gelesen werden – genau das Gegenteil ist der Fall, wenn das betreffende Weblog nicht gerade hochexotische Inhalte beinhaltet. Bei Timo Gerstel türmen sich geradezu Rückmeldungen von “normalen” Kunden, die tatsächlich zu regelmäßigen Weblog-Lesern geworden sind und das sind tatsächlich durchaus auch Menschen im rentenfähigen Alter, die weit davon entfernt sind, als “Nerds” oder “Geeks” bezeichnet werden zu können.
  5. Ein unerwarteter Mehrwert eines Corporate-Weblogs
    Ein Problem für Neu-Blogger ist es am Anfang immer, ein Händchen dafür zu entwickeln, über was man überhaupt schreiben soll. So Antworten wie “über das Leben im Autohaus” sind schnell gesagt, aber die Neu-Blogger müssen erst einmal ein Gespür dafür entwickeln, was eigentlich das “verbloggbare” Leben im Autohaus ist. Zumindest sorgt das, so die Aussage von Timo Gerstel, bei ihm dafür, einen anderen Blick in sein Autohaus zu bekommen und das ist schon deshalb bemerkenswert, da man als Familienangehöriger, der von Kindesbeinen an im Autohaus weilt, so schnell nichts anderes davon sieht.
  6. Ein Weblog steigert das Empfinden gegenüber der Öffentlichkeitsarbeit
    Auch ein netter und wichtiger Nebeneffekt: Man lernt, zu unterscheiden, was in den Medien wirklich publizistische Arbeit ist und was reine, teure Effekthascherei. Es ist interessant zu sehen, wie schnell Weblog-Betreiber die Medienwelt anders und kritischer sehen, wenn sie selbst Inhalte bereitstellen und das nicht automatisch “nur” Werbung ist. Das ist ein hochinteressanter Punkt, den ich derzeit noch erforsche, aber es untermauert meine These schon jetzt vortrefflich, dass es die alteingesessenen Regionalmedien wie Regionalzeitungen mit so einer affinen Kundschaft zukünftig deutlich schwerer haben werden, einfache Anzeigen oder Werbepakete zu verkaufen – zu recht. Ich sehe das als Emanzipation der Quellen, die die bisherigen Meinungsmacher nach Gutdünken verarbeiten konnten. Die Zeiten neigen sich dem Ende zu.

„Haselnüsse – Türkisch. Knackig. Ideal.“

Alle paar Monate steigt in meiner Statistik der Suchbegriffe, mit denen dieses bescheidene Weblog angesteuert wird, die Begrifflichkeit „Levantiner Haselnüsse“. Das offenbar deshalb, weil just zu diesen Momenten wieder ein Nahrungsmittelhersteller eine Kampagne für ein Produkt bewirbt, das Haselnüsse beinhaltet, für gewöhnlich ist das Ferrero mit „Ferrero Rocher“ und Bahlsen mit „Ohne Gleichen“. Das, was nämlich hübsch mit „Levantiner Haselnüsse“ bezeichnet wird, sind nichts anderes wie Haselnüsse, die von der Schwarzmeerküste der Türkei stammen, dem weltweiten Hauptanbaugebiet für Haselnüsse. Und dass die ursprüngliche Levante gut und gerne 500 Kilometer südlich ihre nördlichste Flanke hatte, findet sich in meinem früheren Artikel zu den „Levantiner Haselnüssen“.

Man kann es aber auch einfach so sagen, wie es ist: „Haselnüsse – Türkisch. Knackig. Ideal.“ Und das ist nicht meine Erfindung, obwohl jeder Begriff hübsch mit einem Punkt beendet wird, sondern die des Schokoladenherstellers Ritter Sport, der das so auf einer erläuternden Seite zu den verwendeten Haselnüssen sagt. Zufällig gefunden durch einen Artikel im RabenZeit-Blog zum gleichen Thema der „Levantiner Haselnüsse“. Zwar sind die Haselnüsse auch bei Ritter Sport noch „levantiner“, aber immerhin sagen die Schokofreunde hier klipp und klar, woher die gute Haselnuss kommt beziehungsweise nur kommen kann: Nämlich aus der Türkei und nicht aus dem, was man früher einmal als Levante bezeichnete.

Vor der Website von Ritter Sport muss ich übrigens dringend warnen – man findet sich danach in einem undefinierbaren Zustand und wildert wahllos nach Schokolade. Es wird wieder einmal Zeit, nach Waldenbuch zu pilgern und den Schokoladenladen von Ritter Sport zu überfallen.